Social Networks sind DAS neue Massenmedium

Es ist schon fast ein Naturgesetz: Sobald über das Web 2.0 und Social Networks diskutiert wird, kommt unweigerlich der bisher eher mäßige wirtschaftliche Erfolg der bekannten Vertreter des sozialen Netzes zur Sprache. Auf der einen Seite ist dies verständlich und wahrscheinlich auch ganz nützlich, um die beteiligten Akteure vor falscher Euphorie und die Branche vor einer Überhitzung mit bösem Ende zu schützen. Andererseits wird dadurch aber das langfristige Potenzial ignoriert, das in sozialen Netzwerken steckt, und das sich nicht heute, nicht morgen aber irgendwann entfaltet.

Wenn Verleger Stefan von Holtzbrinck die Frage stellt, wo die Werbewirtschaft heute 24-Jährige außer bei Social Networks noch medial erreichen kann, dann ist dies nicht nur Marketing in eigener studiVZ-Sache, sondern gleichzeitig eine Tatsache. Social Networks und Communities entwickeln sich zu DEM neuen Massenmedium für jüngere Generationen. Neun Millionen Mitglieder bei studiVZ und schülerVZ, über 70 Millionen bei Facebook und mehr als doppelt so viele bei MySpace, davon ein großer Teil in der “werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen” (zugegeben: ein Relikt aus der Mediengesellschaft des vorigen Jahrtausends) – Zahlen, vor denen man sich nicht verstecken kann. Und das ist nur der Anfang dieser medialen Revolution.

Legt man diese Perspektive zugrunde, sieht die Beurteilung der ökonomischen Seite des Social Webs etwas anders aus: Wenn studiVZ auch 2008 noch keine schwarzen Zahlen schreiben wird, dann bedeutet dies nicht, dass der Betrieb eines sozialen Netzwerkes aus wirtschaftlicher Sicht nicht attraktiv ist. Es zeigt lediglich, dass man noch keinen idealen Weg zur Monetarisierung gefunden hat. Und wenn Facebook bei 150 Millionen Dollar Umsatz in 2007 mit 15 Milliarden Dollar bewertet wird, dann wirkt dies zwar unglaublich, aber als einer der erfolgreichsten, global aktiven Vertreter des neuen Massenmediums hat das Unternehmen tatsächlich eine optimale Ausgangsposition. Kein Fernsehsender, kein Radiokanal und keine Tageszeitung kennt Zuschauer/Hörer/Leser so gut wie ein Social Network seine User.

Im Bezug auf Facebook brachte Marcel Weiss dessen mögliche Rolle bei netzwertig.com sehr gut auf den Punkt: “Was, wenn Facebook doch das nächste Google ist? Was Google für die Suche war, kann Facebook für Personen sein.” Noch ist die Frage, ob Facebook das nächste Google wird, völlig offen. Es gibt diverse Indizien, die dagegensprechen, aber auch einige, die eine solche These untermauern. Daher ist es wichtig, bei der Beurteilung des Erfolgs nutzerstarker, aber wirtschaftlich bisher erfolgloser Web-2.0-Anbieter das große Ganze zu sehen: eine rasante und teilweise unkontrollierte Veränderung der Medienwelt, in der nicht die Entwicklung als solche in Frage gestellt werden darf – sie ist sowieso unaufhaltsam – sondern in der Strategien zur nachhaltigen Wertschöpfung gefunden werden müssen. Und das wird geschehen. Die Frage ist wer und wann.

Foto via Flickr/rileyroxx

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Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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8 Kommentare

  1. LordDolus
    schrieb am 8. Mai 2008 um 09:38 Uhr (#)

    Ich könnte mir vorstellen das Google es nicht zu lassen wird das es ein SN schaft genauso oder mächtiger zu werden. Ich denke ja, dass wenn facebook zu groß wird, wird google sich entweder einkaufen oder aber es ganz schlucken. 15 Milliarden was ist das für Google die Untersekabel legen und ein mal in der Woche ein Unternehmen schlucken. Also da wird einfach mal ein Monat gespart und schon kauft sich google ein und eins zwei Monate darauf schlucken Sie den ganzen Laden. Ich weis nicht ob einer von eich Google ePIC kennt aber denkt euch das mal nicht mit amazon sondern mit facebook. http://media.aperto.de/google_epic2015_de.html

  2. Daniel Thomaser
    schrieb am 8. Mai 2008 um 10:01 Uhr (#)

    “Also da wird einfach mal ein Monat gespart”

    …ich seh schon folgende Rundmail an alle Google-Mitarbeiter:
    “Hey boys and girls,
    da wir Facebook übernehmen wollen, müssen wir diesen Monat etwas sparen. Bitte trinkt nicht so viel Kaffee, schaltet die großen Bildschirme aus und macht das Licht erst nach 20 Uhr an.

    Euer Larry”

    ;-)

  3. Martin Weigert
    schrieb am 8. Mai 2008 um 10:03 Uhr (#)

    Hehe und eine Woche lang müssen die Mitarbeiter ausnahmsweise ihr Essen selbst bezahlen.

    Im Ernst: Microsoft ist bereits an Facebook beteiligt (und hat nun angeblich neue Ambitionen, sein Engagement dort zu vergrößern). Ein Investment oder gar ein Kauf durch Google ist damit im Prinzip dauerhaft auszuschließen.

    1. Daniel Thomaser
      schrieb am 8. Mai 2008 um 10:10 Uhr (#)

      Wenn man sich manche Google-Büros so anschaut, hat man allerdings wirklich das Gefühl, dass da das Geld für die ein oder andere kleine Übernahme verbraten wurde…

  4. zuckermann
    schrieb am 8. Mai 2008 um 11:42 Uhr (#)

    Vorläufig ist es grob wohl immer noch so, dass die nutzung eines neuen mediums die nutzung anderer nicht unbedingt einschränkt, wenn ich folgende zahlen richig interpretiere:
    “Nach einer Umfrage der European Interactive Advertising Association (EIAA) in Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und Spanien steigt die Internetnutzung der jungen Menschen zwischen 16 und 24 Jahren in Europa kontinuierlich weiter an. Sie verbringen mit fast 15 Wochenstunden durchschnittlich bereits 10 Prozent mehr Zeit online als vor dem Fernseher.
    Allerdings bleibt der Konsum von Fernsehen, Radio, Zeitungen und Magazinen allgemein in etwa konstant…”

    insofern darf man die frage von herrn von und zu holtzbrinck ruhig als entweder provokant zugespitzte oder ahnungslose (erstaunlich, aber denkbar bei einem deutschen verleger) rechtfertigungsstrategie ansehen. kann schon sein, dass die längerfristige vision verfolgen, man hört allerdings auch immer wieder gerüchte über kalte füße.

    das ändert nichts an daran, dass dein artikel eine möglicherweise nicht unrealistische einschätzung der medienzukunft ist.

  5. Amos Struck
    schrieb am 8. Mai 2008 um 23:05 Uhr (#)

    Die meisten Social Networks haben einfach keinen offensichtlichen Nutzen für den Benutzer und dessen Geschäfte.
    Man kann aber einen deutlichen Mehrwert schaffen indem man funktionierende Geschäfte aus der “Old Economy” mit der “New Economy” oder eben mit einem Social Network verbindet und somit einen teil der bereits vorhandenen Realität in das Internet verlagert.
    Unsere Social Networking Plattform macht das indem wir den EDV Handel unter Händlern und die Produkte mit einem Social Network und Produkten verbindet und somit ein Abbild einer Kunden Face-to-Face Verbindung schafft. Dabei zeigen wir nur Produkte die man so woanders gar nicht mehr oder nicht zu diesen Preisen kaufen kann. Der Mehrwert ist sofort damit gegeben das ein EDV Händler ein Produkt irgendwo in Europa findet welches er gerade nirgendwo anders mehr bekommt und auch gleich sieht von welcher Person (Profil) und welcher Firma (Firmenprofil) er kauft. Probiert es einfach einmal aus, eure Meinung würde mich interessieren.

  6. zuckermann
    schrieb am 9. Mai 2008 um 10:59 Uhr (#)

    @amos, solche beschreibungen sind an sich schon das problem;-) nee, ernsthaft, für eure zielgruppe (B2B?) ja bestimmt einsichtig, aber mir kommt der sinn vons janze ebensowenig rüber, wie der sinn vieler anderer social platforms (und damit auch ihr geschäftlicher sinn) – man muss sie wohl einfach benutzen…

  7. Dieter Petereit
    schrieb am 13. Mai 2008 um 17:49 Uhr (#)

    Darf ich kurz eine Anekdote zum Thema “SchülerVZ” hier abladen, da sie mich just sehr irritiert? Danke:

    http://dpetereit.de/2008/…rvz-i-am-not-amused/

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