Online-Office-Anwendungen:
Wer kauft Zoho?

zoho.gifOnline-Office-Anwendungen zählen zu den heißesten (und meiner Meinung nach auch nützlichsten) Trends im Web 2.0. Dank AJAX-Technik und schneller Internetanschlüsse können immer mehr von Desktop-Software wie Microsoft Office und Open Office bekannte Funktionen einwandfrei im Browser realisiert werden. Die drei großen Vorteile: Verfügbarkeit von Dokumenten und Kalendern von jedem Ort und Computer auf der Welt, der über einen einigermaßen schnellen Internetanschluss verfügt; Komfortables, paralleles Arbeiten mehrerer Personen in der selben Datei; Kein Risiko des Datenverlustes durch z.B. einen Festplattendefekt.

Kritikwürdig sind derzeit (noch) der geringere Funktionsumfang einiger Online-Office-Anwendungen im Vergleich zu den klassischen Desktop-Programmen sowie die Tatsache, dass man seine Daten bei einem Drittanbieter speichert, der diese theoretisch einsehen kann. Doch ungeachtet dessen erfreuen sich Office-Dienste im Netz steigender Beliebtheit bei und Wahrnehmung von Usern und Internetunternehmen.

Erneut deutlich wurde dies am Dienstag, als gleich zwei Meldungen zum Thema für Aufmerksamkeit sorgten. Zum einen ergänzte Google sein kostenloses Online-Office-Paket Google Text & Tabellen (außerhalb Deutschlands Google Docs) um eine PowerPoint-Funktion, mit der sich nun auch Präsentationen erstellen und bearbeiten lassen. Zum anderen gab Yahoo die Übernahme von Zimbra für 350 Millionen Dollar bekannt. Zimbra bietet eine AJAX-basierte Weboberfläche zum gemeinsamen Management von Mails, Kontakten, Kalendern sowie diversen weiteren Add-ons. Zwar richtet sich Zimbra bisher an Geschäftskunden und bietet seine Leistungen nur gegen Entgelt an. Es ist aber zu erwarten, dass Yahoo Zimbras Technologie zukünftig auch in der einen oder anderen Form für kostenlose Office- und Messaging-Dienste einsetzen wird.

Der derzeit größte Konkurrent von Google Text & Tabellen (Google Docs) heißt Zoho. Wie Google stellt Zoho jedem Nutzer im Browser Module zur Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Erstellung von Präsentationen bereit. Diverse zusätzliche Funktionen wie Tools zum Projektmanagement, zur Datenbankverwaltung oder zum Abhalten von Online-Konferenzen runden das Angebot ab und lassen es umfangreicher erscheinen als das von Google. Angesichts der zunehmenden Bedeutung solcher Tools ist es nur eine Frage der Zeit, bis Zoho von einem finanzkräftigen Internetunternehmen übernommen wird, das in den Zukunftsmarkt webbasierter Office-Anwendungen einsteigen möchte. Mögliche Kandidaten gibt es viele, wobei Google und Yahoo wahrscheinlich nicht mehr in Frage kommen.

In diesem Zusammenhang interessant ist die zukünftige Strategie von Microsoft. Bisher gibt es keinen kostenlosen, webbasierten und gehosteten Online-Office-Dienst der Redmonder. Möchte man jedoch dem drohenden Bedeutungsverlust von Microsoft Office entgegenwirken, gibt es zur Entwicklung einer Online-Version keine Alternative – außer die Übernahme eines bestehenden Anbieters. Wie sich das allerdings auf Microsofts Glaubwürdigkeit auswirken würde, möchte ich nicht abschätzen.

Die nächsten Monate werden spannend. Zumal derzeit mit Peepel, EditGrid, Central Desktop, ThinkFree und Buzzword viele weitere Online Office Services auf sich aufmerksam machen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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5 Kommentare

  1. Christoph Wagner
    schrieb am 20. September 2007 um 18:18 Uhr (#)

    Also gerade von Zoho halte ich viel. Aufgeräumt, übersichtlich und wie du geschrieben hast viele Module.

    Was mir bei den Online Office Apps noch fehlt ist ein Latex Editor, der dann als Ausgabe DVI, PS und PDF anbietet. Halt mit Syntax Highlighting etc.
    Wobei ich da nicht weiß wie sich das auf die CPU Last auswirken würde.

  2. Martin Weigert
    schrieb am 20. September 2007 um 18:28 Uhr (#)

    Latex habe ich noch nie verwendet. In welchen Situationen nutzt du das?

    Zoho gefällt mir auch sehr gut, besonders wegen das MS Office Plugins. Ist sinnvoll, wenn Leute kollaborativ arbeiten, aber man sie nicht zum Nutzen der Zoho-Weboberfläche überzeugen kann. Dann schreiben sie eben in Word auf dem Desktop und speichern es mit dem Plugin automatisch bei Zoho.

  3. Kai
    schrieb am 21. September 2007 um 09:32 Uhr (#)

    Ich finde die bisherigen Produkte zwar auch durchaus interessant, aber ich muss ehrlich zugeben, dass ich groessere Office-Dokument-Sachen lieber in einem “offline” Programm erstelle und bearbeite. Irgendwie gibt mir das mehr Sicherheit und Zuversicht, die mir momentan bei Online-Apps dieser Art noch fehlt. (Wenn ich von Sicherheit rede meine ich eigentlich eher die Sicherheit, dass, wenn ich “Speichern” klicke, auch was gespeichert wird und nicht ploetzlich “Seite kann nicht gefunden werden” erscheint.
    Wobei dir das beim MS Office eigentlich auch passieren kann… ;-)

  4. Martin Weigert
    schrieb am 21. September 2007 um 10:00 Uhr (#)

    Kai klar, bin da ähnlich “vorsichtig”. Ich denke, dass man nicht sofort seine gesamte Office-Arbeit auf die Online-Dienste auslagert, ist nur gesund. Letztlich befinden sich Office-Services im Netz ja noch in eine recht frühen Entwicklungsphase.

  5. Georg
    schrieb am 25. September 2007 um 12:19 Uhr (#)

    ja, zoho ist momentan das beste web office, daher haben wir es auch in unseren mygoya online desktop integriert…es bleibt abzuwarten was sich durchsetzt

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