Alle 40 Artikel zum Thema Zukunft der Zeitung auf netzwertig.com:
Die angekündigte Schließung von medienlese.com hat eine Vielzahl von Meinungen zur Medienkrise provoziert, die zum Teil weit auseinanderliegen. Der Versuch einer Einordnung.
Sterben die Zeitungen? Sind Journalisten fauler geworden? Kapieren Verleger das Internet nicht? Ist der Qualitätsverlust schuld an der Medienkrise? Ich bin seit 20 Jahren Journalist und habe die Veränderungen in der Schweiz, dem Land mit der einst weltweit höchsten Zeitungsdichte, parallel zum Aufstieg des Internets hautnah erlebt. Hier sind seit den achtziger Jahren kontinuierlich Zeitungen in den Regionen verschwunden; im Gegenzug sind grade mal eine Hand voll kostenloser, flächendeckender Pendlerzeitungen aufgemacht worden.
Vielleicht gibt es keine Medien-, aber sicher eine Zeitungskrise, indem alte Modelle sich als nicht mehr tragfähig erweisen und neue Modelle sich erst herauskristallisieren müssen. Und weil die Faktoren, die den journalistischen Markt beeinflussen, mindestens ein Dreieck der Interessen darstellen (Verlage, Publikum, Werbung), ist nicht absehbar, von welcher Seite sich der stärkste Zug auswirken wird. Über die Auswirkungen streiten wir uns täglich:
» weiterlesen: Fünf Thesen zum Medienwandel
Zeitungen sind nicht erwünscht: In Tokio macht eine U-Bahngesellschaft Front gegen Zeitungsleser. Die sollen Rücksicht nehmen – und das Papier gefälligst zu Hause lassen.
Kein Eis essen, keine laute Musik hören: Im öffentlichen Nahverkehr fordern mahnende Plakate zur Rücksichtnahme auf. Die
Tokio Metro möchte ihren Fahrgästen auch das Zeitungslesen abgewöhnen.
Große Plakate an den Stationen machen unmissverständlich klar, dass man seine Zeitung doch lieber zu Hause lesen sollte. Eine richtige Kampagne! Da sage noch einmal jemand, wir würden hier gegen das Gedruckte schießen. Wir bedauern es hingegen sehr, dass die Jugend die Umwelt schützt und weniger Zeitung liest und freuen uns noch über jede Tram, die mit ausgelesenen Pendlerzeitungen gepflastert ist. Vor allem fordern wir: Die Diskriminierung von Zeitungslesern muss aufhören! Statt aktueller Nachrichten auf mobilen Endgeräten – vulgo Handys – fordern wir abgehangene News von gestern in unhandlichen Formaten! Oder so ähnlich.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.
Auf Spot.us schlagen Nutzer und Journalisten Themen vor, zu denen recherchiert werden sollte – dann werden so lange Spenden gesammelt, bis ein Journalist beauftragt werden kann.
Es ist nicht die Antwort auf die Medienkrise und kein Ersatz für richtige, gut ausgestattete Redaktionen – aber es ist ein interessantes Experiment: Auf Spot.us sammeln die Nutzer Geld, um journalistische Recherchen, zunächst beschränkt auf die Region um San Francisco, in Auftrag zu geben. Die Themen schlagen sie selber vor – oder unterstützen einen Journalisten bei seinem Vorhaben. Ist das nötige Geld (meist Beiträge um 500 Dollar) zusammen, wird ein Journalist beauftragt, das Ergebnis gibt es dann für alle kostenlos auf der Spot.us-Website: “community funded reporting”. Es sei denn, ein Verlag kauft die Geschichte exklusiv, dann gibt’s das gespendete Geld zurück. Schon eine Woche nach Start der Seite In den ersten fünf Monaten wurden 19 Artikel von den Nutzern gesponsert. So haben zum Beispiel 15 Nutzer 400 Dollar für einen Radiobeitrag über Abwasser in San Francisco gesammelt. Medienblogger John Welsh hat mit David Cohn von Spot.us ein Video-Interview geführt:
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Wie geht es dem Journalismus? Zwei aktuelle Studien zeigen, wie es um die Medien in Deutschland steht. Mit reichlich Zahlenmaterial belegen sie einen heftigen Strukturwandel.
Zwei grundlegende Texte gibt es in Deutschland, die jeder kennen und zur Hand haben sollte, der sich ernsthaft mit Medienfragen beschäftigt. Beide sind auch als kostenlose pdf-Dateien im Internet verfügbar. Zunächst einmal ist dort
der zweiteilige Medienbericht der Bundesregierung, erstellt vom Hans-Bredow-Institut. In ihm finden sich alle relevanten Daten und Fakten zur Medienlandschaft, auf der statistischen Basis des Jahres 2008. Insbesondere der zweite Teil, das Gutachten, trägt auf knapp 400 Seiten alles zusammen, was heutzutage für die Zahlengarnitur eines fundierten Artikels zur Lage der Medien erforderlich ist – von der Marktentwicklung über die Studierendenzahlen bis hin zum grassierenden Titelschwund gerade auch in der Fläche.
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Im Sommer gibt’s ein neues Betriebssystem für Apples iPhone – neben lang erwarteten Funktionen können dann Entwickler ihre iPhone-Applikation als Abonnement anbieten.
Einfach bezahlen mit dem iPhone: Das neue Betriebssystem für Apples Wundertelefon, das im Sommer kostenlos verteilt werden soll, bringt eine ganze Reihe neuer Funktionen – mehr dazu bei
neuerdings.com. Eine weitere Neuerung hängt mit dem “App Store” zusammen, Apples Bauchladen für iPhone-Applikationen. Künftig kann man dort nicht nur Programme kaufen, sondern auch abonnieren. Außerdem können bestimmte Funktionen oder Inhalte innerhalb einer Applikation extra abgerechnet werden – etwa zusätzliche Funktionen, neue Spiel-Levels. Oder journalistische Inhalte …
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Alle beschwören das Ende vom bedruckten Papier, doch ein amerikanisches Start-up will es retten – mit einer wöchentlichen Gratiszeitung, die Blogeinträge recycelt.
Während alle anderen emsig überlegen, wie sie Print-Inhalte gewinnbringend online anbieten können, und selbst Bücher in Zukunft digital gelesen werden sollen, geht ein Start-up aus Chicago den entgegengesetzen Weg: vom Web aufs gedruckte Papier.
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Vom Ende der gedruckten Zeitung, der Zukunft des Journalismus und den Unsicherheiten und Unwägbarkeiten einer echten Revolution.
Es findet eine Revolution statt und wir wissen nicht, wie sie ausgehen wird: Der amerikanische Internet-Berater und Professor Clay Shirky hat einen viel beachteten Essay über das Ende der Zeitung und den Medienwandel geschrieben. Wie man denn Zeitungen und den für die Gesellschaft unverzichtbaren Journalismus retten könne, sei zwar eine gute Frage – die man so aber nicht stellen könne, denn bei einer Revolution sei das Ergebnis eben nicht absehbar, argumentiert Shirky.
» Clay Shirky: Newspapers and Thinking the Unthinkable
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.
Das ständige Geschreibe vom Ende der Zeitung verschreckt doch die Leser, findet Ringier-Chefpublizist Frank A. Meyer. Der Umkehrschluss funktioniert nur leider überhaupt nicht.
Am Vorabend der französischen Revolution führten die Aufklärer einen langen Disput über Freiheit und Notwendigkeit.
Melchior Grimm, der Pariser Korrespondent und große Multiplikator aufgeklärten Denkens, plädierte für die Notwendigkeit: Die Freiheit sei eine zugebenermaßen manchmal recht nützliche Illusion, die sich die Menschen machten. In Wahrheit aber regiere die Notwendigkeit selbst dort, wo sie sich das Gewand der Freiheit hülle, um rascher fortschreiten zu können. Bei allem Anschein von Freiheit seien die Dinge durch die geheimen Strukturen und Gesetze im Innern des Gesellschaftskörpers vorherbestimmt.
An den Streit zwischen Voluntaristen (“Es geschieht, was ich will“) und Deterministen (“Mir geschieht, was ‘es’ will“) fühlte ich mich erinnert, als ich diese Einlassung von Frank A. Meyer im Sonntag las, die Ronnie hier bereits aufgespießt hat:
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Nur noch eine Zeitung für eine Region mit 2,5 Millionen Einwohnern: Die Rocky Mountain News aus Denver wurde nach fast 150 Jahren eingestellt. Die Redaktion verabschiedet sich mit einem Video.
Es fehlten nur 55 Tage, dann wäre die amerikanische Zeitung Rocky Mountain News 150 Jahre alt geworden. Aber am Freitag erschien die letzte Ausgabe, der Verlag E.W. Scripps hatte inmitten der Wirtschafts- und Zeitungskrise keinen Käufer für das Blatt finden können. Dabei wurden an Werktagen zuletzt 210.000 Exemplare von Colorados ältester Zeitung verkauft – immer noch mehr als deutsche Zeitungen wie Tagesspiegel, Frankfurter Rundschau oder Handelsblatt, wie retromedia.de schreibt. Die Redaktion verabschiedet sich – mit Texten und einem Video.
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“Was ist schwarzweiß und total hinüber?”, fragt US-Talker Jon Stewart – und meint die Zeitung. Das Medienblog 10,000 Words hat deprimierende Zitate gesammelt.
Die Zukunft der Medien ist ja vielleicht düster, aber muss man gleich die Apokalypse herbeireden? Das US-Medienblog
10,000 Words ist sich sicher, dass sich die Medien zwar wandeln, der Journalismus aber sei gekommen, um zu bleiben. Wie das mit den neuen Medien und dem Journalismus zusammengeht, präsentiert das Blog tagtäglich. Trotzdem hat 10,000 Words eine ganze Reihe Aussagen über das vermeintliche Ende des Journalismus und die Krise der Zeitungen gesammelt. Zu lesen gibt’s wenig erbauliche Sprüchlein wie zum Beispiel:
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