Das Web 2.0 wird an der Faulheit der Menschen zugrunde gehen

Martin Weigert, 28. September 2007 07:25 Uhr, 13 Kommentare Kommentare

Das ist zumindest die These von Seth Porges in seiner Kolumne für CrunchGear. Porges meint, dass der aktuelle Hype um User Generated Content vorübergehen wird, weil die Menschen eigentlich faul sind. In seinen Augen funktioniert das Prinzip der intensiven Nutzerbeteiligung lediglich in einer Phase, in der es neuartig ist. Noch erscheint es für viele User spannend, alte Bekannte in Social Networks zu finden und als Kontakte hinzuzufügen, Nachrichten bei Social-News-Portalen einzutragen, Wikipedia-Artikel zu bearbeiten oder Blogkommentare zu hinterlassen. Nach Ansicht von Porges wird der Reiz des Neuen aber nachlassen und die Nutzer werden erkennen, dass ihre Zeit eigentlich zu wertvoll ist, um sie mit dem (nicht entlohnten) Erstellen von User Generated Content zu verschwenden. Ohne Millionen von aktiven Nutzern sind die meisten Web-2.0-Dienste nach Porges’ stark geschwächt, wenn nicht komplett nutzlos.

Starker Tobak mit einer gewissen Überspitzung. Ganz so Unrecht könnte der Kolumnist mit seiner These aber gar nicht haben. Dass viele Web-2.0-Dienste auf die Aktivität ihrer User angewiesen sind, ist Tatsache. Ebenso wenig muss man daran zweifeln, dass Trends aufkommen, einen Höhepunkt erreichen und sich wieder abschwächen. Anschließend entstehen neue Trends. Wenn nun die Mehrheit der Internetnutzer ausgiebig mit der schönen, bunten Web-2.0-Welt herumexperimentiert hat, dann werden sie vielleicht erkennen, dass nur ein kleiner Teil der Dienste einen wirklichen Nutzen bringt. Alles andere, was sie lediglich aus Spaß ausprobierten, lassen sie links liegen. Das Resultat sind dann Webangebote, die auf dem Papier eine beachtliche Zahl registrierter Mitglieder haben, hinter deren Türen jedoch nichts als die gähnende Leere herrscht.

Eins steht aber fest - ohne das Web 2.0 kein Web 3.0. So gesehen war es dann dennoch ein lohnenswertes und sinnvolles Experiment.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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13 Kommentare zu diesem Artikel

  1. mi.o-o.im

    schrieb am 28. September 2007 um 09:33 Uhr (#)

    So richtig zustimmen kann ich dem Herrn Porges nicht. Sicher die meisten Menschen sind faul und verlieren nach einer bestimmten Zeit das Interesse zur Community beizutragen, allerdings gibt es auch immer andere, die mehr als alle anderen beitragen(heavy user). Ein schönes Beispiel ist Wikipedia. Jeder kann mitmachen aber der größte Teil der Arbeit wird von wenigen gemacht.

  2. Serkan / Tokyotronic

    schrieb am 28. September 2007 um 10:45 Uhr (#)

    Sehe das ähnlich.

    Der Chef von Digg hat ja vor kurzem erst in einem Interview der Technology Review bestätigt, daß etwa 100 Hardcore-User 50 Prozent (!) des Contents stellen.

    Will sagen: Die Menschen SIND bereits (fast) ALLE faul und konsumieren nur. War die Quote der angemeldeten User, die bei Youtube tatsächlich Videos einstellen nicht unter 1 Prozent?

  3. Tobias E. Lampe

    schrieb am 28. September 2007 um 10:57 Uhr (#)

    Stimme der These größtenteils zu. Das aktuelle Maß an Userpartizipation lässt sich nur halten, wenn der User für seinen Content eine Gegenleistung erfährt. Wikipedia wird jedoch auch weiterhin funktionieren, weil es für viele interessant ist, Mit-Verfasser des weltweit wichtigsten Nachschlagewerkes zu sein. Die Plattformen, die noch mit Millionen von Mitgliedern werben, aber bereits heute de fakto tot sind, gibt es ja schon.

  4. Georg

    schrieb am 28. September 2007 um 14:53 Uhr (#)

    merkwürdige Kollumne….ich hab da auchmal drauf reagiert…

    http://blog.magix.net/de/archives/308-Das-Web2.0-wird-einschlafen-!.html

  5. Georg

    schrieb am 28. September 2007 um 14:54 Uhr (#)
  6. Georg

    schrieb am 28. September 2007 um 14:55 Uhr (#)

    ups sorry…

  7. Martin Weigert

    schrieb am 29. September 2007 um 02:22 Uhr (#)

    Klar ist die Anzahl aktiver Nutzer schon jetzt sehr gering. Ich denke, Tobias hat da etwas Wichtigs geschrieben: Die “großen” Dienste werden sicher auch weiterhin genügend aktive User anziehen. Wie bei Social Networks treten da auch wieder Netzwerkeffekte auf, und auch der “Celebrity-Status” dieser namhaften Anbieter spielt sicher eine Rolle. Dagegen halte ich es tatsächlich nicht für unmöglich, dass viele der kleineren Dienste im Sinne von Porges’ Theorie unter die Räder kommen. Eher, als ihnen das Geld ausgeht.

  8. Sergej

    schrieb am 29. September 2007 um 13:06 Uhr (#)

    Bin absolut seiner Meinung. Solange eine Sache neu und spannend ist, machen (zu) viele aktiv mit. Mit der Zeit verliert der Mensch die Lust am Alten und sucht nach anderen Herausforderungen, Interessen und Beschäftigungsaufgaben. Typische Merkmale eines Hypes.

    Das sehe ich auch ganz gut an meinem wpSEO (zwar kein direkter Vergleich, aber die Faulheit wird bestätigt): “Früher” haben sich die Nutzer für das Plugin bedankt und womöglich auch unterstützt. Aktuell explodieren die Download-Zahlen, das SEO-Plugin ist mittlerweile auch weltweit bekannt geworden - doch die letzte Danksagung liegt Monate zurück, ganz zu schweigen von jeglichen Unterstützungswünschen.

  9. Michael Osl

    schrieb am 29. September 2007 um 15:14 Uhr (#)

    Oje, jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen, Sergej … danke für dein großartiges wpSEO-Plugin, wir auf verwenden es ja auch auf zweinull.cc ;)

  10. Sergej

    schrieb am 29. September 2007 um 16:13 Uhr (#)

    Viele sind doch nicht so faul, wie ich mir gedachte habe ;) Gerne!

  11. gisi

    schrieb am 30. September 2007 um 14:05 Uhr (#)

    ich stimme dem herrn zu, das ist alles ein grosser hype
    ein gutes beispiel wäre hier z.b. second life
    was wurde das spiel gelobt, ganze firmen haben da drin investiert aber was ist jetzt?
    man hört nichts mehr davon und wirklich spielen tun das kaum noch welche

  12. Markus

    schrieb am 1. Oktober 2007 um 14:51 Uhr (#)

    Noch immer ist das Web 2.0 in Deutschland in einer frühen Phase und noch nicht wirklich bei der breiten Masse angekommen. Ich bin der Meinung, wenn Nutzer Vorteile aus ihrer Beteiligung erzielen können, werden sie auch weiterhin Inhalte generieren. Bei Amazon funktioniert das schon seit Jahren.

  13. Martin Weigert

    schrieb am 1. Oktober 2007 um 15:11 Uhr (#)

    Absolut. Daher sollte jeder Dienst, der auf UGC setzt, genügend echte Anreize für aktive User bieten. Die meisten machen dies (noch) nicht.


1 Trackback

  1. MAGIX Blog
    (28. September 2007 15:46)

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