Neue Leserzahlen:
Ringier und NZZ verlieren

Ausser den Gratiszeitungen verlieren fast alle Printprodukte an Lesern, das zeigen die aktuellen Zahlen der Schweizer Presse. Besonders im Hintertreffen: Die Traditionsverlage Ringier und NZZ.

Frontseite 20min.ch vom 25.03.2008
Screenshot 20min.ch

Kommen wir doch zuerst zu den Gewinnern, den Gratiszeitungen: Der Branchenleader 20 Minuten steigerte seine Leserzahlen um 2.3% und titelte heute auf seinem Onlineangebot: “20 Minuten: Doppelt so viele Leser wie Blick“. Das ist beinahe wahr, denn während 20 Minuten 1.244.000 Leser ausweisen konnte, schaffte es der ehemalige König des Boulevards, der Blick, nur noch auf 672.000 Leser. Doch es geht noch schlimmer:

Der SonntagsBlick verlor sogar fünf Prozent seiner Leser. Verheerend ist das vor allem hinsichtlich der Strategie, auch den Blick vermehrt nach dem angeblichen Erfolgsmodell SonntagsBlick auszurichten und “magazinig” zu gestalten, was ja mittels kürzlichem Relaunch bereits geschehen ist. Könnte es ein Hinweis sein, dass das, was der neue Chefredaktor des SonntagsBlick, Marc Walder, damals mit dem Promiblatt Schweizer Illustrierte (aktuell – 3%) erfolgreich hinkriegte, nicht mit jeder Publikation funktioniert? Dass es nicht jeder Publikation gut tut, in einem seichten Peoplepromiservicefashionstyle daherzukommen?

Katastrophal sind die erstmals ausgewiesenen Zahlen von Cash Daily. Lächerliche 73.000 Leser weist die oberflächliche Gratisvariante der ehemaligen Wirtschaftszeitung Cash aus, das sind 17 x weniger Leser als 20 Minuten, 36 x weniger Leser als die Coop-Zeitung und immerhin 3.5 x weniger als das ebenfalls gratis erhältliche heute (+ 13%), das lustigerweise eingestellt wird, bzw. in einen Blick am Abend überführt wird.

Auch der NZZ Verlag hat Leser verloren. Sowohl beim ehemaligen Flaggschiff NZZ (- 5%), als auch bei der Sonntagsausgabe NZZ am Sonntag (- 6%) sowie bei der Beilage NZZ Folio (-6%). Zum NZZ Folio ist zu bemerken, dass diese Publikation von 2002 bis 2007 15% zugelegt hat – so ist dieser Verlust zwar signifikant, aber kaum dramatisch.

Andere Qualitätsblätter blieben sich in etwa gleich: Weltwoche -0.5%, das Magazin +0.2%.

Mehr dazu:

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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7 Kommentare

  1. Hobbypublizist
    schrieb am 25. März 2008 um 18:21 Uhr (#)

    Ihr seit wirklich unterbelichtet. Die Zahlen wurden letztes Jahr erhoben, schon lange vor dem Relaunch des Blicks. Lesst doch wenigstens die Artikel in der Zeitung bevor ihr anfängt zu schreiben.

    Ihr seit vollkommen oberflächlich.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Ronnie Grob
    schrieb am 25. März 2008 um 18:31 Uhr (#)

    @Hobbypublizist: Es geht ja nicht um den Blick, sondern um den SonntagsBlick, “der im Vergleich zur letzten Messung signifikant an Leser verloren hat” (persoenlich.com). Ob es schlau ist, das Konzept eines Produkts, das gerade signifikant an Lesern verliert, auf den Blick anzuwenden, ist doch fragwürdig. Oder nicht?

  3. Mick
    schrieb am 25. März 2008 um 20:46 Uhr (#)

    Leert entlich lessen unt schreipen mit dem Blick, ja? :)

  4. tom
    schrieb am 26. März 2008 um 00:50 Uhr (#)

    lieber ronnie grob, dafür, dass du medienleser bist, schreibst du ziemlichen unfug: die erhebung bezieht sich auf den zeitraum vor dem neuen sobli-konzept, deshalb ist deine schlussfolgerung quark.

  5. Schreibt hier auf dem Blog Ronnie Grob
    schrieb am 26. März 2008 um 06:35 Uhr (#)

    @Tom: Die NZZ schreibt:

    Diese Angaben macht die AG für Werbemedienforschung (Wemf), welche die neusten Daten anhand von Interviews von knapp 24 000 Personen über 14 Jahren erhob (zwischen September 2006 und September 2007).

    Magazin-Prediger Marc Walder hat seinen Job beim SonntagsBlick am 19.02.2007 angetreten. Spätestens ab da also ist ein Einfluss unbestreitbar.

  6. Klaus Jarchow
    schrieb am 26. März 2008 um 08:37 Uhr (#)

    Wo interessierte Kreise kreißen,
    hobbypublizitär mit Wortrest schmeißen,
    sprech’ ich im Norden hier vom …

  7. Jean-Claude
    schrieb am 26. März 2008 um 11:02 Uhr (#)

    Man muss die Zahlen der Wemf-Erhebung immer mit Vorsicht geniessen, weil die Erhebungskriterien, gelinde gesagt, umstritten sind. Darüber haben wir in medienlese schon oft diskutiert.

    Aus diesen Zahlen den nahen Zusammenbruch des Prints herauslesen zu wollen, wäre aber in jedem Fall abenteuerlich.

    Allein die drei grössten Gratiszeitungen, erst vor wenigenJahren gegründet, erreichen jeden Tag 1,97 Mio. Leser . Das sind 27,3 % der Schweizer Bevölkerung (inkl.Säuglinge & Blinde).

    Die zwei Grossverteiler Migros und Coop geben je eine Gratis-Wochenzeitung heraus. Beide zusammen erreichen jede Woche 5 Millionen Leser (bei 7,2 Millionen Einwohnern). Auf Deutschland hochgerechnet müssten, sagen wir: “Spar” und REWE , mit gleichen Printprodukten jede Woche 54 Millionen Leser erreichen.

    Auch die Zahlen des angeblich so serbelnden “Blicks” (die grösste Boulevardzeitung der Schweiz) können sich trotz des Rückgangs sehen lassen. Er erreicht fast Jeden zehnten Schweizer. “Bild” in Deutschland müsste also täglich rund 8 Mio. Leser erreichen. Tatsächlich müssten es noch deutlich mehr sein, da die Schweiz dreisprachig ist. Die korrekte Bezugsgrösse liegt daher bei etwa 5,8 Mio. deutschsprachigen Schweizern (bei einer Gesamteinwohnerzahl von ca. 7,2 Mio.).

    Und dass der “Sonntags-Blick” kurz vor dem Exitus stünde, kann man auch nicht gerade behaupten: Dessen – deutschsprachige – Leserschaft auf Deutschland hochgerechnet beträgt 12 Mio. Leser. Ich weiss nicht, was die auch nicht schwachbrüstige BAMS auf die Waage bringt – aber das wäre sicher ein Traumergebnis für die BAMS.

    Ausserdem gibt es in der Schweiz 6 national erhältliche Sonntagszeitungen mit Millionenauflage (vier davon wurden erst in den letzten 4 Jahren gegründet) – bei einer Einwohnerzahl, die etwas kleiner ist als die Niedersachsens. Ausserdem haben Spiegel und Stern in der Schweiz locker deutlich über 120 000 Leser wöchentlich.

    Also: Das definitive Ende des Prints sollten wir doch noch ein wenig hinausschieben …

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