Was passiert, wenn Startup-Gründungen zu wenig kosten

Martin Weigert, 21. Dezember 2007 15:01 Uhr, 9 Kommentare Kommentare

Aktualisiert

Startup-GründungenDie Politiker, eine Community, bei der Nutzer Politikerzitate bewerten konnten, scheint ihr Dasein im Netz bereits nach zwei Monaten beendet zu haben. Beim Aufrufen der Domain bekommen Besucher im Moment (21. Dezember 15:10 Uhr) lediglich eine Willkommensmeldung der Serversoftware zu Gesicht. Die im Google Cache gespeicherte Version vom Montag zeigt eine Statusmeldung, die verspricht, die Seite würde nach dem Wochenende wieder online gehen. Dies hat ganz offensichtlich nicht geklappt. Die Politiker startete Mitte Oktober und machte auf mich den Eindruck eines sinnvollen und unterhaltsamen Web-2.0-Angebotes.

Egal was der Grund für die lange Downtime sein mag und ob die Seite noch einmal zurück kommen wird – der Vorfall ist exemplarisch für eine Eigenheit von Web-2.0-Startups: Die Konzeption und Realisierung eines auf User Generated Content (UGC) basierenden Webangebotes und die Gründung einer dazugehörigen GbR oder Ltd ist so einfach und erfordert so wenig Investitionen, dass es sich Gründer in manchen Fällen leisten können, nach zwei Monaten die Seite für längere Zeit vom Netz zu nehmen (egal warum) oder ganz einfach die Lust zu verlieren.

Natürlich hängt das Ausmaß an Zeit und Kapital, dass in eine Internet-Gründung gesteckt wird, von der Idee ab. Manche Projekte benötigen unter Umständen viele Monate oder gar Jahre, um fit für einen Markstart zu sein, und kosten einen sechs- oder siebenstelligen Eurobetrag in der Entwicklung. Gelegentlich kann es aber auch ganz schnell gehen und so gut wie kein Kapital erfordern, nämlich dann, wenn außer der Domain und dem Webspace ein Projekt nebenbei realisiert und die Entwicklung und das Design lediglich einige Nächte in Anspruch nehmen. Viele Web-2.0-Startups liegen bei Kapital- und Zeitbedarf irgendwo zwischen beiden Extremen, doch auch die ganz Schnellen gibt es. Der Zusammenhang zwischen Investitionen, Ernsthaftigkeit und Motivation liegt dabei auf der Hand: Je weniger Zeit und Geld der Gründer in sein Vorhaben gesteckt hat, desto größer ist das Risiko, dass er es innerhalb kurzer Zeit wieder aufgibt – weil dies kaum mit finanziellen Verlusten verbunden ist.

Um Die Politiker ist es zwar schade, aber mittlerweile hat mit Trupoli eine weitere Community für Politiker-Bewertungen das Licht der Welt erblickt. Trupoli spiegelt im Grunde das andere Extrem wieder, denn dort ist zwischen den ersten Ankündigungen im Frühjahr und dem tatsächlichen Start vor einigen Wochen für die Realisierung eines UGC-Projektes vergleichsweise viel Zeit verstrichen. Nachdem Die Politiker Trupoli mit einem Launch sogar zuvorkam, sieht es nun so aus, als würde Trupoli aus dieser Richtung in Zukunft kein Ungemach mehr drohen.

Bilder via Wikimedia Commons

Update: Marc Fuehnen von Die Politiker hat mir per Mail folgende Stellungnahme zukommen lassen:

Der Relaunch ist komplett fertig, und wartet nur noch auf den Upload, leider ist mein Kollege Max nicht mehr dabei, deshalb hab ich das Ding von grundauf neu programmiert, damit es künftig kein Theater gibt. Um asynchrone Datensätze zu vermeiden, war es zunächst geplant die Site 2 Tage vom Netz zu nehmen. Leider haben wir die Domain damals über einen von Max ISPs registriert und beim Domainübertrag sind Probleme aufgetreten, weil der Mann nicht in die Hufe kommt. Das zu klären nimmt dummerweise ein paar Tage Zeit in Anspruch. Gerade so kurz vor Weihnachten…

Damit wissen wir nun Bescheid. Dass es irgendeine mehr oder weniger einleuchtende Erklärung für die längere Auszeit bei Die Politiker geben würde, war klar. Das Problem: Aus Nutzersicht sieht das plötzliche Verschwinden einer Seite grundsätzlich unprofessionell aus und kostet mühsam aufgebautes Vertrauen. Da spielt es keine Rolle, ob die Oma gestorben oder eine Situation wie die geschilderte aufgetreten ist – ein Dienst, der nach zwei Monaten relauncht und dabei knapp eine Woche nicht erreichbar ist, fängt von Null an. Wer viel Geld in ein Startup investiert, würde es nicht so weit kommen lassen.

Nichtsdestotrotz wünsche ich viel Erfolg beim zweiten Anlauf. Hier einige Screenshots der neuen Version von Die Politiker:


(Zum Vergrößern klicken)

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

» Mehr lesen: Die Politiker (2), User Generated Content (23)

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9 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Thomas

    schrieb am 21. Dezember 2007 um 18:07 Uhr (#)

    Allgemein kann man aber sicherlich feststellen, dass die Web2.0-Welt in eine Konsolidierungsphase eingetreten ist. Schaut man sich wie von Euch ja beispielsweise vor ein paar Wochen angesprochen, die deutschen Twitter-Klone an, so macht sich doch allseits Ernüchterung breit.

    Ich denke, dass die Early-Adopter der Social-Dienste in Deutschland bereits Ihre Communities und Anwendungen haben und es daher für neue Dienste recht schwer ist, Fuß zu fassen.

  2. Gründernet

    schrieb am 21. Dezember 2007 um 22:00 Uhr (#)

    @ Martin: ich denke es kann auch bei hohen Investments jeden aus dem Rennen hauen, weisst Du noch kürzlich, das StartUp was kurz vor dem 7 stelligen BA Investment den Entwicklerkopf verloren hat? und schon war es vorbei und sicher bis dahin auch schon 6 stellig investiert…

    @ Thomas: Willkommen im Gründerseiten-Club ;-)

    VG, René

  3. Martin Weigert

    schrieb am 21. Dezember 2007 um 22:15 Uhr (#)

    @ Thomas

    Ich denke auch, dass die Konsolidierungsphase begonnen hat.

    @ René

    Klar, ein hohes Investement ist keinesfalls ein Erfolgsgarant. Das war im Text vielleicht etwas missverständlich, ich habe es überarbeitet.

  4. PatRiot

    schrieb am 22. Dezember 2007 um 02:02 Uhr (#)

    VC investieren nicht unmittelbar in Ideen sondern in ein gutes Team also quasi lieber ein schlechte Idee mit einem guten Team als anders rum. Das die Versager von Holzbrinck Investment mit den Millionen um sich werfen wirft meiner Meinung nach ein falsches Bild auf diese Gruppe. Letzten Endes wollen die nicht Jungunternehmer (Anfänger) fördern sondern Rendite machen. “Die Politiker” halte ich trotz “netter” Idee (mehr ist es einfach nicht) für ein “Nischenprodukt” nur durch Partnerschaften mit großen Contentanbietern (Tageszeitungen Onlineausgaben) könnte es sichtbaren Erfolg haben. Ansonsten wird es wohl so vor sich hin krepeln.

  5. Heiko

    schrieb am 22. Dezember 2007 um 10:17 Uhr (#)

    “Die Politiker” ist sicherlich ein Nischenprodukt, dem stimme ich zu, aber auch ein wirklich nettes Nischenprodukt und auch mit Nischenprodukten lässt sich Geld verdienen.
    Jedoch sollte man eine solange Ausfallzeit kurz nach dem Launch tunlichst umgehen und vor allem:
    Eine Information auf der Startseite der Domain wäre wirklich toll.
    Die Screenshots sehen jedoch ziemlich gut aus und ich werde mir die Seite auf jedenfall nach dem Relaunch näher ansehen :-)

  6. kb

    schrieb am 22. Dezember 2007 um 13:10 Uhr (#)

    Es ist imho gar nicht notwendig das eine Seite so lange deshalb offline ist. Man kann ja zuerst mit der Datenbank die man schon hat ein Skript ausarbeiten welches dann nacher die Datenbank zum Zeitpunkt des Umzuges migriert. Und die minimale Ausfallzeit kann man ja mit einer mehr sagenden Fehlermeldung auskleiden ;) .

  7. markus jakobs

    schrieb am 2. Januar 2008 um 23:35 Uhr (#)

    “Die politiker” gibt es nicht mehr.
    Diese Seite wurde mir an anderer Stelle in einem Blog empfohlen.

    http://www.trupoli.com/de/

  8. Martin Weigert

    schrieb am 3. Januar 2008 um 10:04 Uhr (#)

    Tja wurde wohl nichts aus dem zweiten Anlauf. Aber vermutlich gäbe es auch dafür wieder eine lustige Begründung.

  9. Benni

    schrieb am 15. Januar 2008 um 18:31 Uhr (#)

    Hm, schade eigentlich. Die Screenshots sehen doch gar nicht so schlecht aus.


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