Blog till you drop

Ole Reißmann, 7. April 2008 09:03 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Bloggen ist harte Arbeit – mit allen Risiken und Nebenwirkungen, inklusive Blogger-Burnout und Posting-Panik-Attacken. Schon werden zwei Todesfälle auf extremen Blog-Stress zurückgeführt.

Schon mal an eine Fototapete gedacht? (Bild Keystone)
Eine Fototapete hilft auch nicht (Bild Keystone)

Die New York Times widmet sich aktuell dem lebensbedrohlichen Sress, dem sich Blogger aussetzen: “In Web World of 24/7 Stress, Writers Blog Till They Drop.” Wer ein erfolgreiches, bekanntes Blog betreibe oder für eines arbeite, setze sich oftmals rund um die Uhr großem physischen und emotionalen Stress aus, heißt es im Artikel. Ausgestattet mit Blackberry und Notebook seien sie ständig auf der Suche nach bloggenswerten Nachrichten im Informations-Fluss. Haben sie schließlich etwas gefunden, heißt es auch noch schnell und originell sein – damit nicht ein anderer Blogger ein paar Millisekunden schneller ist und alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Schreiben für Klicks kann anstrengend sein: Wer allein auf diesen Maßstab setzt, bekommt objektives Feedback in Echtzeit.

They work long hours, often to exhaustion. Many are paid by the piece ? not garments, but blog posts. This is the digital-era sweatshop. You may know it by a different name: home. [...] bloggers complain of weight loss or gain, sleep disorders, exhaustion and other maladies born of the nonstop strain of producing for a news and information cycle that is as always-on as the Internet.

In seinem Artikel geht es Matt Richtel vor allem um die Arbeitsbedingungen, denen sich die Blogger mehr oder weniger freiwillig aussetzen. Besonders gefährdet sind Technik- und Gossip-Blogger. Ein verdammt ernstes Problem: Zwei Blogger sollen deswegen in den vergangenen Monaten an einem Herzinfarkt gestorben sein, Russell Shaw und Marc Orchant. Ein Dritter, Om Malik, überlebte einen Infarkt im Dezember. Der Chef eines der großen Blog-Nezwerke in den USA, Nick Denton von Gawker Media, hat diese neue Welt des Online-Journalismus im vergangenen Jahr beschrieben – damals allerdings vor dem Hintergrund, er beute seine Schreiber finanziell aus:

The new journalism is solitary, poor, nasty, brutish, and short.

Mit brutaler Konsequenz. Mit Valleywag, Gawker, Fleshbot, Wonkette und Lifehacker betreibt Nick Denton auch finanziell erfogreiche Blogs. Seine Autoren können sehr schnell sehr reich werden – wenn sie genügend durchschlagende Beiträge schreiben. Dieser Run auf Klickzahlen war auch auf der Re:publica 08 Thema, dort wurde über Messmethoden jenseits von Page-Impressions nachgedacht. Denn möglichst reißerische Titel und lange Bildstrecken mit nackter Haut, da waren sich die Blogger einig, seien eher schädlich als nützlich.

Zum Wochenstart empfehlen wir zwei Artikel auf unserer Schwester-Seite imgriff.com: 20 Tipps zur Stressbewältigung und Tipps für einen guten Schlaf.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. Jacques
    schrieb am 7. April 2008 um 12:09 Uhr (#)

    Echt interessant! Wusste gar nicht das man so intensiv bloggen kann. Ich dachte man bloggt einfach so in der Freizeit. Surft ein bischen, findet ein intressantes Thema liest dadrüber und gibt seine eigene Meinung kund. Das man damit aber auch Geld verdienen kann is mir neu. Das das ganze dann aber auch noch so exesiv betrieben wird…

  2. Klaus Jarchow
    schrieb am 7. April 2008 um 12:24 Uhr (#)

    Wer so bloggt, ist keiner.

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