Die Zukunft der Musik:
Music 2.0

Ich habe schon oft Musikdienste vorgestellt, die Elemente des Web 2.0 mit der Distribution von Musik verbinden. Gerd Leonhard, “Media Futurist“, Autor und Unternehmer aus Basel, nennt diese Verschmelzung des sozialen Netzes mit der Musikindustrie “Music 2.0″ (wie sonst!). In seinem gleichnamigen Buch geht er auf 228 Seiten ausführlich auf die Thematik ein. Das Werk ist ganz im Radiohead-Stil als käufliche Printversion oder als kostenloser PDF-Download erhältlich. Über ReadWriteWeb bin ich auf ein Video gestoßen, in dem Leonhard die Funktionsweise und das Modell von Music 2.0 in rund 16 Minuten erklärt und zusammenfasst. Einige seiner Kernthesen:

- DRM ist tot
- Die Musik befindet sich im Netzwerk und lässt sich von dort auch nicht entfernen
- Musik ist immer und überall verfügbar (Ubiquität)
- Der digitale Vertrieb von Musik zieht keinerlei Kosten für die Distribution nach sich
- Das Modell, für digitale Kopien zu zahlen, jedes Mal wenn eine neue Kopie entsteht, ist nicht zeitgemäß
- Das Konzept von massenkompatiblen Hits verliert an Bedeutung, Musik findet verstärkt in Nischen statt
- Die Konsumenten haben die Macht über das neue System übernommen
- Für den Hörer entsteht der Eindruck, Musik sei kostenlos. Tatsächlich zahlt er für das Hören von Songs mit Aufmerksamkeit.
- Interpreten verdienen ihr Geld zukünftig mit Konzerten, Webcasts, Sponsoring, Lizensierung der Stücke für Filme und Spiele, Product Placement und Werbung.
- Hörer bezahlen für Gegenstände/Services, die sich nicht ohne Kostenaufwand reproduzieren lassen
- Durch die Mittel des Web 2.0 sinken Marketingskosten für die Künstler, da das Marketing zunehmend von den Hörern/Konsumenten übernommen wird

Das Video könnt ihr euch hier anschauen:

Kommt es so, wie Gerd Leonhard prophezeit – und momentan spricht einiges dafür – dann mögen Musiker durch die erwähnten Monetarisierungsformen weiterhin von ihrem künstlerischen Schaffen leben können. Je stärker Musik jedoch zum Werbeträger wird, desto fraglicher ist, wie sich dies auf die Qualität und Glaubwürdigkeit der Produktionen auswirkt. Wie seht ihr die Zukunft der Musik (2.0)?

Foto: Raimond Spekking via Wikimedia Commons

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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12 Kommentare

  1. Mutige Prophezeiung, nach dem aktuellem Bundestag-Beschlusses zu dem Thema. Die Musik-Industrie wird sich so schnell nicht geschlagen geben.
    Ich denke ja aber nach wie vor, dass Leute dazu bereit sind auch für digitale Musik zu bezahlen. Ich wäre es auf jeden Fall.
    Aber natürlich nur ohne DRM.
    Gibts da in Deutschland eigentlich inzwischen eine Möglichkeit, DRM-freie Musik zu kaufen. Ausser die par lausigen iTunes-Plus-Angebote bei iTunes?
    Irgendwann hab ichs aufgegeben, und mir das Zeug wieder von CDs von Freunden gezogen, da ich eigentlich nur Vinyl kaufe, das Zeuch aber auch gern auf meinem iPod hätte.
    Aber ein Warnhinweis ala: Sie dürfen dieses Lied jetzt noch auf 4 weiteren Computern abspielen, und es noch 7mal brennen – da hörts bei mir einfach auf.

    • das, was es legal ohne DRM in Deutschland zu kaufen gibt, gibt es hier: http://www.nowdio.de
      ich zahle auch weiter gerne Geld für Musik auf Tonträgern und in digitaler Form, wenn – s. Hans Kommentar…

  2. Erinnert mich an die Zeit als vor zehn Jahren der Tod des “normalen Fernsehens” ausgerufen wurde. Angeblich sollten die Sendungen jede Stunde aufs neue beginnen und wir klinken uns rein, wenn wir wollten. Nichts davon hat sich durchgesetzt. Der meistgeschaute TV-Sendung heißt “Das Erste”, danach RTL, ZDF, ProSiebenSat1. Alles beim Alten. Jetzt bieten die gleichen Sender ihre Inhalte on demand an. Die Marken bleiben die gleichen und ohne breite Masse geht es nicht. Mainstream bleibt auch im TV das Erfolgsprodukt.
    Ähnliches beim Radio. DVB sollte mal das UKW Radio ablösen. Aber niemand wollte es. Unzählige Radiosender sollten empfangen werden, Spartenprogramme erobern die Welt, Formatradio wäre tot. Die erfolgreichsten Radiosender heißen SWR3, Antenne Bayern, WDR4 und NDR1Radio Niedersachsen. Alles beim Alten, der Mainstream siegt.

    Zu den Argumenten:
    1. DRM ist nicht tot. Im Gegenteil – kommt die Musikflatrate, und das wird sie, hat jeder Song den härtesten DRM aller Zeiten. Nur hören. Kein brennen, kein kopieren, kein weiterversenden an Freunde.

    2. und 3. sind keine Prophezeiung. Das ist schon länger so.

    4. Dann fragt mal Apple, T-Online und Jamba, was es das für Kosten sind die Serverparks etc. zu unterhalten. Schön und gut, wenn irgendwann die Songs per P2P hin- und hergeschoben wird. Dann greifen nicht alle gleichzeitig auf den selben Server zu. Aber die Masse an Traffic wird auch exponential zunehmen. Und irgendwer wird den bezahlen müssen.

    5. Das wird weiter so bleiben. Für immer. Wer Musik besitzen will, sie brennen will, ein Mixtape zusammenstellen will, oder sonst irgendwie diese Musik von seinem Abo lösen will, muss sie kaufen. So oder so. Das wird sehr viel weniger werden. Aber da es nie den wunderbar verträumten Fall, dass alle Songs bei allen Abo-Anbietern verfügbar sein werden, müssen wir weiter suchen und notfalls Einzeltitel abkaufen. Denn keiner will 12 Musikabos haben.

    6. Das kann auch nur jmd schreiben, der keine Ahnung vom Markt hat. Bestes Beispiel: YouTube. Wer dachte, dass vor allem Nischenprodukte erfolgreich werden irrt. Die meistgeklickten Clips sind Ausschnitte aus bekannten TV-Sendungen, Musikclips und funny Clips. Nur der Mainstream erhält die Musikindustrie am Leben. Denn nur der Mainstream kann sich ordentliche Produzenten und große Werbekampagnen leisten.

    7. Welche Macht? Bitte welche Macht ist damit gemeint? Die Macht Künstler klein und groß zu machen? Das hat schon immer der Kunde in der Hand. Er entscheidet, ob er eine CD kauft oder nicht. Es wurden schon Millionen in Acts gepumpt, die kein Schwanz gekauft hat. Und umgedreht genauso. Insofern keine Prophezeiung – großer Quatsch die These.

    8. So ein quatsch. Was denkt denn der Hörer jetzt wenn er Radio hört? Clips auf YouTube schaut oder ein Webradio anklickt? Dass er dafür zahlen muss? Musik ist schon immer kostenlos in massivem Maße zugänglich.

    9. Wieso zukünftig? Mit 2000 verkauften Alben ist man in den Top5 der Charts. Künstler verdienen seit fast 10 Jahren kein Geld mehr mit verkaufter Musik. Manche Künstler verdienen vor allem an der GEMA, manche durch ihre Person als Produkt. Das ist seit 40 Jahren so und wird so bleiben.

    10. lasse ich aus

    11. Auch quatsch. Da hat jmd das System nicht verstanden. DSDS läuft bei RTL. RTL gehört zu Bertelsmann. Bertelsmann hat Anteile an der Plattenfirma SonyBMG. Deshalb sind alle Künstler, die bei DSDS produziert werden bei SonyBMG unter Vertrag. Und das sind die, die das Marketing machen: TV-Sender, die BILD-Zeitung, große Radioketten, wie NRJ, RTL oder die Hitradio-Gruppen. Es gibt mal einen Hit, der bei MySpace entdeckt wird/wurde. Aber das bleibt die Ausnahme. Wer kein gutes Produkt abliefern kann (funktioniert nicht ohne gutes Geld einer Plattenfirma) und wer es nicht bekannt machen kann (funktioniert nicht ohne die Medien), hat keine Chance. Wie soll ich bei MySpace in Konkurrenz zu 200000 anderen Bands auf mich aufmerksam machen? Genau, in dem meine Plattenfirma ein dickes Werbebanner zahlt, das alle Profile überstrahlt.

    R

  3. @ Hans, sehe ich ähnlich. Bezahlen für digitale Musik ist in Ordnung, wenn ohen DRM. Deutsche Anbieter, die DRM-freie Musik verkaufen, da fällt mir auf Anhieb nur akuma.de ein. Aber zum Glück ist das Web ja global, es gibt viele andere gute Shops. junodownload.com und Beatport sind meine Favoriten.

    @ Robert, das nenne ich einen ausführlichen Kommentar. Ich möchte darauf hinweisen, dass ich diese Thesen von Leonhard beim Anschauen des Videos selbst extrahiert und übersetzt habe.

    Ein wenig wunder ich mich über die Agressivität, die deine Liste mit Widerlegungen ausstrahlt. Take it easy. In einigen Punkten stimme ich dir zu, in anderen nicht.

    Nur eine Sache möchte ich hervorheben: Gerade mit dem Web 2.0 wird es möglich, trotz 200.000 Bands auf MySpace durch Empfehlungen seiner Freunde genau die Nischeninterpreten zu entdecken, die dem persönlichen Musikgeschmack nahe kommen. Auch zweifle ich ein wenig an deiner Aussage, ein gutes (Musik)produkt lässt sich nur mit viel Geld der Plattenfirma erstellen und nur mit den Medien (und da meinst du vermutlich die klassischen Medien?!) bekannt machen. I don’t think so. Das war in den vergangenen 40 Jahren so. Heute gibt es genug Beispiele von Bands, die sich komplett online promotet haben und damit sehr erfolgreich wurden. Zum Teil nur in der Nische, ja. Aber da sind 1 Million Freunde bei MySpace, die man mit Updates versorgen kann, dann enorm viel und mehr, als eine Indiependent-Künstler ohne großes Marketingbudget jemals zuvor hätte erreichen können.

    • zu Robert / Martin:
      so aggressiv finde ich Roberts Aussagen nun wirklich nicht; Gerd zieht seit Jahren mit diesen, teils banalen, teils – auch m.E. – unsinnigen Aussagen durch die Lande, ist doch okay, wenn sich jemand eindeutig und ausführlich dagegen ausspricht. Da musste ich mir die Mühe nicht mehr machen – danke, Robert.

      zu Martin:
      Natürlich haben sich die Chancen verbessert als unbekannte Band Aufmerksamkeit zu erzielen, dafür ist die Konkurrenz nun aber auch global. Ein gutes Projekt, wie der http://www.indiestore.com von 7digital hat heute über 40.000 Download-Shops von unabhängigen Künstlern aus der ganzen Welt, davon haben es bis heute ca. 5 in die englischen Charts geschafft, welche die Indiestore-Verkäufe mit werten. Die traditionellen Formel bei der Musik-Industrie war immer 1 bis 2 Hits aus 10 Veröffentlichungen. Also eine Erfolgsquote von 10 bis 15%
      Bisher sind die Filterfunktionen der sog. Musikindustrie mit Blick auf den kommerziellen Erfolg eines Künstlers jedenfalls klar dem Web überlegen. Und das Web kommt als Filter-Hilfe natürlich auch für die Branche hinzu.
      Ich bin wahrlich nicht einverstanden mit vielem von dem, was die (“meine”) Musikbranche in den letzten 10 Jahren im Internet getan, bzw. nicht getan hat, aber ein paar Funktionen hatte sie immer ganz gut drauf, z.B. das Auswählen und vermarkten von kommerziell interessanten Künstlern.
      Und von ihrer Musik leben, möchten fast alle Künstler.

    • Hallo Martin,

      nur kurz – der Kommentar war bewusst so plakativ getextet :-)
      Wollte mal eine sehr grundsätzliche Desillu betreiben.

      Sollte in keiner Weise dich oder jmd anderen angreifen.

      Beste Grüße
      Robert

  4. was ich nicht verstehe ist wie musik zum werbeträger werden soll. bislang wurde doch nur die aufmerksamkeit die der künstler erzeugt verkauft. in form von werbung bei konzerten oder dem künstler in webesports etc. pp.

    wie soll das musikstück denm selber zum werbeträger werden? einer unterbrechung oder eine vor- oder nachgelagerte einblendung ist doch undenkbar… oder?

  5. Ich habe Leonhard bereits live erlebt und was er mal garantiert ist – ein guter Präsentator und Selbstvermarkter, Hut ab.

    So weit so gut, dann sollte man aber ein bisschen kritisch in die Materie einsteigen:

    - Musik ist digital, Film und TV aber auch: Bedeutet, dass luktrative Zweitverwertungen via Film/TV durch die Downloads dort in Zukunft auch relativ schwer werden könnten (Siehe auch wie richtig gesagt wurde, YouTube).
    - Die aktuelle Produktpolitik der Majors und Mobilfunker geht Richtung Hardcore DRM – Handy weg = Musik weg. Das ganze sind aber eh nur Abo-Modelle und wie bezahltes Radio im Endeffekt.
    - Viele Musiker sind nicht konzerttauglich, daher keine Alternative als Revenue-Stream.
    - Interessant finde ich vor allem seine Aussagen zum Thema Flat-Rate, die dann alle Ströme / Downloads / Listening Habits abrechnen sollte. Das würde ja in einer Art totalen Überwachung ausarbeiten wenn da alles getrackt wird.

  6. Ich stelle fest, dass Gerd Leonhard kein Unbekannter ist ;) Die Thematik ist tricky. Persönlich sehe ich mich auf der Seite der aktiven und musikliebenden Konsumenten, die sich relativ wenig um Mainstream scheren. Ich glaube einfach, dass gerade der Mainstream (oder auch “Kommerz”) es in Zukunft schwieriger haben wird, ähnliche Dimensionen zu erreichen wie bisher. Oder anders gesagt: Für Nischenmusiker und -labels war es schon immer schwierig und eine Herausforderung, von hrem künstlerischen Schaffen zu leben. Heutzutage sind sie ihrer hochloyalen Hörerschaft Dank des Webs näher als je zuvor.

    @ Ralf
    Meinst du nicht, dass diese Filterfunktionen dem Web nur deshalb überlegen sind, weil das Web noch immer in seiner Anfangsphase ist und die klassischen Massenmedien (noch) die größte Reichweite haben? Wenn TV und Print nach und nach an Bedeutung verlieren und das Netz gleichermaßen zulegt, frage ich mich, was die Aufgabe der Major Labels sein wird? Ist nicht die Versuchung für Bands dann zu groß, auf das Label ganz zu verzichten?

    • hier wird auch sehr interessant zu Thema der Zukunft der Musik(-Branche diskutiert: http://hypebot.typepad.co…will-music-beco.html

      so produzieren und so auf sich aufmerksam machen, dass man anschließend genug Umsätze erzielt, um das Investment zu rechtfertigen, davon leben zu können, reich und berühmt zu werden usw. wird m.E. auch in Zukunft eine professionelle, kommerzielle Struktur brauchen, sozusagen “die Majors” und großen Indies. Ob das dann noch die gleichen Firmen sind, wie heute, ist da eher zweitrangig. Klar, dank Web werden die Möglichkeiten einfacher zu nutzen und zahlreicher, auf sich aufmerksam zu machen, dafür muss man sich aber eben auch – wie gesagt – gegen die global online gegangene Konkurrenz durch setzen. Dieses Durchsetzen wird, wie bisher immer im Medien- / Kommunikationsgeschäft, von Profis besser, intensiver, natürlich auch mehr Ressourcen (Zeit, Geld) verschlingender gemacht werden, als von Amateuren / Amateur-Musiker. Und zu guter letzt sollte man nicht vergessen, dass die Künstler in der Regel ja ihre Musik / Kunst machen wollen und nicht ihre Zeit mit der Selbstvermarktung “verplempern”, auch dazu braucht es dann professionelle / kommerzielle Strukturen. Und als Musik-Fan will ich natürlich auch, dass meine Lieblingskünstler sich auf ihre Schaffen konzentrieren können.
      Wie gesagt, interessante Diskussion bei Hypebot und Co. über die Zukunft des Musikgeschäfts – Major oder Indie.

  7. Hallo, und danke fuer die engagierte Diskussion ueber meine Themen und Ideen.

    Hier sind einige Antworten zum bisherigen Feedback:

    Robert sagt: “Die Marken bleiben die gleichen und ohne breite Masse geht es nicht. Mainstream bleibt auch im TV das Erfolgsprodukt. Ähnliches beim Radio.”

    Ich sage: Stimmt einfach nicht, und ignoriert vollkommen die Erfahrungen seit der Internet-Pleite in 2001. Die coolen Marken der ‘digital natives’ (12-28) sind heute Amazon, Ebay, Googl / Youtube, Skype, Apple Myspace, Facebook, etc, und immer oefter geht es ohne ‘die’ breite Masse (siehe Last.fm z.B.), zumindest in der definition von “Masse” die wir bisher benutzt haben. Lowest common denominators sind vorbei – jetzt geht es um persoenliche Relevanz.

    Es dauert halt alles ein bisschen laenger. Eines ist klar: durch wireless broadband und digitale Vernetzung werden die Nischenmaerkte das groesste Wachstum verzeichnen, waehrend die Massenmaerkte in fast allen Bereichen schrumpfen (aber nicht verschwinden). Wer wird noch Radio Regenbogen hoeren wenn es 24.000 digitale Sender sowie last.fm pandora muxtape etc auf meinem wimax/4G Autoradio gibt? Wer wird noch die FAZ im Print lesen wenn meine custom-feeds jeden Morgen auf meinem digitalen Papier eintreffen?

    Robert sagt: DRM ist nicht tot. Im Gegenteil – kommt die Musikflatrate, und das wird sie, hat jeder Song den härtesten DRM aller Zeiten. Nur hören. Kein brennen, kein kopieren, kein weiterversenden an Freunde.

    Ich sage: DRM fuer Musik hat nicht funktioniert und wird auch nicht funktionieren, und alle Labels machen gerade diesen Switch. ‘Kontrolle’ in diesem System ist keine technische Frage sondern eine Businessmodell-Frage (siehe meine Posts unter http://www.endofcontrol.com). TDC in DK macht jetzt die Flatrate mit DRM (siehe auch SK Telecom in Korea), aber in DK wird und kann es nur eine Uebergangsloesung sein, denn es gibt keine volle Kompabilitaet mit allen Devices, und dies wird den Userpool von 100% auf 10% reduzieren. DRM fuer Musik ist tot; alle Labels verkaufen jetzt MP3s in den online stores, und dann kommt MP3 zu mobile services, und dann zur Flat Rate.

    Robert: dein Pessimismus ist erstaunlich – open up! Hat nicht die Vergangenheit schon gezeigt das es oft ein bisschen laenger dauert, dann aber der Change noch viel schneller und haerter kommt? 93% aller Konsumenten googlen Produkte bevor sie kaufen, 114% aller Finnen haben ein Handy, Nokia ist jetzt weltweit der groesste Produzent von Radios und digitalen Kameras, etc etc etc – und du denkst, alles bleibt dann noch beim Gleichen? Deine Kinder werden nicht mehr Massenkonsumenten von geschuetztem Content zu bestimmten Zeiten an bestimmten Plaetzen sein, das ist sicher.

    Hansjoerg:
    das groesste Problem bei der Flat Rate – und auch beim sogenannten Advertising2.0 Modell – ist in der Tat der Datenschutz und Privacy, denn nur mit persoenlich relevanten Daten laesst sich ein guter Match fuer opt-in Advertising realisieren. Mein tatsaechlicher Musik-Konsum muss also in gewisser Weise anonymisiert werden ohne das meine Daten, meine sog. Click-Trails und Attention-Gestures, ihr Potential verlieren – das ist die Herausforderung (an der uebrigens viele Startups bereits basteln). Fuer mich ist das ueberhaupt Problem #1 mit der Netzwerk-Economy. Solve privacy problems and you’ve solved a $750 Billion advertising problem.

    Christoph:
    Engagierte User, also solche die online mitwirken und wirklich aktiv sind, erzeugen Wert durch ihre Praesenz und das was sie dort machen, naemlich klicken, linken, forwarden, bewerten, taggen, bookmarken – also ‘social data’ generieren. Ein vollkommen legalisierter Musikdownloader (via Flatrate) wird den richtigen Werbern eine Menge Geld pro Kontakt wert sein, denn er wird durch sein Engagement ein genaues Profil fuer opt-in Werbung anbieten, d.h. er wird z.B. mitteilen das er auf NewAge Musik steht und dieses Jahr ein Yoga Retreat in Indien machen will, und dann koennen diese Daten anonymisiert werden und der User kann relevante Promotions aka Werbung von Anbietern bekommen (wie gesagt alles unter Opt-In Voraussetzung). Musik wird so zum Kontext (und zum Ausloeser) fuer andere Kommerzoptionen (was sie ja eigentlich immer schon war) die m.E. ein riesiges Potential fuer voellig neue Einnahmen darstellt. Search is Media, and Attention is the new Distribution (wie ich gerne sage).

    Uebrigens: ich denke das euch vielleicht noch einige von meinen Videos bei http://www.futuretalks.com gefallen wuerden (9 Episoden mit US Futurist Geln Hiemstra). Bis auf weiteres. Ciao.

  8. Hallo,

    eine spannende Diskussion, wie ich finde.

    So pesi bin ich gar nicht, ich glaube nur, dass man sich nicht der Traumwelt hingeben sollte, dass alles so unglaublich toll wird.

    Die coolen Internetmarken mögen Google/Facebook/eBay und Co sein. Aber vor allem Google ist ein Plattformbetreiber und wird nie Content liefern. Das gleiche gilt für Facebook.

    Facebook erlebt derzeit einen unbeschreiblichen Hype, der irgendwann wieder abebbt (wenn die Leute anfangen sich zu fragen, was sie da eigentlich sollen). Und wer mal schaut: Die meisten Freunde und Profilklicks haben die Bands und Künstler, die auch am meisten im Radio laufen und sonst gefeatert werden.

    Es war schon immer so, dass es eine breite Masse an Musikrichtungen und Nutzern gibt. Man hat sie nur ignoriert, weil sie keine öffentliche Plattform haben. Gothik, Schranz, Death-Metal. Da gab es schon immer Millionen an Fans und auch einige Bands, die damit Geld verdienen. Fakt ist, dass es durchs Netz nicht mehr Fans geben wird, denn das was Mainstream ist, hören nun mal die meisten Leute. Deshalb heißt es ja so.

    Und wer sich mal die demografische Entwicklung ansieht, sieht auch, dass nur ein kleines junges Publikum nachwächst. Und wir kennen es ja alle aus dem Bekanntenkreis: Ab Mitte 20 ist die musikalische Identitätsfindung beendet. Wir müssen uns um unsere Jobs, Versicherungen, Haus, Auto Familie kümmern. Musik ist dann nur noch ein Nebenbeiprodukt und das konsumieren wir hauptsächlich aus dem Radio.

    Zu den Fragen, wer noch Radio Regenbogen hören wird, sei gesagt: Die Leute hören nicht nur wegen der Musik Radio. Der wichtigste Grund das Radio einzuschalten – nach der Musik: Wetter und Verkehr – und, ups, der Moderator. Klar, Wetter und Verkehr bekommen wir schon alles im Netz und dann sicherlich auch in anderer Form auf diversen Ausspielwegen (Navi, Handy, etc.). Aber wir sollten nicht vergessen, dass der Mensch gemütlich ist und keine Zeit hat. Bevor es in Deutschland keine Marke, wie Sirius oder XM aus den USA gibt, wird UKW die Nummer 1 bleiben. Premiere gibt es nun seit Jahren und außer Fußball verkauft sich da so gut wie nichts.

    Und auch bei der Zeitung sollte man wissen, wenn man diesen Markt angreift, dass den meisten Zeitungslesern das Gefühl der Zeitung am wichtigsten ist. Die Tageszeitung wird immer weniger Absatz finden. Aber auch hier: Die erfolgreichsten Marken im Netz sind SPIEGEL und BILD. Da steckt das Geld und die Kompetenz. Und: Die Zuwächse bei Wochenzeitungen (ZEIT, FAS) sind nicht zu verachten – vor allem auch in den jungen Gruppen. Das digitale Zeitungspapier hat sich bis heute nicht durchgesetzt. Und auch hier: Viele Leute haben einfach keine Lust/Zeit sich mit sowas zu beschäftigen (Feeds zusammenstellen). Die wollen konsumieren, und das einfachste ist zum Bäcker zu gehen und eine Zeitung mitzunehmen.

    DRM: Sehe ich auch so, wenn es ums Musik kaufen geht. DRM ist ja auch auf CDs wieder verschwunden. Aber die Ansage der Plattenfirmen ist ganz klar: Abo-Modell mit DRM. Natürlich – als Konsument – wünsche ich mir Abo-Modell ohne DRM. Wäre aber auch schon so mit Musik zum Kaufen ohne DRM glücklich. Und da sich das durchsetzen wird, zweifel ich mal mutig an, dass sich das Abo-Modell durchsetzen wird – langfristig. Wir werden für das Musikhören kein Geld bezahlen (wie jetzt schon: Radio, YouTube, MySpace). Aber wir werden Musik ohne Kopierschutz kaufen. Mittelfristig: Abo-Modell mit DRM.

    Ich glaube, wenn man zu sehr in der Materie steckt, vergisst man, dass die Menschen einfach sich zu wenig mit den Möglichkeiten beschäftigen. Podcasts und Vodcasts nutzt kein Mensch – ich kenne die Zahlen, das ist eine Nullnummer. Und die wenigsten suchen doch gezielt nach neuen Inhalten, geschweige denn Musik. Wir müssen realistisch mal von 70 Millionen Deutschen ausgehen und dann schauen, wie viele bei LastFM sind. Oder fragt mal die Kollegen von byte.fm, wie viele Hörer sie haben.

    Was gibt es einfacheres als: Radio einschalten, hören. MTV einschalten, Clips schauen. Und es ist ja nicht so, dass diese Marken nicht in den neuen Medien präsent wären. Natürlich haben sie den Siegeszug von YouTube verpasst. Aber RTL hat mit RTLnow.de und clipfish ein klasse digitales Angebot, das ZDF ist mit der Mediathek eh weit, MTV ist auch gut dabei. Und das ProSiebenSat1-Network ist in Deutschland das meistgeklickte digitale Angebot im Netz.

    Und nichts anderes wird es bei der Musik sein: Wer viel Geld hat, wird sich viel Werbung auf allen Plattformen leisten können – und die Kohle steckt nun mal bei den Majors. Ob die irgendwann immer noch SonyBMG und EMI – oder LiveNation, MySpaceMusic oder wie auch immer heißen, ist ja dem Nutzer egal.

    Ich glaube auch, dass wie zur Zeit schon im TV, die großen Marken dezent an Marktanteilen verlieren werden, weil der Markt größer wird. Aber – schon aus der Gesellschaft heraus – wird der größte Teil weiterhin das konsumieren, was die großen TV-Sender produzieren. Egal ob auf normaler Glotze oder bei rtlnow.de, youtube oder maxdome.

    Beste Grüße
    Robert

2 Pingbacks

  1. [...] visuelles Verbrechen gesehen. Die Aussagen des Videos sind ja alle ganz toll und richtig und zweinull.cc bricht das Video nochmal auf die wichtigsten Thesen runter, aber jeez: kann jemand bitte sich dem [...]

  2. Rise of the Machines – der zunehmende Einfluss der Technologie » Beitrag » zweinull.cc sagt:

    [...] festklammert und diese zu schützen versucht, gräbt sich selbst ein Loch, aus dem er dann (wie die Musikindustrie) nur noch schwer herauskommt. Björn Jeffery bezeichnet dies als “Technical Divide”, [...]