Das völlig grundlose Facebook-Bashing

facebook_logo.gifIn letzter Zeit mehren sich Stimmen, die kritisch auf Facebook und dessen aktuelle Entwicklung blicken. Während es durchaus angebracht ist, die 15-Milliarden-Dollar-Bewertung des mittlerweile 66 Millionen aktive Nutzer zählenden Social Networks zu hinterfragen, konstruktiv auf die Datenschutzproblematik hinzuweisen und bei der Bewertung der Tauglichkeit des sozialen Netzwerks als Werbeplattform zweimal hinzuschauen, bewegt sich der Großteil der im Web publizierten Kritik im Bereich des substanzlosen und destruktiven Nörgelns.

Aus einem leichten Sinken der Besucherzahlen im Januar zog manch einer umgehend die Schlussfolgerung, Facebook hätte seinen Höhepunkt überschritten und würde nun Mitglieder verlieren. Immer beliebter wird auch das generelle Jammern über Applikationen, gerne durch eine Erwähnung des nicht repräsentativen Extrembeispiels “Freunde mit Schafe bewerfen”. Da im Web-2.0-Zeitalter jeder Hype und Anti-Hype mit einem Musikvideo illustriert wird, darf logischerweise auch ein passender Anti-Facebook-Clip nicht fehlen (der gegen “Here comes another Bubble” aber alt aussieht).

Ein Paradebeispiel für derartiges “Facebook-Bashing” gibt es seit gestern bei Medienkonvergenz zu bewundern. Blogger Andreas Göldi beklagt, dass sein Newsfeed ihm seit einigen Wochen unrelevante Informationen liefert. Er weiß zwar, dass es Möglichkeiten zur Optimierung und zum Feintuning gibt, möchte seine Zeit aber nicht dafür aufwenden: “Mein Facebook-Newsfeed ist seit einigen Wochen definitiv unbrauchbar geworden vor lauter Schwachsinnsmeldungen nutzloser Applikationen. Muss ich wirklich wissen, dass Online-»Freunde», die ich kaum kenne, andere Leute, die ich gar nicht kenne, mit Schafen beworfen oder gerade im Movie-Quiz geschlagen haben? Will ich mich jedesmal durch zwei Dutzend Applikations-Spam-Meldungen wühlen, um die zwei oder drei eigentlich interessanten Meldungen zu sehen? Eben. Und ja, ich weiss, dass man das irgendwo optimieren und besser einstellen kann. Aber wenn ich Systemadministration machen will, dann lieber für was Nützliches.Bleibt die Frage, ob ein Gehirn-Implantat, das seine Gedanken liest und den Feed automatisch optimiert, seinen Ansprüchen genügen würde.

Wahrscheinlich ist eine solche Gegen-den-Trend-Bewegung angesichts der medialen und gesellschaftlichen Allgegenwärtigkeit von Facebook in einer wachsenden Zahl von Ländern völlig normal. Jedem Hype folgt eine Phase der Ernüchterung, in der das, was anfangs alle begeistert hat, plötzlich einige Leute nervt. Entscheidend ist, was nach der Ernüchterung übrig bleibt. Manche Trends verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind, andere bleiben und gewinnen sogar an Relevanz, nachdem die anfängliche, unreflektierte Jubelphase überstanden ist. Letzeres trifft meiner Meinung nach auf Facebook zu.

Hier einige Tatsachen, die notorische Facebook-Kritiker zu vergessen scheinen:

Facebook ist das innovativste und technisch fortschrittlichste Social Network überhaupt. Im Gegensatz zu anderen Anbietern ist man in Palo Alto stets bereit, zu experimentieren und Neues auszuprobieren. Einige wenige Male ging dies in die Hose (zum Beispiel bei der Einführung des Werbesystems Beacon), in den meisten Fällen wurde die Plattform jedoch um eine weiteres, wertvolles/nützliches/kurzweiliges Feature bereichert.

Applikationen, von denen es mittlerweile mehr als 17.000 gibt, sind ein essentieller Bestandteil von Facebooks Erfolgsrezept. Niemand hat Nutzer gezwungen, sich gegenseitig mit Schafen zu bewerfen oder einander in Vampire zu verwandeln, und trotzdem haben derartige Anwendungen viele Fans gefunden. Facebook hat seine Mitglieder mit einer Reihe von Werkzeugen versorgt, mit denen diese die Belastung durch “Application Spam” erfolgreich minimieren können. Wer unter der Masse an Einladungen zu dämlichen Applikationen (die es zweifellos gibt) erstickt, sollte die Schuld eher bei seinen Kontakten suchen, die offenbar einen anderen Unterhaltungs-Anspruch haben als man selbst.

Facebook hilft, effizient mit Leuten über Ländergrenzen hinweg in Kontakt zu bleiben und über deren Leben informiert zu sein. Verbesserungs- und Optimierungsbedarf wird es immer geben, doch der einzigartige Produktnutzen wird nicht einfach durch einige als nervend empfundene Applikationen zerstört. Wer sich ein großes Facebook-Netzwerk geschaffen hat, wird die Plattform vorläufig nicht verlassen. Als fortschrittlichstes aller Social Network übt Facebook gleichzeitig sowohl auf Mitglieder andere Netzwerke als auch auf Menschen ohne bisherige Mitgliedschaft in einer Community eine große Anziehungskraft aus, die zukünftiges Wachstum sicherstellt.

MySpace wächst seit Jahren, ohne dass es auch nur einen der Produktvorteile von Facebook hat und obwohl es als Social Network auf sehr wackligen Beinen steht. Wenn Rupert Murdochs Plattform trotz aller Schwächen nicht einknickt, warum sollte dann das erheblich stärkerer Facebook bereits seinen Höhepunkt erreicht haben?

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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43 Kommentare

  1. Daniel Thomaser
    schrieb am 3. März 2008 um 20:43 Uhr (#)

    Insgesamt muss ich dir recht geben, mich nervt dieses bashingen auch etwas. Aber zum myspace-vergleich: Äpfel und Birnen…

    Achja und kleiner Zahlendreher. Facebook wird mit 15 Milliarden bewertet, nicht Millionen

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 3. März 2008 um 20:48 Uhr (#)

    Danke, gefixt. Nun, ich denke nicht, dass es ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen ist, selbst wenn es zwischen MySpace und Facebook Unterschiede gibt (die aber bei dem betrachteten Wachstumsaspekt meiner Ansicht nach keine große Rolle spielen). Wenn wir bei der Früchte-Metapher bleiben wollen, würde ich es als Vergleich zwischen Mandarinen und Apfelsinen bezeichnen. Und dieser ist üblich ;)

  3. Christoph Wagner
    schrieb am 3. März 2008 um 21:04 Uhr (#)

    Juhu, endlich mal ein etwas positiverer Artikel!
    Wie soll ich die Leute den überredet bekommen von SVZ weg zu gehen, wenn alle nur Mist über FB schreiben :)

    Was Einladungsspam angeht: Zum einem kenne ich kaum Leute bei FB (habe nur wirklich mir bekannte Personen geadded), zum anderem habe ich der Person die mir für so nen Kram ne Einladung geschickt hat mitgeteilt, das ich das nicht möchte. Und gut ist:)

  4. Casi
    schrieb am 3. März 2008 um 21:35 Uhr (#)

    d’accord, Martin :) Sehr schöner Bericht, welcher endlich mal mit ein paar Vorurteilen aufräumt. Mir ist es nach wie vor ein Rätsel, wie ein Social Network wie StudiVZ mit seiner verkrusteten 1.0-Technik so riesengroß werden konnte in Deutschland und wie stattdessen das große Facebook-Dissen ganz merkwürdige Formen annimmt. Bin seit Donnerstag auch testweise bei MeinVZ angemeldet und kanns nicht glauben, dass irgendein Mensch im Netz dieses Network Facebook vorziehen könnte…

    1. Jan S.
      schrieb am 3. März 2008 um 21:58 Uhr (#)

      [...]Rätsel, wie ein …StudiVZ…so riesengroß werden konnte[...] – sehr simpel: die Nachfrage war da + Netzwerkeffekt! Zu dem Zeitpunkt hat innerhalb der Zielgruppe keiner über Vor- und Nachteile von Netzwerken nachgedacht.

    2. Casi
      schrieb am 4. März 2008 um 17:10 Uhr (#)

      danke für die Antwort, Jan – war aber eigentlich als rhetorische Frage gedacht ;) Die Mechanismen sind mir schon klar, nur mein Verstand sträubt sich halt, es so hinzunehmen ;)

    3. Stefan
      schrieb am 3. März 2008 um 23:25 Uhr (#)

      Auch wenn man es als Ingenieur nicht glauben will, so sind weder die ausgereifteste Technik, noch die innovativsten Konzepte der Schlüssel zum Erfolg. Nein, es ist (zu großen Teilen) das Marketing, das den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmacht. Die Idee mit den Campus-Captains war da ein absoluter Glücksgriff, der auch zurecht – wenn auch in der Höhe vielleicht etwas übertrieben ;) – belohnt wurde … ist zumindest meine Meinung.

    4. Martin Weigert
      schrieb am 4. März 2008 um 09:00 Uhr (#)

      Du triffst den Nagel meiner Ansicht nach auf den Kopf.

    5. Michael
      schrieb am 4. März 2008 um 13:16 Uhr (#)

      “wenn auch in der Höhe vielleicht etwas übertrieben” – stimmt. Hätte Holtzbrinck allerdings einen Blick unter die Motorhaube riskiert, hätten sie sich 6 Monate Neuentwicklung wohl vom Kaufpreis abziehen können. Eine ausgereifte Technik nützt also doch was ;-)

  5. Rudi
    schrieb am 3. März 2008 um 22:09 Uhr (#)

    http://medienkonvergenz.c…ueberdruss-der-song/

    1. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
      schrieb am 3. März 2008 um 22:56 Uhr (#)

      Rudi, genau auf diesen Artikel habe ich mich im dritten Absatz bezogen.

    2. Rudi
      schrieb am 4. März 2008 um 18:22 Uhr (#)

      Danke Martin, als mir deine fettgedruckte Bashing-Attacke ins Auge gefallen ist, hab ich nach dem ersten Absatz aufgehört zu lesen.

  6. Schreibt hier auf dem Blog Andreas Goeldi
    schrieb am 3. März 2008 um 23:25 Uhr (#)

    Ich finde es ja schoen, dass Ihr Facebook immer noch die Stange haltet. Aber ich denke beim besten Willen, dass die Kritik mehr als angebracht ist.

    Wer solchen Extrem-Hype betreibt wie Facebook (Wie war das noch laut Mark Zuckerberg? “Medien aendern sich alle hundert Jahre”, und Facebook ist die neuste Jahrhundertrevolution?) muss sich an wesentlich hoeheren Standards messen lassen als eine x-beliebige Web-2.0-Site. Und diesen Anspruechen wird Facebook einfach nicht gerecht, auch wenn hin und wieder mal eine nette Innovation dabei ist.

    Ich erwarte wirklich nicht, dass Facebook meine Gedanken liest und meinen Feed automatisch auf meine Praeferenzen optimiert. Ich erwarte nur, dass es sich intelligent verhaelt und mit meiner Zeit respektvoll umgeht. So wie das z.B. XING, LinkedIn und selbst Twitter tun.

    Facebook ist leider in wenigen Monaten vom nuetzlichen und unterhaltsamen Tool zur Spam-Kanone geworden. Das duerfte stark damit zu tun haben, dass die Firma verzweifelt nach einem Weg sucht, ihre absurde Bewertung mit entsprechenden Umsaetzen zu rechtfertigen. Die Managementwechsel bei Facebook in den letzten Wochen (Chief Revenue Officer sucht sich neue Herausforderungen…) sprechen eine klare Sprache.

    Kurz gesagt: Fuer echtes Networking ist Facebook inzwischen unbrauchbar geworden, so erstickend ist der Spam. Kein Vergleich mit XING. Und nicht mal fuer gepflegte Zeitverschwendung ist Facebook noch brauchbar, dafuer ist es laengst nicht mehr interessant genug.

  7. Thomas
    schrieb am 4. März 2008 um 00:58 Uhr (#)

    Bei diesen AGB ““Facebook kann ferner Informationen über Dich aus weiteren Quellen sammeln, hierzu gehören unter anderem Zeitungen, Blogs, Instant Messaging Dienste und die Aktionen anderer Facebook Nutzer (z.B. Foto-Tags), um Dich mit mehr nützlichen Informationen und personalisierten Angeboten zu versorgen.
    Durch die Benutzung von Facebook erklärst du dich damit einverstanden, dass deine persönlichen Daten in die USA übermittelt und dort verarbeitet werden.”
    würden bei StudiVZ alle Mainstream Online Medien Dauer Bashing Feuer senden.
    Wie man das bischen Kritik nun als Facebook Bashing ansehen kann und da noch nicht mal auf die AGB eingeht die ja NACH dem ganzen StudiVZ Trallallla in Deutschland online gehen ist meiner Ansicht nach nicht nachvollziehbar.
    Ich bin sowohl bei StudiVZ als auch bei Facebook angemeldet und bis auf die angenehmere Farbe und die Auslandskontakte spricht 0,00 für Facebook und mit den AGB und den Nervfaktoren News Feed und Applications sehr viel dagegen.

  8. Erdogan Z.
    schrieb am 4. März 2008 um 08:23 Uhr (#)

    Bashen ist das eine, aber Dein Facebook-Apologetentum hat schon etwas von einer Gehirnwäsche. Los, seid positiv. Facebook ist toll. Web 2.0 ist toll. Andere Leute mit Euren Daten Geld verdienen lassen ist toll. Alles ist toll. Wer das anders sieht ist destruktiv.

    Es ist völlig absurd, seine Daten einer solchen amerikanischen Verwertungsmaschinerie, die sich einen Dreck um Datenschutz schert, in den Rachen zu werfen, sprich, Facebook überhaupt zu benutzen.

  9. Martin Weigert
    schrieb am 4. März 2008 um 09:12 Uhr (#)

    @ Andreas

    Gut dann haben wir offensichtlich sehr unterschiedliche Erfahrungen mit Facebook gemacht. Für mich hat es in den letzten Wochen sogar noch an Bedeutung gewonnen, d.h., ich nutze es nun einige Minuten mehr als zuvor. Ich erlebe das von dir beschriebene Spam-Problem nicht.

    @ Thomas

    Auch das permanente, prinzipielle studiVZ-Bashing finde ich übertrieben. Möglich, dass Facebook nichts für dich ist, möglich aber auch, dass du im Kopf einfach Facebook gar nicht mögen willst. Dann wird das auch nichts.

    @ Erdogan
    Würdest du diesen Blog häufiger lesen, wüsstest du, dass ich durchaus auch kritisch auf das Web 2.0 und seine Vertreter blicke. Objektivität ist mir wichtig, trotz Parteinahme für meiner Meinung nach innovative Anbieter. Von Objektivität kann ich in deinen Sätzen nichts finden, da spricht die reine Sturheit.

  10. Martin Weigert
    schrieb am 4. März 2008 um 09:56 Uhr (#)

    Andreas, eine Sache möchte ich noch anfügen: Ich nutze Facebook ausschließlich für private Kontakte bzw. für ursprünglich berufliche Kontakte, die zu privaten Kontakten geworden sind. Alles, was mit meinem Job und zweinull.cc zu tun hat, versuche ich bei Xing zu sammeln. Hat sich Facebook für dich ggf. deshalb als unbrauchbar herausgestellt, weil du es auch für deine Business-Kontakte verwendet hast?

  11. Gründernet
    schrieb am 4. März 2008 um 17:17 Uhr (#)

    Hey Martin, das Du ein facebook Fan bist, ist doch bekannt ;-) Aber der größte Anbieter hat immer die meisten Kritiker und das ist doch auch ok im Sinne einer Meinungsbildung. Die Frage ist doch nur, was sich im deutschsprachigen Raum durchsetzen wird (die VZ-Truppe oder ein anderes SN wie facebook) und das muss nicht immer was mit Funktionen und Produktvorteilen zu tun haben. Das studivz beispielsweise funktionell nicht gerade der Mehrwertbringer ist, hat den deutschen User ja dennoch nicht davon abgehalten, dass Ding nach vorne zu schiessen. Also was will ich damit sagen: Weniger ist hier ggf. mehr, weil einfacher. Wir werden sehen, was sich durchsetzt…, VG, René

  12. Martin Weigert
    schrieb am 4. März 2008 um 18:15 Uhr (#)

    René, definitiv. Ich hätte vielleicht hinzufügen sollen, dass ein Großteil dieser beschriebenen Facebook-Kritiken in US-Blogs zu finden ist (und dass ich teilweise ähnlichen Kommentaren hier in Stockholm begegne, wo Facebook seit sechs Monaten DAS Social Network ist). Es ist also eher ein internationales Phänomen.

  13. Schreibt hier auf dem Blog Andreas Goeldi
    schrieb am 4. März 2008 um 18:51 Uhr (#)

    @Martin: Ja, ich verwende Facebook auch fuer Businesskontakte. Das ist auch kaum anders moeglich in den USA.

  14. Martin Weigert
    schrieb am 4. März 2008 um 20:01 Uhr (#)

    Kann ich nachvollziehen. In Deutschland denke ich nicht, dass es so kommen wird. Facebook wird hier wohl nicht Xings Position einnehmen können, was gut ist. Eine Trennung von privatem und beruflichem Social Networking finde ich sehr sinnvoll.

  15. Thomas
    schrieb am 6. März 2008 um 00:26 Uhr (#)

    Martin, wie kann man eigentlich den Erfolg in Skandinavien für Facebook begründen bzw. welche Altersklassen sind davon “betroffen” :)
    Gibt es dort keine Konkurrenz?
    Wenn du darüber mal einen Beitrag schreibst würde ich mich freuen ihn zu lesen.

  16. Martin Weigert
    schrieb am 6. März 2008 um 09:08 Uhr (#)

    Thomas, check this: http://zweinull.cc/facebo…mie-im-hohen-norden/

  17. Fatu Simmayeck
    schrieb am 6. März 2008 um 13:27 Uhr (#)

    Also Martin,

    “völlig grundloses Facebook Bashing”? Du magst damit recht haben, dass die User selbst verantwortlich sind, für den Spam, den sie bekommen, weil sie tausende Applikationen installiert haben. Ja, sie sind auch selber verantwortlich für fliegende Schafe und Vampire.

    Aber.

    Grundlos? Die Motivation dessen, was du “bashing” nennst, finde ich zwar ein wenig bedenklich (weil ich irgendwie das Gefühl habe, dass es da durchaus auch um Geltung geht und nicht nur um die Kritik), aber warum sollte man nicht die kritischen Dinge beim Namen nennen (und dazu gehört die Datenflut -selbstverursacht oder nicht – eben auch)?

    Aber ich gebe dir Recht, dass der größte Teil der Kritik einfach an der Sache vorbei geht, denn da gibt es wesentlich wichtigere Punkte, die man öfter mal ansprechen sollte. Dazu zum Beispiel den, wie ich finde sehr interessanten, Artikel von Tom Hodgkinson: http://commondreams.org/a…ive/2008/01/17/6444/, daraus zitiert:

    “Facebook’s privacy policy

    Just for fun, try substituting the words ‘Big Brother’ whenever you read the word ‘Facebook’

    1 We will advertise at you

    “When you use Facebook, you may set up your personal profile, form relationships, send messages, perform searches and queries, form groups, set up events, add applications, and transmit information through various channels. We collect this information so that we can provide you the service and offer personalized features.”

    2 You can’t delete anything

    “When you update information, we usually keep a backup copy of the prior version for a reasonable period of time to enable reversion to the prior version of that information.”

    3 Anyone can glance at your intimate confessions

    “… we cannot and do not guarantee that user content you post on the site will not be viewed by unauthorized persons. We are not responsible for circumvention of any privacy settings or security measures contained on the site. You understand and acknowledge that, even after removal, copies of user content may remain viewable in cached and archived pages or if other users have copied or stored your user content.”

    4 Our marketing profile of you will be unbeatable

    “Facebook may also collect information about you from other sources, such as newspapers, blogs, instant messaging services, and other users of the Facebook service through the operation of the service (eg, photo tags) in order to provide you with more useful information and a more personalized experience.”

    5 Opting out doesn’t mean opting out

    “Facebook reserves the right to send you notices about your account even if you opt out of all voluntary email notifications.”
    Grundlos ist Facebook-”Bashing” nicht… und “völlig” schon gar nicht”

  18. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 6. März 2008 um 15:35 Uhr (#)

    Ich sehe das ganz pragmatisch: Nichts ist wirklich kostenlos, auch ein Social Network nicht (für das abgesehen von Business Networks wie Xing oder LinkedIn niemand etwas zahlen will). Beim Free-TV zahlt man statt mit Geld mit seiner Zeit (die man für das Betrachten der Werbung aufwendet). Bei Social Networks kann man Werbung einfach übersehen (weshalb die Klickraten so extrem niedrig sind), dort zahlt man stattdessen mit seinen Informationen.

    Eine komplett kostenfreie Leistung einzufordern, ohne etwas dafür zu geben, ist bei gewinnorientierten Unternehmen eine Illusion, von der man sich langsam verabschieden sollte.

    Die einzige konsequente Handlung für jemanden, der das nicht akzeptieren will, wäre, sich von derartigen Diensten fernzuhalten.

  19. Fatu Simmayeck
    schrieb am 7. März 2008 um 00:15 Uhr (#)

    Martin, entweder du hast nicht auf meinen Beitrag geantwortet oder aber wir reden aneinander vorbei. Ich rede nicht von Werbung, ich stimme dir vollkommen zu, wenn es um die Finanzierung über Werbung geht. Das Geld von 2.0 kommt ja nicht von irgendwo her. Mir geht es um das, was darüber hinaus für eine Datenprostitution verlangt und auch – weil sich die wenigsten User über wirkliche Konsequenzen bewusst sind/sein wollen – akzeptiert wird.
    Wir haben das schonmal diskutiert. Die AGB gehen den Usern meiner Meinung am A**** vorbei, sie durchzulesen würde Zeit kosten und überhaupt, was ist schlimmes daran, seinen Namen und evtl. noch seine Adresse online zu setzen. Dass man das evtl. nicht rückgängig machen kann, daran denkt zu dem Zeitpunkt doch keiner, ebenso wie die wenigsten daran denken, dass man evtl. in fünf Jahren möglichst wenige Daten über einen im Internet haben möchte, dann aber keine Kontrolle mehr darüber besitzt, weil die Daten einem nämlich gar nicht mehr gehören.

    Ich rede hier nicht von Werbung, ich rede von Targeting, das in die Privatssphäre eingreift. Facebook nutzt den eigenen Hype dazu aus, eine AGB zu fordern, der man aus datenschutzrechtlichen Gründen besser nicht zustimmen sollte (aber egal, wer liest das schon). Ich habe da auch einen Account, aber doch niemals mit richtigem Namen. Dafür gibt es genug andere Deppen, die das machen.
    Die Kritik richtet sich nicht einmal an Facebook, sondern an diejenigen, die dazu beitragen, dass es so funktioniert (inklsuive an mich).

    P.S.: Und das mit dem “Man kann sich ja fernhalten” ist ja wohl genau die gleiche Logik wie bei der Diskussion um das Rauchverbot in Kneipen “Die Nichtraucher können ja in ihre Nichtraucherkneipen gehen”. Natürlich können sie, nur wenn 90% der Freunde Raucher sind, die gerne rauchen wollen und man zudem selbst denkt “ach so schlimm ist es nicht” dann geht man eben doch in eine Raucherkneipe.

  20. Fatu Simmayeck
    schrieb am 7. März 2008 um 00:16 Uhr (#)

    P.P.S.: Ich sehe das übrigens auch ganz pragmatisch. Es existiert eben ein Gruppenzwang und der bringt leider Gottes Leute dazu Dummheiten zu machen.

  21. Martin Weigert
    schrieb am 7. März 2008 um 09:02 Uhr (#)

    Das Problem des Gruppenzwangs zu lösen, ist in meinen Augen nicht Aufgabe der Social Networks. Bezüglich oben: Ich habe schon auf deinen Kommentar geantwortet, indem ich diesen Eingriff in die Privatsphäre, wie du ihn nennst, und die Informationen, die dadurch an das Social Network übermittelt werden, als Preis ansehe, den Nutzer zahlen, um kostenlos dabei sein zu können. Natürlich muss alles im gesetzlichen Rahmen ablaufen, ob das so passiert oder nicht, kann ich nicht beurteilen, da ich kein Jurist bin.

    Wir können darüber noch Stunden oder Wochen diskutieren und würden vermutlich noch immer nicht auf einen Nenner kommen. Persönlich sehe ich es nicht als problematisch an, wenn ein Unternehmen weiß, welche Hobbies ich habe, wie alt ich bin oder wo ich wohne, und darauf abgezielt Werbung serviert. Es stört mich einfach nicht, weswegen ich auch Argumentationen à la “Eingriff in die Privatsphäre” nicht nachvollziehen kann. Ein Social Network ist nicht das heimische Wohnzimmer, wo man ein Recht auf uneingeschränkte Privatsphäre hat. Social Networks sind gewinnorientierte Unternehmen (abgesehen von einigen Ausnahmen), denen Menschen freiwillig ihre Daten geben. That’s it.

  22. Fatu Simmayeck
    schrieb am 7. März 2008 um 17:13 Uhr (#)

    Martin, ich diskutiere nicht, ich erläutere meine Position, weil ich mich missverstanden fühle. Ich hab kein Problem, wenn du deine Daten ins Internet stellst, – wie ich denke – in vollem Einverständnis und Bewusstsein, was das eigentlich bedeutet. Aber ich behaupte, dass eben das die Mehrheit der User nicht tut. Ich kann das natürlich nicht ändern und nur als bedenklich einstufen, aber das tue ich dann halt auch und rede nicht davon, wie toll das alles ist (und ich denke nicht, dass Technik – die bei Facebook ohne Frage auf bestem Stand steht – ein Ausgleich für die krassen AGB sind).
    Ich verlange nicht von dir, dass du mir zustimmst, aber ich würde gerne von dir erklärt bekommen, wie man so liberal wie du denken kann (“Sind doch selber schuld, wenn sie das machen, zwingt sie doch keiner”), wenn auf der anderen Seite niemand leugnen würden, welchen manipulativen Einfluss die BILD Zeitung auf einen großen Teil der Bevölkerung hat (was ja auch vom Gros der Leute als negativ eingestuft wird). Freiwilligkeit im liberalen Sinne ist eine tolle Sache, aber wer vertritt denn ernsthaft die Meinung, dass es im wirklichen Leben so liberal abläuft? Glaubst du wirklich, dass alle Leute, die auf Facebook ihre Daten verscheuern sich dessen und der Konsequenzen bewusst sind?
    Mir ist klar, dass es keinen physischen Zwang gibt (den gibt es ja beispielsweise beim LSD Konsum auch nicht), aber kann es nicht dennoch gleichzeitig bedenklich sein? Das ist es, worum es mir geht.

    Und – ohne hier unabgebracht Werbung für kaioo zu machen – du weißt selbst, dass es durchaus !Möglichkeiten! gibt, nicht gewinnorientiert zu arbeiten. Das wäre kein so großes Problem, aber es geht den gewinnorientierten Betreibern ja nicht darum, eine Lücke zu füllen, sondern vor allem darum Geld zu machen. (Nur um nicht in die Geldmachereikritisierer Ecke gedrängt zu werden: Mich stört das herzlich wenig, aber man braucht ja auch nicht so zu tun, als ob es vollkommen selbstverständlich ist, dass alles marktwirtschaftlich organisiert ist und wird, das ist es nämlich zum Glück noch nicht)

  23. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 7. März 2008 um 17:31 Uhr (#)

    kaioo ist ein nettes Projekt und Experiment, allerdings noch jung und jungfräulich. Bisher haben sich lediglich kommerzielle Social Networks durchgesetzt, weshalb ich dies auch als Default bei der Betrachtung eines SN ansehe. In ein oder zwei Jahren wird kaioo sich entweder gut geschlagen haben oder nicht, dann lassen sich nicht-gewinnorientierte Netzwerke evtl. als realistische und bessere Alternative zu den kommerziellen ansehen.

    Ansonsten bin ich nun sicher, dich nicht missverstanden zu haben. :)

  24. Fatu Simmayeck
    schrieb am 8. März 2008 um 13:09 Uhr (#)

    Du kannst dir da ruhig sicher sein, ich fühle mich trotzdem missverstanden :) schließlich gehst du auf die wesentlichen Fragen meines Beitrages nicht ein. Die Bemerkung zu kaioo war nur ein unwichtiger Nachsatz. Dass kaioo jungfräulich ist, darüber brauchen wir nicht zu streiten (wie über vieles andere auch nicht).

    “Ich verlange nicht von dir, dass du mir zustimmst, aber ich würde gerne von dir erklärt bekommen, wie man so liberal wie du denken kann (”Sind doch selber schuld, wenn sie das machen, zwingt sie doch keiner”), wenn auf der anderen Seite niemand leugnen würden, welchen manipulativen Einfluss die BILD Zeitung auf einen großen Teil der Bevölkerung hat (was ja auch vom Gros der Leute als negativ eingestuft wird). Freiwilligkeit im liberalen Sinne ist eine tolle Sache, aber wer vertritt denn ernsthaft die Meinung, dass es im wirklichen Leben so liberal abläuft? Glaubst du wirklich, dass alle Leute, die auf Facebook ihre Daten verscheuern sich dessen und der Konsequenzen bewusst sind?
    Mir ist klar, dass es keinen physischen Zwang gibt (den gibt es ja beispielsweise beim LSD Konsum auch nicht), aber kann es nicht dennoch gleichzeitig bedenklich sein? Das ist es, worum es mir geht.”

    Natürlich ist es, wie du sagst, “nicht Aufgabe der Social Networks” den Gruppenzwang zu lösen. Aber es ist Aufgabe derjenigen, sich kritisch damit auseinandersetzen, diese Punkte und deren Implikationen herauszustellen und darauf hinzuweisen, insbesondere weil wir wissen, dass die Mehrheit der User die AGB NICHT liest. Mein Ausgangspunkt (s.o.) war, dass das “Bashing” oft an der Sache vorbeigeht, aber grundsätzlich Kritik angebracht ist, weil es eben nicht so schön freiheitlich zugeht, wie du dir es vorstellst (“Ich bin mir genau bewusst, was es für mich bedeutet den AGB zuzustimmen und ich bin bereit dies für die Möglichkeit die Plattform zu benutzen zu tauschen”). Und das Leute sagen “Ist doch alles nicht so schlimm” und nachher ist es eben doch… dafür gibt es in der Geschichte unzählige Beispiele. An welcher Stelle liege ich falsch?

  25. Martin Weigert
    schrieb am 8. März 2008 um 15:01 Uhr (#)

    Ich weiß nicht, ob du falsch liegst. Ich weiß nur, dass ich teilweise anderer Ansicht bin als du, mich aber gerne darauf einige, dass das Lesen der AGB bei Social-Web-Diensten möglicherweise wichtiger ist als in einigen anderen Bereichen des Lebens, in denen man auf AGB stößt. Die daraus resultierende Frage lautet, ob das Lesen der AGB Leute vom Registrieren bei einem Dienst abhalten würde oder nicht. Wenn nicht, ist die Diskussion hinfällig und die inflationäre Erwähnung des Wortes “AGB” im Zusammenhang mit Social Networks unnötig. Wenn doch, dann besteht hier eventuell Handlungsbedarf durch den Gesetzgeber. Vielleicht gibt die vor einigen Tagen hier im Blog verlinkte Umfrage bezüglich Datenschutz in Social Networks eine Antwort auf diese Frage (bzw. zumindest Indizien).

  26. Fatu Simmayeck
    schrieb am 8. März 2008 um 20:08 Uhr (#)

    Gut, ich denke wir haben das jetzt ausgiebig diskutiert und bin mit dem Kompromiss einverstanden. Ich bin auch gespannt, was bei der Umfrage herauskommt, aber ich denke, dass die AGB nicht gerade gut abschneiden wird. Inflationär wird er dadurch nicht, ich gehe schließlich nicht von der absoluten Mündigkeit von uns Usern aus :)

  27. Oliver Springer
    schrieb am 8. März 2008 um 21:10 Uhr (#)

    So etwas wie ein kostenloses Social Network gibt es nicht.

    Martin, ich stimme Dir zu, was Deinen pragmatischen Ansatz angeht, dass man für die Leistungn des SN-Anbieters eben mit seinen Daten statt mit Geld zahlt.

    Das ist die Kehrseite der Umsonst-Mentalität im Internet. An dem Punkt müsste sich etwas ändern.

    Weit problematischer als die Nutzung der eigenen Daten durch das SN zu Marketingzwecke ist, wer noch alles die Daten aus dem eigenen Profil sammeln könnte: Krimnelle, Regierungen, kriminelle Regierungen…

    Die AGB sind da wohl das kleinste Problem. Deshalb mal die Frage an die Kritiker: Was befürchtet Ihr, dass facebook oder irgendeinVZ mit Euren Daten anstellen?

  28. Fatu Simmayeck
    schrieb am 10. März 2008 um 17:30 Uhr (#)

    @Oliver

    Wemm es dich überhaupt nicht interessieren würde, wenn andere ein extrem detailliertes Wissen über dich, deine Freunde, deine Gewohnheiten, deine Hobbies, deine Karriere, deine persönliche Geschichte, etc. etc. pp. besitzen… dann wäre dir vermutlich nicht mehr zu helfen, aber das nehme ich dir nicht ab, bzw. dann wärest du wohl eine außerordentliche Ausnahme, die ihresgleichen sucht.

    Mal abgesehen davon…Wer redet denn davon, dass die Daten nur zu Marketingzwcken genutzt werden? Das ist vollkommen offen in den Facebook AGB

    “When you use Facebook, you may set up your personal profile, form relationships, send messages, perform searches and queries, form groups, set up events, add applications, and transmit information through various channels. We collect this information so that we can provide you the service and offer personalized features.”

    Vergiss mal das “and” am Ende, da es sich ja rechtstechnisch nur um eine Kopulakonstruktion handelt, also “zusätzlich” funktioniert. Da steht also, dass Informationen gesammelt werden um den Dienst anbieten zu können, sprich verwertet oder vielleicht verständlicher: verkauft. An wen, das steht da nicht. Da steht lediglich, zu welchem Zweck die Daten gesammelt werden, nämlich zur Aufrechterhaltung der Plattform.

    Kombiniert mit der Rechtsgrundlage für Datamining in anderen Quellen…

    “Facebook may also collect information about you from other sources, such as newspapers, blogs, instant messaging services, and other users of the Facebook service through the operation of the service (eg, photo tags) in order to provide you with more useful information and a more personalized experience.”

    …lässt sich das Profil vervollständigen. Facebook ist legitimiert aus dir eine komplett gläsere Person zu machen und Informationen über dich zu verwenden “so that we can provide you the service”.

    Und zu sagen, dass das die User selbst schuld sind, weil sie nicht mit Geld bezahlen wollen, stimmt zwar, macht die Maßnahmen zur Katalogisierung von Personen nicht besser.

    Gegenansatz: So etwas wie den kostenlosen Staat gibt es nicht. Aber das ist kein Grund alle Maßnahmen zu legitimieren, die den Staat ökonomischer machen (die perfekte Überwachung und Kontrolle der Bürger ist eben genau das).

    Ich bin müde mich da zu wiederholen. Eure liberale Argumentation (die Leute verkaufen vollsten Gewissens ihre Daten) entbehrt sich in meinen Augen jeglicher Realitätsgrundlage (was komisch ist, da ja angeblich die Kritiker so unglaublich unrealistische Vorstellungen haben) und obwohl das eines der wichtigsten Probleme beim Datentransfer bzw. des Internet an sich ist, kehrt ihr das einfach mal beiseite mit der Argumentation “selber schuld”. Ne, sorry, das ist mir zu einfach.

  29. Oliver Springer
    schrieb am 10. März 2008 um 18:30 Uhr (#)

    @Fatu: Egal ist mir nicht, was wer mit meinen Daten macht. Es werden da aber die falschen Prioritäten in der Diskussion gesetzt.

    Meinetwegen soll facebook ruhig Informationen aus anderen Quellen sammeln, wenn es Daten sind, die eh im Internet stehen. facebook macht mir da wirklich die kleinsten Sorgen.

    Wofür als für Marketingzwecke im weitesten Sinne sollte facebook diese Informationen sammeln wollen?

    Die Gefahr ist wohl viel mehr, dass Kriminelle aus verschiedenen Quellen im Netz Profile erstellen. Oder ein paar Nummern kleiner, dass andere Unternehmen sich Datenbanken mit Informationen zusammensuchen, um sie zum Beispiel bei der Personalauswahl, Kreditvergabe oder Krankenversicherung gegen einen zu verwenden.

    Wenn facebook dagegen aus anderen Quellen zu der Erkenntnis kommt, dass für mich etwa die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs, regenerative Energiequellen und meinetwegen unverbaute Landschaften ein Thema sind, um mir dann Angebote für Busreisen in Naturschutzgebiete einzublenden (statt Werbung für einen neuen Sportwagen), begrüße ich das als Fortschritt.

    Kurz gesagt noch einmal: Das Problem besteht für mich darin, wer die Daten noch alles in die Finger bekommen könnte — Personen oder Organisationen, die ich dazu nicht autorisiere.

    Kommentierst Du unter Deinem richtigen Namen im Internet? Das könnte weit folgenreicher sein als ein facebook-Profil, aus dem jeder Deinen Musikgeschmack oder Deine Hobbys ersehen kann.

  30. Fatu Simmayeck
    schrieb am 11. März 2008 um 04:06 Uhr (#)

    Wozu sammelt man Informationen? Um zu kontrollieren. Erwerb ist lediglich eine Ableitung aus der Möglichkeit von Kontrolle. Auf welche andere Art und Weise man kontrollieren kann… da bitte ich um eigene Kreativität.

    Überwachungspolitik leidet darunter, dass sie von denen heruntergespielt wird, die meinen dass sie ihnen nicht schaden kann. Kameraüberwachung? Na klar, immer her damit, ich mach ja nichts Schlimmes. Dass Zug für Zug dadurch ein Gewebe entsteht, in dem meien Freiheiten eingeschränkt werden können, weil ich kontrollierbar (substituier den Begriff wahlweise durch einschätzbar, berechenbar oder voraussehbar) bin und genau das gegebenenfalls sich acuh gegen mich wenden kann, da denken die meisten daran.
    Ich rede hier sicherlich nicht von ein paar Spammails, die ich antürlich auch nervig finde, die aber nichts mit dem Ausmaß von Datenkontrolle zu tun haben. Ich rede davon, dass Informationen weitergereicht werden und ab diesen Punkt für die Quelle (nämlich dich) unereichbar und unveränderbar sind.
    Ich weiß, dass diejenigen, denen Datenschutz soviel bedeutet wie ein Papiertaschentuch es als paranoid abstempeln, aber die Daten können tatsächlich einmal zu dir zurückkommen und dir Probleme machen.

    1.
    Stell dir vor du bis 15 und Mitglied in Gruppen, die in Verbindung mit Extremsport stehen. Darüber hinaus bestehen Datensätze über deine abgegebenen Kommentare. Auf weiteren Plattformen diskutierst du über Knochenbrüche, die du bereits hattest und welche Beschäftigung dir den größten Kick gibt.

    Und auf einmal will dich keine Versicherung mehr auf dem normalen Beitragssatz halten.

    2.
    Mit 18 hat ein Freund von dir ein Bild ins Internet gestellt auf dem ihr gemeinsam vor dem Buckingham Palace einen Joint durchzieht und dich darauf verlinkt. Den Link dazu hast du entfernt. 10 Jahre später gerätst du in eine Verkehrskontrolle und nach Abgleich deiner personellen Daten verlangen die Polizisten eine Drogenkontrolle.

    3.
    Auf deinem SC Profil befinden sich nicht viel mehr als dein Name, deine Anschrift, sowie deine Emailadresse. Auf einer Plattform für Psychologie hast du unter Fakenamen, aber mit der gleichen Emailadresse an einer Diskussion teilgenommen und dort erwähnt einen Besuch beim Psychologen zu erwägen, den du aber letztlich nie vorgenommen hast. Du bist ausgebildete Lehrkraft, findest jedoch keine Anstellung und in den Bewerbungsgesprächen werden Fragen zu der Stabilität deiner Psyche geäußert.

    Mal interessiert es einen weniger, mal betrifft es einen mehr. Dass Informationen über uns relativ komplex sind und ihre Bedeutung von uns schwer abzusehen ist, ist das eine. Dass zwei oder drei oder zehn Informationen miteinander kombiniert von uns eigentlich in ihrer Bedeutung kaum noch eingeschätzt werden können, das ist das andere.

    Die Diskussion um den Schutz der DNA Informationen hätte es vor 10 Jahren nicht gegeben. Denn da gab es angesichts der Vagheit der Informationen, die der Wissenschaft über menschliche DNA vorlag kein so starkes Bewusstsein für die möglichen Implikationen, die diese Informationen, wenn sie verbreitet (sei es gezielt oder versehentlich) würden, haben könnten (dass es existierte ist fraglos, siehe Gattaca). Welche Versicherung würde schon jemanden versichern wollen, wenn bereits vorher berechnen kann, dass sie draufzahlen wird?

    Ich sage nicht, dass es mit den persönlichen Daten genauso wird. Ich warne davor, dass die Tatsache, das wir uns nicht vorstellen können, was mit unseren Daten geschehen wird, uns zu der Annahme führt, es würde generell ungefährlich sein. Die bisherigen Erfahrungen zeugen eher von dem Gegenteil.

    P.S.: Verstehe nicht, wieso du differenzierst zwischen “Marketingzwecken” und der Verwertung der Daten von “Kriminellen”. Dass die Daten über SCN mit einer derartigen AGB viel eher und vor allem viel einfacher auch an Kriminelle geraten können, bedenkst du scheinbar nicht. Oder so gefragt: Wer kontrolliert deine Daten, wenn diese in systematisierter Form von einem SCN abgekauft wurden?

  31. Mike
    schrieb am 12. März 2008 um 03:55 Uhr (#)

    @Fatu Simmayeck: Du leidest an Paranoia im Endstadion. Deine Kommentare langweilen mich fast zu tode allerdings kann ich mich auch bestens darüber amüsieren so komisch sind sie …..

  32. Oliver Springer
    schrieb am 13. März 2008 um 00:16 Uhr (#)

    @Fatu: Ich habe nicht behauptet, dass Datensätze, die zu Marketingzwecken gesammelt werden, nicht in falsche Hände kommen könnten.

    Ich argumentiere die ganze Zeit dagegen, dass die Gefahr nicht von den Social Networks ausgeht, auf die sich die Kritiker eingeschossen haben. Die meisten Dinge, die Du angesprochen hast, würde ich nicht einfach abtun, sondern sehe das durchaus als Themen, die die Gesellschaft diskutieren sollte.

    Die Kritik an facebook oder studiVZ trifft dann aber wirklich die Falschen. Klar sind das die, die Datensätze anlegen, aber bei denen mach ich mir um die Motive (fast) keine Sorgen.

    Anstatt die eigentlichen Gefahren anzusprechen — einige davon bennenst Du — geht es meist darum, was studiVZ oder facebook “Böses” mit den Daten wollen. Als ob perfekt auf die Persönlichkeit zugeschnittene Marketingmaßnahmen das Schlimmste wären, was einen gläsernen Bürger treffen könnte.

    Darüber kann ich mich aufregen.

    Die Probleme, die Du ansprichst, betreffen jede Art von Datenbanken, in denen Daten über Menschen gesammelt werden. Wer in Social Networks ein Profil von sich anlegt, hat insoweit wenigstens selbst die Kontrolle darüber, wie er sich der Welt präsentiert.

    Social Networks sind somit auch eine in dieser Qualität vorher nicht vorhandene Möglichkeit, selbst zu bestimmen, was jemand, der Informationen über einen sucht, präsentiert bekommt, womit wir beim Reputationsmanagement wären.

    Was eine Suchmaschine über Dich findet, wenn Dein Name eingegeben wird, kontrollierst Du nicht. Selbst erstellte Profile im Netz sind “EGO SEO”.

    Nebenbei: “Gattaca” habe ich auch gesehen, halte ich für sehr empfehlenswert.

  33. Fatu Simmayeck
    schrieb am 13. März 2008 um 11:54 Uhr (#)

    Dann sind wir uns ja in einem wichtigen Punkt einig. Ich halte es auch für falsch sich auf SC einzuschießen. Wie gesagt: Ich bin weder so liberal davon auszugehen, dass die User ihr (Daten)schicksal selber zu bestimmen, noch so strukturalistisch, dass ich die User von den SCs gesteuert sehe, dem ist sicherlich nicht so.

    Was die Motive der Communities angeht… da geht es mir nicht darum, diese auf “böse” zu fixieren. Allerdings wüste ich auch nicht, warum ich das Gegenteil annehmen sollte. Ich rede da übrigens eigentlich ausschließlich von Facebook, denn StudiVZ hat (aus gutem Grund) nicht solche AGBs.

    Die Profile kontrollierst natürlich erstmal du, da hast du recht. Aber sobald du etwas änderst kontrollierst du die alten Daten nicht mehr, die befinden sich nämlich potenziell nach wie vor auf der Datenbank. (Siehe z.B. in der Tatsache, dass du bei FB nichts endgültig löschen kannst).

    Wie gesagt, mir geht es nicht darum hier ausschlielich SC-Betreiber zu kritisieren. Ich halte auch den in meinen Augen verantwortungslosen und vor allem kurzsichtigen Umgang mit eigenen Nutzerdaten für einen sehr bedenklichen Faktor in der ganzen Entwicklung.
    Wir könnten ja mal die Frage stellen, warum die meisten user keien AGBs lesen. Liegt es vielleicht daran, dass sie so viel Vertrauen in die Organisationen haben? Oder sind sie sich nicht bewusst was passieren könnte? Oder wissen die Leute gar nicht was das ist?

    Gruß,
    Fatu

  34. uninteressant
    schrieb am 4. April 2008 um 21:35 Uhr (#)

    Ich bin zufällig über diese diskusion gestolpert und wollte auch mal meinen senf dazu abgeben,

    als erstes kurz und bündig: ich denke das die wenigsten von uns die lust verspüren sich durch seitenlange AGBs zu lesen bevor sie sich zu irgendwas anmelden von dem her könnte dort wohl alles mögliche stehen wie zb.: hiermit überschreibe ich mein gesammtes hab und gut dieser firma und 20% meines gesammteinkommens jährlich bis an mein lebensende — und es würden die meisten user trotzdem blind die anmeldung bestätigen…
    mich mit eingeschlossen denn sie seitenlangen AGBs interessieren einfach nicht…

    zu eigetlichen thema:
    bin selber mittelmässig aktiv bei studivz und seit kurzem auch bei facebook da ich kontakte im skandinavischen raum darüber pflegen kann
    finde studi zu simpel allerdings war mir facebook von anfang an etwas unsympatisch
    muss aber zugeben solche dinge wie den birthdaycalender finde ich sehr nett
    lustigerweise spricht keiner von euch an was mich an facebook am meisten nervt und zwar die wichtigste funktion: ich suche jemanden und er findet ihn manchmal manchmal nicht und manchmal findet er auch komplett andere namen(personen) die nichtmal in der nähe des gesuchten liegen, (passiert bei studi nicht) da frag ich mich doch wie schwer kann es sein eine ordetliche suchfunktion zu programmieren?
    und erweiterete suchfunktionen währen bei beiden nicht schlecht
    studivz ist einfach zu wenig international…
    könnte mir vorstellen das es ein dritter noch unbekannter macht denn wenn sich 2 streiten…
    mfg :P

  35. Amy B.
    schrieb am 11. Mai 2008 um 23:31 Uhr (#)

    i wish i understood german:(

  36. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 12. Mai 2008 um 08:57 Uhr (#)

    Try the Google translation.

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