Alle 5 Artikel zum Thema Qualitätsjournalismus auf netzwertig.com:
Die angekündigte Schließung von medienlese.com hat eine Vielzahl von Meinungen zur Medienkrise provoziert, die zum Teil weit auseinanderliegen. Der Versuch einer Einordnung.
Sterben die Zeitungen? Sind Journalisten fauler geworden? Kapieren Verleger das Internet nicht? Ist der Qualitätsverlust schuld an der Medienkrise? Ich bin seit 20 Jahren Journalist und habe die Veränderungen in der Schweiz, dem Land mit der einst weltweit höchsten Zeitungsdichte, parallel zum Aufstieg des Internets hautnah erlebt. Hier sind seit den achtziger Jahren kontinuierlich Zeitungen in den Regionen verschwunden; im Gegenzug sind grade mal eine Hand voll kostenloser, flächendeckender Pendlerzeitungen aufgemacht worden.
Vielleicht gibt es keine Medien-, aber sicher eine Zeitungskrise, indem alte Modelle sich als nicht mehr tragfähig erweisen und neue Modelle sich erst herauskristallisieren müssen. Und weil die Faktoren, die den journalistischen Markt beeinflussen, mindestens ein Dreieck der Interessen darstellen (Verlage, Publikum, Werbung), ist nicht absehbar, von welcher Seite sich der stärkste Zug auswirken wird. Über die Auswirkungen streiten wir uns täglich:
» weiterlesen: Fünf Thesen zum Medienwandel
Soll der Staat den Medien helfen? Eine Stiftung für unabhängigen Journalismus gründen, die aufwendige und kostenintensive Arbeit der dpa unterstützen?
Ein Marktversagen auf dem Zeitungsmarkt könne sich keine Demokratie leisten, schrieb Jürgen Habermas anlässlich des Verkaufs der Süddeutschen Zeitung. Das war vor zwei Jahren, man fürchtete den Einstieg Rendite-hungriger Investoren, der seriöse Journalismus stand auf dem Spiel – und damit die Grundfesten der Demokratie. Dass der Staat die Qualitätspresse schützen und stützen müsse, diese Arena der Öffentlichkeit, das Leitmedium der politischen Kommunikation, stand außer Frage. Übrig blieb für Habermas allein die pragmatische Frage, wie das denn am besten erreicht werden könne.
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Wir schreiben nicht den Untergang von Holzhausen herbei, wir begleiten den medialen Wandel – und fragen uns, wovon Journalisten in Zukunft leben sollen.
Hier wäre eine “
fast sehnsüchtige Litanei nach dem Untergang von Holzhausen erklungen“,
beklagt sich unser Leser David. Eine Äußerung, die eine Entgegnung verdient. Ganz ohne jede Polemik, und zum Jahresausklang auch um Versöhnung und Konsens bemüht, aber auch um Deutlichkeit bei der Situationsbeschreibung. Denn die Aussage ist in dieser Form falsch: Niemand würde die Existenz eines starken, robusten Printjournalismus mehr begrüßen als wir. Nur ist die historische Situation leider eine andere.
Als die Graff, die Jörges usw. zu Beginn des Jahres von irgendwelchen “Sielen” über dem höllischen Untergrund einer Blogosphäre daherschwätzten, die man “dichthalten” müsse, um den Tempel des Qualitätsjournalismus vor all dem wimmelnden Unrat und Gewürm zu retten, da zog doch zunächst nur eine Holzhausener Elite über das kleine Digitalien her.
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Den Satz “Qualität muss man sich leisten können” wird man wohl in Zukunft vermehrt hören. Die Medienlandschaft ist auf dem besten Weg, sich endgültig zu einer Zweiklassengesellschaft zu entwickeln.
Tyler Brûlé, Herausgeber und Chefredakteur der Zeitschrift
Monocle,
äusserte vor einiger Zeit folgende Sätze:
“In zwanzig Jahren wird es noch zwei Arten von Publikationen geben: Boulevardtrash mit gigantischer Auflage und elitäre Tageszeitungen und Magazine mit klugen Analysen und Meinungen. Alles, was publizistisch dazwischen ist, bricht weg. Überleben werden die primitiven oder supersmarten Printprodukte.”
Nehmen wir an, diese Vision trifft zu – auf alle Medien. Könnte es sein, dass sich dann unsere Gesellschaft in eine “Schund-” und eine “Qualitätsgruppe” aufteilt?
Um die beiden Gruppen voneinander abzugrenzen, listen wir mal auf, was schon jetzt in Ansätzen bei den beiden Extremen zu beobachten ist:
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Die heutigen Glasperlen und Glitzersteine sind die Digicams und Uhren, die es zu einem Aboabschluss dazu gibt. Hat es Qualitätsjournalismus wirklich nötig, seine Leser mit Tand zu ködern?
Erst kürzlich hab ich mir mal wieder den
Spiegel gekauft. Und aus Neugierde einen beiliegenden Briefumschlag geöffnet, in dem sich ein Brief von Michael Plasse (Leiter Leser-Befragung Spiegel-Verlag), ein mit “Das ist ihr großes Dankeschön-Paket” angeschriebener Fragebogen und ein Rückantwortcouvert (“Das Porto zahlen wir für Sie!”) befand.
Herr Plasse schrieb:
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