Thema: Techjournalismus

 

Alle 9 Artikel zum Thema Techjournalismus auf netzwertig.com I Internetwirtschaft I Startups I Trends I Digitalisierung:

Irreführende Presseberichte:
Was die Nutzerzahlen von SoundCloud wirklich bedeuten

Die Presse berichtet über die Einigung zwischen SoundCloud und Warner Music. Bei der Angabe der aktuellen Nutzerzahlen des Berliner Musikdienstes verzichten selbst namhafte Angebote wie das Wall Street Journal auf die gebotene Sorgfalt.

SoundCloud

Nachdem jüngste Meldungen rund um die Berliner Audioplattform SoundCloud wenig optimistisch klangen – neben weiteren Verlusten war gar die Rede von einem Abbruch der Verhandlungen zwischen dem Startup und den Musiklabels – scheint man in den Büros des Unternehmens aufatmen zu können: Laut einem Bericht des Wall Street Journal hat sich die sieben Jahre alte Firma aus der deutschen Hauptstadt mit Warner Music und damit mit einem der drei Major Labels einigen können. Entsprechende Verträge wurden notwendig, da der Dienst sich endlich ans Geldverdienen machen möchte, was ihn zum Verlassen des bisherigen rechtlichen Graubereichs zwingt.

Auffällig ist, dass im Zuge der Berichterstattung des Wall Street Journal sowie diverser anderer namhafter Tech-Publikationen, die die Nachricht aufgreifen, sehr ungenau mit Angaben zu SoundCloud-Nutzerzahlen umgegangen wird, was sachlich falsche Vergleiche mit Konkurrenzangeboten nach sich zieht.

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anythinx:
Ludwigsburger Jungfirma startet Nachrichten-Aggregator für Dinge

Ein junges Unternehmen aus Süddeutschland hat mit anythinx einen Aggregator gestartet, bei dem Nutzer sich einen individuellen Stream aus Nachrichten rund um spezifische Gadgets und Technologie-Produkte zusammenstellen können.

Anythinx

Die Konsummuster der jungen Generationen mögen sich verändern, wie es manche Studien feststellen – dennoch (oder gerade deshalb) fühlen sich Millionen Verbraucher aller Altersgruppen eng zu einigen ausgewählten Gadgets hingezogen. Das trifft ganz besonders auf das Smartphone zu – der ständige Begleiter fast aller im Netz aktiver Menschen -, aber auch auf Computer, Kamera und das Automobil. Spätestens die manchmal unerträglichen, gleichzeitig aber Kultstatus geniessenden Debatten Mac vs Windows, iOS vs Android oder auch Xbox vs Playstation führen vor Augen, mit wieviel Herzblut und Leidenschaft sich manche Technik-Freunde vor ihre Lieblings-Hardware stellen.

Am ungezügelten Gadget-Wahn lässt sich zwar durchaus einiges kritisieren, und der damit zusammenhängende Gerüchte-Journalismus kann mitunter auf den Magen schlagen. Die manchmal gar religiöse Verehrung einzelner Produkte oder Marken bringt aber in jedem Fall ein besonderes Interesse an kontinuierlichen Informationen rund um einzelne Anbieter und Geräte mit sich – worauf die Medien- und Pressewelt mit einem massiven quantitativen Ausbau der Technologie-Berichterstattung reagiert hat. Das Ludwigsburger Startup anythinx bietet nun Personen mit einem ausgeprägten produktspezifischen Informationsbedürfnis eine besondere Anlaufstelle, um sich die tägliche Dosis Gadget-Gossip (oder nützliche Produktmeldungen) abzuholen. » weiterlesen

Und alles wieder von vorn:
Die deutsche Techpresse verlernt das Verlinken

Techblogs und Fachmedien der Internetbranche beklagen sich gerne über fehlende Verlinkungen bei den führenden Nachrichtenmedien. Doch sie gehen mit schlechtem Beispiel voran.

Wir schreiben das Jahr 2013. Die meisten Onlinepublikationen sind mindestens einige Jahre alt und ihre Macher und Mitwirkenden erfahren genug, um gängige Konventionen im Bezug auf die Berichterstattung und die Beziehungen zu anderen Medien verinnerlicht zu haben. Möchte man meinen. Doch unser Beitrag vom Freitag zum von Startup myTaxi gerade in Hamburg gestarteten Kurierfahrten-Testprojekt zeigt, dass ein faires Miteinander in Form angemessener Verlinkungen für viele schreibende Beobachter der deutschsprachigen Tech-Branche böhmische Dörfer zu sein scheinen. » weiterlesen

Mangelnde Ethik:
Die Technologiepresse benötigt ein eigenes Watchblog

Die Technologieberichterstattung leidet unter ethisch problematischen Arbeitspraktiken und Einflussnahmen der großen Netzfirmen. Ein Watchblog für die Techpresse hätte viel zu tun.

TechnologiepresseGroß aufgeblasene Produktveranstaltungen der Technologiegiganten wie Facebook, Apple, Microsoft oder Google sind für die Unternehmen nicht nur Gelegenheit, die Programmierergemeinde enger an sich zu binden und ihnen zu zeigen, wie Dienste und Produkte sich für Entwickler nutzbarmachen lassen. Es ist auch jeweils eine riesige Chance, um massive Presseaufmerksamkeit zu erhalten und um Journalisten mit Goodies, Testgeräten und bisher sonst schwer zugänglichen Informationen zu versorgen, in der Hoffnung auf vorteilhafte Berichterstattung und langfristig “fruchtbare” Kontakte.

Die Konzerne selbst sind dabei in der Regel sehr großzügig. Es obliegt den Journalisten, Grenzen zu setzen und als Zähmungs- oder Anbiederungsversuche wahrzunehmende Angebote abzulehnen. Valleywag, ein Art Gossip- und Watch-Blog des Silicon Valley, das kürzlich nach zwei Jahren Pause sein Comeback feierte, machte gerade auf einen interessanten Fall aufmerksam: So stellte Google jedem Besucher der Keynote der diese Woche in San Francisco stattfindenden Entwicklerkonferenz I/O ein Pixel-Chromebook im Wert von 1300 Dollar zur Verfügung. Das Unternehmen überließ es den Empfängern der Geräte, ob sie diese als Leihgabe für die Zeit der Konferenz nutzen oder als Geschenk mit nach Hause nehmen wollten. » weiterlesen

Aufregung um Preismodell:
Wie WhatsApp die Medien instrumentalisiert

WhatsApp kündigt an, irgendwann 2013 für Neunutzer auf dem iPhone ein Abomodell einführen zu wollen, und versetzt damit die Presse in Aufregung. Es dürfte sich um gezielte Instrumentalisierung der Medien gehandelt haben.

WhatsAppEs fühlt sich an, als hätte ich den folgenden Beitrag schon einmal geschrieben. Habe ich aber nicht. Hayo Lücke bei Basic Thinking wars, als er im November 2012 die einem Tusnami gleichende Medienberichterstattung zu der Meldung kritiserte, WhatsApp würde sein schon lange “angedrohtes” Abomodell für die Android-App endlich durchsetzen und eine Jahresgebühr von etwa einem Dollar einfordern wollen. 99 US-Cent pro Jahr genügten, um das Who-is-Who der Presselandschaft in Aufregung zu versetzen.

Doch Lückes berechtigte Medienschelte haben damals die meisten Redakteure dem Anschein nach nicht gelesen – oder sie sich nicht zu Herzen genommen. Denn gestern wiederholte sich das Theater. TechCrunch hatte erfahren, dass WhatsApp-CEO Jan Koum noch 2013 das für Android gültige Abomodell auf die iPhone-App übertragen möchte. Derzeit ist diese einmalig für 0,89 Euro im App Store erhältlich, künftig würde sie demnach im ersten Jahr gratis angeboten werden und anschließend eine jährliche Zahlung von einem Dollar voraussetzen. » weiterlesen

Apples iWatch:
Die übergeschnappte Gerüchteküche

Die Tech-Gerüchteküche ist ja generell ein verrückter Ort, an dem alles möglich erscheint, was nicht offensichtlich Unsinn ist. Völlig frei dreht die Szene aber inzwischen bei der Apple iWatch. Hier überholen sich die Gerüchte schon selbst.

iWatch

iWatch

Ein Ende des Fragezeichen-Journalismus forderte Martin Weigert kürzlich. Wir bei neuerdings.com können das unterschreiben. Wir lesen auch alle Gerüchte, aber wir rennen nicht jeder Sau hinterher, die gerade durchs digitale Dorf getrieben wird. Es ist auch einfach zu verrückt, selbst wenn wir manchmal auch nicht widerstehen können. Dass Apple und Samsung vielleicht beide Smartwatches herausbringen, wäre doch wirklich eine Schau.

Aber auch sonst ist es sehr verführerisch, Gerüchte weiter zu verbreiten. Sie sind oftmals so viel interessanter als die tatsächlichen Produkte. Und sie sind Teil einer Vorfreude, wie wir sie vielleicht noch von ganz früher aus der Vorweihnachtszeit kennen. Was kommt und ob sich unsere Hoffnungen und Wünsche erfüllen, ist immer eine spannende Frage. Und ähnlich verhält es sich mit Gerüchten. Sie garantieren fast immer Klicks. Viele Leser sind gespannt, was kommt. Mancher muss es sogar wissen, weil ein Kauf ansteht. Und alles in allem gilt: Die Schlagzeilen lesen sich nun einmal gut. Es sind eben Gerüchte und damit nicht selten Geschichten, die in etwa so wahr sind wie Grimm’s Märchen.

Apple bla bla bla angeblich bla bla…

Besonders gut funktioniert das übrigens mit allem rund um Apple. Aktuell ist die Marke so bekannt und begehrt, dass man als Blogger oder Journalist kaum daneben liegen kann, “Apple” in irgendeine Überschrift einzubauen. Die Leute klicken es einfach. In zehn Jahren ist der Glanz der Marke vielleicht vergangen, aber das ist der aktuelle Stand der Dinge.

Normalerweise ist das eine Sache, die ich zur Kenntnis nehme. Immer wenn ich in einer Gerüchtenews auf das Wort “Analyst” treffe, höre ich beispielsweise generell auf zu lesen. Ich weiß nicht, ob in der Geschichte der Menschheit ein Analyst bereits einen Produktlaunch korrekt vorhergesagt hat. Sie wissen in der Regel gar nichts, sondern spekulieren einfach, so wie jeder andere auch. Weil sie Analysten sind, werden sie aus irgendeinem Grunde gern als Quellen zitiert. Man kann sie getrost vergessen.

Quellen wie die DigiTimes haben dagegen eine Trefferquote, die immerhin um und bei “Zufallstreffer” liegt. Manche wie @evleaks hingegen sind ziemlich glaubwürdig. Und meistens war es auch das Wall Street Journal, das sich allerdings mit seinem Bericht über die angeblich enttäuschenden Verkaufszahlen des iPhone 5 ziemlich blamiert hat.

Normalerweise kann man das alles ein Kuriosum der Techszene abtun. Was aber derzeit rund um die angebliche Apple-Smartwatch iWatch passiert, ist kaum noch fassbar.

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Stilmittel der Gerüchteberichterstattung:
Schluss mit dem Fragezeichenjournalismus

Wenn die Techpresse über Gerüchte berichtet, nutzt sie dafür häufig Fragezeichen in den Überschriften. Zwingt man sich dazu, diese wegzulassen, passiert Erstaunliches.

Als ich vor fast drei Jahren den Redakteursposten bei netzwertig.com übernahm, gab mir mein damaliger Chef Peter Sennhauser einen handwerklichen Ratschlag mit auf den Weg, den ich bis heute nicht vergessen habe: “Vermeide als Fragen formulierte Überschriften, außer du beantwortest die Frage im Text oder stellst eine tatsächliche Frage an die Leserschaft”. Seitdem versuche ich ganz bewusst, auf Überschriften mit Fragezeichen zu verzichten. Kaum etwas signalisiert deutlicher geringe Substanz und geringe Wichtigkeit von Texten als der Abschluss der Überschrift mittels Fragezeichen (mit zuvor genannte Ausnahmen). » weiterlesen

Balanceakt Beziehungspflege:
Das komplizierte Verhältnis von Berichterstattern und Internetfirmen

Eine Studie zeigt: Journalisten stehen der Elite nahe. Teilweise zu nahe. Diese Erkenntnis lässt sich problemlos auf die Internetwirtschaft übertragen.

Journalisten der deutschen Leitmedien stehen gesellschaftlichen Eliten nahe, treffen sich mit ihnen in vertraulichen Runden und sind eng mit ihnen verzahnt. So lautet das komprimierte Ergebnis einer Studie von Uwe Krüger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig. Bei Telepolis findet sich ein lesenswertes Interview mit Krüger, der auf Basis seiner Untersuchung das Buch “Meinungsmacht” veröffentlicht hat. Als ich das Gespräch las, fiel mir sofort auf: Die Resultate von Krüger lassen sich in dieser Form exakt auf die Internetwirtschaft übertragen. Journalisten, Tech-Reporter und Blogger (oder wie auch immer sie sich nennen) stehen den Startups und Firmen nahe, über die sie schreiben, treffen sich mit ihnen in vertraulichen Runden und sind eng mit ihnen verflochten.  » weiterlesen

Nachrichtenflut von Techblogs:
Ich kapituliere

Mit tausenden von Beiträgen von der CES haben Techblogs ihre eigene Daseinsberechtigung torpediert. Sie brachten einst Farbtupfer in den grauen Nachrichtenalltag. Mittlerweile begehen sie selbst die Fehler ihrer Vorgänger, indem sie auf Masse produzieren. Der Techjournalismus muss und wird sich in den kommenden Jahren grundlegend ändern.

Für unsere Schwesterpublikation neuerdings.com habe ich versucht, eine Art Best of der diesjährigen Consumer Electrics Show (CES) in Las Vegas nachzuzeichnen. Wäre ich dafür vor Ort gewesen, wäre mir das vermutlich leichter gefallen. Denn dann hätte ich weniger mitbekommen als hier in Deutschland. Verpasst habe ich trotzdem nichts, vor allem deswegen, weil der Messejournalismus im Vergleich zu den Vorjahren noch umfassender geworden ist. Technikreporter sämtlicher Couleur berichten nicht mehr nur von jeder einzelnen Pressekonferenz, sondern zunehmend auch davon, was die kleineren Aussteller an den Ständen zu zeigen haben. Diese Fleißarbeit in allen Ehren, nur leider hat sie nicht zur Folge, dass sich Redaktionen auf das Wesentliche beschränken würden. Nun berichten 50, 60, 100, … Technikpublikationen weltweit zeitgleich über dasselbe. » weiterlesen