Neue Zielgruppe:
Öko-Luxus für Luxus-Ökos

Die Weltverbesserer sind los, sie wollen nachhaltige Produkte und sie haben das entsprechende Geld in der Tasche. Auf Utopia, TreeHugger und Ivy wird ökologisch korrekt geklickt. Burdas Ivy gibt es nicht nur im Internet, am Kiosk liegt jetzt auch das Magazin.

Grün, grün, grün

Eine kaufkräftige Elite hat die Nachhaltigkeit für sich entdeckt, findet bio chic und kanne es sich leisten, ein paar Euro mehr zu bezahlen für das Gefühl, damit etwas Gutes zu tun. Die passenden Medien-Produkte zum Bio-Zeitgeist starten jetzt auch in Deutschland: Utopia (Internet) und Ivy (Print und Internet). Die Werbekunden, so hört man, sollen begeistert sein.

Diese neue Zielgruppe gut gebildeter und meist urbaner Konsumenten hat natürlich auch einen griffigen Namen bekommen: Lohas werden sie genannt, nach ihrem Lebensstil ?of Health and Sustainability?. Diese öko-interessierten Konsumenten werden schon seit etlichen Jahren beobachtet, die Abkürzung Loha findet sich schon 2001 in dem Buch ?The Cultural Creatives? von Paul H. Ray und Ruth Anderson.

IVY Cover erste Ausgabe
Cover der Dezember-Ausgabe von Ivy (große Version in Farbe)

Es ist viel Geld im Spiel, in den USA geht man davon aus, dass rund ein Drittel aller Kunden Nachhaltigkeit schätzen – und honorieren. Seitdem Nachhaltigkeit auch mediale Anerkennung erfährt, Vorzeige-Unternehmen gefeiert werden und auch der wirtschaftliche Erfolg nicht ausbleibt, stellen sich die Unternehmen langsam auf ihre Kundschaft ein. Klar, dass die Lohas begleitet werden müssen durch den Angebots-Dschungel.

Das Vorbild: TreeHugger.com

TreeHugger existiert seit 2004 und ist überaus erfolgreich: Im Oktober besuchten nach eigenen Angaben fast zwei Millionen Besucher (unique visitors) die Seite, zehn Angestellte und über 40 Autoren verfassen pro Tag etwa 30 Einträge. Mittlerweile gehört TreeHugger zum US-Medienunternehmen Discovery Communications. Geschätzte 10 Millionen Dollar ließ sich Discovery die Seite kosten. Disocvery sieht sich als weltweit führender Anbieter non-fiktionaler Inhalte und erreicht Zuschauer in rund 170 Ländern – der Kauf von TreeHugger folgt der Online-Strategie, auch im Netz will Discovery mitspielen.

Doppelseite aus der ersten Ivy-Ausgabe
Erste Ivy-Ausgabe: Vorzeige-Unternehmer im Portrait

Auf deutsch: Utopia

Bei Utopia, dem ?Internetportal für strategischen Konsum und nachhaltigen Lebensstil?, werden geneigte Konsumenten seit dem 8. November an die Hand genommen. Neben dem redaktionellen Teil gehört natürlich auch eine Community dazu, man möchte schließlich ?die führende Web 2.0 Plattform für nachhaltigen Lebensstil? werden. Für jeden neuen ?Utopist? soll ein Baum auf einem Feld in Niedersachsen gepflanzt werden.

Finanzieren soll sich das unabhängige Projekt durch Werbung, bisher zahlen die Gründer und erste Kooperationspartner (Otto und Hess Natur). Wunderbar ist der Auftritt von Schauspieler Axel Milberg (Kieler Tatort) im Werbe-Video, der zum Schluss seinen Benutzernamen in der Utopia-Community verrät: ?Brauseschwein?.

Doppelseite aus der ersten Ivy-Ausgabe
Für eine bessere Welt: Wald kaufen

Nachhaltigkeit als Lifestyle: Ivy

Heike Makatsch lächelt von der ersten Ausgabe der neuen Zeitschrift Ivy aus dem Burda-Verlag. Seit vergangenem Donnerstag ist das Heft im Testmarkt Berlin am Kiosk, 2,50 Euro für satte 164 Seiten. Die Ivy-Webseite ist schon ein wenig länger online und soll, genau wie die Utopisten, zur großen Community werden. Das Heft, das es wohl ab nächstem Jahr monatlich geben wird, wird in schönster PR-Prosa als ?portalbegleitendes Printmagazin? bezeichnet.

Die Themen sind bunt gemischt: Von Biobier, digitalen Spiegelreflexkameras, der Raumstation ISS bis zum Toyota Prius geht es in den Rubriken Logbuch, Dossier, Denken, Kaufen, Handeln und Standards. Im ?Logbuch? wird die Brücke zum Online-Auftritt Ivyworld geschlagen, hier stehen Kommentare und Ideen von Usern.

Selten sind die Texte länger als zwei Seiten (Focus anyone?), schöne Bildstrecken erfreuen das Auge, der Druck auf Charisma Silk (100% Recyclingpapier) ist angenehm kräftig. Dabei erinnert das Layout mit den die jeweilige Rubrik einleitenden Doppelseiten und den Navigationsbalken am oberen Heftrand zu Orientierung frappierend an das eingestellte Fußball-Lifestyle-Magazin Player. Jedenfalls erinnert es nicht sofort an Neon und brand eins – angenehm!

Ein schönes Heft, unterhaltsam, vielseitig – nur wer lässt nur eine Zeile wie ?Eco-Style. Sexy? Korrekt! Grün ist das neue cool? auf dem Cover durchgehen?

Seite aus der ersten Ivy-Ausgabe
Produkte, Produkte, Produkte

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. Roman
    schrieb am 3. Dezember 2007 um 09:06 Uhr (#)

    Lieber Herr Reißmann,

    10 Millionen für Treehugger? Ist das inklusive der Redaktionskosten oder bezieht sich das lediglich auf die Produktion der Site?

    Ich habe am Samstag meine Version von IVY bekommen (über die Website bestellt) und bin restlos begeistert. Meine Frau (wahrscheinlich noch eher LOHAS als ich es bin) verschlingt das Magazin gerade jetzt. Ein rundum gelungenes Werk von Hubert B.

  2. cheap solid gold
    schrieb am 4. Januar 2011 um 11:54 Uhr (#)

    well that was an interesting write about the tree-huggers

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