Grenzen austesten, Protest abwarten, Zugeständnis machen:
diesmal Xing

Martin Weigert, 4. Januar 2008 16:30 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

Xing LogoWie vor zwei Monaten angekündigt, hat das Business Network Xing mit der Vermarktung seiner Plattform begonnen. Nach den Nutzerprotesten rund um Facebooks Werbeprogramm Beacon und studiVZs AGB-Änderung bezüglich personalisierter Werbung wirkt das, was bei Xing gerade passiert, wie ein Déjá-vu: Wieder testet ein Social Network seine Grenzen aus (in diesem Fall: Gratis-Mitgliedern angezeigte Werbung auf den Profilen von Premium-Mitgliedern, teilweise für Konkurrenzfirmen), wieder kommt es zum Protest der einiger Benutzer, und wieder wird anschließend vom Social Network ein Schritt zurückgerudert (in diesem Fall: Opt-Out-Möglichkeit für Premium-Mitglieder, so dass keine Werbung mehr auf ihren Profilen erscheint). Wer an der ausführlichen Story interessiert ist, kann sie hier, hier oder hier nachlesen.

Mich als Xing-Premium-Mitglied würde es nicht stören, wenn Gratis-Mitglieder auf meinem Profil Werbebanner angezeigt bekommen. Allerdings verstehe ich, dass ein Angestellter der Deutschen Bank nicht glücklich ist, wenn auf seiner Xing-Seite eine Anzeige für ein Produkt einer anderen Bank gezeigt wird – es hängt also ein wenig vom Unternehmen und der Branche ab. Fraglos problematisch ist die kommunikative Seite dieses Vorstoßes, immerhin zahle ich jährlich über 70 Euro für meine Premium-Mitgliedschaft und hätte mir gewünscht, ein paar Tage vor dem Vermarktungsbeginn eine Infomail von Xing zu erhalten, statt an anderer Stelle davon zu lesen.

Dabei ist es kaum vorstellbar, dass eine Vorabinformation einfach vergessen wurde. Stattdessen wird es reines Kalkül gewesen sein, es einfach zu versuchen und die Reaktionen abzuwarten. Die Opt-Out-Funktion für Premium-Mitglieder lag als Notfallplan wahrscheinlich schon in der Schublade. Aus Xing-Sicht ist nachvollziehbar, dass man den Benutzern die Opt-Out-Gelegenheit nicht vorab auf dem goldenen Teller servieren wollte. Lieber ist man das Risiko eingegangen, einige wenige Premium-Mitglieder, die nun auf den Barrikaden stehen und lautstark ihre Kündigung androhen, zu verlieren.

Xing-CEO Lars Hinrichs und seinem Team wird nicht entgangen sein, dass Nutzerproteste bei Facebook und studiVZ zu keinem Zeitpunkt so umfassend waren, wie sie anschließend von den Medien dargestellt wurden (was sind schon Protestgruppen mit ein paar tausend Usern bei Millionen von Mitgliedern?!). In einer Woche wird wieder Ruhe herrschen und Xing auf den Profilen von zehntausenden Premium-Usern, die Werbung nicht deaktiviert haben, Banner platzieren können.

Wer dies nicht möchte, kann unter Einstellungen > Meine Profileinstellungen > Optionen das Anzeigen von Werbung auf seinem Profil für die Zukunft unterbinden.

Xing Werbung

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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4 Kommentare zu diesem Artikel

  1. DSL

    schrieb am 5. Januar 2008 um 01:25 Uhr (#)

    Echt nervig. Ein riesiges Feld mit Last Minute Reisen. Wie kommen die darauf das mich das interressiert. Wirk ich so gestresst?

  2. Jo Bressler

    schrieb am 5. Januar 2008 um 13:26 Uhr (#)

    da stimm ich eindeutig zu - keine frage - von langer hand vorbereitet und eiskalt durchgezogen. ob “das volk” den aufstand durchhält bis nächste woche, damit die sache nicht wirklich einschläft? time will tell…….

  3. PatRiot

    schrieb am 6. Januar 2008 um 16:39 Uhr (#)

    Junge, junge…
    mehr Trackbacks als Kommentare… doofe neue Technikwelt!

  4. Martin Weigert

    schrieb am 6. Januar 2008 um 19:44 Uhr (#)

    Sei nicht traurig, Herr Riot.


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