Leserkommentare:
Das liebe Klickvieh
Kommunikation auf Augenhöhe oder geschlossene Anstalt? Die SonntagsZeitung über den “anonymen Mob”, über Kommentare auf Nachrichtenseiten.
Alle 6 Artikel zum Thema Peter Wälty auf netzwertig.com:
Die Strategie der meisten Printverlage lautet darum so: “Weil wir online nicht so viel Geld verdienen, wie wir das offline über Jahre gemacht haben, investieren wir dort nur in das Nötigste.” Und das Nötigste erscheint den Meisten, den Anschluss nicht zu verlieren an die, die bei den Messgrössen die Nase vorn haben. Derweil verdienen sie mit ihrem Kerngeschäft, dem Verkaufen von Anzeigen neben redaktionellem Inhalt auf gedrucktem Papier, immer weniger Geld.
Dank Wälty geht es rund in der Redaktion. Die Website rotiert ständig, der geneigte Leser kriegt den Eindruck, es werde ständig an allen Storys gleichzeitig rumgeschneidert, aktualisiert vor fünf Minuten, aktualisiert vor 36 Minuten, aktualisiert vor 57 Minuten. Doch diese laufenden Änderungen sind intransparent und sorgen beim Leser für Verwirrung: Hinter welcher Version steht nun Newsnetz? Wie kann man einen Artikel zitieren, der vielleicht schon Minuten später anders lautet?
Nachrichtenseiten sehen ohnehin recht ähnlich aus, kaum eine Online-Redaktion wagt, eigene Schwerpunkte zu setzen – lieber alles mitnehmen, was die Konkurrenz auch hat. In der Schweiz haben sich drei Zeitungen zum Newsnetz zusammengetan, um dieses voneinander Abschreiben, dieses Agenturmaterial möglichst schnell auf die Seite hieven, nicht gegen- sondern miteinander zu bestreiten.
Über diese Meldung im Kleinreport (Start des Tamedia-Newsnetzwerk-Systems verzögert sich) haben wir in unserem internen Firmen-Wiki alle herzlich gelacht. Der zweitgrösste Verlag der Schweiz, Tamedia, soll sein schon lange angekündigtes Newsportal nicht im Frühling, sondern erst im Herbst 2008 liefern. Grund: Der neue Chef des Projekts, Peter Wälty, macht eine mehrmonatige Kreativpause. Dazu ist von der Entscheidung zu lesen, “dass das Projekt nicht direkt unter einer eigenen Domain im Internet zugänglich sein werde”.
Während in Deutschland alle dem Erfolg von Spiegel Online nachrennen, ein von Aufmerksamkeit überhäuftes Newsportal, das wahrscheinlich schon gar nicht mehr weiss, wohin mit all den Werbeaufträgen, den neuen Mitarbeitern und den Preisen, kümmert man sich in der Schweiz darum, wie man am Besten die Meldungen der Nachrichtenagenturen ausdruckt und gratis verteilt.
Am 14. September 2007 wurde das neue Online-News-Netzwerk von Tamedia, Basler Zeitung und Berner Zeitung (der Winterthurer Landbote und die Thurgauer Zeitung sitzen auch mit im randvollen Boot) offiziell angekündigt. Hinter den Kulissen liefen die Vorbereitungen allerdings schon seit Monaten; vor allem wurde im In- und Ausland nach einer Redaktionsleitung gesucht, die den vielen Projektparteien genehm ist.
Nun greift man auf eine naheliegende, weil konzerninterne Lösung zurück, die trotzdem eine Überraschung ist. Chefredaktor des neuen News-Netzwerks wird Peter Wälty, bisheriger Leiter der Online-Redaktion von 20 Minuten.
Peter Wälty hat einen eindrücklichen Leistungsausweis als jemand, der weiss, wie man Traffic holt. Seit dem Redesign im Februar 2006 haben sich die Zugriffszahlen von 20minuten.ch um ein Mehrfaches gesteigert (nachvollziehbar via NET-Metrix ist “nur” der Anstieg von 50 Millionen Page Impressions im November 2006 auf über 70 Millionen heute).
Wältys Website steht dabei für die unbedingte Orientierung am Geschmack des Publikums. Mit der von ihm konzipierten Eigenentwicklung des in der Szene berühmten grünen Monitors sieht die Online-Redaktion im Fünf-Minuten-Takt, wie oft jeder Artikel angeklickt wird. Was nicht performed, ist schnell buchstäblich weg vom Fenster. Bildergalerien en masse und Umfragen zu jedem möglichen und unmöglichen Thema runden die PI-Bolzerei ab und bringen 20minuten.ch heute sensationelle 11 Page Impressions pro Visit.
Trotzdem hat Peter Wälty ein grosses Ziel nicht erreicht. Im Februar 2006 sagte er zu persoenlich.com: “Wir können nicht anders als früher oder später den Blick zu überholen.”