Erfolgsmeldungen deutscher Web-2.0-Dienste

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Leicht kann der Eindruck entstehen, im deutschen Web 2.0 stünden einer immer größer und unübersichtlich werdenden Zahl von Startups ohne nennenswerte Nutzerzahlen eine kleine Schar von Anbietern gegenüber, die den überwiegenden Teil der potentiellen User auf sich vereinen. Zum Teil trifft dies auch zu, doch abseits von studiVZ, schülerVZ, MyVideo, Mister Wong & Co konnten in den vergangenen Wochen auch andere Webunternehmen vom Erreichen unterschiedlicher Meilensteine berichten. Es folgen vier Beispiele, die mir über den Weg gelaufen sind.

Das Münchener Social Network lokalisten, an dem sich die ProSiebenSat.1-Gruppe im vergangenen Jahr beteiligte, verkündete Anfang August das Erreichen von einer Million Mitgliedern. Die Plattform, die bereits im Mai 2005 online ging und damit zu den ältesten deutschen Webangeboten mit Web-2.0-Stempel gehört, leidet ein wenig unter der allgemeinen Fokussierung der Medien auf studiVZ, Facebook und MySpace. Obwohl lokalisten seine Nutzerzahlen innerhalb eines Jahres verfünffachen konnten, so habe ich noch nie eine Einladung eines lokalisten-Mitglieds erhalten und kenne niemanden, von dem ich weiß, dass er oder sie dort angemeldet ist. Mein Vorschlag: Mehr Präsenz im Netz zeigen, die Reichweiten der ProSiebenSat.1-Websites zur Promotion nutzen und die eigene Seite einem Relaunch unterziehen. Das Design, welches mir auf meinem Notebook bei einer Auflösung von 1024*768 einen vertikalen Scrollbalken präsentiert, ist wirklich nicht mehr zeitgemäß.

Von einem Defizit in Sachen medialer Aufmerksamkeit kann man beim Stammbaum- und Ahnenforschungsdienst verwandt.de nicht sprechen. Zwei Monate nach dem Start verzeichnet die Seite fast zwei Millionen angelegte Profile und Presseberichte vieler namhafter Onlinemedien. Um das beachtliche Wachstum fortzusetzen, wird verwandt.de ab Anfang September auch auf Italienisch und Polnisch verfügbar sein. Damit richtet sich die Plattform ausdrücklich an die Millionen Bundesbürger mit Wurzeln in Polen und Italien. Konsequenterweise werden zeitgleich die Domains parentistretti.it («die nahen Verwandten«) und moikrewni.pl («meine Verwandten«) in Betrieb genommen. Die weitere Expansion soll Brasilien, Großbritannien, Portugal sowie die USA umfassen. Auf der anderen Seite des Atlantiks trifft man jedoch mit Geni und einigen anderen ähnlichen Anbietern auf starke Konkurrenz.

Bei spickmich handelt es sich um ein im März diesen Jahres gelaunchtes soziales Netwerk für Schüler, dessen Kernfunktion das anonyme Bewerten von Lehrern ist. Laut eigenen Angaben hat man vor kurzem den Meilenstein von 250.000 angemeldeten Usern erreicht – in Anbetracht der spitzen und altersmäßig stark begrenzten Zielgruppe sowie der Dominanz von Holtzbrincks schülerVZ auf dem Markt der Schüler-Communities ein respektables Ergebnis. Hilfreich bei der Bekanntmachung von spickmich war mit Sicherheit auch die Presseberichterstattung, die auf zwei Klagen einer Lehrerin gegen spickmich folgte. Sie wollte dagegen vorgehen, dass sie von Schülern auf der Plattform bewertet werden konnte. Das Kölner Landgericht wies jedoch beide Klagen ab.

Kleinere Brötchen backt man derzeit noch bei NetMoms, einem sozialen Netzwerk für Mütter. Vor fünf Monaten ging die Community online und präsentierte vor einigen Tagen die Zahl von 10.000 registrierten Mitgliedern im deutschsprachigen Raum. Auch hier gilt wie bei spickmich: Die Zielgruppe schwangerer Frauen bzw. Mütter mit jungen Söhnen oder Töchtern (die Phase, in der wohl der größte Informations- und Austauschbedarf besteht) ist sehr speziell und hat zudem nur ein begrenztes Zeitpensum zur Verfügung. Außerdem werben mit PaulsMama, Mamiweb, mamily und anderen verschiedene Communities um die Aufmerksamkeit der Mütter. 10.000 registrierte User sind bei solch einem Special-Interest-Angebot eine gute Basis für zukünftigen Erfolg. Das aber nicht alle Mütter-Netzwerke überleben werden, steht außer Frage.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

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