Irgendwie kommt der Film in der Blogosphäre viel zu kurz. Deswegen ausnahmsweise mal ein bisschen Vettern- (oder viel mehr Brüdern-) Wirtschaft. Aus aktuellem Anlass: Im Tessin geht grade das internationale Filmfestival von Locarno über die Leinwände.
Immer wieder stecken auch Audioschnipsel in den Blogeinträgen – immerhin wird hier das visuelle Medium Film von einem Mitarbeiter eines Audio-Mediums behandelt. Und wer’s gleich ganz ohne Buchstaben (allerdings in Hochdeutsch versetzt mit Schwyyzertüütsch) haben will, kann sich den Filmpodcast von DRS runterziehen.
Der ins Sommerloch fallende Simpsons-Spielfilm erhält von den Medien einen Aufmerksamkeitsgrad, der durchschnittliche PR-Abteilungen zum Weinen bringen könnte. Ob der Film die Aufmerksamkeit verdient, weiss ich nicht. Was Matt Groening zu sagen hat, finde ich aber spannend.
Alle wollen nach Springfield (sueddeutsche.de, Willi Winkler)
Ob die überlebenden Beatles, The Who oder Al Gore: Matt Groenings Einladung in Amerikas berühmtestes Kaff schlägt keiner aus. Willi Winkler hat mit dem “Simpsons”-Schöpfer über Gott, Homer und die Kreationisten gesprochen.
“Es ist nicht immer alles namby-pamby” (dasmagazin.ch, Michèle Roten)
Matt Groening verdanken wir das tröstliche Wissen, dass auch die dunkle Seite des Lebens farbig ist: gelb wie die Simpsons.
“Wenn er durstig ist, will er Bier” (sonntagszeitung.ch, Gabriela Tscharner-Patao)
Simpsons-Erfinder Matt Groening über seinen Helden Homer und den Film zur Serie.
“Ich bin sehr viel Bart”
(vanityfair.de, Ulrich Lössl)
Simpsons-Erfinder Matt Groening ist glücklich mit seinem ersten Kinofilm. Das Interview mit VANITY FAIR ONLINE.
Das große Neiiin! Simpsons und Philosophie (welt.de, Holger Kreitling)
Erkenntnistheorie in Springfield, Heideggers Geworfenheit im Hause Homers. Die Simpsons haben mehr mit den Geistesriesen zu tun als man denkt. WELT ONLINE streift durch Werk von “Simpsons”-Schöpfer Matt Groening und findet wie immer Erlösung vorm Fernseher.
Dazu: Die Zitty-Redaktion hat sich in ihrer aktuellen Ausgabe neu vorgestellt. Als Simpsons-Figuren, vermutlich erstellt mit dem Simpsons Avatar Creator:
Erich Vogel, 68, ist neuer Präsident des Schweizer Fussballclubs GC Zürich. Er ist seit 45 Jahren im Fussballgeschäft und hat unter anderem von Sepp Blatter gelernt, wie man mit den Medien umgeht. In einem Interview (Text / Video) mit Roger Schawinski erzählt er davon.
Über Erich Vogel haben wir schon einmal geschrieben hier bei medienlese.com. Und zwar am 18.04.2007, als der Blogger der Weltwoche, Walter de Gregorio, drei Gerüchte in die Welt setzte, die bis zu ihrer offiziellen Bestätigung von den hiesigen Medien ignoriert wurden.
Was man daraus lernen kann? Dass es sich lohnen kann, Weblogs zu lesen. Denn alle drei Gerüchte haben sich mehr oder weniger bewahrheitet. Murat Yakin wurde zwar nicht Trainer, aber immerhin Trainerassistent mit Aussicht auf Erbe (weil die zum Trainer nötigen Diplome noch fehlen). Krassimir Balakow wurde entlassen und Erich Vogel wurde Sportchef (und Vizepräsident), wie angesagt.
(Bild: Screenshot weltwoche.ch)
Mit wem der Weltwoche-Journalist die drei Mojitos und vier Bier getrunken hat, ist noch immer unklar. Dafür konnte Erich Vogel im Interview die nicht immer über alle Zweifel erhabene Nähe zwischen Sportjournalisten und Sportlern beleuchten. So erzählt er von Spielern, die auch nach schlechten Spielen von Journalisten gute Noten erhalten:
Tage, nachdem alle Medien über das Video berichtet haben, auf dem der französische Präsident Nicolas Sarkozy betrunken sein soll, hat sich der angeblich von Wladimir Putin mit Wodka Abgefüllte geäussert. In der Zeitung Le Parisien.
J’étais en retard, j’ai donc monté les escaliers quatre à quatre, raconte-t-il. Je n’avais rien de particulier à dire. J’ai donc demandé s’il y avait des questions. Je ne bois pas une goutte d’alcool. Je n’ai pas de mérite : je n’aime pas cela.
Ich wage trotz mangelhaften Schulfranzösischkenntnissen eine Übersetzung:
Ich war in Verzug und bin darum die Treppe hinaufgestürmt, erzählt er. Ich hatte nichts besonders zu sagen und habe darum gefragt, ob es Fragen gibt. Ich trinke keinen Tropfen Alkohol. Ich habe nichts davon: ich mag das einfach nicht.
Was alle jetzt Medien, die vorher nahegelegt haben, Sarkozy sei vielleicht, eventuell, möglicherweise, wohl, sicher betrunken gewesen, aufgrund einer Agenturmeldung nachdrucken. Als Beispiel:
Falls sie jemand nicht erkennt hat – das auf dem Bild links ist die Moderatorin Eva Wannenmacher . Beziehungsweise ihr Avatar in Second Life. Für einen Beitrag der Sendung Kulturplatz hat sie sich in die zweite Welt begeben und mit Gebührengeldern ein virtuelles Kleid gekauft. Was bei einem Betrag von unter einem Euro entschuldbar sein sollte.
Dort zu sehen ist auch ein satirischer Beitrag der Sendung Punkt CH (nicht zu verwechseln mit .ch) über Second Life. Im am 13.06.2007 hochgeladenen Video vom 20.05.2007 wird (teilweise in Dialekt) über eine angebliche Second World diskutiert, die in Neu-Oerlikon einsame Spieler zusammenführen soll. Dass es Second World bereits gibt und dass die Fakten nicht immer stimmen, kann dem teilweise sogar lustigen Beitrag sicher verziehen werden:
Warum nur sehen Microsofts Produkte häufig so viel schlechter aus als die von Apple, was genau macht denn eigentlich den Reiz der Geräte aus, der Verpackungen, des ganzen “Look And Feel”, das es schafft, eine Gemeinde beinahe Jobs-höriger Kunden Jünger hinter sich zu vereinen?
Dieses Video zeigt eindrücklich, woran’s liegt (der dreiminütige Streifen ist selbst ein absolutes Meisterwerk und macht virtuosen Gebrauch von einer überaus lustigen Musik und dem nicht minder lustigen Trendsprech von Werbern und Marketingmenschen. “Ich würde sagen, das hat Regalpräsenz”, zum Beispiel.) Es wird einem multitalentierten Coder, Webdesigner und Typographen namens Patrick Corcoran zugeschrieben. Und meiner Meinung nach müsste es in den Pflichtkanon eines jeden Design- oder Marketinglehrgangs aufgenommen werden.
Na klar:
This video has been removed due to terms of use violation.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.
Viele Blogs verlinken zurzeit ein Video, auf dem der französische Präsident Nicolas Sarkozy angeblich betrunken sein soll. Nun auch die Financial Times Deutschland.
Was macht der Frankreich-Korrespondent der Financial Times Deutschland, Heimo Fischer? Er sitzt in Paris und er guckt YouTube-Videos. Genauer gesagt: Er guckt ein YouTube-Video, das in mehreren Versionen zu finden ist und bisher einige Millionen Male angesehen wurde. Es ist ein kurzer Ausschnitt aus dem belgischen Fernsehen, in der der französische Präsident Nicolas Sarkozy offenbar etwas verspätet von einem Gespräch mit dem russischen Präsident Wladimir Putin im Rahmen des G8-Gipfels vor die Medien tritt.
Das Video wurde (auf YouTube und in Blogs) meistens versehen mit Anspielungen auf einen möglichen Alkoholkonsum von Nicolas Sarkozy. Es ist anzunehmen, dass die Ansage des Moderators sowie die begleitenden Kommentare bei vielen Konsumenten ausreichten, um selbst zum Schluss zu kommen, Sarkozy stünde betrunken am Podium. Eine mir seltsam vorkommende Beurteilung, denn ich habe das Video nun sicher fünfmal angeguckt und ich kann aus dem Verhalten von Sarkozy noch immer keine Verbindung mit Alkoholkonsum ziehen. Vielleicht macht er kurzfristig einen etwas verwirrten Eindruck, aber bei dem Mammut-Programm, das hochrangige Politiker täglich durchmachen, wundere ich mich eher, dass nicht viel mehr kleine oder grosse Aussetzer passieren. Mir würde das jedenfalls bei solchen Nonstop-Tagen passieren, da bin ich mir sicher.
Der Nachrichtensprecher moderiert den Beitrag an und sagt, kurz bevor die Bilder kommen, Sarkozy habe anscheinend nicht nur Wasser getrunken. Darauf startet das Video, worauf Sarkozy zu sehen ist, wie er an ein Podium tritt und sich an die Journalisten wendet, um ihre Fragen entgegenzumehmen. Das ist, was ich auf dem Video sehe. Heimo Fischer sieht das anders. Als Titel hat er das Zitat “Präsident mit Schlagseite” gewählt – eine Aussage, die im darauffolgenden Text nicht wiederzufinden ist.
Im Auftrag seines Herrchens schiesst Mr. Lee Fotoreportagen seiner Tagesabläufe. Dem Kater gelingen sensationelle Dokumentationen. Es ist Katzen-Bürgerjournalismus der Extraklasse.
Ein Tag im Leben einer deutschen Katze – was gibt es spannenderes, als herauszufinden, was unsere zweitbesten Freunde auf ihren Ausflügen jeweils so treiben?
Dank Mr. Lee, dem schleichenden Katzen- Reporter, wissen wir es jetzt.
Sie sitzen unter Autos und warten auf bessere Zeiten. Sie hängen mit andern Mietzen ab oder gockeln gegen Mitbewerber an. Sie schleichen in Nachbars Garage, erkunden gelandete UFOs und lassen sich von Gartenschläuchen und echten Schlangen erschrecken.
Mr. Lee steht unter Vertrag von Jürgen Perthold. Er ist bereits mindestens der zweite Kater, der sich journalistischer Tätigkeit verschrieben hat: In Los Angeles schiesst «Squeaky» bereits seit 2006 gar ganze Videofilme seiner Ausflüge. Dass die wirken wie LSD-Trips ist kaum der Fehler der Katze.
Mr. Lees Bilder allerdings erfüllen gewisse künstlerische Ansprüche, weshalb wir uns zu einer Publikation durchgerungen haben. Das ganze Portfolio ist auf Jürgen Pertholds Webseite zu finden, die es dank der spektakulären, poetischen und teils fotografisch bemerkenswerten Bilder binnen weniger Tage zu Weltruhm gebracht hat.
Mit einem ausschliesslich aus Disney-Filmen zusammengeschnittenen Video erklärt ein Team der Uni Stanford den erlaubten Gebrauch von urheberrechtlich geschütztem Material.
Sie sind nicht immer leicht zu verstehen, die Sätze, welche das Team des Fair-Use-Projects der Uni Stanford aus den Dialogen von insgesamt 27 (!) Disney-Filmen zusammengeschnitten hat – aber sie machen um so mehr Spass. In fünf Kapiteln erklärt das zehnminütige Filmchen, worum es beim Copyright geht (Geld) und unter welchen Umständen man es brechen darf (Fair Use). Als “Vertreter” des Copyrights “agieren” dabei durchwegs die Disney-Bösewichte, während Dumbo, Schneewittchen und die kleine Meerjungfrau mit grossen Augen ständig wiederholen: “Aber… das ist nicht fair!”
Wenn es vertretbar sein soll, dass Pinterest-Nutzer urheberrechtlich geschützte Fotos weiterverbreiten - gilt dies dann auch für andere Inhalteformen? Es kommt darauf an, wie und wieso. » weiterlesen