Alle 21 Artikel zum Thema Gesellschaft auf netzwertig.com:
Die Welt steht an einem Scheidepunkt. Viele gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme erscheinen unlösbar – auch aufgrund eingerosteter und falsche Anreize gebender Strukturen. Aber die IT und das Netz zwingen die Menschheit zum Umdenken.
Manchmal fühlt sich der Zufall an wie ein eindeutiger Trend oder ein wichtiges Signal. So geschehen am Wochenende, als sich in meiner “Zu-Lesen-Liste” innerhalb einer Stunde drei Artikel ansammelten, die sich alle auf unterschiedliche Weise zum gleichen Themengebiet zuordnen ließen. Eines, das dieser Tage mehr Aktualität zu haben scheint als jemals zuvor: die tiefgreifenden gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen, die uns die Digitalisierung und Automatisierung unweigerlich aufzwingen, und die von uns die Entwicklung neuer Handlungsweisen, Perspektiven und auch Lebensziele erfordern.
Zuerst stieß ich auf eine großartige Skizzierung der Herausforderungen und Chancen, die sich für uns Menschen aus der bevorstehenden Automatisierung ergeben (eben auch schon in Linkwertig erwähnt). CCC-Sprecher Frank Rieger gibt einen kompakten aber gleichzeitig vollständigen und gut untermauerten Überblick über die zunehmende Ablösung menschlicher Arbeit durch Roboter und Algorithmen (passend dazu: Foxconn will eine Million Roboter “anstellen”) und appelliert daran, dass wir als Gesellschaft rechtzeitig die Weichen dafür stellen, um von dieser Entwicklung profitieren zu können. Voraussetzung dafür ist nach Riegers Worten ein grundsätzlich neues Verhältnis zu unseren Maschinen und ihrer Produktivität. Sein Lösungsvorschlag: Ein Pro-Automatisierungskonsens, ein grundlegender Umbau der Sozial- und Steuersysteme und eine indirekte Besteuerung von nichtmenschlicher Arbeit.
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Startups und etablierte Internetfirmen schaffen viele Arbeitsplätze. Fände diese zentrale Botschaft in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft stärker Gehör, verliefen das Digitale tangierende Diskussionen zum Urheberrecht und Datenschutz womöglich ganz anders.
Quelle: Flickr/AndrewDicksonWhite, CC BY 2.0
Aus Sicht vieler Blogger und der “Web-Szene” insgesamt schenken Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in Deutschland Internetthemen zu wenig Aufmerksamkeit. Oft wird dies in einem (an-)klagenden Ton festgestellt. Ich bin der Überzeugung, dass diejenigen in der Bringschuld sind, die diesen Zustand bedauern und ihn ändern möchte. Sie müssen die Überzeugungsarbeit leisten und können nicht erwarten, dass die Gegenseite sich wie selbstverständlich annähert; vor allem dann nicht, wenn die Entwicklung wie bei der Digitalisierung dazu führt, dass Hierarchien, Machtpositionen und Geschäftsmodelle untergraben werden.
Daher begrüße ich es, dass inzwischen etliche Initiativen wie Digitale Gesellschaft und D64 gestartet werden, um mehr politischen Druck aufzubauen. Ein Kernproblem bei der Überzeugungsarbeit ist aber aus meiner Sicht, dass bei hochkomplexen Netzthemen oft sehr detailorientiert argumentiert wird. Bitte nicht falsch verstehen: Das soll man tun und es ist wichtig. Ich frage mich aber, ob das wirklich der beste Weg ist, um große Gesellschaftsgruppen für sich und seine Positionen zu gewinnen, die mit diesen Themen nicht oder zu wenig vertraut sind. Ich fürchte, viele überfordert das.
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Der deutschen Öffentlichkeit mangelt es im Bezug auf das Netz nicht an Konflikten. Doch diese versperren leicht den Blick auf erfreuliche und positive Entwicklungen rund um den digitalen Wandel.
Foto: Flickr/Anusca76, CC-Lizenz
In der deutschen Digitallandschaft findet sich viel Streitpotenzial. Datenschutz, Leistungsschutzrecht, Vorratsdatenspeicherung, Netzneutralität, Klarnamenzwang sind nur einige der Punkte, welche die öffentliche Debatte prägen und heftig polarisieren. Zumal wir Deutschen ohnehin eine Tendenz haben, jede sich ergebende Konfliktgelegenheit dankbar zu nutzen (ich nehme mich da nicht aus).
Ob der vielen, mit einer umfangreichen Medienberichterstattung bedachten “Brandherde” (gemäß dem Motto “Bad news is good news”) entsteht leicht der Eindruck, dass die digitale deutsche Gesellschaft keinerlei positive Meldungen zu verkünden hat. Zu jammern und zu kritisieren gibt es viel, Erfolge hingegen werden kaum zur Kenntnis genommen oder im Extremfall so dargestellt, dass auch sie noch Anlass zur Nörgelei bieten.
In diesem Beitrag möchte ich auf fünf Entwicklungen hinweisen, die unterstreichen, dass sich der digitale Standort Deutschland trotz aller offenen Fragen und Skepsis, trotz allem Populismus, Aktionismus und Schlechtredens in die richtige Richtung bewegt. Gleichzeitig rufe ich euch dazu auf, in den Kommentaren auf weitere Meldungen und Geschehnissen zu verweisen, welche zum Thema passen und ebenfalls in die Kategorie “gute Nachrichten” fallen.
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So sehr der Einzug des Digitalen in das Leben der Menschen zu begrüßen ist: Er besitzt auch seine Schattenseiten. Diese müssen wir aber akzeptieren.
Illustration: stock.xchng
Ich bin davon überzeugt, dass der digitale Wandel in vielerlei Hinsicht für die Menschheit ein Segen ist. Er schafft freien Zugang zu Informationen, unterstützt das Streben nach Demokratie und untergräbt Intransparenz, die oft die Grundlage für den Missbrauch von Macht und Einfluss darstellt.
Und dennoch drängt sich mir manchmal die Frage auf: Was ist, wenn die Entwicklung zu einer vollständig vernetzen, von IT dominierten globalen Gesellschaft für die Menschheit zwar in Teilen zu mehr Gerechtigkeit und einer verbesserten Lebensqualität führt, an anderer Stelle aber bisher selbstverständliche Freiräume und Vorzüge eliminiert?
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Über die Frage, wieso es in der Web- und Startupwelt so wenig Frauen in entscheidenden Positionen gibt, lässt sich vortrefflich diskutieren. Ein wichtiger Punkt, nämlich die stetige Präsenz wenig in Frage gestellter Rollenbilder, fällt dabei gerne unter den Tisch.
Flickr/Safety Neal, CC-Lizenz
Der Internetbranche mangelt es an weiblichen Gründern sowie an Frauen in Schlüsselpositionen. Dieses Dilemma haben wir in den letzten Monaten bereits einige Male beleuchtet. Die Webwelt wird von Männer gestaltet, obwohl auf Nutzerseite ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis herrscht. Dass durch den Frauenmangel Potenzial, Know-how und Kreativität ungenutzt bleiben – mit direkten wirtschaftlichen Folgen – ist eindeutig.
Janka Schmeißer von der auf das Onlinegeschäft spezialisierten Personalagentur i-potentials hat bei Gründerszene in einem Gastbeitrag die Problematik abermals aufgegriffen und fasst einige mögliche Gründe für die geringe Startup-Affinität von Frauen kompakt zusammen.
Einen von ihr erwähnten Aspekt möchte ich an dieser Stelle noch einmal ganz besonders hervorheben, da ich glaube, dass er von vielen bewusst oder unbewusst verdrängt wird: » weiterlesen
Das Internet ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Nach Jahren der Schockstarre sammeln diejenigen, die sich von dieser Entwicklung bedroht fühlen, ihre Kräfte, um das Netz nach ihren Vorstellungen zu formen.

Flickr/.Bala, CC-Lizenz
Im Jahr 2011 nutzen zwei Milliarden Menschen das Internet. Etwa anderthalb Dekaden, nachdem das World Wide Web in die ersten Haushalte fand, ist es in der Mitte der meisten Gesellschaften angekommen und wirbelt unsere Welt gründlich durcheinander.
Es gibt kaum jemanden, der nicht von den tiefgreifenden Veränderungen der Digitalisierung und globalen Vernetzung betroffen ist. Ganze Branchen werden durch den technischen Fortschritt in Frage gestellt, neue Industriezweige entwickeln sich und steigen zu Milliardenmärkten auf. In vielen Sektoren werden Mittler überflüssig, stattdessen geschehen Transaktionen und Wertschöpfung webbasiert direkt zwischen Hersteller/Anbieter und Nachfrager.
Die alten Gatekeeper verlieren an Macht, neue entstehen. Jeder kann als Sender und Publizist von Informationen auftreten, lediglich ein Smartphone und eine Internetverbindung sind notwendig. Im arabischen Raum und jetzt gerade in Spanien organisieren sich auf diese Weise Massenproteste mit teils revolutionärem Charakter. Die Herrschenden und Einlussreichen des 20. Jahrhunderts bekommen in immer kürzeren Abständen vorgeführt, wie ihnen langsam die sicher geglaubte Kontrolle verloren geht. » weiterlesen
Der technische Fortschritt lässt sich mit Regulierung und neuen Datenschutzgesetzen bremsen, aber nicht aufhalten. Es ist Zeit, dass wir uns dieser Erkenntnis stellen.
Der Kampf um die Daten der Menschen und darüber, was mit ihnen geschehen darf und nicht geschehen darf, ist in vollem Gange und wird in nächster Zeit noch an Intensität gewinnen.
Egal welche Position man in puncto Datenschutz und Privatsphäre im Kontext des Zusammenprallens der analogen und digitalen Welt einnimmt, so ist es an der Zeit, einer Tatsache ins Augen zu schauen: Alles, was technisch geht, wird kommen. » weiterlesen
Leben heißt lernen, unser Gehirn lernt ständig. Bloß was und wie wir lernen, müssen wir im digitalen Zeitalter vielleicht wieder mal diskutieren. Gunter Dueck und Stephen Downes haben sich dazu Gedanken gemacht.
Der Mathematikprofessor und Philospoh Gunter Dueck hat
in einem vielbeachteten Vortrag auf der re:publica
darauf aufmerksam gemacht, dass das Internet erstens die Welt verändert und zweitens viele Berufe verschwinden lässt. Es brauche eine neue Bildung, die mehr als nur Fakten und Skills vermittle und vor allem die Persönlichkeitsentwicklung betone. Es brauche mehr Kreativität und Eigenverantwortung; vermehrt würden Leute im Vorteil sein, die Menschen begleiten, begeistern und zu Zielen hinführen.
Was müssen wir lernen, um dorthin zu gelangen? Stephen Downes, Senior Researcher des National Research Council of Canada, hat sich vor einigen Jahren schon mal Gedanken gemacht. Stephen hat zehn Dinge aufgelistet, von denen er meint, dass wir – ob Kinder oder Erwachsene – sie unbedingt lernen müssen, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Die Liste ist bemerkenswert: Es geht Stephen darum, dass wir uns ganz grundlegende Fähigkeiten und Haltungen aneignen – die uns am Ende helfen sollen, ein besseres Leben zu führen. Und er hält auch den Finger dorthin, wo unser Schulsystem heute vielleicht noch, nun sagen wir, optimiert werden könnte.
Stephen ist Spezialist für Online-Lernen, neue Medien, Pädagogik und Philosphie und unterhält auf downes.ca eine lebhafte Diskussion. Unser Schwesterblog imgriff.com hat die zehn Punkte mit freundlicher Genehmigung von Stephen übersetzt und publiziert sie zum ersten Mal auf deutsch.
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Über 250 Vortragende präsentierten auf der re:publica in Berlin ihre Perspektiven zur digitalen Welt. IBM-CTO Gunter Dueck hinterließ einen der nachhaltigsten Eindrücke.
Der mit Abstand beste Vortrag der von Mittwoch bis Freitag in Berlin über die Bühne gegangenen re:publica könnte der von Mathematiker und Philosoph
Gunter Dueck gewesen sein. Dueck, der als CTO bei IBM Deutschland tätig ist, sprach am Donnerstag über das “
Internet als Gesellschaftsbetriebssystem” und begeisterte Hunderte Zuhörer im Friedrichstadtpalast mit seiner leicht verwirrt wirkenden, aber gleichzeitig äußerst spitzfindigen Analyse der durch die Digitalisierung ausgelösten Veränderungen für die gesellschaftlichen Strukturen.
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Seit etwa einem Monat ist Regierungssprecher Steffen Seibert bei Twitter aktiv und macht das von Tag zu Tag besser. Betrachtet man die üblichen Ressentiments gegenüber neuen digitalen Kommunikationslösungen, kommt dies einem historischen Ereignis gleich.
Seit August vergangenen Jahres ist
Steffen Seibert der Chef des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung und Regierungssprecher. Seit wenigen Wochen kommuniziert der ehemalige ZDF-Moderator in seiner neuen Rolle
auch über Twitter. Einige alteingesessene Korrespondenten und ehemalige Kollegen haben damit jedoch ein Problem, wie sie am vergangenen Freitag auf einer Bundespressekonferenz deutlich machten.
Zuerst kursierte nur das Protokoll der “Fragestunde” im Netz. Mittlerweile gibt es den traurigen und gleichzeitig sehr unterhaltsame Schlagabtausch zwischen dem stellvertretenden Regierungssprecher Christoph Steegmans und einigen gereizten Journalisten auch als 20-minütiges Video zu begutachten.
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