Alle 27 Artikel zum Thema PR auf netzwertig.com:
Lernen vom PR-Berater der Maddie-Eltern: Die aktuelle brand eins beschäftigt sich mit Kommunikation und Public Relations. Inklusive einer Anleitung, wie man endlich diese Blogger versteht.
brand eins
Das monatliche Wirtschaftsmagazin
brand eins aus Hamburg fällt auf durch den stolzen Einzelverkaufspreis von 7,60 Euro – dafür kriegt man jedes Mal herausragenden Journalismus geboten. Die 148-seitige Februar-Ausgabe kümmert sich um ein Thema, dass auch medienlese.com-Leser interessieren könnte: Kommunikation und PR.
Sehr lesenswert ist das Interview mit dem PR-Mann der Eltern der vermissten Madeleine McCann, Clarence Mitchell. Der ehemalige Journalist gibt im Vorabdruck aus dem im Februar erscheinenden Buch “Skandal! Die Macht öffentlicher Empörung” (Affiliate-Link) Auskunft über seine Zeit als Berater der McCanns. Eine Tätigkeit, die sich überraschenderweise zum Geschäftsmodell entwickelte, denn er berät derzeit “drei andere Familien in ähnlich tragischen Situationen”. Sehr nachdenklich stimmen seine Worte über die zur wilden Meute mutierten Boulevardmedien, die nach einer Klage gezwungen waren, sich auf der Titelseite zu entschuldigen und Schadenersatz in der Höhe von 550.000 Pfund zu zahlen:
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Eigentlich sollen sie mit der Presse sprechen – eigentlich, denn immer öfter verweigern sich die Ansprechpartner: Ein Besuch auf Deutschlands Pressebaustellen.
Oh ja – ich weiß sehr wohl was in den PR-Lehrgängen von ‘Transparenz’, ‘Dialogbereitschaft’ und ‘kommunikativen Prozessen’ gesäuselt wird. Und manch eine Tanja Anja mit ihren schönen blauen Augen mag das sogar glauben. Die Wirklichkeit sieht doch ein wenig anders aus als im Code d’Athènes ausgemalt.
Beispielhaft ist vielleicht diese Odyssee, die der taz-Schreiber Felix Werdermann hinter sich hat. Das Vordringen zum heilgen Gral der Transparenz im PR-Gewerbe erinnert mich hier doch mehr an die Mission eines Sturmtrupps im Ersten Weltkrieg, der hinter den Stacheldrahtverhau der feindlichen Linien zu gelangen trachtet:
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CDU und CSU sprechen sich für die Nationale Initiative Printmedien aus – mit einem Sprachwust aus Blähsätzen und Politiker-Phrasen, der hier gebührend gewürdigt werden soll.
Zunächst die gute Nachricht – technologisch bleiben uns CDU/CSU als zutiefst konservative Parteien erhalten. Da bewegt sich nichts, da weiß der Wähler auch morgen noch, was er an ihnen hat oder vermisst. Zu recht mokiert sich jedenfalls
netzpolitik.org über die medienpoltische Kompetenz, die auch die jüngste Presseerklärung dieser volkstümlichen Partei wieder einmal so verschwenderisch verstrahlt. Der Leser hört bei der Lektüre unentwegt ein ebenso melodisches wie lautes Pfeifen dort im Wald von Holzhausen, das der ‘Nationalen Initiative Printmedien’ und ihrer zahlreichen Leserschaft den wahren Weg weist und ihnen gewisslich Mut machen wird auf dem dornigen Weg in eine noch ungewisser glänzende Zukunft.
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Kleiner Leitfaden für Manager: So zeigen sie Journalisten, dass sie aus der Krise gelernt haben – mit ein wenig Sprachkosmetik vom windigen Finanzjongleur zur verlässlichen Spitzenkraft.
Rechtzeitig Farbe bekennen (iStockPhoto)
Wir leben in Wendezeiten. Bestimmte altgewohnte Begriffe fallen plötzlich aus dem gewohnten Sprachraster heraus. Wer sich nicht als BOF (‘Boring Old Fart’) outen will, sondern auch in Zeiten der Rezession an seinem unaufhaltsamen Aufstieg häkelt, der verabschiedet daher besser die sprachlichen Liebchen vom vergangenen Jahr:
1. Maximieren: Igitt – was ist das ‘old fashioned’, so etwas, das geht nun gar nicht mehr! Seit den Zeiten der IKB-Bank und der frustrierten ‘Broker Boys’ wissen wir doch, dass dieser Wille zum ‘Maximieren’ die erste Vorbedingung eines maximalen Minimierens ist. Sinngemäß müssen Sie heutzutage natürlich auch das sachverwandte Verbalgemüse vermeiden: ‘Maximum’, ‘maximal’, ‘Maxi-Rendite’ usw. Kaprizieren Sie sich stattdessen auf Worte wie ’stabil’, ‘ordentlich’, ’solide’, ‘maßvoll’ usw.
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In Deutschlands Wahrheitsindustrie kläffen die Wachhunde immer noch aus Leibeskräften. Zur Vorgeschichte: Vor einiger Zeit hatte der Münsteraner Kommunikationsprofessor und Konstruktivist Klaus Merten auf einer Fachtagung des Weißwäscher-Gewerbes verkündet, dass alle Kommunikation der Erzeugung von Wirklichkeiten diene und dass sie insofern auch niemals wahrheitsdienlich sein könne, weil die Wahrheit notwendigerweise immer eine Kategorie des Lügners sei – womit er bloß den Systemtheoretiker Heinz von Foerster paraphrasierte. Merten vertrat damit gewissermaßen die forschungstheoretisch avancierte Position in der Kommunikationstheorie, die von ihren Anhängern schon ein wenig mehr Gehirnschmalz verlangt. Jetzt hat dieser Professor Merten dafür nachträglich von den lernunwilligen Verbandsfürsten eine kräftige Watschen erhalten:
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Notfall (bsabarnowl, CC-Lizenz)
Ralf Schwartz ist kein Journalist. Und auch kein Blogger. Er ist ‘Wirtschaftswissenschaftler mit dem Schwerpunkt Marketing und Strategische Unternehmensplanung‘, der über Blogger und Journalisten einfach mal nachgedacht hat – gleich in sechs ‘Dimensionen’ und mit einem putzigen Resultat. Immerhin erfahren wir etwas mehr über den Blick der Wirtschaft auf die Medien.
Schwartz denkt von der Marke her. Das heißt, ihm ordnet sich die Welt – um auch mal abstrakt zu formulieren – ‘in medial zu unterstützenden Umsatz- und Imageansprüchen interessierter Anbieter von Waren’. Schließlich hat Ralf Schwartz vom Tierfutter über die Mundpflege bis hin zu Sportschuhen ein weites Spektrum von Konsumgütern auf dem Markt etabliert. Arbeitet Ralf Schwartz ‘für sich’ die Unterschiede zwischen Journalismus und Blogs heraus, dann werden wir diese, seine Marktverankerung immer im Hinterkopf behalten müssen. Zu diesem Text aus der Sicht des ‘Anzeigenkunden’:
» weiterlesen: Hat die mittelmäßige Journaille selber schuld?
Nicht in der sprachlichen Qualität liegt der Unterschied zwischen PR und Journalismus. Er liegt vielfach noch nicht mal in dem, was gesagt wird – sondern in dem, was nicht gesagt wird.
Wer irgendwo die regionale oder nationale Wirtschaft ankurbeln will, der gründet vielleicht eine kleine Gesellschaft und stattet sie mit Geld für ihre Pressearbeit aus. Denn sonst könnte diese Gesellschaft ihren Satzungszweck ja nicht erfüllen. Dann lädt der Verein – neben anderem Allotria – auch geneigte Journalisten ein, um sein mehr oder minder sittliches Anliegen mit deren Hilfe in die Öffentlichkeit zu tragen. Die vor Ort nach Strich und Faden verwöhnten Edelfedern wiederum berichten zumeist höchst freundschaftlich über ihre generösen Gastgeber. Dieser Vorgang in seiner klassischen Form heißt nach allgemeiner Übereinkunft Public Relations – bzw. ‘eine Hand wäscht die andere’. Oder aber – weil Latein noch vornehmer klingt:
Do ut des. Spitze Zungen sprechen von der ‘Schnittchen-Kultur’.
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Petra Sammer ist empört. Sie ist Geschäftsführerin bei einem ‘weltweiten Top-Ten-PR-Netzwerk’, bei der Münchner
Ketchum GmbH, und sie will sich nicht nachsagen lassen, dass sie zu einer Berufsgruppe von Rosstäuschern gehöre:
“Ganz klar und vollkommen unwissenschaftlich ausgedrückt: ich sehe Täuschung nicht als Teil unseres Berufes und ich hoffe, es gibt Kollegen und Kolleginnen, die diese Meinung teilen.”
Was aber war ihr bloß über die Leber gelaufen? Ganz einfach: Der Kommunikationswissenschaftler Klaus Merten war in Münster auf einem Treffen der Branche aufgetreten, um unter anderem dies zu verkünden: » weiterlesen
Es ist alles nur eine Frage des richtigen “Framings”: Heerscharen aufgeregter PR-Berater wollen aus Katastrophen Glücksfälle und aus Heuschrecken zirpende Grillen zaubern.
Nehmen wir mal an, Sie hätten – wie Millionen anderer Anleger weltweit – in der derzeitigen Bankenkrise Ihr ganzes Vermögen verloren, das doch so mündelsicher angelegt schien. Was empfänden Sie da einem Menschen gegenüber, der sich rühmt, sein Berufsstand habe diese Krise vorsätzlich herbeigeschrieben? – Gibt’s nicht? Gibt’s doch! Dem PR-Schwadroneur ist bekanntlich nichts zu schwör:
“Was derzeit am Kapitalmarkt passiert, ist großartig für die Kommunikationsbranche! Während sich mancher PR-Stab den Kopf darüber zerbricht, wie er seinen Wertschöpfungsbeitrag gegenüber dem Vorstand mit Kennzahlen belegen kann, werden anderswo Milliarden-Werte mit Kommunikation bewegt. Einfach so.”
Das schreibt dort bei media coffee, im zentralen Blogportal der deutschen Kommunikationsbranche, Daniel Krolzik für die LPRS, für die Leipziger PR-Studenten. Sein Text lässt einerseits gewisse Rückschlüsse darauf zu, was den karrierebeflissenen jungen Leuten dort wohl inhaltlich über den Sinn und Zweck der Public Relations täglich beigebracht werden dürfte – dem verstaubten Code d’Athène auf dem Dachboden zum Trotz. Und auch nicht von irgendwem, denn dort tummeln sich u.a. der Pressesprecher des Bundespräsidenten oder der Ehrenpräsident der GPRA:
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10 Millionen Dollar investiert das amerikanische Milliardärs-Ehepaar Sandler jährlich in investigativen, unabhängigen, nicht profitorientierten Journalismus. Ein Vorbild?
“Kultivierter Millionär gesucht” titelte kürzlich die Süddeutsche Zeitung zur Suche des insolventen Berliner Aufbau-Verlags nach einem Investor. Und genau das hätten auch viele Zeitungen gerne. Jemanden, der Geld liefert und somit Journalismus ermöglicht – aber nicht reinredet in die Ausrichtung und den Inhalt des Produkts. Doch will ein Investor im sterbenden Zeitungsgeschäft mit seinem Investment Geld verdienen, wird er sofort mit einer die fruchtbaren Felder kahlfressenden Heuschrecke verglichen, gehasst und bekämpft.
Folglich bleibt dem Journalismus in Zukunft nur mehr eine Lösung: Er benötigt Investoren, die Geld liefern und dafür nichts mehr als hervorragenden Journalismus erwarten. Die Geld geben, weil “kritischer Journalismus die Voraussetzung für eine lebendige, funktionierende Demokratie ist” (Thomas Leif). Wie die Sandlers, die mit einer erfolgreichen Bank zu Milliardären wurden und im Oktober 2007 die gemeinnützige Organisation ProPublica vorstellten. Hier sollen Journalisten ohne die Finanzsorgen eines Verlages investigativ arbeiten können – zum Wohl der Allgemeinheit.
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