Frank A. Meyer, Citoyen, hat erstmals nach fünf Jahren ein längeres Interview gewährt, dem Schweizer Journalist. Er findet den Auflageneinbruch der Bezahlzeitungen unerheblich, liebt die Boulevardzeitung Österreich und sieht sich als junger Journalist mit vierzig Jahren Berufserfahrung. Nicht etwa als Dinosaurier.

Das Interview wurde schon länger gemacht, gedruckt und verteilt – doch zwischen Berlin und Zürich, wo zurzeit sowohl Herr Meyer als auch ich hin- und herpendeln, ist das wohl Anfang Mai erschienene Printprodukt liegengeblieben (schon wieder was, das einem nur offline passieren kann). Nun lesen wir es halt jetzt.
Offiziell heisst die Aufgabe von Frank A. Meyer bei Ringier “Medienentwicklung“, eine Position, die er zusammen mit Jacques Pilet inne hat. Inoffiziell aber ist er ein enger Vertrauter des Verlegerehepaars Michael und Ellen Ringier und hat dort, wie viele vermuten, mehr Einfluss auf die Zukunftsentwicklung des Ringier-Verlags als jeder andere. Er ist eine wichtige Stimme, die über die Zukunft des grössten Schweizer Medienunternehmens mitentscheidet.
Das Gespräch beginnt mit der Erklärung, warum er so selten Interviews gibt:
Weil ich nicht durch meine Person wirken will, sondern durch das, was ich schreibe oder durch die Sendungen, die ich mache. Es ist mein Beruf, mich zu äussern. Da muss ich mich doch nicht noch über das Äussern äussern. Ausser heute. (lacht)
Ich bin auch der Meinung, dass jeder die Freiheit hat, Interviews und Öffentlichkeit abzulehnen. Und dass man so einen Wunsch respektieren sollte. Trotzdem möchte ich diese Aussage allen, die von einer Ringier-Publikation lieber nicht interviewt werden möchten, ans Herz legen.
Wollen nicht fast alle durch ihre Arbeit wirken und nicht durch ihre Person? Und wird nicht genau dieser Wunsch dauernd von den Medien nicht respektiert? Sagen nicht die genau die Medien Managern, Sportlern oder Politikern dauernd, “die Leute” wollen mehr, viel mehr als nur ihre Arbeit? “Die Leute” wollten sie, die durch ihre Arbeit in den Mittelpunkt gerückten Menschen, in der Badewanne, in der Wohnung und in der Ferienwohnung sehen? Und dazu alle Details zu Beziehungen und wenn möglich auch noch zum Sexleben wissen? Wer immer in Zukunft nicht mit einem Produkt aus dem Ringier-Verlag, zum Beispiel mit dem People-Blatt Schweizer Illustrierte oder dem Boulevardblatt Blick, reden möchte: Frank A. Meyer hat die Vorlage dazu geliefert.
“Der letzte Journalist”, wie er im Titel angekündigt wird, hat aber noch mehr zu sagen:
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