Dieser Dieter Degler …

… der neuerdings in der Süddeutschen kommentiert, der prügelt unter dem Titel ‘Gefangene der Macht‘ auf die “Heulsusen-Partei” SPD ein, was unter medialen Gesichtspunkten ungefähr so verdienstvoll ist, wie zu sagen, dass man Kinderschänder nicht mag oder Doping blöd findet.

Von Klaus Jarchow

Denn die arme, hilflos durch die politische Arena taumelnde SPD ist derzeit die Schießbudenfigur für alle, die sich mal schnell eine Papierrose zusammenballern möchten, um die Liebste zu beeindrucken.

Gut, könnte man sagen, jeder hängt sich irgendwo dran, und es wird so viel Belangloses zusammengeschrieben in den Gassen von Old Media, gerade auch in den Kommentaren, weshalb sollte die Süddeutsche das nicht auch dürfen? Gäbe es nicht dieses Zitat, mit dem Dieter Degler seinen Text am letzten Donnerstag eröffnete: ‘Es war Winston Churchill, der einmal zum Besten gab: “Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe.” Dieser ‘Churchill’ aber, Herr Degler, das war nicht der Churchill …

Ein wenig Internet-Recherche, von einem Tempo-Gründer und ehemaligen Verfasser von Spiegel-Titelgeschichten wohl zu erwarten, hätte erbracht, dass diese von jedem Zitatritter gesattelte Behauptung immer wieder gern auf einen PR-Trick der Nazi-Propaganda hereinfällt. Nichts spricht für die Richtigkeit des »Zitats« und alles spricht dagegen“, heißt es in der bisher umfangreichsten Untersuchung zu diesem Thema von Werner Barke aus dem Statistischen Landesamt Baden-Württemberg.

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Bild: Wikipedia / Public Domain

NS-Propagandaminister Goebbels versuchte damals, die Glaubwürdigkeit seines britischen Gegenspielers mit gefälschten Aussprüchen zu erschüttern, um damit auch die Propagandawirkung der BBC zu bremsen. Wobei er die Ansicht vertrat, man müsse “grundsätzlich die Quelle einer Lüge sofort vernebeln“. Wir haben es hier also mit einem bis in die Gegenwart fortwirkenden Fall von ‘schwarzer PR’ zu tun, die damit arbeitet, dem politischen Gegner gefälschte Zitate unterzuschieben.

Lustig in diesem Zusammenhang ist es natürlich, dass das Große Falkenbuch moderner Zitate, welches dieses Diktum noch immer Winston Churchill zuschreibt, sich ausgerechnet auf die Süddeutsche als Quelle beruft. Kurzum – ein lohnender Artikel, den der Herr Degler dort schreibt, aber nur deshalb, weil er uns mit ein wenig Recherche zu einem lesenswerten Artikel des Statistikers Werner Barke führt.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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