Alle 3 Artikel zum Thema Nicholas Carr auf netzwertig.com:
Angeblich waten wir Netzbewohner knietief durch den Info-Müll; alle Hypochonder tummeln sich jetzt im Netz, statt sich beim Arzt im Wartezimmer den Hintern platt zu sitzen; eine blanke Sklaverei ortet der Spiegel bei jenen Netz-Addicts, die es noch wagen, etwas anderes als Spiegel Online anzuklicken – kurzum: Es herrscht wieder mal High Noon im Dörflein unserer Kulturkritiker. Bald schon werden die ersten von ihnen als Netztherapeuten die Kassenzulassung beantragen. Dabei stimmt an ihrer Diagnose noch nicht einmal das Bild von Information …
Das Internet macht die Berufssparte der Kulturkritiker ganz wuschelig. Ihnen allen schwirrt der Kopf. Allen voran konstatiert Nicholas Carr, der ‘Neil Postman’ des Web 2.0, bei sich eine beginnende Web 2.0-Demenz:
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“Macht Das Internet Doof?” steht auf dem Cover des neuen Spiegels. Eine gute Frage, die in ähnlicher Form The Atlantic schon gestellt hat. Die Antwort darauf ist weder einfach noch beruhigend.

Atlantic-Titel im Juli, Spiegel im August 2008
Noch bevor der Spiegel überhaupt erschienen ist, geht es schon los. “Oh Gott, oh Gott, der neue Spiegel-Titel, um Gottes Willen”, twittert Sascha Lobo. Nachdem der Spiegel schon die deutsche Blogosphäre in die selbstverschuldeten Bedeutungslosigkeit geschrieben hat, ist der neue Titel schon jetzt ein Garant für größtmögliche Rezeption unter den Hobbyschreibern der Online-Welt. Allein die Frage wird für Unruhe und Unverständnis sorgen. Sauber setzt das Magazin den nächsten Aufreger ins Sommerloch.
Die Antwort gibt es für E-Paper-Kunden ab 22 Uhr im Internet. Für alle anderen Sonntag oder Montag. Gut möglich aber, dass es in eine ähnliche Richtung geht wie der Artikel von Nicholas Carr in The Atlantic. Den könnte man lesen, bevor man schon jetzt Schlimmes und Schlimmstes befürchtet. Die Laune aufs Netz kann einem danach allerdings erstmal vergehen.
Update: Auch sueddeutsche.de hat die auffallende Ähnlichkeit bemerkt – einen Tag später und mit auffallender Ähnlichkeit.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.
Der bekannte Technologie-Kritiker Nicholas Carr über den Aufbau der Computer-Kraftwerke von Morgen und ihre unangenehmen Ausstrahlungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur.
Interview: Steffan Heuer
Steffan Heuer verfolgt als USA-Korrespondent des deutschen Wirtschaftsmagazins brand eins in San Francisco Innovationen rund um Ökonomie und Technologie. Er konzentriert sich auf Themen an der Schnittstelle von alter und neuer Wirtschaft.
Seine Berichte und Analysen erscheinen außerdem regelmäßig in der MIT Technology Review Deutschland und in The Economist.
Steffan bloggt unter http://humaneskapital.typepad.com
Mr. Carr, vor ein paar Jahren sorgten Sie in Hightech-Kreisen für Furore, weil Sie die These aufstellten, Informationstechnologie sei irrelevant. Ihr neues Buch trägt den doppeldeutigen Titel “The Big Switch.” Die Welt wird neu verdrahtet, schreiben Sie, und das sei “unser digitales Schicksal.” Haben Sie ein Aha-Erlebnis am Computer gehabt?
Keineswegs. Es ging mir um die Frage, ob Informationstechnologie einem Unternehmen einen entscheidenden strategischen Wettbewerbsvorteil verschafft. Die Antwort lautete nein. Da Computer und Software zu allgemein erhältlichen Werkzeugen geworden sind, die jede Firma benutzen kann, sind die meisten IT-Investitionen nötig – aber sie verleihen niemand kritischen Vorsprung. Jetzt gehe ich einen Schritt weiter und beschreibe einen Wandel, der unsere Gesellschaft und Volkswirtschaft grundsätzlich umkrempelt – als ob man einen gewaltigen Hebel, eben einen Big Switch umlegen würde. Rechenleistung oder Computing finden nicht mehr intern statt, etwa in meinem PC oder im Rechenzentrum einer Firma, sondern wird zu einer Versorgungsleistung wie Strom oder Wasser, die über das Internet ausgeliefert wird.
Wo liegen bitte die Parallelen zwischen einem Stromerzeuger oder Wasserwerk und dem Internetriesen Google?
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