Yahoo erschliesst das “Deep Web”
Ein wachsendes Problem (nicht zuletzt für viele Blogger) ist die Tatsache, dass immer mehr hochwertiger Content im sogenannten “Deep Web” hinter Passwortabfragen versteckt liegt, für Suchmaschinen unerreichbar. Profilierte Newsquellen wie Wall Street Journal, Economist, Financial Times und sogar inzwischen die gute alte NZZ sind zunehmend stärker dazu übergegangen, nur noch tagesaktuelle Kurzmeldungen gratis anzubieten, während längere Artikel und vor allem der Archivzugang zahlenden Abonnenten vorbehalten bleibt.
Das ist ein verständliches und vernünftiges Verhalten der Medienanbieter – schliesslich will hochwertiger Inhalt finanziert sein – aber eben sehr ärgerlich für die User, weil eine Suchabfrage auf einer der üblichen Search-Engines nur einen Bruchteil der möglichen Resultate bringt und oft gerade die besten Artikel auslässt.
Manche Verlage bieten inzwischen sogar ihre Inhalte wieder gratis an, weil ihnen der zusätzliche Traffic von Suchmaschinen mehr bringt als die (oft bescheidenen) Abo-Umsätze.
Yahoo, schon seit einiger Zeit auffallend innovativ im Such-Umfeld, stellt nun eine brauchbare Lösung für dieses Problem als Beta-Version vor: Yahoo Subscriptions erlaubt die Suche im Index mehrerer kostenpflichtiger Publikationen, auch wenn man über kein Abo verfügt. Die Volltexte sind dann natürlich nur für zahlende Kunden des jeweiligen Anbieters abrufbar. Darum kann man als Yahoo-User auch konfigurieren, von welchen Quellen man ein Abo besitzt, um so nicht mit eh nicht zugreifbaren Treffen belästigt zu werden. Bleibt zu hoffen, dass möglichst viele kostenpflichtige Websites an diesem und ähnlichen Programmen teilnehmen. Schliesslich ist es im allgemeinen Interesse, auch solche Inhalte auffinden zu können.
Freilich wird damit die Position der grossen Search-Engines und Portale noch einmal bedeutender, als sie es sowieso schon ist. Die Medienunternehmen werden in letzter Konsequenz sozusagen zu Zulieferern von Content-Einzelteilen für die grossen Web-Plattformen, die dann den übergreifenden Kontext herstellen. Die Gesamtheit eines verlegerischen Produkts verliert im Web zunehmend an Bedeutung. Wer will schon mehrere Zeitungs-Homepages einzeln abklappern, wenn er auch bei Google oder Yahoo schnell und bequem einen Überblick über hunderte von Quellen erhalten kann?
Dass das der Kundenbindung der Medienunternehmen nicht gerade gut tut, ist wohl klar. Und eine zentrale redaktionelle Leistung, nämlich die Selektion und Priorisierung von Meldungen, kommt damit auch potentiell in Gefahr. Aber bei allem Respekt vor Googles Technologie: Eine rein statistische Analyse von News-Häufigkeiten bietet halt doch nicht die gleiche Qualität in der Priorisierung von Meldungen wie die journalistische Leistung eines erfahrenden Redakteurs.
Zu diesem Thema bieten Robin Sloan und Matt Thomposon in einem sehr gut gemachten Flash-Movie eine interessante (Horror-)Vision.








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