Max Headroom ist zurück

Als das Fernsehen die Welt beherrschte: In einer TV-Serie aus den 80er Jahren wird der selbstironische Moderator Max Headroom, halb Mensch, halb Computer, mit bissiger Medienkritik zum Megastar. Jetzt ist er wieder da, kostenlos im Web-TV Joost.

Max Headroom
Max Headroom in der Episode “Blipverts” auf Joost

“Es ist zwanzig Minuten in der Zukunft”, so fangen die Folgen der Serie “Max Headroom” an. Diese Zukunft sieht düster aus: Fernsehsender beherrschen die Welt. Als ein Reporter des Networks 23 die fiesen Machenschaften seines Senders – sublimale Werbung, die den Zuschauer schon mal grillen kann – aufdeckt, vor den Sicherheitskräften flieht und durch einen Unfall das Bewußtsein verliert, wird ein digitales Abbild von ihm geschaffen. Fortan geistert das als Max Headroom über den Sender.

Die ätzende Medienkritik in Serienform nimmt gleich in der ersten Folge die Fixierung der Sender auf Einschaltquoten aufs Korn – und die Methoden, mit denen diese optimiert werden sollen. Max Headroom, der wohl nicht zufällig aussieht wie ein eiskalter und unmenschlicher Manager, feuert mit linken Parolen und entwaffnender Ehrlichkeit auf das allmächtige Fernsehen.

Lange vor Lara Croft oder dem Fisch Nemo war der sprechende Kopf von Max Headroom der erste digitale Megastar. Sogar auf den Titel von Newsweek schafft er es: “At the venerable age of two, Max has it all: a smash cable-TV series seen in 20 countries, a spokesmachine contract with Coca-Cola reported to be worth $4 million, two best-selling books in Britian …” (“Mad About Max”, 20. April 1987).

Da war es um Max längst geschehen. Was als subversiver Gag auf dem britischen Sender Channel 4 begann und nach einem Fernsehfilm von ABC schließlich zur Serie gemacht wurde, endete in der Verwertungskette. Der Spiegel schrieb dazu: “Was als personifizierte Warnung vor dem Einfluß der Medien und als Parodie auf Medienprodukte gedacht war, wird nun selbst ein Konsumartikel” (“Hübsch grauenhaft”, 25. April 1988).

In Deutschland lief die Serie mit der üblichen Verspätung ab 1989 auf Sat.1 – da war der Spaß drüben nach insgesamt 14 Episoden schon wieder vorbei. Die zweite Staffel konnte die Quoten-Erwartungen der Networks nicht erfüllen, die Serie wurde 1988 eingestellt. Jetzt ist die Serie zurück, auf dem “Sci-Fi Fix”-Kanal des Webfernsehens Joost laufen bereits die ersten drei Episoden.

So ganz weg war er dann doch nicht: Robert T. Online, eine Werbefigur mit frappierender Ähnlichkeit zu Max Headroom, erschien von 2000 bis 2003 im Fernsehen und pries Produkte der Telekom an. Sonderlich sympathisch war der digitale Avatar mit seiner abgehackten Sprache und seinem kantigen Aussehen dann aber doch nicht. Mit Enie van de Meiklokjes bekam Robert schließlich eine menschliche Kollegin, trotzdem wurde er wenig später eingemottet.

Nachtrag: Auch in Großbritannien ist Max Headroom wieder da, in der aktuellen Kampagne von Channel 4 zur Umstellung von Analog- auf Digitalempfang. YouTube-Video und Episoden-Guide bei Deckhead’s Cyperpunk Corner.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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