Etwas gar viel Web 2.0 in Österreichs Parteien
Brisante Details förderte der Wikipedia-Scanner des amerikanischen Informatikstudenten Virgil Griffith jetzt auch über Österreichs Innenpolitik zutage. Offenbar haben Funktionäre der beiden Regierungsparten SPÖ (Sozialdemokraten) und ÖVP (Christlich-Soziale) fleißig Wikipedia-Einträge bearbeitet und zu ihren Gunsten manipuliert.
Von Markus Kirchsteiger
?Spin? heißt das in der PR: einem Ereignis den richtigen Dreh verpassen. Doch wenige innenpolitische Beobachter hätten den traditionellen Volksparteien zugetraut, die öffentliche Meinung im Internet derart ernst zu nehmen.
So besserte ein Benutzer, dessen IP-Adresse einem Rechner der SPÖ zugeordnet werden konnte, kritische Passagen über Bundeskanzler und Parteivorsitzenden Alfred Gusenbauer aus. Auch als die SPÖ eines ihrer wichtigsten Wahlversprechen, nämlich die Abschaffung der Studiengebühren, brach, wurde dieser ?Umfaller? allein auf den ?Widerstand der zweiten Regierungspartei, der ÖVP? geschoben.
Besonders fein agierte die ÖVP beim Präsidentschaftswahlkampf 2004. Der Gegenkandidat der ÖVP wurde im Wikipedia-Beitrag als ?Roter Heinzi? verunglimpft. Satirische und kritische Links der eigenen Kandidatin wurden hingegen sofort vom gleichen Benutzer gelöscht. Die IP-Adresse dieses Schreibers konnte wiederum zur ÖVP-Zentrale zurückverfolgt werden.
Zwar berichten vom Boulevard (Krone, Österreich) bis zur Qualitätspresse (Presse, Standard) alle Medien über den Vorfall. Eine Debatte über politischen Spin im Internet bleibt derweil noch auf dieses Medium beschränkt – außer bei Usern in Online-Foren scheint Cyber-Spin auf wenig öffentliches Interesse zu stoßen.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.






















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