Zeitungen in den USA:
2400 Stellen weniger

Ole Reißmann, 19. April 2008 13:10 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Keine guten Nachrichten aus den USA: Im vergangenen Jahr gab es 4,4 Prozent weniger Jobs für Journalisten. Selbst im Krisenjahr 2001 fielen nach einer Studie nicht so viele feste Stellen in Zeitungsredaktionen weg.

Redesign des Virginia Pilot im Juni 2007 (Bild Newsdesigner)
Buntes Business: Redesign des Virginia Pilot (Bild Newsdesigner.com)

Die American Society of Newspaper Editors hat 1411 Tageszeitungen in den USA nach der Stellensituation befragt – 924 antworteten, für den Rest wurden Schätzung anhand der Auflagenzahlen berechnet. Demnach gab es im vergangenen Jahr in den Zeitungsredaktionen 2400 weniger feste Stellen. Dabei bemühen sich in den USA viele Redaktionen um eine moderne, zeitgemäße Leseransprache. Die Tageszeitungen werden “magaziniger”, große Fotos unterstützen die Geschichten, der Wirtschaftsteil lockt mit bunten Grafiken und Illustrationen. Noch dazu sind die Zeitungen viel kleiner als die großen, deutschen Papiersegel im nordischen Format. Newsdesigner.com sammelt mal mehr, mal weniger regelmäßig diese Beispiele. In Amerika wird also alles schon längst so gemacht, womit hier erst Frankfurter Rundschau und Welt Kompakt (junge) Leser locken.

Allein zu helfen scheint es nicht. Weniger Anzeigen, weniger Leser, weniger Stellen in den USA. Rick Edmonds schreibt auf Poynter Online:

After years of mildly reassuring numbers tracking the size of newspaper newsroom staffs, the latest American Society of Newspapers Editors’ annual census leads with a bombshell. Fulltime professional news staffs fell by 2,400 last year, a drop of 4.4% to a total of 52,600. It was an even larger decrease than the 2,000 drop-off in the recession year of 2001.

Online Medien ohne Rückkopplung an ein traditionelles Printprodukt wurden von der Studie nicht erfasst. Die professionellen Blog-Netzwerke wie Nick Dentons Gawker Media können diesen Stellenabbau zahlenmäßig aber wohl kaum auffangen – und auch wenn sich die Technik- und Celebritity-Blogger an journalistische Standards halten, sind sie kaum ein Ersatz für investigative (Lokal-) Journalisten.

In Deutschland soll unterdessen das Lesen von gedruckten Tageszeitungen mit staatlicher Anstrengung zur Bürgerpflicht werden.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Weiterempfehlen

Mehr lesen

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

7.5.2009, 30 KommentareG wie Google:
"Wenn wir nur noch die Hälfte der Journalisten hätten, wären es immer noch zu viele"

Das Magazin der Süddeutschen Zeitung widmet sich am 8. Mai 2009 der Zukunft der Medien. In Kooperation mit dem SZ-Magazin stellen wir hier ein Interview mit Jeff Jarvis zur Diskussion.

5.5.2009, 14 KommentareJournalismus 2.0:
Die Diskussion mitgestalten

Die Digitalisierung verändert mehr als das Medium. Was Journalisten tun können.

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

1.5.2009, 19 KommentareUnd noch'n Gedicht:
Als Dank an meine Leser

30.4.2009, 8 Kommentaremedienlese.com:
Eine vorläufige Bilanz

Nach fast drei Jahren eingestellt, die Rubrik “6 vor 9” mit 2000 Euro Spenden in drei Tagen gerettet. Was soll dieses Blog? Wie hat sich die Medienlandschaft verändert in der Zeit?

Fusion in der Schweiz: Tamedia übernimmt Edipresse

3.3.2009, 3 KommentareFusion in der Schweiz:
Tamedia übernimmt Edipresse

Die Verlage Edipresse und Tamedia führen ihre Schweizer Geschäfte zusammen, bis zum Jahr 2013 soll die Fusion komplett sein. Internationale Aktivitäten der Edipresse sind ausgeschlossen.

Nicht verpassen: Lokale Anzeigen als Chance

18.2.2009, 1 KommentareNicht verpassen:
Lokale Anzeigen als Chance

Kleine, regionale Unternehmen brauchen mehr als nur Anzeigen in Zeitungen und im Internet – Jeff Jarvis sieht hier Chancen für neue, zielgerichtete Angebote.

12.2.2009, 13 KommentareZukunft der Medien in 50 Zitaten:
Journalismus ohne Zeitung

Was in den vergangenen Monaten alles gesagt wurde ...

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.