Wenn User Redakteur spielen:
Warum guter Journalismus immer noch eine Zukunft hat
Eine neue Studie vom “Project for Excellence in Journalism” hat untersucht, welche Arten von Newsmeldungen von den Benutzern von user-selected Newssites — Digg, Reddit, etc. — bevorzugt werden. Ausserdem wurde auch untersucht, wie sich diese Auswahl zu der Selektion von traditionellen Medienkanälen verhält.
Ergebnis: Die Vielfalt auf den Community-Sites ist deutich breiter, aber der Fokus ist auch ganz anders. Es werden ganz klar Technik-News, Lifestyle und Kuriositäten bevorzugt (also so etwa das, was in Zeitungen immer in den hintersten Teil verbannt wird). Themen, die die Mainstream-Presse beherrschten, wie etwa politische Entscheidungen, internationale Konflikte oder Naturkatastrophen, fanden praktisch keinen Niederschlag. Die Top-Stories der untersuchten News-Woche (Irakkrieg, Einwanderungsdebatte, fehlgeschlagene Terroranschläge in Grossbritannien) tauchten gar nicht oder nur ganz marginal auf.
Auch interessant: 70% der von Usern gewählten Meldungen kamen nicht aus traditionellen Medienkanälen, sondern von Blogs, Youtube und anderen Websites. Ausserdem konzentrierte sich die Auswahl eher auf nationale (US-)Themen statt auf internationale Ereignisse. Und zudem wurden Themen kaum über längere Zeit verfolgt. Viele Meldungen verschwanden schon nach kurzer Zeit total vom Radarschirm.
Nun ist diese Studie nur begrenzt repräsentativ, weil nur eine einzige Woche untersucht wurde und die gewählten Sites ausserdem ein klar Geek-lastiges Publikum bedienen. Aber wer selber Digg & Co. regelmässig benutzt, kann diesen Erkenntnissen ehrlicherweise wohl nicht gross widersprechen.
Natürlich ist es prima, wenn die User auf diese Weise signalisieren können, woran sie wirklich interessiert sind. Aber mal im Ernst: Ein bisschen sind diese Präferenzen ja schon beunruhigend. Wie kann eine demokratische Gesellschaft funktionieren, wenn die Stimmbürger nur noch solche nichtpolitischen (und nichtwirtschaftlichen und nichtkulturellen) Themen mitverfolgen?
Vielleicht sind “wichtige” News ja ein bisschen wie gesundes Essen: Es schmeckt nicht unbedingt, aber man sollte es trotzdem konsumieren, weil sonst was fehlt. Und oft braucht man jemanden, der einen dazu motiviert oder gar sanft zwingt. Traditionelle Newsmedien sind genau so aufgebaut: Erst gibt’s mal gesundes, aber wenig schmackhaftes Gemüse (Politik), dann was Nährstoffhaltiges (Wirtschaft und Kultur) und zum Schluss folgt als Belohnung das Dessert (Lifestyle, Vermischtes etc.).
Und das zeigt, wie sehr auch die Epoche von user-generated Content immer noch guten Journalismus braucht (über die Art und Weise, wie der sich positionieren sollte, habe ich hier auch schon reichlich geschrieben). Ganz klar, Sites wie Digg und Reddit sind eine Bereicherung der Medienszene. Aber sie sind eine Ergänzung, kein Ersatz für hochwertige redaktionelle Arbeit. In all dem News-Lärm mit vielleicht unterhaltsamen, aber recht irrelevanten Meldungen ist es wichtiger denn je, dass jemand die wirklich wichtigen Dinge hervorhebt.











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Natürlich braucht es guten Journalismus. Selbst für die trendigsten Meldungen reichen gebrochenes Deutsch und schlecht recherchierte News nicht um Leser zu binden. Und das müsste das Hauptaugenmerk sein: Der Leser soll Lust haben wieder zu kommen.
Allerdings teile ich Deine Ansicht nicht, dass die Einseitigkeit der News, welchhe die Leser interessieren beängstigend sein soll. Die Leser sind nämlich durchaus in der Lage, ihre Quellen auszusuchen. Blogs sind für technische und unterhaltsame Themen da, traditionele Zeitungen für das vertiefte Wissen. Und hier muss man zugeben, dass ohne Vorkenntnisse Meldungen in den Inland-, Ausland- und Politikseiten oft schlicht nicht verstanden werden.
Es liegt also vielmehr am Journalisten, den Content so aufzubereiten, dass er vom Leser als Lesenswert eingestuft wird. Blogs müssen daher nicht mehr Politik liefern, Zeitungen auch nicht mehr Lifestyle.
Die Beertung der Analyse (“Ein bisschen sind diese Präferenzen ja schon beunruhigend.”) basiert ja schon noch auf der Annahme, dass Digg, Reddit und dergl. von den Benutzer derzeit als Ersatz zur “normalen Presse” verwendet werden. Klar sehe ich bei mir auch dasselbe Verhalten aber einen deutlich andere Motivation: Digg und Reddit ist für mich Ergänzung zur normalen Presse, und zwar WEIL die normale Presse die Themen, die ich dort bekomme nicht richtig abdeckt.
Kausalitäten …
Das sollte natürlich “Bewertung” heißen im ersten Satz. Sorry.
das wichtigste sind informationen.
dank google finden wir informationen.
blogs werden vor den traditionellen newsseiten aufgelistet.
nicht nur der inhalt zählt auch die verpackung.. wann beginnen die newsportale endlich auszusehen wie blogs?
google will auch nur geld verdienen..