Journalismus in der ersten Person:
Ich? Ich!
Mit lauter “es” und “man” an den Rand der Unzuordnung: Journalisten verstecken sich zu oft hinter Passivkonstruktionen, wo eine klare, pointierte Meinung erfreuen würde.
Mein Lieblingsantiquar legt mir gern Dinge beiseite, die mir überhaupt nichts sagen – wohl aber ihm. So bin ich seit gestern stolzer Besitzer eines Buches, das ‘Ende der Jagdzeit’ heißt und von einem gewissen David Mamet ist. Der Mann ist – sagte mir dann Google – ein preisgekrönter amerikanischer Theater- und Drehbuchautor, der für Kassenerfolge wie ‘The Untouchables’ oder ‘The Postman always rings twice’ verantwortlich zeichnet. Und als Pulitzer-Preisträger trägt er eben auch journalistisch einen Lorbeerkranz.
Ich schlug also dieses Buch mit Pressetexten von ihm auf und las als erstes:
“Ich hatte Liebeskummer und brauchte dringend Beistand.”
In diesem Artkel geht es übrigens um Malt Whiskey – den erwünschten ‘Beistand’ schenkt ihm natürlich der Barkeeper randvoll ein – und im Folgenden porträtiert Mamet jene spezielle Gesellschaft, die in den USA einen irren Kult um den schottischen Single Malt zelebriert.
Hej – aber hatte ich nicht mal gelernt, dass man als Journalist alles darf, nur nicht den Text mit einem ‘Ich’ beginnen? Würde mich nicht sofort der Wolf Schneider mit der großen Rute verwamsen und auf ewig aus dem Reporterhimmel verstoßen? Selbst als Briefbeginn, so wurde mir das noch beigebracht, sei jeder Einstieg mit ‘Ich’ verpönt. Ach, hätte ich jetzt diesen Mamet doch wenigstens als schlechten Schreiber abschreiben können! Das konnte ich aber nicht. Der Mann schreibt richtig gut, ich meine, RICHTIG GUT!
Also gut, Ausreißer gibt es immer, dachte ich, Ausnahmen bestätigen die Regel – und ich suchte Trost bei Tom Wolfe, dem Idol aller amerikanischen Journalisten. Was aber las ich da gleich im ersten Satz, dort wo das Lesezeichen steckte:









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