Tierischer Bürger-Journalismus

Peter Sennhauser, 10. Juni 2007 01:02 Uhr, 10 Kommentare Kommentare

Im Auftrag seines Herrchens schiesst Mr. Lee Fotoreportagen seiner Tagesabläufe. Dem Kater gelingen sensationelle Dokumentationen. Es ist Katzen-Bürgerjournalismus der Extraklasse.

mrlee catcamEin Tag im Leben einer deutschen Katze – was gibt es spannenderes, als herauszufinden, was unsere zweitbesten Freunde auf ihren Ausflügen jeweils so treiben?

Dank Mr. Lee, dem schleichenden Katzen- Reporter, wissen wir es jetzt.

Sie sitzen unter Autos und warten auf bessere Zeiten. Sie hängen mit andern Mietzen ab oder gockeln gegen Mitbewerber an. Sie schleichen in Nachbars Garage, erkunden gelandete UFOs und lassen sich von Gartenschläuchen und echten Schlangen erschrecken.

Mr. Lee steht unter Vertrag von Jürgen Perthold. Er ist bereits mindestens der zweite Kater, der sich journalistischer Tätigkeit verschrieben hat: In Los Angeles schiesst «Squeaky» bereits seit 2006 gar ganze Videofilme seiner Ausflüge. Dass die wirken wie LSD-Trips ist kaum der Fehler der Katze.

Mr. Lees Bilder allerdings erfüllen gewisse künstlerische Ansprüche, weshalb wir uns zu einer Publikation durchgerungen haben. Das ganze Portfolio ist auf Jürgen Pertholds Webseite zu finden, die es dank der spektakulären, poetischen und teils fotografisch bemerkenswerten Bilder binnen weniger Tage zu Weltruhm gebracht hat.

Durchaus verdient, wie wir finden:

Wir duplizieren einige der Werke von Mr. Lee hier mit ausdrücklicher Genehmigung seines Herausgebers Perthold, der sich über unsere Anfrage übrigens einigermassen erstaunt gezeigt hat, nachdem weder «Spiegel», «FAZ» noch «Stern» das vor der Veröffentlichung für nötig befunden hätten [Edit: dieser Satz beruht auf einem Missverständnis und nachgewiesenermassen auf falschen Tatsachen. Wir entschuldigen uns bei den betroffenen Redaktionen und bei Jürgen Perthold. P. Sennhauser] (den grössten Besucherstrom hat der Webseite übrigens keine der dreien beschert – es war die Publikation auf BoingBoing.net, welche die Seite durchstarten liess.)

Spektakuläre Ansichten wie diese gibt es nicht zu viele im Portfolio von Mr. Lee.

Aber wie reizend der Alltag sein kann, das zeigt dieser fotografisch schon fast makellose Schnappschuss:

Belichtung, Komposition und Originalität ergäben bereits Höchstnoten. Aber der Dokumentarische Wert des Bildes einer ebenso begehrenswerten wie unerreichbaren Katzendame macht es erst wirklich Pulitzer-Preis-verdächtig.

Wer übrigens an der Authentizität der Bilder zweifelt, soll bitte erklären, wie dieses Foto von Mr. Lee während einer verdienten Rast in der lokalen Katzen-Kneipe zustande kam.

Alles weitere findet sich auf Mr. Lees Webseite, wo bisher drei Tagesausflüge dokumentiert sind. Wir sind überzeugt, dass dieses Vorbild Schule macht und bald schon weitere Reporter die Welt von «Second Life» der gemeinen Hauskatze beleben und uns mit nie gesehenen Einblicken beglücken werden. Aber das Verdienst des Pioniers geht zweifellos an Mr. Lee:

Mr Lee

Jürgen Pertholds/Mr Lees’ Webseite

Jürgen bittet um Spenden via Paypal an jperthold (at sign) hotmail.com

paypal

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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10 Kommentare

  1. Konrad Lischka
    schrieb am 10. Juni 2007 um 13:33 Uhr (#)

    Guten Tag,
    wir (SPIEGEL ONLINE) haben die schriftliche Erlaubnis von Herrn Perthold abgewartetn. Sie liegt uns vor. Ich habe Sie Ihnen, Herr Sennhauser eben per E-Mail weitergeleitet. Und ich bitte Sie um eine Korrektur Ihrer schlicht unwahren Behauptung “bachdem weder «Spiegel», «FAZ» noch «Stern» das vor der Veröffentlichung für nötig befunden hätten”. Ich weiß nicht, was für die Kollegen gilt – ich habe jedenfalls die Erlaubnis von Herrn Perthold. Warum haben Sie nicht eingenlicht nicht eifach mal gefragt?

    Konrad Lischka

  2. Schreibt hier auf dem Blog Peter Hogenkamp
    schrieb am 10. Juni 2007 um 14:34 Uhr (#)

    (In Peter Sennhausers zeitverschiebungsbedingter Schlafpause nur ein kurzer Zwischenkommentar.)
    So wie ich den Satz mit “der sich über unsere Anfrage übrigens einigermassen erstaunt gezeigt hat” lese, hat er wohl Perthold gefragt, der ihm dann das von “«Spiegel», «FAZ» und «Stern»” vermutlich erzählt hat. Muss man bei sowas alle anderen drei beteiligten Parteien denn auch noch fragen? Um dann erst vier Tage später posten zu können, nachdem vielleicht mal alle geantwortet haben? (Sie natürlich offensichtlich ausgenommen, lieber Herr Lischka.)

  3. Konrad Lischka
    schrieb am 10. Juni 2007 um 16:38 Uhr (#)

    Lieber Herr Hogenkamp,

    Sie haben nicht geschrieben “XY hat gesagt XY sei ein”. Sie haben geschrieben “XY hat geklaut”, bzw. zu schreiben:

    “Wir duplizieren einige der Werke von Mr. Lee hier mit ausdrücklicher Genehmigung seines Herausgebers Perthold, der sich über unsere Anfrage übrigens einigermassen erstaunt gezeigt hat, nachdem weder «Spiegel», «FAZ» noch «Stern» das vor der Veröffentlichung für nötig befunden hätten”.

    Für beide Aussagen würde ich in jedem Fall einen Kommentar des Beschuldigten einholen. Oder schreiben, ich hätte keine Stellungnahme des Beschuldigten einholen können bis Redaktionsschluss. Das wäre doch transparenter, oder? Eine Kopie der E-Mail mit der Erlaubnis von Herr Perthold habe ich Ihnen eben weitergeleitet an ph@blogw….com und info@blogw….com. Ich hoffe, Sie prüfen das und korrigieren diesen Beitrag schnellstmöglich.

    Es kann nicht sein, dass man so ehrenrührige Vorwürfe nicht prüft und dann nach einer Reaktion der Beschuldigten, nach Vorliegen des Beweises noch immer die falsche Tatsachenbehauptung aufrechterhält.

  4. martin
    schrieb am 10. Juni 2007 um 18:56 Uhr (#)

    ich interpretiere den besagten satz gleich wie peter hogenkamp und verstehe ihn so, dass der herausgeber der katzen-seite geschrieben hat, dass jene publikationen eine veröffentlichung ohne rückfragen gemacht hätten.

    damit steht nun quasi wort gegen wort (jürgen perthold wird wohl nicht grundlos gegen spiegel, faz und stern solche behauptungen machen!) – und eine e-mail kann ja grundsätzlich problemlos gefälscht werden (auch wenn ich hier spiegel online nichts unterstellen will)..

    schlussendlich ist das auch nicht wirklich entscheidend! aber zum artikel: super idee, die spannende neue einsichten an den tag legt!

  5. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 10. Juni 2007 um 19:02 Uhr (#)

    @Konrad Lischka:

    Tut mir leid Herr Kollege – Sie haben absolut recht.

    Als Anwalt journalistischer Sorgfaltspflichten im Blogwerk muss ich hier Asche auf mein Haupt streuen – die indirekte Rede reicht nicht aus, ganz abgesehen davon, dass ich mit dem hingeklatschten Vorwurf auch noch Jürgen Perthold anschwärze, denn die Aussage stammte aus seiner privaten Email an mich und ist von mir möglicherweise missverstanden worden. Nachfragen oder mindestens ein Hiwneis darauf, dass ich das aus Zeitgründen nicht getan habe, wäre nötig gewesen.

    Die Korrektur erfolgt aus Transparenzgründen im Hauptartikel.

    Peter Sennhauser

  6. Konrad Lischka
    schrieb am 10. Juni 2007 um 19:20 Uhr (#)

    Hallo Herr Sennhauser,

    vielen Dank für die Klarstellung. Haben Sie die weitergeleitete E-Mail mit Herrn Perholds Genehmigung erhalten? Ich habe Ihn auch gefragt, wie es zu solche Vorwürfen kommt. Mal sehen.

  7. Schreibt hier auf dem Blog Peter Hogenkamp
    schrieb am 11. Juni 2007 um 00:04 Uhr (#)

    Ich auch nochmal kurz an Konrad Lischka: Hat sich ja nun alles aufgeklärt, sorry auch nochmal von meiner Seite. Ich hätte wohl gar nicht dazwischen kommentieren sollen, denn weder kannte ich den ursprünglichen Mailwechsel zwischen Sennhauser und Perthold noch konnte ich Ihre Mail an ihn einsehen.

    Ich wollte auch keinesfalls “nach einer Reaktion der Beschuldigten, nach Vorliegen des Beweises noch immer die falsche Tatsachenbehauptung” aufrecht erhalten.

    Habe mir erlaubt, in Ihrem Kommentar die beiden Mailadressen aus Spamschutzgünden die Domain zu kürzen.

  8. Juergen Perthold
    schrieb am 11. Juni 2007 um 05:30 Uhr (#)

    Spiegel Online hatte die schriftliche Erlaubnis von mir.
    Allerdings gibt es einige Zeitungen die ohne diese bis zu 1/2 seitige Berichte gedruckt haben. Z.B. Leibziger Volkszeitung um nur mal eine zu nennen. So etwas finde ich nicht in Ordnung, eine kurze Anfrage haette genuegt.

    Mit freundlichen Gruessen,

    J. Perthold

  9. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 11. Juni 2007 um 09:49 Uhr (#)

    Jürgen, das ist nicht “nicht in Ordnung”, es ist schlicht und einfach Diebstahl. Du machst auf Deiner Webseite klare Urheberrechtsansprüche geltend.
    Aus genau diesem Grund regt sich Konrad Lischka über meinen Nebensatz auf: Weil er als Profi weiss, wie gravierend der Vorwurf eigentlich ist.
    An Deiner Stelle würde ich Zeitungen, die nicht angefragt haben und Bilder nicht als “Zitat” (zum Beispiel als Ausriss oder im Umfeld der ganzen Webseite) übernommen haben, eine Rechnung schicken. Die Ansätze liegen in der Grössenordnung 200 Euro für das erste und 80 Euro für jedes weitere publizierte Bild.
    Mich als freien Journalisten nervt es unheimlich, wenn Redaktionen, von denen sich viele ständig (und nicht immer zu unrecht) über “die presserechtlich unbedarften” Blogger aufregen, sich ihrerseits völlig unbekümmert an anderer Leute Eigentum vergreifen.

  10. Jens Dormalla
    schrieb am 23. Juli 2007 um 20:56 Uhr (#)

    Und noch ein Katzenreporter:
    http://www.smaka.de
    Bilder dort sind auch ganz nett. Selbst das Video ist nett anzusehen und gar nicht so verwackelt. :)

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