Thema: Zeitungskrise

 

Alle 6 Artikel zum Thema Zeitungskrise auf netzwertig.com:

Medienkrise:
Fünf Thesen zum Umbruch

Die angekündigte Schließung von medienlese.com hat eine Vielzahl von Meinungen zur Medienkrise provoziert, die zum Teil weit auseinanderliegen. Der Versuch einer Einordnung.

Sterben die Zeitungen? Sind Journalisten fauler geworden? Kapieren Verleger das Internet nicht? Ist der Qualitätsverlust schuld an der Medienkrise? Ich bin seit 20 Jahren Journalist und habe die Veränderungen in der Schweiz, dem Land mit der einst weltweit höchsten Zeitungsdichte, parallel zum Aufstieg des Internets hautnah erlebt. Hier sind seit den achtziger Jahren kontinuierlich Zeitungen in den Regionen verschwunden; im Gegenzug sind grade mal eine Hand voll kostenloser, flächendeckender Pendlerzeitungen aufgemacht worden.

Vielleicht gibt es keine Medien-, aber sicher eine Zeitungskrise, indem alte Modelle sich als nicht mehr tragfähig erweisen und neue Modelle sich erst herauskristallisieren müssen. Und weil die Faktoren, die den journalistischen Markt beeinflussen, mindestens ein Dreieck der Interessen darstellen (Verlage, Publikum, Werbung), ist nicht absehbar, von welcher Seite sich der stärkste Zug auswirken wird. Über die Auswirkungen streiten wir uns täglich:

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Zeitung ohne Funktion:
Frank A. Meyer irrt sich

Das ständige Geschreibe vom Ende der Zeitung verschreckt doch die Leser, findet Ringier-Chefpublizist Frank A. Meyer. Der Umkehrschluss funktioniert nur leider überhaupt nicht.

Am Vorabend der französischen Revolution führten die Aufklärer einen langen Disput über Freiheit und Notwendigkeit. Melchior Grimm, der Pariser Korrespondent und große Multiplikator aufgeklärten Denkens, plädierte für die Notwendigkeit: Die Freiheit sei eine zugebenermaßen manchmal recht nützliche Illusion, die sich die Menschen machten. In Wahrheit aber regiere die Notwendigkeit selbst dort, wo sie sich das Gewand der Freiheit hülle, um rascher fortschreiten zu können. Bei allem Anschein von Freiheit seien die Dinge durch die geheimen Strukturen und Gesetze im Innern des Gesellschaftskörpers vorherbestimmt.

An den Streit zwischen Voluntaristen (“Es geschieht, was ich will“) und Deterministen (“Mir geschieht, was ‘es’ will“) fühlte ich mich erinnert, als ich diese Einlassung von Frank A. Meyer im Sonntag las, die Ronnie hier bereits aufgespießt hat:

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Sparen in der Zeitungskrise:
Weniger Breite, mehr Tiefe

Die Krise in der Printbranche führt zwangsläufig zum Abbau von Kapazitäten. Weniger ist auch dabei mehr: Verringert werden muss die Breite des Angebots, nicht die Tiefe.

Nachdem die Zeitungskrise aus den USA nun auch bei uns ankommt (was tatsächlich noch gewisse Leute überrascht), geht es darum, wie abgebaut wird.

Deutschland ist stolz auf seine tatsächlich beeindruckende Medienvielfalt. Aber was bedeuten viele Titel, wenn alle das Gleiche schreiben? Nichts. Für Journalismus braucht es Zeit und damit Geld. Und weil immer weniger davon vorhanden ist, müssen sich die Verlage auf die Stärken der einzelnen Produkte besinnen. Was Verlage, Redakteure und Zeitungsleser jetzt machen müssen:

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Basler Zeitung:
“Weniger Seiten auf hohem Niveau”

“Dünner, besser, provokativer” soll die Basler Zeitung werden – schöne Worte für ein Sparprogramm, das die Zeitung dünner, schlechter, langweiliger zurücklassen wird.

Wieder Sparmassnahmen bei der Basler Zeitung: Um 15 Prozent soll die Redaktion schrumpfen, berichtet Onlinereports. In den vergangenen fünf Jahren hat die gedruckte Basler Zeitung 20 Prozent ihrer Leser eingebüsst. Folglich hat sie weniger Geld zur Verfügung. Wenn Chefredaktor Matthias Geering spricht, dann klingt das so:

“Die Situation ist ungemütlich”

“Wir werden uns von Kollegen trennen müssen”

“Die ‘Basler Zeitung’ vom Herbst 2009 wird nicht mehr die ‘Basler Zeitung’ von heute sein.”

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Geo-Reportage:
New York Times, das unsichere Imperium

Eine Zeitung im “Übergang”: Auf 16 Seiten berichtet Geo vom Innenleben der New York Times, von Fälschungen, Blog-Konkurrenz, Anzeigenkrise und Aktionären.

Eine fast schon epische Geschichte erzählen Norbert Neumann (Text) und Jonathan Torgovnik (Fotos) in der September-Ausgabe von Geo. Wie verändert sich die ehrwürdige NY Times in Zeiten des Internets? Denn während die Redakteure im “page one”-Konferenzraum noch über die gedruckte Zeitung des nächsten Tages beraten, erscheinen die Nachrichten der Stunde auf der Website: “Für die Reporter ist es eine erschöpfende Zeit. Sie können nicht Stillstehen im Laufrad der Nachrichten.”

Wie geht die 1851 gegründete Zeitung mit der aktuellen Zeitungskrise in den USA um? Wie verhält es sich mit der Rolle der vierten Gewalt in Zeiten, in denen nur noch jeder zehnte Amerikaner die Zeitung als wichtigstes Informationsmedium angibt? Auf 16 Seiten ist genug Platz, um von allen Seiten aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen eine Zeitung entsteht und vor welchen Herausforderungen sie steht. Das mag für Medien-Insider wenig überraschend sein – umfassend und gut geschrieben ist die Reportage über die “‘Modern’ Times” trotzdem.

Natürlich kommen auch Blogger vor:

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Zeitungskrise in den USA:
Beim Star-Ledger geht’s um alles

Die Zukunft der Zeitung könne man in New Jersey sehen, schrieb Jeff Jarvis – und meinte die neuen Videonachrichten. Jetzt droht der Star-Ledger Opfer der Zeitungskrise zu werden.

The Star-LedgerEs ist gerade drei Tage her, da wurde die Regionalzeitung noch gefeiert. “Ich habe die Zukunft gesehen und sie ist in Jersey”, schrieb Jeff Jarvis am 28. Juli über New Jerseys Star-Ledger. Grund des Jubels: Eine neue Nachrichtensendung für die Online-Ausgabe der Zeitung, in der ein Reporter an seinem Schreibtisch im Newsroom der Zeitung sitzt und kleine Beiträge anmoderiert. Kein geringerer als VJ-Papst Michael Rosenblum hat den Reportern das Videomachen beigebracht und mit ihnen das Nachrichtenformat entwickelt.

Die Zukunft der Zeitung in Jersey? Die Aussichten könnten nicht schlechter sein: Die Auflage des Star-Ledger ist unter 300.000 Exemplare gesunken, die Anzeigenerlöse stagnieren. Zum Jahresende erwartet die Besitzerfamilie der größten Zeitung im US-Bundesstaat New Jersey einen Verlust von 30 bis 40 Millionen Dollar, wie die New York Post nur drei Tage nach Jarvis Jubelmeldung berichtet.

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