Spotify:
Neuer Musikdienst stellt alles andere in den Schatten

SpotifyIn den vergangenen Monaten hatte ich einige junge, viel versprechende Musikdienste vorgestellt. Doch aus Schweden kommt mit Spotify ein neuer Anbieter, der alles Bisherige in den Schatten stellt. Während sich viele der in letzter Zeit gestarteten Dienste ausschließlich auf die User konzentrieren und Urheberrechtsfragen eher stiefmütterlich behandeln, möchte Spotify nicht nur Nutzern einen revolutionären Musikstreaming-Service bieten, sondern gleichzeitig die Interessen der Musikindustrie und Rechteinhaber berücksichtigen und alle Beteiligten in ein Boot holen. Ein kompliziertes Unterfangen, aber nicht unmöglich.

Dreh- und Angelpunkt von Spotify ist eine schlanke, leicht zu bedienende Desktop-Software für PC und Mac, mit der man nach dem Login kostenlos Musik aus dem Netz streamen kann.
Derzeit befindet sich Spotify in den Lizenzverhandlungen mit der Musikindustrie – angesichts der Komplexität und globalen Ausmaße dieser Thematik ein Prozess, der Zeit braucht. Deshalb möchte man sich auch noch nicht auf einen offiziellen Starttermin festlegen. Einige hundert User in Schweden wurden bisher zur geschlossenen Beta-Phase eingeladen. Auch ich konnte eine Einladung ergattern und bin nach einigen Wochen des Ausprobierens überzeugt, dass Spotify das Zeug zum Superstar hat!

Spotify Büro

In der vergangenen Woche erhielt ich die Möglichkeit, selbst in der Stockholmer Spotify-Zentrale vorbeizuschauen und mich mit dem Team zu unterhalten. In bester Citylage, direkt gegenüber von Googles Schwedensitz, arbeiten auf rund 800 Quadratmeter um die 30 junge Menschen an Spotify, der Großteil davon Entwickler. Die Stimmung ist blendend, kann sich doch jeder mit einem Produkt identifizieren, welches “on Demand” und kostenlos die Wunschmusik auf den Desktop bringt. Im Gegensatz zu Text- und Bildbearbeitung, wo ein klarer Trend zu Browser-Anwendungen erkennbar ist, möchten viele Menschen Musik möglichst nahe bei sich haben. Eine kleine Desktopsoftware erfüllt diesen Zweck besser als ein browserbasierter Service, selbst wenn die Musik nicht auf der Festplatte des Nutzers liegt sondern von den Spotify-Servern kommt. Die Übertragung der Songs erfolgt in einem eigens entwickelten Verfahren, das Server- und P2P-Streaming kombiniert.

Spotify Oberfläche

Die Oberfläche von Spotify erinnert ein wenig an iTunes. Über das zentrale Suchfeld kann man nach Interpreten, Titeln oder Alben suchen. Verfügbare Songs können entweder direkt angehört oder in Playlists gelegt werden. Auch ist es möglich, die Resultate nach Album oder Interpret zu sortieren und sich alle erhältlichen Tonträger eines Musikers anzeigen zu lassen. Wer keinen speziellen Songwunsch hat, kann sich nach der Auswahl eines oder mehrerer Jahrzehnte kombiniert mit den gewünschten Musikrichtungen ein individuelles Radio zusammenstellen. Die Software bietet noch viele weitere Schmankerl, auf die ich jetzt nicht weiter eingehen werde. Angesichts des Beta-Status kann sich auch noch einiges ändern.

Trotz des sehr klein und lokal gehaltenen Kreises von Beta-Testern und der Verschwiegenheit der Spotify-Macher (bisher hält man die Presse auf Distanz) hat sich die Kunde über die Applikation schnell im Netz herumgesprochen. Bei TechCrunchs Einladungs-Tauschplattform InviteShare wollen 1653 User eine Einladung zu Spotify, und die Facebook-Gruppe des Dienstes verzeichnet schon mehr als 460 Mitglieder. Es ist zu erwarten, dass sich der “Buzz” rund um Spotify in nächster Zeit noch verstärkt. Wann weitere Einladungen verschickt werden, konnte man mir leider noch nicht sagen. Auf Spotifys Website gibt es eine Warteliste für User, die die Beta testen wollen. Natürlich wird auch zweinull.cc Spotify weiter im Auge behalten und bei einem Deutschland-Start als Erster Einladungen für euch haben.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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20 Kommentare

  1. Neee, extra Software zum Streamen?? Nein danke. Wozu diese Plattformabhängigkeit? Für lokale Musik nehme ich Amarok, doch immer öfter höre ich Musik über deezer.com.
    Geht auf jedem Rechner, sieht auf jedes OS genauso aus. Das ist für mich Zukunft.

  2. Ich nutze zwar auch gerne webbasierte Dienste, aber wie im Beitrag erwähnt, möchten viele Musik gerne nahe bei sich haben. Ein Desktop-Programm gibt dieses Gefühl eher. Zudem bleibt man bei Spotify stets eingeloggt, ohne Cookies setzen zu müssen.

    Auch P2P ist mit Deezer und ähnlichen Diensten nicht möglich, was bei hohem Traffic zu einem Problem für den Anbieter werden kann.

    Alles hat seine Vor- und Nachteile.

  3. ““on Demand” und kostenlos die Wunschmusik”

    Sorry, aber das ist heute schlicht (noch) nicht finanzierbar. Vielleicht wenn der Dienst nur in Schweden verfügbbar ist, da kenne ich die Gebührenlage nicht. Aber mehr wird nicht drin sein. Ich kenne keinen Dienst, der in großem Umfang kostenlos Musik on demand zum Anhören anbietet. Geschweige denn in mehreren Ländern.
    Es hat durchaus Gründe, dass Dienste wie Pandora keine Direktanwahl anbieten. Die Recordingindustrie will das nicht (bzw. verlangt exorbitant hohe Gebühren).

    Da war wohl der Wunsch Vater des Gedankens bzw. eine Vision von einem Dienst macht noch keinen Überflieger. ;)
    Oder?

  4. Die Frage ist – nur weil es bisher noch keiner geschafft hat, wird es denn deshalb für immer unmöglich bleiben? Ich denke, nein. Es ist ja nicht so, dass die Musikindustrie gerade zu den großen Wachstumsbranchen gehört. Und das weiß man auch. Ganz langsam findet bei den Plattenfirmen ein Umdenken statt, was früher oder später auch die Bereitschaft für bisher undenkbare Kooperationen und neue Vertriebswege erhöht. Andere Faktoren sind das Verhandlungsgeschickt, Manpower, Finanzkraft etc. Pandora & Co hat vielleicht einer dieser Faktoren gefehlt. Noch ist es nicht sicher, dass Spotify all das erfüllen kann. Ein bisschen Glück und richtiges Timing gehören auch dazu. Aber ausschließen würde ich nichts.

  5. “nur weil es bisher noch keiner geschafft hat, wird es denn deshalb für immer unmöglich bleiben?”
    Nein, natürlich nicht.
    ich würd mich ja auch drüber freuen, wenn es so einen Dienst geben würde. Aber Glück und Timing hin oder her, sowas ist finanziell heutzutage und auch in zukunft mittelfristig einfach noch nicht tragbar. Weil es die Recordingindustrie nicht zulässt. An diesen Rahmenbedingungen wird auch spotify nichts ändern.

  6. Lass uns mal schauen, wo wir im Oktober 2008 stehen ;)

  7. Die Jungs haben ein cooles Buero. Schaut euch mal die Fotos auf deren Website an… nett! Typical web 2.0 office…

  8. …und alles voller Gadgets.

  9. er sagt dir dass du als erster einladungen in .de haben wirst? :-)

  10. Johnny von Spotify ;)

  11. @marcel weiß:
    Wohl wahr, dass die Musikindustrie sich sperrt wo sie kann. Aber sie wird innovation nicht aufhalten können und sich selbst abschaffen wenn sie nicht weiterentwickelt.

    Sogar nur 6 Monate nachdem der Artikel geschrieben wurde hat last.fm on-demand-Musik gestartet! Ob das finanziell bereits tragbar ist, kann man von aussen schwer sagen, aber unmöglich ist es nicht mehr und das ist gut so.

    Spotify könnte Musik revolutionieren, es ist der Schritt nach iTunes…

  12. Mario, sehe ich ähnlich. Hoffen wir nur, dass das Kapital reicht, bis das ganze Projekt in einigen Märkten offiziell loslegen und Werbeumsätze generieren konnte.

  13. und wo ist jetzt das geschäftsmodell? Um Musik anzubieten musst du ordentlich in vorleistung gehen um dir den Katalog der vier Labels für eine gewisse Zeit ins portfolio zu holen.

    Verträge laufen in gut sechsstelligem Bereich von Jahr zu Jahr.

    Oder soll das ein zweites adtunes werden?

  14. Ja, Spotify soll sich primär durch Werbung finanzieren. Kapital für die Vorleistung haben die Gründer, aber die Tatsache, dass man auch nach über einem Jahr noch in der geschlossenen Beta ist (und die Beta-Zugänge sind wirklich extrem limitiert), bestätigt die von dir beschriebenen Herausforderungen eines solchen Dienstes.

  15. um, die werden richtig schwierigkeiten haben den Katalog durchzufinanzieren.

    Punkt zwei ist, dass Werbetreibende auf Access via Brand, Verweildauer oder knallharte Lead generierung setzen. Keine der drei Vorgaben kann dieser neue Dienst einlösen. Schlimmer noch: da es sich um eine Software handelt bin ich im Vergleich zu OnlineServices mit meinen werbeinhalten immer direkt auf dem Rechner (Datenschutz vollkommen anders) und wenn es aus der Software heraus einen Link zu meinem angebot geben soll findet ein medienbruch statt den der Nutzer im Web toleriert – von seiner Software aus argwöhnisch beäugt.

    Superschwierig hier Geld aus der Werbung einzunehmen.

    Bin kein Pessimist aber wach genug um mich zu Fragen wie lange wohl der Erlös aus dem Tradedoubler verkauf reicht.

    Die Daumen sind gedrückt

  16. Ja deine letzte Frage stelle ich mir auch ;)

  17. ich muss meine hier gepostete Einschätzung widerrufen. Asche auf mein Haupt:
    Das Thema hat mich nicht ruhen lassen und ich bin bei Spotify direkt recherchieren gegangen. Für alle von mir aufgezählten Punkte hat das Team in aus Stockholm eine Lösung gefunden und das genau das ist auch der Grund weswegen das Team bereits so lange unter Verschluss arbeitet. Die Zeit scheint 2008/9 tatsächlich reif und auch die “grossen Verlage und Labels” haben eingesehen, dass ein Umdenken gefordert ist. Deswegen sind bei Spotify sinnvolle geschäftliche Vereinbarungen für alle Beteilligten entstanden.

    Die Software hat sich rasant weiterentwickelt und Werbetreibende sind sehr hochwertig und sinnvoll zur Musik eingebunden. Auch für diejenigen die bereit sind für diese riesige Jukebox etwas zu zahlen um auf die Finanzierung durch Webetreibende zu verzichten – auch für diese Menschen hat Spotify ein super Angebot in der Tasche. Um genau zu sein sogar zwei Angebote.

    Vom Stuhl gehauen haben mich die Bedienung und die Drag & Drop Features mit denen man die gefundene Musik im Freundeskreis weiterempfehlen kann.

    Es wird also wirklich spannend wenn Spotify endlich für alle zu haben ist.
    Irgendwie schon komisch, dass für dieses “Skype der Musikhörer” ein knappes Jahrzehnt gewartet werden musste.

    Ich freu mich drauf!

    P.S.: Finanzierung: Äusserst solide abgesichert.

  18. Habe mir heute Abend Spotify hier in Schweden installiert und bin schlichtweg begeistert. Bis April 09 erst mal kostenlos, danach dann ca. 10 € im Monat. Spotify stellt alles in den Schatten, was ich bis jetzt gesehen habe.

  19. Danke für den Hinweis auf Spotify. Ich habe mir daraufhin seit heute den Premium Account in Deutschland geholt und bin vollkommen hintenübergefallen Vorallem an der Stereoanlage ist Spotify super. Es ist alles in allem wonach ich immer gesucht habe.
    Werde mir nun auch ein Spotify zu Hause installieren.

    Im moment höre ich http://open.spotify.com/t…b0mR9aYTfkx6Uoce13Q9

  20. Ich habe heute das erste Mal von Spotify gehört – durch die Sunday Times.

5 Pingbacks

  1. [...] ausführliche Beschreibung von Spotify gibts auch bei Martin von zweinull, einen guten Überblick über andere neue Alternativen im Musikbereich bei Markus von [...]

  2. [...] Spotify Kennt jemand oder is jemand bei Spotify? Hier in Deutschland ist es zwr noch nicht erh

  3. [...] Spotify: Neuer Musikdienst stellt alles andere in den Schatten (Oktober 2007) [...]

  4. [...] über diese berichten kann, noch bevor sie außerhalb des schwedischen Marktes aktiv werden. Bei Spotify, iZettle, Voddler und Wrapp (dort allerdings etwas spät) nutzte ich diese Gelegenheit schamlos [...]

  5. [...] eine Bühne, wie sie sie vorher so noch nie hatten: Wer kannte vor zwei Jahren (außer regelmäßigen netzwertig.com-Lesern) schon Spotify? Heute scheint es fast so, als wäre der Dienst eine Selbstverständlichkeit. Ein [...]