Wie Dossiers Spaß machen
Googles automatisch generierte Nachrichten-Cluster und Internet-Suchroboter zeigen zwar schon, dass Computer Texte auch inhaltlich verstehen können, aber noch ist ein schickes Dossier das Werk von Menschenhand.
Gigantische Archive mit Unmengen hervorragender Texte warten auf Leser. Allein: Der klickt sich auf der Startseite seines geschätzen Online-Mediums durch die Nachrichten der letzten Viertelstunde. Deswegen gibt es eigens eingerichtete Übersichtsseiten, auf denen die sorgfältig mit Schlagwort versehenen Artikel zu einem Thema zugänglich sind. Heraus kommen dabei leider noch viel zu oft ellenlange Listen mit Nachrichten zwischen Relevanz und Firlefanz.

Rate die Webseite: Header-Grafiken aktueller RAF-Dossiers
Fünfmal mehr Dossier:
- Mehr weniger: Wer schon auf der Eingangsseite eines Dossiers oder Themas mit hunderten von Links auf tausende Texte erschlagen wird, liegt ermattet darnieder und ringt um Luft. Dabei wollte er doch nur den aktuellen Stand eines Themas ansehen: Was waren die entscheidenden Ereignisse, was sind die wirklich relevanten Entwicklungen. Wenige gute und umfassende Artikel statt Kurzmeldungs-Bombardement machen ein Dossier aus.
- Mehr Arbeit: Ein gutes Dossier braucht eine Einleitung. Worum geht es, wie ist das Thema abgesteckt, was waren die zentralen Ereignisse. Gerade bei einer Vielzahl kleiner wie aktueller Meldungen lohnt sich ein zusammenfassender, einordnender Text – der unter Umständen erst noch geschrieben werden muss. Eine Zeitleiste, ein chronologischer Abriss, wäre eine vortreffliche Idee. Die filternde Hand des Journalisten kommt hier zum Einsatz und verschafft den nötigen Überblick.
- Mehr sehen: Bilder, Videos und Töne brauchen einen zentralen Platz im Dossier. Was nützen mir zehn tolle Bildergalerien in zwanzig verschiedenen Texten – ich möchte interessante und relevante Bilder sofort.
- Mehr wagen: Das nach wie vor große Tabu in der Medienlandschaft: Links. Gute Dossiers loben nicht nur den eigenen Content, sondern verweisen auch auf andere, gute Texte. Hier hinken die Online-Ableger der etablierten Medienhäuser dem Internet noch hinterher. Klar, man möchte die Besucher auf der eigenen Seite halten, möglichst lange soll er bleiben, möglichst oft klicken. Andererseits kommt der gerne zurück zu einer Seite, die ihn ernst nimmt und vorbehaltslos auch auf andere Angebote hinweist.
- Mehr verknüpfen: Die New York Times macht es vor: Technik macht heute viel möglich, etwa automatisch generierte Seiten zu Firmen oder Personen. Außerdem gut: Ein Register mit relevanten Personen. Eine Liste mit Stichwörtern zum Thema – verknüpft mit entsprechenden Artikeln.
Dossiers können dem Leser Spaß machen – wenn eine Redaktion entsprechend Arbeit investiert. Ansprechende Dossiers oder Themenseiten, die mehr sind als bloßes Sammelbecken, gibt es noch nicht per Mausklick. Die Technik, mittels Schlagwörtern und automatischer Textanalyse Themencluster zu bilden und die Relevanz eines Dokuments über Verlinkung und Nutzung zu ermessen, mag verfügbar sein. Die Redaktionssysteme müssen erst noch angepasst und fortentwickelt werden.
Auch die sonst so fortschrittlichen Blogger müssen sich umständlich selbst behelfen: Über Plugins kann eine ?Ähnliche Artikel?-Funktion nachgerüstet werden, die anhand von Worthäufigkeiten Zusammenhänge erkennen möchte. Das funktioniert rein technich zwar super, aber nicht selten frei von Sinn.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.














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