Bei Scoop:
Sprachwechsel

Peter Sennhauser, 4. August 2007 11:19 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Wenn inmitten einer rein schwedischen Webseite ein einziger Artikel auf Englisch publiziert wird, wissen die Leser: Das ist ein internationaler Scoop. Im Mutterhaus IDG hat man begriffen, dass Primeurs in der vorherrschenden Websprache vermarktet werden müssen.

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Die Stockholmer Firma Medison hat mit der Ankündigung eines Notebook-Computers für rund 150$ oder 100? internationales Aufsehen und Skepsis erregt. Am Freitag hat sie mit einer Pressekonferenz nachgedoppelt und dabei kaum Glaubwürdigkeit gewonnen – jedenfalls laut Online-Artikel der schwedischen Zeitschrift “Computer Sweden” (CS). Das wissen wir nicht, weil wir schwedisch verstehen, sondern weil CS den Text als einzigen auf ihrer Webseite auf Englisch publiziert hat – zwischen Schlagzeilen wie “Sex vägar till succé” und “Med storebror i fickan” und ausgestattet mit dem üblichen Kommentarfeld und der Einladung “Senaste Kommentarer
Bli först att tycka till om denna artikel!”.

Das Vorgehen macht durchaus Sinn, zumal anzunehmen ist, dass die Webmaster des Blattes clever genug sind, die Story automatisch nur den Surfern mit ausländischen IP-Adressen auf Englisch anzuzeigen. Bezeichnenderweise führt die Geschichte die Hitliste der “Mest läst just nu”-Artikel an:

cs2Und sie zeigt einen Trend auf, an den sich die Zeitungen mit ihren Online-Portalen zunehmend werden gewöhnen müssen: Die Web-Sprache ist Englisch (zumindest noch vorderhand), und wer Klicks will (und Klicks wollen alle, denn das ist, was man den Werbern online verkauft, während im Papierdruck die in den Zügen herumliegenden Blätter zählen – ob gelesen oder nicht), muss entweder seine lokale Leserschaft zum Klicken animieren oder etwas publizieren, was international von Interesse ist – und das geht nur auf Englisch.

Im Unterschied zu früher, wo der Scoop von Weltformat in einem Lokalblatt im besten Fall zur Erwähnung des Titels in den Meldungen der Agenturen geführt hat, kann heute eben auch die “Volksstimme von Baselland” zum Anlaufpunkt für die Millionen aus aller Welt werden, oder die “Fresno Bee”. Mit dem Unterschied, dass die Bee bereits in der Websprache publiziert und der eine oder andere Leser vielleicht sogar bei einem Artikel über die lokalen Farmer hängenbleiben kann.

Goldene Zeiten für Journalisten, die des schriftlichen Englisch mächtig sind. Und für Anbieter von chinesischen Schreibkursen für Fremdsprachige.

Computer Sweden über Medisons Pressekonferenz

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. origami
    schrieb am 18. August 2007 um 13:20 Uhr (#)

    Die Websprache ist Deutsch, Mandarin, Russisch oder Dänisch – in jedem Fall die Sprache des Landes. Die meisten Leser lesen nichts in englischer Sprache und besuchen deshalb mit Ausnahme einer kleinen Elite auch kaum englischsprachige Websites. Für die Werbung wiederum sind viele User dann interessant, wenn eine klare Zielgruppe angesprochen werden kann. Die Kombination aus 80 Prozent männlichen schwedischen Computerfreaks und 20 Prozent internationalen Newsjunkies gehört sicher nicht dazu. Diese Geschichte in englisch zu veröffentlichen macht deshalb journalistisch Sinn, weil es ein einmaliger zu Primeur sein scheint. Ein Trend ist es sicher nicht.

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