Alle 117 Artikel zum Thema Journalismus auf netzwertig.com I Internetwirtschaft I Startups I Trends I Digitalisierung:
Die Technologieberichterstattung leidet unter ethisch problematischen Arbeitspraktiken und Einflussnahmen der großen Netzfirmen. Ein Watchblog für die Techpresse hätte viel zu tun.
Groß aufgeblasene Produktveranstaltungen der Technologiegiganten wie Facebook, Apple, Microsoft oder Google sind für die Unternehmen nicht nur Gelegenheit, die Programmierergemeinde enger an sich zu binden und ihnen zu zeigen, wie Dienste und Produkte sich für Entwickler nutzbarmachen lassen. Es ist auch jeweils eine riesige Chance, um massive Presseaufmerksamkeit zu erhalten und um Journalisten mit Goodies, Testgeräten und bisher sonst schwer zugänglichen Informationen zu versorgen, in der Hoffnung auf vorteilhafte Berichterstattung und langfristig “fruchtbare” Kontakte.
Die Konzerne selbst sind dabei in der Regel sehr großzügig. Es obliegt den Journalisten, Grenzen zu setzen und als Zähmungs- oder Anbiederungsversuche wahrzunehmende Angebote abzulehnen. Valleywag, ein Art Gossip- und Watch-Blog des Silicon Valley, das kürzlich nach zwei Jahren Pause sein Comeback feierte, machte gerade auf einen interessanten Fall aufmerksam: So stellte Google jedem Besucher der Keynote der diese Woche in San Francisco stattfindenden Entwicklerkonferenz I/O ein Pixel-Chromebook im Wert von 1300 Dollar zur Verfügung. Das Unternehmen überließ es den Empfängern der Geräte, ob sie diese als Leihgabe für die Zeit der Konferenz nutzen oder als Geschenk mit nach Hause nehmen wollten. » weiterlesen
Der Appell einiger deutscher Nachrichtenangebote an die Besucher, Werbeblocker zu deaktivieren, zieht viel Kritik auf sich. Die Argumente, die gegen das legitime Unterfangen hervorgebracht werden, taugen nichts.
Lange nicht mehr habe ich einen Aufruhr in der deutschsprachigen Blogosphäre so wenig verstanden wie den, der durch eine aktuelle Anti-Werbeblocker-Kampagne von Spiegel Online, sueddeutsche.de, faz.net, zeit.de, golem.de und RPOnline ausgelöst wurde. Die genannten Medienangebote bitten die Besucher ihrer Sites mit netten Worten, während des Lesens Software zum Ausblenden von Anzeigen zu deaktivieren. Bei Spiegel Online würden entsprechende Tools bei 25 Prozent der Seitenaufrufe verhindern, dass Werbung angezeigt werden kann. Rund zehn Millionen Mal wurde der bekannte AdBlocker Adblock Plus allein in Deutschland bisher heruntergeladen.
Mir fällt kaum ein legitimeres Anliegen ein. Für kostenfreie, werbefinanzierte Inhalte ist es in der Tat erforderlich, dass ein größtmögliche Zahl der Anwender auch tatsächlich mit den Anzeigen erreicht wird. Der Ton der Kampagne ist freundlich und sachlich. Golem (Disclaimer: gelegentlicher Syndizierungspartner von netzwertig.com) erläutert in einem längeren Beitrag, wie man Anwender belästigende Werbung zu verhindern versuche und warum man darauf angewiesen sei, die Leser mit Werbung zu erreichen. Die Teilnehmer der Aktion rechtfertigen sich regelrecht dafür, warum sie ihre Besucher bitten, die Anzeigen nicht auszublenden. » weiterlesen
Ein neues Online-Tool vergleicht den Inhalt eines Artikels mit Texten aus Pressemitteilungen, Wikipedia und anderen Quellen. Auf Knopfdruck sieht man so alle Teile des Beitrags, die der Autor durch Copy und Paste übernommen hat. Ob das deshalb schlechter Journalismus ist, steht auf einem anderen Blatt.

Ein Testergebnis des Churnalism Trackers.
Hinter dem Projekt steht die Sunlight Foundation, die sich als gemeinnützige und unabhängige Organisation beschreibt. Sie hat sich vor allem auf die Fahnen geschrieben, für mehr Transparenz in der Politik zu sorgen. Ein Beispiel ist der “Lobbying Tracker”, der öffentlich zugängliche Informationen darüber sammelt, wer in Washington für Unterstützung in eigener Sache wirbt. Die Sunlight Foundation nutzt somit die Digitalisierung von Informationen, um sie auf neue Weise miteinander zu verknüpfen und daraus Erkenntnisse zu gewinnen. Für das neue Tool arbeitet sie mit dem Media Standards Trust zusammen, der sich für höhere Standards im Nachrichtengeschäft einsetzt.
Den “Churnalism Tracker” gab es zuvor bereits für Medien aus Großbritannien und nun gibt es ihn außerdem in einer Version für die USA. Der Begriff Churnalism wird dabei laut Wikipedia dem BBC-Journalisten Waseem Zakir zugeschrieben. Er beschreibt einen Journalismus, bei dem der Redakteur seine Artikel am laufenden Band produzieren muss (englisch “to churn out”). Ein Phänomen, das vielen Journalisten bekannt vorkommen wird, denn der Druck auf viele Redaktionen ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Die Zahl der Redakteure hat sich im Zuge dessen reduziert, die Menge an Inhalten aber nicht immer. Um dennoch ihr Pensum erfüllen zu können, übernehmen manche Journalisten deshalb Inhalte aus Pressemitteilungen und anderen Quellen und machen das dem Leser gegenüber zugleich nicht immer deutlich. » weiterlesen
Reeder, Newsblur, Instapaper und Pinboard sind erfolgreiche Ein-Personen-Startups für den modernen, strukturierten Informationskonsum. Verlage sollten genau hinschauen.
Der traditionelle Qualitätsjournalismus hat im digitalen Zeitalter ein Refinanzierungsproblem. Diese Erkenntnis ist schon viele Jahre alt, wirklich gelöst wurde das sich daraus ergebende Dilemma aber nach wie vor nicht. Womöglich gibt es gar keine nachhaltige Lösung, die sich auf dem Fundament bisher existierender Pressestrukturen aufbauen lässt.
Ein Aspekt, der bei der Debatte gerne unter den Tisch fällt, sind die sinkenden Vertriebs- und Verwaltungskosten journalistischer Produkte. Das digitale Pendant zur Zeitung beansprucht letztlich extrem geringe Ressourcen, um zu den Lesern zu gelangen. Der gesamte Overhead, der nicht direkt an der Erstellung der Inhalte beteiligt ist, war für die Produktion von Zeitungen unersetzlich, ist aber für die schlanken Medienplayer der Zukunft nicht mehr in dieser Form notwendig.
Dieser Gedanke mag unbehaglich klingen, erscheint aber unumgänglich, wirft man einen Blick auf vier ganz besondere Startups, die maßgeblich den Medienkonsum von systematisch Informationen beziehenden Netzbürgern gestalten. Vier Startups, die sich dadurch auszeichnen, jeweils von einer einzigen Person betrieben zu werden. Sie heißen Reeder, Newsblur, Instapaper und Pinboard. Einmal von der Produktion der eigentlichen Inhalte abgesehen decken sie nicht alle, aber einen Großteil der Bedürfnisse ab, die der moderne Leser heute hat. Vier Personen. Mehr sind dafür nicht notwendig. » weiterlesen
In den USA serviert die New York Times Nutzern der kostenfreien Starbucks-WLANs eine spezielle Onlineausgabe mit ausgewählten Artikeln. Mehr Zeitungen sollten sich als Inhaltelieferanten betätigen.
Zeitungen, welche gestärkt aus dem Medienwandel hervorgehen wollen, kommen um Experimente nicht herum. Die weltweit diesbezüglich wohl umtriebigste Blattmarke ist die New York Times – nicht nur, weil es ihr gelungen ist, eine dem Anschein nach erfolgreiche Paywall zu implementieren – die als Geschäftsmodell natürlich nicht nur Befürworter hat. Das Zeitungshaus vom Big Apple fällt auch regelmäßig mit innovativen Partnerschaften und neuartigen Konzepten auf – sei es in Form einer Entwickler-API (seit kurzem gibt es eine solche auch bei Zeit Online), einer Zusammenarbeit mit dem Social-News-Reader Flipboard, aufwändigen, interaktiven Specials oder einer Werbevermarktung von zu einem aktuellen Zeitpunkt besonders angesagten Themen.
Insofern verwundert es nicht, dass ein weiterer potenziell als Vorbild für andere journalistische Onlineangebote dienender Vorstoß ebenfalls aus New York kommt: Besucher von Starbucks-Kaffeehäusern in den USA erhalten nun die Möglichkeit, bei der Nutzung des kostenfreien Starbucks-WLAN-Zugangs gratis 15 Artikel der New York Times zu lesen, während sie ihren Kaffee schlürfen. Das Blatt liefert dazu extra eine speziell angefertigte Landingpage für Starbucks-Kunden, auf der es täglich ausgewählte Beiträge aus verschiedenen Ressorts zugänglich macht. » weiterlesen
Wenn die Techpresse über Gerüchte berichtet, nutzt sie dafür häufig Fragezeichen in den Überschriften. Zwingt man sich dazu, diese wegzulassen, passiert Erstaunliches.
Als ich vor fast drei Jahren den Redakteursposten bei netzwertig.com übernahm, gab mir mein damaliger Chef Peter Sennhauser einen handwerklichen Ratschlag mit auf den Weg, den ich bis heute nicht vergessen habe: “Vermeide als Fragen formulierte Überschriften, außer du beantwortest die Frage im Text oder stellst eine tatsächliche Frage an die Leserschaft”. Seitdem versuche ich ganz bewusst, auf Überschriften mit Fragezeichen zu verzichten. Kaum etwas signalisiert deutlicher geringe Substanz und geringe Wichtigkeit von Texten als der Abschluss der Überschrift mittels Fragezeichen (mit zuvor genannte Ausnahmen). » weiterlesen
Eine Studie zeigt: Journalisten stehen der Elite nahe. Teilweise zu nahe. Diese Erkenntnis lässt sich problemlos auf die Internetwirtschaft übertragen.
Journalisten der deutschen Leitmedien stehen gesellschaftlichen Eliten nahe, treffen sich mit ihnen in vertraulichen Runden und sind eng mit ihnen verzahnt. So lautet das komprimierte Ergebnis einer Studie von Uwe Krüger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig. Bei Telepolis findet sich ein lesenswertes Interview mit Krüger, der auf Basis seiner Untersuchung das Buch “Meinungsmacht” veröffentlicht hat. Als ich das Gespräch las, fiel mir sofort auf: Die Resultate von Krüger lassen sich in dieser Form exakt auf die Internetwirtschaft übertragen. Journalisten, Tech-Reporter und Blogger (oder wie auch immer sie sich nennen) stehen den Startups und Firmen nahe, über die sie schreiben, treffen sich mit ihnen in vertraulichen Runden und sind eng mit ihnen verflochten. » weiterlesen
Online-Journalisten waren lange Zeit die Schmuddelkinder ihres Berufsstandes. Es wird Zeit, dass sich diese Wahrnehmung ändert. Denn nirgends kann man seine journalistische Leidenschaft so sehr ausleben wie im Internet.
Seit 1994 verdiene ich meinen Lebensunterhalt als Journalist. Seitdem ich 1997 auf das Internet gestoßen bin, hat es mich nicht mehr losgelassen. Damals hatte ich mir gerade nach jahrelanger Arbeit als Praktikant und Pauschalist bei einer Lokalzeitung das Volontariat verdient. Aber mir war klar, dass im Lokaljournalismus nicht meine Zukunft liegen würde. Es war bereits zu sehen, wie die Redaktionen immer weiter eingedampft wurden. Das Internet aber war noch vollkommen unerschlossenes Land.
15 Jahre später schreibe ich nun diesen Beitrag. Und es ist erstaunlich, dass ein Plädoyer für den Beruf des Online-Journalisten überhaupt notwendig scheint. Denn für mich ist es die großartigste Form, diesen Beruf auszuüben. » weiterlesen
Bezahlschranken, wie wir sie heute sehen, sind keine nachhaltige Lösung zur Monetarisierung von Onlinemedien. Ein Blick auf die Spiele-Branche zeigt, wie mit Journalismus im Netz künftig Geld verdient werden kann.
Matthias Sala ist Spezialist für Gamification bei seinem Spiel-Startup Gbanga, welches für Unternehmen Spielstudien und -konzepte entwickelt.
Während des letzten Jahrzehnts hat sich die Spieleindustrie neu erfunden. Sie hat Wege gefunden, wie man Spiele digital vertreibt und wie man mit kostenlosen Games Geld verdienen kann. Schaut man sich in den App Stores und Markets die Top Grossing Apps an, wird man feststellen, dass die Mehrheit der Titel eigentlich kostenlose Spiele sind.
Andererseits sieht man News Apps kaum in diesen Rankings. Es wird auch selten oder nie von signifikanten Gewinnen über den digitalen Distributionsweg berichtet. Zeitungen und Verlage sind in der Krise, obwohl sie die Ideen und starken Anzeichen von funktionierenden digitalen Geschäftsmodellen gleich vor der Nase haben – nämlich in Form von Games in den App Stores.
In unserer Spielefirma Gbanga haben wir gelernt, wie wir unsere Spieler unterhalten. Im hart umkämpften Spielmarkt ist alles kostenlos. Trotzdem lieben unsere Spieler unsere Spiele so sehr, dass sie bereit sind, für virtuelle Güter, die keinen physikalischen Wert haben, bis zu 99 US Dollar zu zahlen (im Durchschnitt geben Spieler 14 Dollar in einem mobilen Spiel aus). Gleichzeitig bieten Zeitungsverlage Produkte mit hohem Wert an, für die scheinbar niemand bereit ist, Geld auszugeben. Es ist offensichtlich, dass dies nicht wahr ist und die Medien noch nicht verstanden haben, wie die neue Ökonomie funktioniert. » weiterlesen
Lange Zeit hinderte der Interessenkonflikt ihrer Verlage hiesige Leitmedien daran, ausgewogen über das Leistungsschutzrecht zu berichten. sueddeutsche.de zeigt nun jedoch den Willen, beschädigtes Vertrauen bei den Lesern wiederherzustellen.
Einer der unangenehmsten Nebeneffekte des vor der Umsetzung stehenden Leistungsschutzrechts (LSR) ist, dass die ein solches Gesetz fordernden Presseverlage ihre Nachrichtenangebote in lobbyistische Sprachrohre verwandelten. Statt einer objektiven Auseinandersetzung mit der umstrittenen Verordnung gab es zahlreiche einseitige Berichte mit klarer Botschaft: Das LSR sei notwendig. Von der “kritischen und ausgewogen Debatte”, wie sie Hubert Burda erfand, war wenig zu sehen.
Doch noch ist es für eine objektive Berichterstattung nicht zu spät. Das zumindest scheint man sich in der Redaktion von sueddeutsche.de gedacht zu haben. In den letzten zwei Wochen wurden dort mehrere Artikel rund um das Thema veröffentlicht, die tatsächlich einen kritischen Blick auf das Gesetzesvorhaben werfen und nicht allein aus den Plattitüden der Verlagsmanager bestehen. Und das, obwohl der Süddeutsche Verlag selbst das LSR befürwortet. » weiterlesen