Thema: Gatekeeper

 

Alle 8 Artikel zum Thema Gatekeeper auf netzwertig.com:

Der Fall Bin Laden und der Twitter-Zeuge:
Das Ende der Desinformation

Die Meldung vom Tod Osama Bin Ladens ist das Zusammentreffen der alten und neuen Medienwelt. Nicht mehr länger müssen wir uns allein auf die Worte der Gatekeeper verlassen.

Osama bin Laden ist in der pakistanischen Stadt Abbottabad während eines Schusswechsels mit US-Soldaten ums Leben gekommen. Und wie so oft in diesen ereignisreichen Monaten muss man nicht lange suchen, um die aus Sicht des digitalen Wandels relevante Komponente an den Geschehnissen zu identifizieren.

Damit meine ich übrigens nicht die Tatsache, dass wieder einmal Twitter schneller war als die etablierten Medien – das sollte im Jahr 2011 niemand mehr verwundern.

Viel bedeutungsvoller ist die Erkenntnis, dass auch in Gegenden ohne ausgewiesene Durchdringung von schnellen Internetanschlüssen und Social-Web-Diensten nichts mehr passiert, ohne dass die Aufmerksamkeit von vernetzten, mit Werkzeugen zur Echtzeit-Publikation ausgerüsteten Augen- bzw. “Ohrenzeugen” geweckt wird.

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Journalismus 2.0:
Die Diskussion mitgestalten

Dieser Text ist als Kolumne im Schweizer Medienmagazin “Edito” erschienen.

Von allen Seiten hören wir, die Medien steckten in einer Strukturkrise, deren Ausgang nicht absehbar sei. Die Digitalisierung unterspült Plattformen und Kanäle, und in kopfloser Aufregung beladen Verlage und Veranstalter neue Vehikel mit den alten Gefäßen und Inhalten.

Diese Panikaktionen greifen viel zu kurz, weil die Umwälzungen nicht nur die Strukturen des Mediengeschäfts erfasst haben, sondern vor dem Kern nicht halt machen: Dem Journalismus als solchem. Wo Informationen uneingeschränkt fließen, sind “Gatekeeper” überflüssig; die “Produktion” von News tut weniger Not als ihre Einordnung; vor allem aber findet eine Revolution statt, die Stanford-Professor Lawrence Lessig den Übergang von der “Nur-Lesen” zur “Lesen/Schreiben”-Kultur nennt:

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Medienkrise:
Fünf Thesen zum Umbruch

Die angekündigte Schließung von medienlese.com hat eine Vielzahl von Meinungen zur Medienkrise provoziert, die zum Teil weit auseinanderliegen. Der Versuch einer Einordnung.

Sterben die Zeitungen? Sind Journalisten fauler geworden? Kapieren Verleger das Internet nicht? Ist der Qualitätsverlust schuld an der Medienkrise? Ich bin seit 20 Jahren Journalist und habe die Veränderungen in der Schweiz, dem Land mit der einst weltweit höchsten Zeitungsdichte, parallel zum Aufstieg des Internets hautnah erlebt. Hier sind seit den achtziger Jahren kontinuierlich Zeitungen in den Regionen verschwunden; im Gegenzug sind grade mal eine Hand voll kostenloser, flächendeckender Pendlerzeitungen aufgemacht worden.

Vielleicht gibt es keine Medien-, aber sicher eine Zeitungskrise, indem alte Modelle sich als nicht mehr tragfähig erweisen und neue Modelle sich erst herauskristallisieren müssen. Und weil die Faktoren, die den journalistischen Markt beeinflussen, mindestens ein Dreieck der Interessen darstellen (Verlage, Publikum, Werbung), ist nicht absehbar, von welcher Seite sich der stärkste Zug auswirken wird. Über die Auswirkungen streiten wir uns täglich:

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Amok-Berichterstattung:
Wie viel Twitter darf es sein?

Dürfen und sollen sich Reporter zum Gegenstand ihrer Berichterstattung machen – und wenn ja, wann wird es pietätlos? Ein Blick auf die aktuelle Diskussion.


Neben allem, was man an der Amok-Berichterstattung kritisieren kann – Fotos unverpixelter Kinder, Interviews mit Minderjährigen, die unter Schock stehen, vollkommen hanebüchene Comic-Zeichnungen der Tat, die Nennung des vollen Namens des Täters, der Adresse seines Elternhauses, auf Kinderköpfe grafisch montierte Fadenkreuze – konzentriert sich die aktuelle Diskussion vor allem um den Einsatz von Twitter. Genauer: Um das, was Focus Online mit Twitter gemacht hat, nämlich Reporter von ihrem Weg zum Unglück bloggen zu lassen. Wo sind die Journalisten gerade, wo fahren sie hin, was haben sie gehört – Medienjournalist Stefan Niggemeier findet dafür in seinem Blog deutliche Worte:

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Zeitung ohne Funktion:
Frank A. Meyer irrt sich

Das ständige Geschreibe vom Ende der Zeitung verschreckt doch die Leser, findet Ringier-Chefpublizist Frank A. Meyer. Der Umkehrschluss funktioniert nur leider überhaupt nicht.

Am Vorabend der französischen Revolution führten die Aufklärer einen langen Disput über Freiheit und Notwendigkeit. Melchior Grimm, der Pariser Korrespondent und große Multiplikator aufgeklärten Denkens, plädierte für die Notwendigkeit: Die Freiheit sei eine zugebenermaßen manchmal recht nützliche Illusion, die sich die Menschen machten. In Wahrheit aber regiere die Notwendigkeit selbst dort, wo sie sich das Gewand der Freiheit hülle, um rascher fortschreiten zu können. Bei allem Anschein von Freiheit seien die Dinge durch die geheimen Strukturen und Gesetze im Innern des Gesellschaftskörpers vorherbestimmt.

An den Streit zwischen Voluntaristen (“Es geschieht, was ich will“) und Deterministen (“Mir geschieht, was ‘es’ will“) fühlte ich mich erinnert, als ich diese Einlassung von Frank A. Meyer im Sonntag las, die Ronnie hier bereits aufgespießt hat:

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Getretener Quark:
Schweizer Qualitätsmedien

Die Satire-Website eines Deutschen zeigt die Verunsicherung der helvetischen Qualitätsmedien – und einen gefährlichen Trend: Die Streichung des journalistischen Relevanzkriteriums.


“All the news that’s fit to print – alle Nachrichten, die den Abdruck wert sind”: Der Slogan der New York Times gibt auch im Informationszeitalter noch ein gutes Motto ab. Vielleicht müsste man es aber konkretisieren: Lag die Betonung bisher auf der Vollständigkeit der Berichterstattung, so müsste sie im Internet-Zeitalter auf der bewussten Auslassung liegen.

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No Obamania:
It’s the party, stupid!

Neue Medien, neuer Wahlkampf? Warum im deutschen Superwahl alle Hoffnungen auf eine Mitmach-Politik mit Blogs und Blockpartys à la Obama vergebens sind, erklärt Klaus Jarchow.

Das Superwahljahr 2009 soll also das Jahr werden, in dem endgültig die amerikanischen Wahlkampfmodelle in Deutschland Einzug halten sollen – insbesondere Obamas Online-Wahlkampf hat es den Politikern angetan. Nur leider bietet das Modell kaum Aussicht auf Erfolg in Deutschland. Gute Gründe hierfür hat uns bereits Jens Berger vom Spiegelfechter-Blog dort im neuen Freitag aufgezählt. Das Haupthindernis dürften in meinen Augen die Parteien selbst sein. Wer jemals erlebte, wie ein deutscher Politiker auf der berüchtigten ‘Ochsentour’ nach oben in den politischen Olymp gelangte, der weiß, dass von dort oben eben auch nur Ochsen herunterschauen können – und keine Vollblut-Charismatiker wie der Obama.

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Ach, Jürgen Habermas!

Habermas und das Internet: Netzaffine Mikromedien verdrängen die Meisterdenker des massenmedialen Diskurses, das Netz schafft neue Verhältnisse.

Jürgen Habermas (Bild Wolfram Huke, etwasistimmer.de, Creatice-Common-Lizenz)Für Jürgen Habermas gibt es bis heute nur einen einzigen politisch wirklich bedeutsamen Diskurs – das ist der massenmediale. Habermas kommunikatives Ideal ist im Grunde das einer Schafherde von Rezipienten, die von einigen wenigen Meisterdenkern ausgerichtet werden muss, vermittelt über mediale Schäferhunde oder ‘Gatekeeper’. Habermas’ zunehmende Aversion gegen das dissoziative Internet kommt daher nicht unerwartet, denn das unüberschaubare Netz zerstört ihm sein “gleichzeitig auf gleiche Fragestellung zentriertes Massenpublikum”. Ein decouvrierendes Zitat für einen Kommunikationstheoretiker, die sich eben nur scheinbar der Freiheit und dem Fortschritt verschrieben hat. Weshalb dieses Zitat vom ‘Perlentaucher’ auch völlig zu recht hervorgehoben wird.

Es entstammt der neuen Essay-Sammlung ‘Ach, Europa!’, ein Titel den sich Habermas übrigens eins zu eins von Enzensbergers gleichnamiger Essay-Sammlung ‘Ach, Europa!’ aus dem Jahr 1987 – sagen wir mal – ‘entlieh’.

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