Re:publica LIVE! Die Qualitätsdebatte:
Blogs vs. Journalismus?

Ronnie Grob, 2. April 2008 14:24 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

“Die Qualitätsdebatte”, so ist die erste Podiumsdiskussion der re:publica betitelt, von der wir livebloggen wollen. Obwohl die Teilnehmer selbst bereits geschrieben haben, dass sich das Thema mit der Absage von mehreren Journalisten (die den Gegenpart stellen sollten) wohl ändern wird, heisst es bisher unverändert “Blogs vs. Journalismus”.

Vielleicht geht es heute auch um Kommentarkultur oder was ganz anderes. Das offizielle Programm hilft da vorerst nicht weiter, für eine Beschreibung des Panels fehlte offenbar die Zeit. Ziemlich sicher aber geht es um 14:30 Uhr los.

Wer vergleichen will, wie sehr die Diskussion von der letztjährigen abweicht – oder eben auch nicht -, kann im Beitrag von 2007 nachsehen: “Die Medien(r)evolution – re-live von der re:publica“.

14.28: Auf dem Podium eingetroffen sind:

Mercedes Bunz (mb)
Stefan Niggemeier (sn)
Thomas Knüwer (tk)
Johnny Häusler (jh)

Wird wohl bald losgehen.

14:30: Geht los: tk legt Wert darauf, Printjournalist zu sein.

14:32: Wenn sie kein Panel zu diesem Thema angesetzt hätten, sagt jh, hätten die Konferenzbesucher danach gefragt. Schlechte Voraussetzungen.

14:34: Dass das Podium eher unkontrovers besetzt ist, kann man den re:publicanern aber nicht anlasten: 20 Journalisten seien angefragt worden. Keiner wollte kommen, und die meisten antworteten erst gar nicht.

14:35: jh meint, das ganze ist ein Pseudostreit. tk wirft ein, dass Journalisten überhaupt nicht gewöhnt sind, Kritik zu erhalten. Er meint auch, dass interne Blattkritiken vor allem Pseudokritiken sind. Leserbriefschreiber werden gar nicht ernstgenommen. Mit medienkritischen Seiten haben viele Journalisten Mühe.

14:41: mb sieht den Graben eher zwischen “Altes” und “Neues Medium”, im Speziellen auch zwischen Print- und Onlinejournalismus. Das ist das, was tk als “Jahr des Kampfes der journalistischen Kulturen” bezeichnet hat.

14:42: jh fragt ins Publikum, ob nicht ein Journalist oder eine Journalistin auf das Podium kommen möchte, um mit zu diskutieren. Er glaubt, man wird nicht mit Tomaten beworfen, kann es aber natürlich nicht zusichern. Es meldet sich aber niemand.

14:43: mb beantwortet kritische Fragen zu einem Blogger-Artikel im Tagesspiegel.

14:45: tk glaubt, Onlinejournalismus findet in Deutschland gar nicht statt. Stattdessen wird nur “die Seite gefahren”. Onlinejournalisten sind auch schlechter bezahlt, weshalb sie möglichst bald in die Printredaktion wechseln wollen.

14:47: Leichte Kabbeleien auf dem Podium. mb muss etwas gequält die Rolle des “Journalismus” übernehmen, weil sie am meisten mit Redaktionsstrukturen zu tun hat.

14:48: Ein kleines Plädoyer für den Onlinejournalismus von mb: Weniger Hierarchien, jüngere Kollegen, mehr Freiheiten.

14:52: Zwei Minuten für Twitter draufgegangen. Nicht zugehört. Es geht aber um Journalismus & Eitelkeit.

14:54: sn erzählt von einem Fall, wie er kürzlich bei Bildblog einen Fehler zuerst vertuschen wollte, aber nachher innegehalten hat und gesagt hat. Hey, machen wir anders, wir geben das ganz transparent zu – und er erzählt, wie befreiend das war. tk wirft ein, dass in Printredaktionen gar nicht so einfach ist.

14:55: tk prognostiziert, dass Journalisten zu Marken werden – und werden müssen, um zu “überleben”.

14:59: An der Twitterwand die Frage: “Gibts denn in Deutschland überhaupt eine Fehlerkultur?

15:00: tk erinnert sich, mal eine gute Definition des kleinen Unterschieds gelesen zu haben: “Journalisten schreiben, wenn sie müssen, Blogger, wenn sie wollen.”

15:02: Frage aus dem Publikum: Beim Bloggen ist man nicht verpflichtet, zu trennen zwischen Meinung und Information. Ihn wundert, dass der Aspekt total untergeht…

15:03: sn meint, es gibt diese Trennung gar nicht in deutschen Medien. Jeder Artikel habe doch eine klare Stossrichtung.

15:04: kcu sucht einen Zahnarzt (via Twitter-Wand)

15:06: mb versucht, was als Schrott kritisiert wird von Usern, dann auch tatsächlich rauszunehmen. Und erklärt, warum Fehler dann trotzdem lange drinbleiben (der verantwortliche Redakteur ist nicht da, Schichtdienst, Hierarchien, etc.) “Man müsste” halt eine zentrale Stelle einrichten, die das korrigiert. [Ja, warum macht man das denn nicht? Gute Idee!] Das Korrigieren von Fehlern im Onlineauftritt sieht von außen aus wie ein kleiner Schritt, aber wenn man die Strukturen kennt, ist es nicht so einfach.

15:10: “Noch kein Medium wurde abgelöst, telegrafieren die Leute”. Also diese SMS-Wand (fälschlich Twitterwand genannt), ist irgendwie cool.

15:13: sn erzählt einen Fall über Bild-Reporter, die einen vermeintlichen Pädophilen mit dem Auto angehalten haben, um ihn zu fotografieren. Das schrieb er auf bildblog.de, doch die Meldung ging nicht weiter. Er glaubt, wenn er es in der der F.A.Z. geschrieben hätte, wäre die Meldung von den üblichen Branchendiensten aufgenommen worden.

15:16: Kontrovers ist die Angelegenheit nicht, aber dafür, dass es ziemlich unvorbereitet angefangen hat, läuft es durchaus strukturiert.

15:17: tk glaubt, dass Blogger oft zu schnell in die Tasten hauen und besser nochmals fünf Minuten nachdenken sollten (er damit auch sich selbst). Das andere ist das Thema Kontaktaufnahme: Eine persönliche Ansprache findet er legitim – Massenversand nicht.

15:20: sn liest viele Blogs gerne, weil sie so herrlich unjournalistisch sind und die davon leben, dass sie keine Schule durchlaufen haben.

15:21: mb: Zoomer.de könne man auch als Reaktion auf Blogs verstehen.

15:22: Don Dahlmann bei Twitter: “Man eiert ein wenig rum auf dem Panel da vorn.” Ich nehme mal an, er sitzt im gleichen Raum wie ich.

15:24: tk greift Zoomer an (jh: “Endlich Kontroverse!”), weil der aktuelle Aufmacher “Laura D.: Fürs Studium ging ich auf den Strich” lautet. Am Ende eines solchen Konzepts stehe zwangsläufig Boulevard.

15:25: Wortmeldung aus dem Publikum: Fragt nach den Agenturmeldungen, die in allen Zeitungen zu finden sind – der Fragende sieht darin eine gewisse Gleichschaltung. mb gibt zu, massiv Agenturen zu nutzen – es sei ja der Vorteil von Online, schneller zu sein, als Print.

15:30: Anke Gröner bei Twitter: “Ich glaube, Frau Bunz will gar nicht sein, wo sie grad ist.” Glaub ich auch.

15:32: Ein Printredakteur von Focus Online, Thomas Wiegold, der alles schon mal gemacht hat, entert das Podium. Es gelte für alle Formen, ob Geld dahinter stecke.

15:37: mb findet das Prinzip Zoomer gut, betont aber, dass sie nur als Chefredaktion Tagesspigel Online verantwortlich ist. Ihr Ziel ist es, sich in den nächsten Jahren abzuschaffen.

15:38: mb: Journalisten müssen Kommentare unter ihren Artikeln auch zurückkommentieren, wenn sie möchten, dass das Diskussionsniveau steigt.

15:39: mb: Tagesspiegel.de bekommt etwa 1000 Kommentare am Tag.

15:40: Richard Heigl setzt sich auch aufs Podium. Er denkt, die Diskussion in den nächsten Jahren muss um die Themen Ökonomie und Politik erweitert werden. Was ist meine Stellung drin? Kann man weiterarbeiten, wenn man dauernd Angst haben muss um seinen Job? Er fragt sich, wie man mit der Erosion der Qualität umgeht, die ja besonders im TV zu beobachten ist. Was bedeutet es für eine Demokratie, wenn nur noch auf Klickzahlen (und Werbeeinnahmen) geschaut wird?

15:42: sn glaubt, dass mit Blogs die Medienlandschaft erfreulich erweitert wurde – er ist optimistisch.

15:46: mb glaubt, dass die Entscheidung über die journalistischen Inhalte auch bei den Werbern liegt. Wenn nur immer auf Page Impressions geguckt wird, dann wird es schwierig für Qualität.

15:48: Nun das Thema Kommentare: jh hat den Eindruck, dass immer mehr Leute Feedback zu Artikeln per Mail schicken. Er glaubt, die Art und Weise, wie in den Kommentaren miteinander umgegangen wird, daran schuld ist, dass sich gewisse Leute ausgeschlossen fühlen.

15:50: sn fühlt sich seinen Kommentaren ratlos gegenüber. Er glaubt, es gibt eine Obergrenze, was Kommentare angeht. Er findet Blogs, auf deren Einträge 5 – 10 Kommentare folgen in der Regel, super. Hey, danke Stefan, so ist es doch bei medienlese.com.

15:52: jh fühlt sich vom Ton von einigen fremden Kommentatoren gestört manchmal und ist durchaus auch mal verletzt, wenn ihn ein ihm völlig unbekannter Mensch ihn persönlich angreift.

15:53: sn fragt, ob Kommentare nicht allgemein überschätzt sind. Er hat keine Lust, mit Unbekannten irgendwelche Grundsatzdiskussionen wie China vs. Tibet zu führen.

Abwechslungsweise mitgebloggt von Ronnie Grob und Florian Steglich

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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1 Kommentar

  1. hans
    schrieb am 2. April 2008 um 15:47 Uhr (#)

    http://hobnox.com/re-publ…-stream.1268.de.html

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