Roger Köppel, gemeinhin als einer der unbequemsten Journalisten angesehen und von vielen eher kritsch beobachtet als geliebt, wurde 2006 von der Zeitschrift Schweizer Journalist zum Journalist des Jahres gewählt. Irritierend dabei nur, dass ihm dieser Preis für das Jahr 2006 verliehen wurde, ein Jahr, in dem er im Gegensatz zu den Vorjahren nicht durch journalistische Leistungen aufgefallen ist. In jedem der Jahre davor hätte er den Preis eher verdient als im Vergehenden, doch der Preis ist neu und vermutlich wurden Leistungen kumuliert.
Was ist aus dieser Wahl zu schliessen? Unbequeme und aneckende Schreibe wird wieder gerne gelesen, offenbar gerade von Journalisten. Wir zitieren aus den Jurystimmen für den “Kolumnist des Jahres”, Kurt W. Zimmermann:
Zehn, hundert, tausend Punkte, weil er seine potenziellen Kunden anpöbelt.
Keiner schreibt böser über Journalisten.
Ein Saulus, der zum Paulus wurde.
Wöchentliche Medienschelte mit überdurchschnittlichen Niveau.
Auf Platz 4 der Kolumnisten übrigens “Jeder liest Mr. Haudrauf” Christoph Mörgeli, dem viele, wenn sie könnten, das Recht zum Schreiben verwehren würden. Auf Platz 1 der Kategorie Politik noch einer der Weltwoche, Urs Paul Engeler, “umstritten, aber immer wieder interessant zu lesen”. Für 2007 können wir also direkte, mitunter polarisierende Worte erwarten, die sich der Sache verpflichtet haben und sich nicht scheuen, wenn davon Personen betroffen sind. Es könnte ein interessantes Jahr werden. Das Internet wird dabei wohl eine Hilfestellung bieten.
“Schreiben, was ist” ist Roger Köppels aktueller journalistischer Leitspruch, der seiner Weltwoche ein Watchblog gleichen Namens eingebracht hat. Nun, wer möchte das nicht, so gross das Wort “ist” auch ist? Ich schreibe, was 2007 für die Schweizer Printmedien für ein Jahr wird. Meine Meinung deckt sich dabei weder zwingend mit der Meinung von anderen Redaktionsmitgliedern noch mit der noch einzutreffenden Wahrheit. Die Auswahl der Prophezeiungen ist willkürlich.
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