Deals mit Journalisten

Ronnie Grob, 23. Juli 2007 10:38 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Erich Vogel, 68, ist neuer Präsident des Schweizer Fussballclubs GC Zürich. Er ist seit 45 Jahren im Fussballgeschäft und hat unter anderem von Sepp Blatter gelernt, wie man mit den Medien umgeht. In einem Interview (Text / Video) mit Roger Schawinski erzählt er davon.

Über Erich Vogel haben wir schon einmal geschrieben hier bei medienlese.com. Und zwar am 18.04.2007, als der Blogger der Weltwoche, Walter de Gregorio, drei Gerüchte in die Welt setzte, die bis zu ihrer offiziellen Bestätigung von den hiesigen Medien ignoriert wurden.

Was man daraus lernen kann? Dass es sich lohnen kann, Weblogs zu lesen. Denn alle drei Gerüchte haben sich mehr oder weniger bewahrheitet. Murat Yakin wurde zwar nicht Trainer, aber immerhin Trainerassistent mit Aussicht auf Erbe (weil die zum Trainer nötigen Diplome noch fehlen). Krassimir Balakow wurde entlassen und Erich Vogel wurde Sportchef (und Vizepräsident), wie angesagt.

Erich Vogel
(Bild: Screenshot weltwoche.ch)

Mit wem der Weltwoche-Journalist die drei Mojitos und vier Bier getrunken hat, ist noch immer unklar. Dafür konnte Erich Vogel im Interview die nicht immer über alle Zweifel erhabene Nähe zwischen Sportjournalisten und Sportlern beleuchten. So erzählt er von Spielern, die auch nach schlechten Spielen von Journalisten gute Noten erhalten:

(…) ich wusste genau, wer von welchem Journalist angepeilt wurde. Dieser Spieler bekam dann entsprechend gute Noten. Er wird auch bei einer miesen Leistung nicht so schlecht beurteilt. Das ist für die Spieler sehr wichtig.

Als Roger Schawinski um Namen bittet, erwähnt er die ehemaligen Fussballer Stéphane Chapuisat und Alain Geiger. Vorher noch erwähnt werden die Techniken der Schweizer Boulevardzeitung Blick:

Schawinski: Beim Blick kann man Deals machen, so nach dem Prinzip: Du gibst mir Infos, und ich schreibe nur positiv über dich. Hast du das auch schon gemacht?

Vogel: Ich wurde auch vom Blick schon heftig kritisiert. Wenn es so einen Deal gäbe, wäre ich dort besser weggekommen.

Die Aussagen von Erich Vogel sind vielleicht mit Vorsicht zu geniessen. Er gibt während des Gesprächs zu, auch mal zu lügen, wenn es unumgänglich sei:

Halbwahrheiten, Notlügen, Schummeleien bis zur Lüge – das liegt durchaus drin.

Und eine Banane habe er auch schon mal gestohlen. Was Erich Vogel sagt, kann also wahr sein:

Der Sportchef des Tages-Anzeigers, Fredy Wettstein, musste mit mir einen Vergleich eingehen, weil er sonst ziemlich schwer bestraft worden wäre. Mit grösster Wahrscheinlichkeit hätte er seinen Job verloren, wenn ich in dieser Sache nicht grosszügig gewesen wäre. Man kann keine Führungsperson eines Klubs der Urkundenfälschung bezichtigen. Das ist ein Offizialdelikt, darauf stehen bis zu fünf Jahre Zuchthaus. Ich musste zweimal zum Staatsanwalt. Dort fiel alles wie ein Kartenhaus zusammen. Da sieht ein Journalist ganz schlecht aus.

Muss aber nicht zwingend wahr sein. Die andere Seite sagt nämlich in einer Fussnote am Schluss des Interviews genau das Gegenteil:

Stellungnahme zum Interview der Weltwoche mit Erich Vogel: Was Erich Vogel in diesem Interview zu meiner Person und zum Tages-Anzeiger antwortet, ist völliger Unsinn. Es gab nie ein von Erich Vogel angehobenes Strafverfahren gegen irgendeine Person des Tages-Anzeigers, und es gibt bei der Zeitung überhaupt kein Verbot, mit Erich Vogel zu reden.

Fredy Wettstein, Sportchef
Tages-Anzeiger/Sonntagszeitung

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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