Ist Googles Umsatz zu 28.3% kriminell?
Von Andreas Göldi am 23. Februar 2008 um 01:36 Uhr Kommentare (3)
Kategorien: Analysen
Das Internet ist ja bekanntlich ein sehr schön messbares Werbemedium (mehr oder weniger), und darum liest man auch immer wieder allerhand spannende Statistiken. Oder auch solche, die erschreckend sind.
Beispielsweise diese: Die Firma Click Forensics hat neue Zahlen veröffentlicht, denen zufolge nicht weniger als 16.6% der Klicks auf Internetwerbung betrügerisch sind, Tendenz steigend. Noch schlimmer sieht es bei den Pay-per-Click-Werbungen aus, also z.B. Google AdWords. Dort sollen gar 28.3% der Klicks nicht von echten Kunden stammen. “Click Fraud” nennt man das im Online-Slang.
Manche Online-Publisher zahlen Leute (u.a. angeblich ganze indische Dörfer) dafür, dass sie fleissig auf Werbelinks in den Websites dieser Publisher klicken, weil der Websitebetreiber davon natürlich direkt profitiert. Und Werbemittler wie Google und Yahoo verdienen fleissig mit, weil sie eine Kommission für jeden Klick kassieren. Die Verlierer dabei sind natürlich die Werbetreibenden.
Zwar gibt sich Google im Prinzip alle Mühe, diesem Treiben ein Ende zu setzen, aber man darf sich natürlich mit Recht fragen, ob die Anreize da wirklich richtig gesetzt sind. Falls es tatsächlich stimmen sollte, dass mehr als ein Viertel der Klicks auf AdWords-Werbung betrügerisch ist, geht es da um sehr, sehr viel Geld. Nicht auszuschliessen also, dass bei solchen Grössenordnungen so mancher Werbetreibender das Vertrauen in die Pay-per-Click-Werbung verlieren könnte.
Interessant übrigens auch, woher die gefälschten Klicks kommen: Führend ist Indien mit 4.3%, und gleich danach kommt mit 3.9%… nein, nicht China, sondern Deutschland.
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3 Kommentare
Seien wir mal ehlich, hat schon mal jemand, es sei denn aus versehen, einen Werbebanner angeklickt? Also mir passiert das pro Jahr maximal ein Mal.
S. Meyer
schrieb am 24. Februar 2008, 09:38 Uhr (Permalink zum Kommentar)Die Problematik ist ja bekannt, neben der mit Sicherheit vorhandenen Prozentzahl an clicks, welche nicht von potentiellen Kunden stammen, steht auch noch die Anzahl von clicks, die zwar von Kunden stammen die aber gar kein richtiges Interesse haben. Auch diese Zahl generiert keinen Umsatz, aber hohe Kosten.
An beiden Schrauben könnte man also drehen, wenn man das Wohl der Werbenden im Auge hätte und so die Kosten um 80% und mehr senken. Aber ich glaube nicht, dass dieses im Interesse der Anbieter sein dürfte.
Matthias
schrieb am 26. Februar 2008, 20:04 Uhr (Permalink zum Kommentar)klickbetrug ist sicher ein problem, der titel des postings ist aber vielleicht doch etwas übertrieben. denn 2 dinge muss man immer im auge behalten:
1. wenn eine firma die “clickforensics, inc.” eine untersuchung über klickbetrug macht, ist das natürlich so, wie wenn wenn hersteller von nikotin-kaugummis über die gefahren des rauchens spricht: denn ohne nachgeschaut zu haben, wette ich jetzt einfach mal, dass der firmenzweck von “clickforensics” - nomen est omen - im verkauf von programmen und dienstleistungen besteht, um dieses problem zu lösen.
2. dann ist da noch die mär von der werbung ohne streuverluste: werbung hat immer streuverluste. bei einer printanzeige bezahle ich letztlich noch nicht einmal den sichtkontakt, sondern über ivw-auflage bzw. reichweiten-analyse (ag.ma) ja nur die “kontaktwahrscheinlichkeit” - wenn eine zeitschrift mit 100.000 lesern wirbt, ist die frage, wieviele denn meine anzeige auf seite 123 links unten tatsächlich “lesen”, ja völlig offen. vielleicht nur 10%, vielleicht noch weniger. aber bezahlen muss man die anzeigenpreise, die ja auf irgendwelchen wie auch immer ermittelten leserzahlen basieren. da kannst du also auch eine überschrift wie “90% des umsatzes des spiegel-verlags sind kriminell” rechtfertigen (ok nicht wirklich ;)…. und das thema tv-werbung und was macht man so in den werbepausen brauchen wir ja erst gar nicht aufzumachen.
also, bisschen schwund ist immer. wenn der natürlich tatsächlich fast 30% betragen würde bei dem cpc-modell von google, wäre das schon ein hammer. und dass es da zuwenig transparenz gibt und dass google mehr tun könnte, ist sicher auch richtig.
deshalb aber das ganze cpc-modell dem untergang geweiht zu sehen, ist sicher eine übertreibung.
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ugugu
schrieb am 23. Februar 2008, 12:12 Uhr (Permalink zum Kommentar)