Euphorie um DataPortability – Aber wem nützt es eigentlich?

Aktualisiert

DataPortabilityMehr als überschwänglich reagierte die internationale Blogosphäre auf die gestrige Meldung, Google, Facebook und Plaxo würden der Initiative DataPortability.org beitreten, die für eine Social-Networking-Landschaft eintritt, in der User ihre persönlichen Daten und Freunde von Anbieter zu Anbieter mitnehmen können. Die Arbeitsgruppe möchte Standards und Lösungen entwickeln, die von Communities und Social-Media-Diensten umgesetzt und integriert werden, damit Nutzer ihren Social Graph bequem in der virtuellen Hosentasche immer dabei haben, egal bei welcher Community sie sich morgen niederlassen. Die euphorische Reaktion vieler Tech-Blogger und IT-Theoretiker verwundert nicht, ist diese Öffnung der bis heute größtenteils geschlossenen Social Networks doch ein Traum zahlreicher Web-2.0-Aktivisten.

Ungeachtet davon, ob die Vision offener Netzwerke und die Möglichkeit zum Mitnehmen seiner Nutzerdaten von Dienst zu Dienst langfristig Realität werden, blenden alle unkritischen Befürwörter des DataPortability-Konzepts zwei wichtige Aspekte aus, die ich nicht unter den Tisch fallen lassen möchte: Hat der durchschnittliche Social Networker überhaupt Interesse an der Möglichkeit, seine Daten und Freunde mitzunehmen? Und in welcher Weise profitieren “herkömmliche” Web-2.0-Anbieter, die weder über den Hype-Status von Facebook noch über die dicken Taschen von Google verfügen, von einer solchen Lösung?

Das ausartend positive Echo auf die Ankündigung der drei Webdienste (Readwriteweb: “If things go right, today could be a very important day in the history of the internet”, TechCrunch: “Today changes everything you’ve ever thought about social-networking data and lock-in before”) gibt Grund zur Annahme, dass manch einer der in seiner mit Millionen Dollar Investorengeldern finanzierten Silicon-Valley-Twitter-Blase ein wenig den Kontakt zur Realität verloren hat. Die Realität sind hunderte Millionen Social-Network-User, die sich mit der Mitgliedschaft in einem, maximal zwei Netzwerken begnügen und niemals einen Gedanken daran verschwenden würden, dass die Möglichkeit, ihre Profildaten zu zahlreichen anderen Diensten transferieren zu können, etwas Erstrebenswertes wäre. Nur weil Obernerd Robert Scoble (Mr. 5000-Facebook-Kontakte) und sein Gefolge DataPortability als DAS große Ding verkaufen, bedeutet dies nicht, dass dies außerhalb der US-amerikanischen Tech-Zentren (und außerhalb der Wohn- und Arbeitszimmer deren internationalen Anhangs) auch so gesehen wird.

Meiner Ansicht nach würde Interoperativität am Ende die Starken begünstigen und die Schwachen benachteiligen. Dass Facebook, das derzeit angesagteste aller Social Networks, und Google, welches für die Zukunft einen Umsatz von 100 Milliarden US-Dollar (!) für möglich hält, die Initiative unterstützten, erscheint logisch, müsste man sich jetzt und in naher Zukunft kaum sorgen machen, dass Nutzer ihr Sack und Pack nehmen und zu einem Konkurrenten gehen – ihr wisst schon, Netzwerkeffekte und so. Anders sieht das aber für all die kleineren Fische aus, die ihren Mitgliedern häufig nicht mal einen Link zum Löschen der Mitgliedschaft anbieten. Wie würde es denen wohl ergehen, wenn sie ihren Usern ermöglichten, persönliche Daten samt Kontakten problemlos zu einem anderen, möglicherweise viel besseren Dienst zu verfrachten?! Genau, sehr schlecht.

Manchmal scheint es mir, als würde allzugern vergessen, dass jeder Anbieter langfristig Geld verdienen muss/möchte und sich nicht dem Wohl der Internetgemeinschaft verschrieben hat. Denn aus Sicht eines wirtschaftlich denkenden und handelnden Unternehmens mit starker Nutzerbasis (das nicht Google oder Facebook heißt) bietet die propagierte Öffnung im Moment keinerlei Vorteile – genauso wenig wie für den Großteil der Anwender, die kein Interesse daran haben, jede Woche Mitglied bei einem neuen Social Network zu werden. Auch das oft erwähnte Argument, man müsse mit den eigenen Daten machen können, was man wolle, zieht nicht: Wer freiwillig persönliche Informationen an einen Social-Networking-Dienst übermittelt und diesen kostenlos nutzt, darf sich im Anschluss nicht darüber beschweren, dass der Dienst ihm nicht seine Daten “zurückgeben” will.

So gut und visionär die Idee von DataPortability.org sein mag, so wenig praktikabel und nachgefragt ist sie aktuell beim und vom Otto-Normal-User, der immerhin den größten Teil der Social-Network-Population ausmacht. Es mag sein, dass wir irgendwann den von DataPortability.org angestrebten Zustand erreichen, und eventuell wird es dann auch eine enorme Bereicherung für alle sein. Die Wirklichkeit sollte man beim Sinnieren, Referieren und Bloggen über dieses Thema aber nicht vergessen: Einfach mal Twitter abschalten, rausgehen und Leute fragen, ob sie nicht auch gerne die Möglichkeit hätten, ihre gesamten studiVZ-/MySpace-/Facebook-Daten und -Freunde überall hin mitnehmen zu können… Wieviele fragende Blicke würde man wohl erhalten?

Update: Mittlerweile sind auch Vertreter weiterer führender Web-2.0-Anbieter der DataPortability-Initiative beigetreten: LinkedIn (Business Network), SixApart (Blogging), Flickr (Foto Network) und Twitter (Microblogging) – SixApart ausgenommen alles tonangebende Dienste in ihrem jeweiligen Tätigkeitsfeld.

Teilweise komplett andere Meinungen zum Thema bei Basic Thinking, neunetz und Textdepot.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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19 Kommentare

  1. Joerg
    schrieb am 9. Januar 2008 um 18:31 Uhr (#)

    Hallo Martin,

    eventuell gibt es dabei doch einen Aspekt, der in Zukunft noch interessant in diesem Zusammenhang werden könnte. Und zwar der, über die Grenzen von SNs hinweg kommunizieren zu können. Damit wäre es nicht mehr relevant in welchem ich mich gerade befinde und das käme kleineren eher zugute. Genauso wie ich durch das Jabber Protokoll mehrere Messenger miteinander verbinden kann. Momentan sehe ich ebenfalls keinen gravierenden Vorteil meinen Krempel mit umziehen zu können, solange sich dort sonst niemand aufhält. Aber die Tendenz ist, mit Vorbehalt, positiv.

    Hossa
    J

  2. Thomas
    schrieb am 9. Januar 2008 um 18:39 Uhr (#)

    Hallo Martin,

    ich denke, dass wenn sich die großen Netzwerke öffnen, es durchaus auch den kleinen oder neuen Start-Ups nutzen wird. Der Lock-In-Effekt wird abnehmen und es wird für neue Start-Ups einfacher sein, in Verbindung mit beispielsweise Widgets Nutzer auf die eigene Plattform zu locken.

    Ich finde den Ansatz, der hier gegangen wird sehr gut und hoffe, dass sich da nicht nur heiße Luft und ein PR-Gewitter hinter verbürgt.

    Viele Grüße

    Thomas

  3. Joerg
    schrieb am 9. Januar 2008 um 18:43 Uhr (#)

    Zusatz zu oben: Ob jedoch operierende Unternehmen eine offene Kommunikation befürworten steht auf einem anderen Blatt.

    Aber trotzdem sehe ich den Vorteil darin, dass ich mich zum Austesten eines Dienstes (irgendwo in einer Nische) nicht extra anmelden müsste. Und sei es aus Gründen der Neugier. Und wenn mir das meinen Bedürfnissen, beispielsweise nach spamfreier Kommunikation, besser entgegenkommt, wäre ein Wechsel vereinfacht. Nichts ist für ewig, mal schauen wann Facebook überhaupt mal richtig Geld verdient.

  4. PatRiot
    schrieb am 9. Januar 2008 um 18:49 Uhr (#)

    Mich würde vor allem das Geschäftsmodell interessieren. Wie und wer verdient daran Geld. Wird es ein Bezahlfeature usw. … Um die Technische Umsetzbarkeit mache ich mir keine Sorgen. Alles ist nahezu machbar, behaupte ich jetzt einfach mal und renne lächelnd ins Kreuzfeuer.

  5. Martin Weigert
    schrieb am 9. Januar 2008 um 19:09 Uhr (#)

    @ Joerg, jo die Tendenz ist unter Vorbehalt positiv. Aus Sicht der Nutzer, die viele verschiedene Dienste nutzen und den Wunsch haben, ihre Daten mitzunehmen. Aus Anbietersicht sehe ich einfach nur Risiken statt Chancen. Wobei Thomas hier eine mögliche Chance für kleinere Startups ins Spiel bringt, an der sicher etwas dran ist.

    Generell aber stehen die Fakten für mich so: Nutzer sind einfach gesagt das einzige und wichtigste Asset eines SNs. Den Nutzer einen Wechsel leicht zu machen, erscheint mir einfach für die meisten fatal. Besonders für solche Dienste, die auf Featureseite nichts haben, und trotzdem irgendwie eine große Zahl an aktiven Mitgliedern erzielen konnten. Für die wäre die Unterstützung von DataPortabilitity womöglich der mittelfristige Todesstoß.

    @ PatRiot

    Technisch sehe ich da auch keine Probleme, aber wie du wundere ich mich dann über das Geschäftsmodell.

    Um mal bei Robert Basics Café-Beispiel zu bleiben, das er in seinem Beitrag bringt: Würde eine trendiges Café, das gut besucht ist, aber in dem es nur schlechten Kaffee und teure Snacks gibt, wirklich einen Bus-Shuttle zu einem andere, viel besseren Café einrichten, und das womöglich noch kostenlos?! Möglicherweise könnte man den Shuttle ja dann zumindest kostenpflichtig machen. Wobei dann die Gefahr besteht, das die meisten doch lieber laufen, es dauert ja nur fünf Minuten.

  6. Carsten Pötter
    schrieb am 9. Januar 2008 um 19:32 Uhr (#)

    Ich begrüße den Schritt von Google, Facebook und Plaxo sehr. Ob und was dann am Ende dabei heraus kommt, können wir für den Moment erst einmal vernachlässigen. Wichtig erscheint mir, dass durch die Ankündigung und die vorwiegend positiven Reaktionen den bislang der Datenportabilität zugrunde liegenden (möglichen) Protokollen und Standards mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird und diese dadurch einen Schub erhalten. OpenID, OAuth, APML, Mikroformate,… können schließlich auch noch in anderen Bereichen genutzt werden; nur Social Networks dabei zu thematisieren greift zu kurz.

    Aber wenn schon SN’s thematisiert sind: Wenn ein SN nicht viel mehr zu bieten hat als die von den eigenen Nutzern generierten Daten, bleibt schon die Frage nach dem Konzept. Das ist in etwa so als würde eine Bank mir nur anbieten, dass ich dort mein Gehaltskonto einrichten kann. Sonst nichts. Keine Zinsen, keine Beratung, keine Anlagemöglichkeiten,… Bei solch einer Bank sind wohl die wenigstens.

    Wir sollten allerdings auch nicht vergessen, dass es sich bei DataPortability.org um eine Arbeitsgruppe handelt, die eigentlich noch nichts (öffentlich) vorzuweisen hat. Die großen Player können da lange mitreden und bei Entscheidungen sagt dann der CEO freundlich Danke, aber alles bleibt wie es ist. Ach ja, ein Problem werden wohl bestehende Gesetze zu Datensicherheit, Privatspäre,… speziell in Europa werden. Das Problem ist also nicht nur technisch, sondern auch juristisch bzw. sogar legislativ zu lösen.

    Scoble sollten wir bei der Geschichte vielleicht ganz außen vor lassen. Seit wann unterstützt er denn Datenportabilität und die Formate hierzu?

  7. marcel weiß
    schrieb am 9. Januar 2008 um 20:11 Uhr (#)

    Da Pingback wieder nicht funktioniert hat, mach ich das mal manuell:

    http://neunetz.com/2008/0…works-einschliessen/

  8. Martin Weigert
    schrieb am 9. Januar 2008 um 21:47 Uhr (#)

    @ Carsten

    Beispiel studiVZ/schülerVZ: Bieten technisch nichts, sind trotzdem riesig. In abgeschwächter Form trifft das auch auf viele andere zu. Nach über einem halben Jahr der studiVZ-vs-Facebook-Berichterstattung ist mir mittlerweile klar, dass die meisten User nicht denken wie wir, die sich tagtäglich mit Web-Innovationen beschäftigen und entsprechend anspruchsvoll geworden sind.

    Scoble hat sich mit seiner Plaxo-Script-Aktion bei Facebook quasi als Märtyrer für offene Social Networks positioniert. Ob aus Überzeugung oder Berechnung weiß ich nicht.

    @ Marcel

    Mit dem Artikel über Prognosen für die Entwicklung des Web 2.0 im Jahr 2008 habe ich deinen Namen in der Einleitung auf die Rivva-Startseite gebracht, und im Gegenzug bekommen wir ne eigene Schlagzeile? Klasse ;)

    Es war mir schon klar, dass ich mit meiner Ansicht auf Kritik stoßen werde. Es wird dir aufgefallen sein, dass ich bei zweinull.cc sehr häufig sowohl in die Nutzer- als auch in Unternehmensperspektive versetzte. Alles andere führt zu einseitigen Bewertungen. Lass uns einfach schauen, wie sich die Dinge entwickeln. Was DataPortability betrifft, traue ich weder Google, noch Facebook, geschweige denn dem fünften Rad am Wagen Plaxo.

    Nur noch eins zu dem in deinem Posting gebrachten Vergleich mit Social Bookmarking: Auch wenn dort das Wort “Social” ebenfalls vorkommt, wähle ich diesen ausschließlich nach den technischen Features, die mir geboten werden. D.h., es liegt in der Hand des Anbieters, ob ich bleibe oder nicht. Beim Social Networking hat der Anbieter zwar auch Einfluss auf mein Wohlfühlen in der Community, aber (wieder studiVZ als Beispiel) für viele steht die Technik dort nicht im Vordergrund. Es gelten andere Regeln, weil es dort im Gegensatz zu Social Bookmarking einzig und allein um den sozialen Aspekt geht. Sind alle meine Freunde da, bin ich auch da, egal wie billig die Community ist. Ob meine Freunde beim Social Bookmarking Dienst meiner Wahl sind oder nicht, ist mir völlig egal. Mit der Implementierung von Möglichkeiten zur DataPortability geben Social Networks teilweise die Kontrolle über die ohnehin schon schwer zu steuerende Nutzerschaft auf, die in der Gesamtheit gesehen eben nicht rational agiert (“hier gibt es tolle Features, hier bleibe ich”), sondern emotional, von der Gruppendynamik getrieben.

  9. Johannes
    schrieb am 9. Januar 2008 um 22:08 Uhr (#)

    Ich freu mich, gestern zufällig über die Seite gestoßen zu sein – das Networking funktioniert schon prächtig :-) Danke Martin für den Beitrag über DataPortability – passt perfekt zu meinem morgigen Konferenzbeitrag über das Thema Social Semantic Web.

    Leider, und ich muss mich eher der Haltung von Martin halten, passt es auch sehr gut zu meinem Thema meiner Masterthese (=Diplomarbeit). Datenschutz in Social Communities. Leider im Sinne von: Wer möchte überhaupt, dass seine Daten portiert werden? ich sehe keinen wirklichen sinn dahinter. sondern nur weitere, sehr gefährliche datenschutzrechtliche thematiken. wenn deine daten erst einmal für amazon, ebay, facebook und google kombinierbar sind, dann können sie dich plattform übergreifend analysieren. wissen, dass du auf ebay dein altes notebook verschärbelst, wissen, dass du auf facebook in der “we love apple” gruppe bist, und schwups spuckt dir amazon schon das neue macbook pro als top produkt vor. für die einen ein rosiges zukunftsszenario, denn .. genau das macbook pro wollen sie ja … für mich jedoch eher bedenklich, wo die reise hinführt. firmen wissen bald alles über uns. und mit dataportability wissen sie es noch schneller und noch einfacher.

    es ist zwar bisher nur ein konstrukt auf einer webseite, zu der es noch keine umsetzungen gibt, und viele kremien und gruppen beweisen oftmals, dass ihre vorhaben nicht in die tat umgesetzt werden … aber gerade bei solch namhaften firmen glaubt man wohl nicht daran, dass diese bei ihrem vorhaben, mehr geld durch spezifische werbung zu schäffeln, in ihrem vorhaben scheitern werden.

    nun denn: data.portability.ist.nicht.gerade.in ! ich bin definitiv dagegen.

  10. Philipp
    schrieb am 9. Januar 2008 um 23:41 Uhr (#)

    Martin, ich wollt einfach mal Danke sagen :D Danke für einen Blog, der sich mit dem Thema Web 2.0 wirklich fundiert beschäftigt und super recherchierte Berichte liefert. Nicht a la Deutsche-Startups, einfach alles was nur mit dem Thema zutun hat, kurz und bündig reinknallen nach dem Motto “Hauptsache Traffic”. Mittlerweile bist Du eigentlich innerhalb der Gründerszene zum “Must read” geworden! Zweinull.cc ist quasi das deutsche ReadWriteWeb. Klasse!

    Bitte weiter so!

  11. marcel weiß
    schrieb am 9. Januar 2008 um 23:53 Uhr (#)

    @Martin
    Hättest auch bei mir kommentieren können. :)
    Du hast mein Beispiel mit Bookmarking und Fotos, glaube ich, etwas missverstanden: Wie dort die Bookmarks, gehören Dir auch in einem SN all die Daten die Du einträgst. Ob nun Nachrichten, Fotos, oder soziale Verbindungen, all das gehört Dir als Nutzer. Aber es bleibt auf Seite X. Weil es kein Export gibt.

    Lass dir das ruhig mal durch den Kopf gehen: Auf Flickr hochgeladene Fotos kannst Du wieder runterladen, auf StudiVZ (und andere SNs) hochgeladene Fotos nicht. Ist das richtig? Wenn ja, warum?

    Noch was wegen der Unternehmerperspektive: Du tust hier so, als würdest Du für die kleinen SNs sprechen müssen. Überleg Dir mal, warum in der Dataportabilitygroup seit ner Ewigkeit erstmal nur kleine Unternehmen waren und später erst große dazukamen. Wenn Deiner Argumentation nach doch die Großen mehr davon profitieren..

    @Johannes
    Dataportability bedeutet doch nicht alles oder nichts. Das geht sehr wohl auch mit Datenschutz. Das kommt doch dann auf die Implementierung an. Es geht ja eben gerade darum, dem Nutzer die Kontrolle über _seine_ Daten zu geben.
    Überhaupt hast Du das ganze Konzept hinter Dataportability nicht verstanden. Es geht doch nicht darum, dass Unternehmen Deine Daten einfach hin und herschieben können.

  12. Heiko
    schrieb am 10. Januar 2008 um 04:51 Uhr (#)

    Wenn ich das Ganze jetzt richtig verstanden habe, dann handelt es sich doch hierbei um eine Art “Internet-Ausweis”, also die einfache Art mich bei einer noch fremden Seite schnell identifizieren zu können ohne ständig lästige Formulare bei der Registrierung ausfüllen zu müssen.
    Abgesehen davon, das es einen ganz großen Anbieter geben würde der ALLE Daten speichert und ALLES weiss (nichts neues, Mr. Google *hehe*) halte ich es generell für eine gute Sache.
    Nur dieser eine Dienst, der ALLES speichert, der müsste entsprechend überwacht sein, nicht so wie derzeit oogle ;)

  13. Martin Weigert
    schrieb am 10. Januar 2008 um 09:09 Uhr (#)

    Marcel, du sprichst mit dem Beispiel sicher einen guten Punkt an. Wieso darf man bei Flickr die Bilder wieder herunterladen, bei studiVZ (z.B.) nicht? Die Antwort liegt meiner Ansicht nach im Geschäftsmodell. Flickr will Leute für seinen kostenpflichtigen Premiumaccount gewinnen, mit dem es Geld verdient. Dafür muss es zeigen, was es kann. Da Flickr zudem als bekanntester Anbieter in diesem Bereich mit vielen technischen Features ausgestattet ist, macht man sich keine Sorge, dass die Nutzer einfach wieder abhauen. Im Gegenteil: User würden Flickr nicht nutzen, wenn sie die Fotos NICHT wieder herunterladen könnten.

    Ein Social Network hat i.d.R. keinen kostenpflichtige Bereich, muss sich durch Werbung, Merchandising, E-Commerce etc. finanzieren und kann deshalb gar nicht anders, als Nutzer bei sich “einzuschließen” (um mal deine Wortwahl zu verwenden). Wobei das auf der anderen Seite nicht bedeutet, dass deshalb User ihre Fotos nicht selbst runterladen dürfen. Das sehe ich genauso kritisch wie du.

    Es gibt in meinen Augen einen Unterschied zwischen Usability inklusive der Möglichkeit, bestimmte Daten zu exportieren, und dem expliziten Bestreben, seine gesammten, in einem Social Network angelegten Daten und Kontakte einfach mitnehmen zu können. Würde man seine Personendaten auf einen Zettel schreiben, die Fotos seiner Freunde ausdrucken, Kontaktdaten auf die Fotos schreiben und alles fein säuberlich auf den heimischen Wohnzimmerteppich legen, dann wäre das des Nutzers Eigentum. Entscheidet man sich aber, die Tools eines externen Unternehmens kostenlos in Anspruch nehmen, um seine Daten und Kontakte besser nutzbar zu machen, dann muss man sich auch mit den Konsequenzen anfreunden und Verständnis haben, dass das Social Network dafür irgendwas von dir haben will.

    Gute Frage, warum in der DataPortabilitygruppe bisher nur kleine Anbieter waren. Kann ich dir nicht beantworten. Es könnte mit der allgemeinen Überfinanzierung der Valley-Startups zu tun haben. Wenn Geld im Überfluss vorhanden ist, dann denkt manch ein Startup womöglich nicht langfristig genug (oder hat alternativ mehr Ressourcen für visionäre Vorhaben wie dieses).

    @ Heiko, klar das klingt verlockend. Für mich als Nutzer von Social-Media-Diensten hängt meine Bewertung des Vorhabens stark von der Art der Umsetzung ab. So wie du sie skizzierst, wäre mir das nicht sonderlich geheuer.

    Danke Philipp, sehr nettes Kompliment, auch wenn es bis zum RWW-Status wohl noch ein langer langer Weg ist ;)

  14. Sven
    schrieb am 10. Januar 2008 um 11:02 Uhr (#)

    Hej,
    der Artikel ist eine gute Analyse der Situation – aus einer kritischeren Perspektive. Finde ich prima und kann ich weitestgehend mittragen.

    @ Martin: Allerdings ist dir beim Schreiben ein kleiner Fehler unterlaufen. Google peilt für die Zukunft nicht $100 Milliarden Gewinn an, sondern einen Umsatz in selbiger Höhe – “Google Aiming for $100 Billion of Revenue” (Titel des von dir zitierten Artikels).

    Grüße

  15. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 10. Januar 2008 um 11:13 Uhr (#)

    Sven, sehr aufmerksam, danke. Mit ein bisschen Nachdenken hätte es mir auch selbst auffallen können, dass ein 100-Milliarden-Dollar-Gewinn ein Ding der Unmöglichkeit ist ;)

  16. Carsten Pötter
    schrieb am 10. Januar 2008 um 17:13 Uhr (#)

    @Heiko: Nein, es soll eben keinen großen Anbieter geben, der alles kontrolliert. Nehmen wir einfach mal ein bereits existierendes Beispiel:
    Auf Wevent.org kannst Du Deine Kontakte importieren. Das ist über das Mikroformat hCard realisiert, d.h. jede Seite die Kontaktlisten mit hCards auszeichnet eignet sich hierzu, z.B. Twitter. Genauso könntest Du dann eben bei einer anderen Seite Wevent angeben, um Kontakte zu importieren, oder eben wieder Twitter. Der Charme liegt also gerade darin, dass es nicht ein großer Anbieter sein muss.

    Anderes Beispiel: APML. APML ist ein (noch extrem neuer) Standard, um Aufmerksamkeitsdaten zu sammeln. Als einfache Erklärung mag vielleicht Amazon dienen (nein, die nutzen kein APML), da kann man sich das besser vorstellen. Amazon sagt einem ja immer “Kunden die Produkt X gekauft haben, haben auch Produkt Y gekauft” oder “Sie haben Produkt A gekauft, vielleicht interessiert Sie auch Produkt B”. Amazon analysiert mein Kaufverhalten. Kann man gut oder schlecht finden. APML eignet sich hierzu auch. Aber auch noch zu viel mehr.
    Nehmen wir an sowohl Amazon als auch Last.fm unterstützten APML, dann wäre es möglich, dass mir Amazon aufgrund der bei Last.fm gehörten Musik entsprechende Vorschläge zum Kauf von CDs macht. Anders herum könnte Last.fm mir eine Playlist aufgrund meiner gekauften CDs bei Amazon erstellen. Im Idealfall würde ich mein APML File selbst hosten und einem Anbieter Zugang gewähren oder eben auch verweigern. Ist noch Zukunftsmusik, ich gebe es zu.

  17. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 10. Januar 2008 um 19:41 Uhr (#)

    Carsten, danke für diese Erläuterungen. Ich sehe (nicht zum ersten Mal), dass du hinsichtlich des OpenWeb über sehr wertvolles Fachwissen verfügst. Früher oder später wende ich mich sicher mit einer Frage an dich.

  18. Daniel Friedrichs
    schrieb am 23. Januar 2008 um 13:38 Uhr (#)

    Ich denke (und hoffe) mal das Hauptaugenmerk von Initiativen wie OpenSocial und DataPortability liegt nicht auf dem reinen Umzug von einem Social Network zum anderen sonder eher in der stärkeren Vernetzung untereinander. Auch hier lässt es sich an einem Beispiel am einfachsten erklären. Ich pflege (und evtl. bezahle) mein Profil bei XING. Verwandte von mir habe ich bei netzathleten.de und studivz und weitere bei facebook. Um mit diesen Leuten in Kontakt zu bleiben müsste ich mein Profil in den verschiedensten Diensten pflegen (oder meine Freunde bitten das SN zu wechseln). Ich hoffe ich, dass eine Kommunikation (evtl. auch nicht mit allen Features des jeweiligen SN) über Netzwerkgrenzen hinweg möglich wird. Ich denke auch nicht, dass hier ein Problem für kleine SN-Anbieter entsteht. Aus meiner Sicht erwachsen daraus eher neue Chancen…
    Schauen wir was die Zeit (und technische Entwicklung) bringt!

  19. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 23. Januar 2008 um 13:58 Uhr (#)

    Aus Nutzersicht wäre das natürlich schon praktisch. Aber welchen Grund gäbe es dann für dich noch, dich bei netzathleten oder studiVZ zu registrieren? Eigentlich keinen. Jeder würde dann da bleiben, wo er einmal registriert ist was für kleinere (und auch größere) Anbieter kaum noch Wachstumschancen beinhalten würde.

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