«Höschen-Träume in der Haftanstalt» Sexszenen-Trüffelschwein SPON

spon_langhans_2008-02-20.pngWer als pubertierender Junge Bücher gelesen hat, erinnert sich: Am besten waren die Sexszenen – egal worum es in dem Buch eigentlich ging und egal wie subtil sie waren. Im Prä-Web-Zeitalter war noch wenig Anregung und viel Phantasie. Wenn das Buch langweilig wurde, konnte man immer vorblättern, ob es irgendwo in Richtung Bett gehen würde. Lästig, diese ganze Handlung zwischendurch, am besten wäre es, die entscheidenden Szenen wären schon irgendwie herausgestrichen.

Hilfe naht, wenn auch etwas spät. Spiegel Online hat die Autobiografie von Rainer Langhans gelesen. Und unter dem den Liebesgrüssen aus der Lederhose kongenialen Titel «Höschen-Träume in der Haftanstalt» acht Teile gefunden, wo es um Poppen geht (stimmt am Ende gar nicht, manchmal geht es um Liebestöter wie Geld), und die natürlich als Klickstrecke auf acht Seiten verteilt.

Klar, ein bisschen enttäuscht ist man schon, dass es in der berühmten Kommune I deutlich weniger krachledern herging, als wir uns das die letzten 40 Jahre vorgestellt hatten (Uschi Obermaier legt sich «zuerst mit dem weissen Pulli ins Bett» – au Mann, wie langweilig ist die denn!), entsprechend ist der enttäuschte Ausruf «Alle mit allen? Von wegen!» verständlich. Aber immerhin, ein paar Höschenstellen lassen sich finden, und mit dem berühmten Oben-ohne-Foto von Uschi im Hinterkopf und der proaktiven Phantasie von damals denken wir: «Wahrscheinlich war’s doch irgendwie geil!»

Wie alt ist Spiegel Online nochmal? Dreizehneinhalb? Na dann ist’s ja eigentlich wenig überraschend.

PS. In der Kommune I selbst wurden damals keine Bücher gelesen, sondern vor allem Comics, wie ein Spiegel-Artikel über eine Attacke des Bayernkurier auf die Micky Maus von Oktober 1969 zeigt.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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