Entspannen im Informationszeitalter – ein (un)lösbares Problem

strand.jpgNicht nur, aber gerade für am Webgeschehen interessierte Menschen ist es essenziell, informiert zu sein. Der Internet- und Gründerboom, die zunehmende internationale Vernetzung und das Auftauchen unzähliger Onlinemagazine und Blogs rund um das Web 2.0 sorgen dafür, dass es weder an Meldungen noch an Quellen mangelt. Für viele wissbegierige Internetfans ist ein RSS-Reader der tägliche Begleiter, um nationale und internationale, professionelle wie private Feeds im Auge zu behalten und stets einen aktuellen, ausgewogenen und umfassenden Überblick über die Nachrichtenlage im Netz zu haben. Was sich im normalen Alltag mit einer Prise Selbstdisziplin und einem ordentlichen Zeitmanagement problemlos erledigen lässt, kann im und speziell nach einem Urlaub zur echten Herausforderung werden.

Genau in dieser Situation befand ich mich in der letzten Woche. Da war ich nämlich im Urlaub und hatte mir fest vorgenommen, täglich nicht mehr als eine Stunde im Web zu verbringen. Als regelmäßiger Blogger stellte mich das nicht nur vor die Frage, wie ich in dieser Zeit mit dem permanenten Informationsfluss umgehen sollte, sondern auch, wie man das Blog trotzdem mit interessanten Inhalten füllen konnte. Für zweinull.cc bestand die Lösung darin, über die Tage verteilt einige vorproduzierte Artikel zu veröffentlichten und Michael mehr als üblich einzuspannen. Jeweils morgens und abends genügten mir dann 30 Minuten, um Mails abzuarbeiten und auf die Blogkommentare zu antworten. Meine Feeds öffnete ich so gut wie nie, wodurch ich meinen Urlaub richtig genießen konnte – trotz oder gerade, weil ich so uninformiert war wie seit dem Start von zweinull.cc nicht mehr.

Offline im Flugzeug Nachrichten
und Blogartikel lesen.

Während der Betrieb des Blogs also im Prinzip unverändert weiterlief und ich entspannen konnte, sammelten sich in meinem RSS-Reader über tausend ungelesene Artikel an – bei rund 100 abonnierten Feeds. Diesen Zustand galt es anschließend, so schnell und stressfrei wie möglich aus der Welt zu schaffen, und das am besten noch während der Heimreise, um bei der Ankunft vollständig informiert und mit null ungelesenen Meldungen durchstarten zu können.

Meine Ambition war es, trotz fehlender Internetverbindung den langweiligen Flug dafür zu nutzen. Also erstand ich eine halbe Stunde WLAN-Zugang am Flughafen, hastete durch meine Feeds und öffnete jeden lesenswerten Artikel in einem neuen Firefox-Tab. Es wurden mehr als 100. Anschließend schickte ich den Laptop auf Standby, um ihn im Flugzeug wieder zu öffnen und mich in Ruhe und völlig ungestört über das auf den neusten Stand zu bringen, was es in den vergangenen sechs Tagen rund ums Web zu berichten gab.

Mir gelang es zwar, trotz einer Woche Urlaub weder zweinull.cc verwaisen zu lassen, noch danach durch einen Information-Overkill die in den entspannen Tagen gesammelte Energie sofort wieder zu verlieren. Trotzdem erforderte es einiges an Planung und regte mich zum Nachdenken darüber an, welchen Einfluss diese regelrechte Abhängigkeit vom nicht aufhören wollenden Strom der Informationen im Netz auf die Psyche, Gesundheit und Balance im Leben hat. Das noch im Hinterkopf, ist für viele der Sommerurlaub nicht mehr fern. Für manche handelt es sich dann um zwei, drei oder mehr Wochen in einem fernen Land, wo zum Teil allein das Aufspüren eines vernünftigen Internetzugangs zum Problem werden kann. Wie handhabt ihr solche Situationen? Wie sieht euer Informationsmanagement in Zeiten aus, in denen ihr euch ausruhen möchtet? Macht ihr weiter wie gehabt, verfolgt ihr das Geschehen auf Sparflamme oder schaltet ihr womöglich komplett ab?

Introbild via Wikimedia Commons

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

22 Kommentare

  1. Auf jeden Fall lustige Lösung mit den Tabs!
    Informationsmanagement ist sicherlich ein sehr wichtiges Thema. Daher auch die ganzen Feeds, Friendfeeds, Twitters, etc. Aber wenn ich im Urlaub bin, dann versuche ich komplett auf Medien zu verzichten. Ich finde es allgemein schon schwierig mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass man von morgens bis abends mit Medien, News und Bildschirmen konfrontiert wird.
    Daher auch mein Zögern mobiles Internet auf Handy, etc. in Anspruch zu nehmen.

  2. Die Tabs Idee find ich allerdings auch großartig!

    Zum Thema: Im letzten Insel-Urlaub konnte ichs auch nicht ganz lassen; bloggte dann doch 2 oder 3 mal Beiträge a la “Ich kanns nicht lassen”….

    Den Informations-Input habe ich allerdings komplett runtergedreht, was Netz, Medien etc angeht. Kein Netz. Keine Zeitung. Kein Telefon.
    “News” nur in Sachen “Bootstour” eingeholt.

    Kurzum: WENN Urlaub, dann möglichst wenig Restwelt.
    Nach dem Urlaub dann: “Mark all as read”.

    • mark all as read! :D

    • Ich geb zu: “Fast” all as read”. ;)

      Nur die Sachen die ich wirklich nachholen wollte, blieben als “unread” stehen. Das waren dann aber auch echt nur Hobby-Cyberpunk-Feeds, mit vielleicht 10-20-30 Postings…Den Rest markte ich tatsächlich als “abgehandelt”

  3. Möchte nicht picky erscheinen, aber die Verwendung eines Commons-Bildes ohne Hinweis auf den Fotografen ist m.W. nur bei einer Public-Domain-Lizenz erlaubt. CC-Lizenzen erfordern “Attribution” für den Urheber. Und falls das Bild gar unter der GFDL steht, ist eine ordnungsgemäße Verwendung hier nur unter unzumutbaren Bedingungen möglich.

    • Konstruktiver Hinweis. Der Verweis “Introbild via Wikimedia Commons” am Ende des Artikels reicht deiner Ansicht nach nicht aus?

      “Igrant anyone the right to use this work for any purpose, without any conditions, unless such conditions are required by law.”

      http://commons.wikimedia.…ub_in_Cirali_013.jpg

    • Also Public Domain, dann reicht der Hinweis nicht nur aus, er ist nicht mal notwendig. Sorry, falscher Alarm! Es kommt halt oft vor, dass Wikipedia-Inhalte für frei verwendbar gehalten werden (was sie leider nicht sind, weil es damals noch kein Creative Commons gab).

    • Anyway, trotzdem gut, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast. Ich verwende i.d.R. immer den gleichen Hinweis, werde aber in Zukunft lieber zweimal hinschauen, um ihn ggf. anzupassen.

  4. Chris, hehe ein radikaler Schritt, den ich nicht gehen wollte. Früher oder später hätte es sich beim Bloggen auf zweinull.cc gerächt, denke ich.

    Was die Tabs betrifft, wurde ich gerade von meinem Blog-Kollegen belehrt, dass es dafür auch Reader gäbe, die alles offline zugänglich machen. Bloglines kann das imo nicht. Beim Google Reader bin ich mir nicht sicher, ob die angekündigte Offline-Lösung mit Google Gears bereits existiert. Aber welchen Weg auch immer man geht – vor dem Flug muss man bis zur allgemeinen Einführung von Internet im Flugzeug die Artikel in irgendeiner Form laden.

    • Google Reader mit Google Gears funktioniert super zum offline Lesen. So lange volle Feeds verteilt werden und nicht nur ein Ausschnitt. Sonst wirds im Flugzeug zum Problem :).

      Bin aber auf die Newsgator Produkte umgestiegen seit sie kostenlos sind. Auf dem Mac NetNewsGator, auf Windows FeedDaemon und wenn ich mal nicht an meinem Rechner sein sollte NewsGator online. Synchronisation zwischen allen drei Plattformen funktioniert automatisch im Hintergrund. Sowohl von neuen Feeds, Artikeln als auch gemerkten Artikeln. Kann ich nur empfehlen, ist schneller als Google Reader.

      Ich lese in der Regel im Urlaub keine Feeds. Danach wie schon erwähnt “Mark all as read”. Wenn etwas wichtiges vorgefallen ist, wird darüber sowieso danach noch geschrieben.

  5. Also Martin mir geht es genauso, nach einer Woche Urlaub haben sich Unmengen an zu bearbeitenden Dingen angesammelt und ich brauche erstmal 1-2 Tage um alles nachzuarbeiten, da hat man dann am letzten Urlaubstag eine richtig schlechte Stimmung, wenn man weiß, was auf einen zukommt.

  6. Sascha, Newsgator klingt interessant. Als der vor kurzem auf gratis umgestellt wurde, fragte ich mich gedanklich, warum ich einen Desktop-RSS-Reader nutzen sollte. Vielleicht wegen solchen Features.

    Tobias, stimmt, da darf man bis zur letzten Urlaubsminute nicht dran denken ;)

  7. Wie Sascha schon sagt, funktioniert GReader mit Google Gears auch offline. Für Firefox gibt es auch noch das Read-It-later-Addon. Damit kann man nicht nur schnell Artikel für später zwischenspeichern, ssondern diese temporären Bookmarks auch zum offline-lesen lokal abspeichern. Sehr praktisch!
    http://ideashower.com/ide…nched/read-it-later/

  8. Die Kunst der Entspannung besteht darin das eben überhaupt nicht an sich ran zu lassen.
    Eben nicht direkt als erstes auf’s Handy zu schauen wenn man aus dem Kino kommt.
    Eben kein WLAN am Flughafen erstehen.

    Und tatsächlich ist es auch völlig irrelevant. Spätestens nach drei Tagen ist man, auch ohne die sinnfreie Aufarbeitung noch sinnfreierer Webnews (neben seiner E-Mail Flut, um die man meist nicht herum kommt) wieder volle 100% Informationspeer.

    Also: Gar nicht erst Firefox Tabs auf und den Rückflug dafür verwenden, sondern Mark as read und go.

  9. Yella, stimmt sicher. Ohne zweinull.cc würde ich das wohl auch nicht machen. Hier allerdings kann sich für mich jeder im Web gelesene Artikel irgendwann mal als nützlich erweisen. 90 Prozent des Gelesenen tut es nicht, aber die anderen 10 Prozent möchte ich mir ungern durch die Lappen gehen lassen ;)

    Thanks Marcel, werd ich mir mal anschauen.

  10. Hi,

    also bei mir war es eine Zeit lang ganz schlimm. Allein schon 2-3h am Morgen damit verbracht, meine Feeds zu lesen. Das lag vermutlich an der hohen Zahl abonnierter Feeds (50).

    Nun habe ich mich auf eine kleine Zahl wichtiger Blogs und News-Sites beschränkt, welche ein recht breites Spektrum an Themen abdecken und es zu wenigen “2x-reads” kommt.

    Zudem schaue ich nun öfters in meinen Reader, um nicht von zu vielen neuen Posts überollt zu werden.

    Wenns hoch kommt, verbringe ich morgens nun noch max. 1 Stunde mit meinem Feed-Reader.

    Was ne Optimierung … :)

  11. 1 Stunde täglich mit dem Feed-Reader klingt wirklich “gesund”. Und du fühlst dich trotzdem ausreichend informiert?

  12. naja, man muss prioritäten setzen. irgendwie lässt man sich ja auch von neuen startups etc. doch inspirieren und will auch mal was in die tat umsetzen. wenn man da 4 stunden am tag am feed-reader hängt, kommt man ja zu nichts, weil man ständig die angst hat eine weitere von 1000 schlagzeile zu verpassen.
    natürlich hängt das auch davon ab, was man für einen job man ausübt und vor allem in welcher position – aber ich denke, news verpassen tut man so oder so, egal, ob du jetzt 8 oder 50 feeds abonniert hast. :)

    beste grüße

  13. hm. ich bin der meinung, man kann dem information overflow sowieso nicht mehr gerecht werden. es gibt studien, wonach sich alle 2 jahre das gesamte schriftlich gespeicherte wissen der menschheit verdoppelt. da wird wohl das abo von 50 rss feeds über einen newsaggregator nicht ausreichen.

    deshalb handhabe ich es so: sich damit abfinden. meine devise ist: man kann sowieso nicht alles mitbekommen. sei es, was sich bei freunden tut, sei es, was sich international tut, sei es, was sich im eigenen ort tut. genau aus diesem grund freue ich mich *IMMER*, wenn ich auf urlaub fahre, weil ich gezielt auf jegliche form von medien verzichte. vor 2 jahren war ich im sommer 2 wochen wandern, und war fasziniert, wie leise und langsam das leben tatsächlich ist, ohne handies, ohne pcs, und ohne fernseher. letzten sommer bin ich für 2,5 wochen durch europa gefahren und musste feststellen, dass es nicht so leicht ist, wie ich es mir vorgestellt hatte, internet zugang zu bekommen. nicht, um tagespolitische dinge zu erfahren, oder am laufenden zu bleiben, sondern um meinen eigenen kleinen blog für die daheimgebliebenen zu pflegen. ich hab mir fest geschworen “nein, keine e-mails, keine news, nur mein blog.” und es war die richtige entscheidung. urlaub ist dazu da, um neues zu *erleben*, nicht um neues zu *erlesen*.

    ich glaub, für viele ist das vernetzt sein zu wichtig geworden. stichwort: “internet sucht”. nicht umsonst boomen plattformen wie twitter, oder social community funktionalitäten “was gibt es neues bei meinen freunden?”. aber: ändert es an meinem leben etwas, wenn ich gewisse dinge nicht weiß? natürlich. problematisch ist es genau dann, wenn ich mit dem verbinden von news und hintergrundinformationen meinen lebensunterhalt verdiene, oder beschäftigt bin. eins der erfolgreichsten blogs in deutschland zu führen ist keine einfache aufgabe. die natürlich viel zeit verschlingt. die frage ist: was ist der output? wie wichtig ist es mir? was passiert, wenn 2 wochen mails unbeantwortet bleiben?

    für mich als benutzer dieses blogs ist es natürlich ideal: auch wenn ich 2 wochen durch europa fahre, kann ich danach in 5-10 blog einträgen nachlesen, was im web2.0 wirklich wichtiges passiert ist. weils auf zweinull.cc ja gut aggregiert wird. :-)

    bald, vielleicht nächsten sommer? wird es jedoch schon so weit sein, dass diese aggregation von selbst funktioniert. google news als beispiel für die “perfekte zukunft”: maschinen aggregieren news, und sagen mir, was wichtig ist. ideal, oder?

    nun ja, ich bin gegen so eine zukunft. und gegen den information overflow. es macht viel mehr sinn, während dem urlaub zu entspannen, und gute bücher zu lesen. romane, keine fachliteratur.

    ps: die umfrage zum thema datenschutz in social communities läuft noch bis ende des monats. wer daran teilnehmen möchte, kann dies natürlich jederzeit gerne tun: http://datenschutz.ownz-the.eu/ ;) -> dort werden dann auch alle wichtigen informationen aggregiert und für euch zur verfügung gestellt. damit ihr beruhigt den urlaub genießen könnt.

  14. Die Lösung mit den Tabs macht auf mich einen stressigen Eindruck.

    Dann vielleicht lieber gleich einen halben Tag “Updating” nach dem Urlaub einplanen, ganz entspannt im Sessel mit einer Tasse heißer Schokolade neben sich?

    Allgemein: Sich für eine längere Zeit völlig aus dem Informations- und Kommunikationsfluss auszuklinken, wird immer schwerer. Bin sehr gespannt, wie sich das noch entwickeln wird.

    Wieviele Informationen brauchen wir?
    Wer — etwa als Blogger — im “Informationgeschäft ist, wird zum Teil darauf angewiesen sein, viel Input zu bekommen und muss den Überblick über seine Branche behalten.

    Ansonsten ist zu raten, sich auch außerhalb des Urlaubs zu fragen, wie viele Informationen man eigentlich braucht, welche Informationen nützlich sind. Statt in der zur Verfügung stehenden Zeit unzählige News zu lesen, ist die gesammelte Zeit mit einem in Ruhe gelesenen Fachbuch eventuell besser angelegt.

    Feeds sind klasse, aber wie viele kann ein Mensch lesen?

  15. Ich halte es da wie Marc Andreessen und mache ab und zu eine Informationsdiät, sonst dreht man irgendwie durch. Wie? Ich klicke in Google Reader auf “Alle Artikel” und dann auf den Button “Alle als gelesen markieren”. Dann mache ich den Reader wieder zu. Ergebnis: Alles gut. Nix passiert. Ich lebe immer noch.

  16. Die Tendenz eurer Kommentare ist eindeutig: Ein gelegentliches “Mark all read” hat noch niemandem geschadet und im Urlaub darf man auch mal völlig uninformiert sein und sollte es genießen. Letzteres habe ich gemacht, und beim “Als gelesen markieren” war ich in den letzten Tagen sehr viel mutiger ;)

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