Alle 7 Artikel zum Thema Feuilleton auf netzwertig.com:
Egon Erwin Kisch ist die Reporter-Legende schlechthin, lange trug der wichtigste deutsche Journalistenpreis seinen Namen. Er konnte nicht nur schreiben – er konnte auch Geschichten erfinden.

Egon Erwin Kisch und Henri Nannen (Public Domain und Keystone)
Henri Nannen rief den
Egon-Erwin-Kisch-Preis im Jahr 1977 ins Leben, mitten im ‘deutschen Herbst’. Einige Jahre nach Nannens Tod, im Jahr 2005, konnte die deutsche Publizistik dann endlich den Skandal beenden, dass nämlich der wichtigste deutsche Journalistik-Preis von einem allzu sprachversessenen und unverantwortlichen Stern-Verleger auf den Namen eines waschechten Kommunisten und DDR-Apologeten getauft worden war. Der Hofsänger des Neopatriotismus
Matthias Matussek als Träger des Egon-Erwin-Kisch-Preises – das klang für viele Ohren wirklich putzig.
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Pornopop, Venus-Messe, Pornywood: Die Feuilleton-Blogger vom Umblätterer präsentieren ausgewählte Texte – ”Standardartikel zum Thema” – über die Milliardenindustrie Porno.
Über Sex kann man nur auf Englisch singen
allzu leicht kann’s im Deutschen peinlich klingen
doch gibt’s ein Verlangen zu beschreiben
den Teufel mit dem Belzebub vertreiben
Und ihr wisst ich rede von bestimmten Dingen
Über Sex kann man nur auf Englisch singen
… heißt es in einem Lied der Hamburger Diskursrockpopband Tocotronic. Dem besungenen Verlangen nach Beschreibung geben nicht nur deutschsprachige Songschreiber nach, sondern natürlich auch Journalisten. Wenn es dann auch noch um Pornografie geht, geraten die Ergebnisse schonmal peinlich bis verkrampft. Dass es auch ohen Fremdschämen geht, zeigt Frank Fischer im Umblätterer. In kleinen Beiträgen werden relevante Texte vorgestellt und verlinkt. Sechs Teile der Serie gibt es schon:
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Creative Writing, Prosanova und Poetik: “Möchten Sie später in der Agentur der Supergehälter für bedeutende Industriekunden erfolgreiche Copies texten?”
Weshalb Journalisten den bisher größten ihrer Zunft nicht öfter ehren, das will mir nicht in den Kopf. Joseph Roth – und nicht etwa Kurt Tucholsky – so hieß der große ‘Alpha-Journalist’ der Weimarer Republik, der Marcel Reich-Ranicki der Zeit zwischen den Kriegen, ein an langer Leine geführter Meister-Feuilletonist für die Frankfurter Zeitung, der Vorläuferin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zugleich war der ‘heilige Trinker’ ein begnadeter Schriftsteller, ein Bewohner beider Welten also. Am 24. November 1930 schrieb er:
“Wie viele Schriftsteller hätten das Schreiben gelernt, wenn sie Journalisten geworden wären!” (Werke III, 265)
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Der Blick von außen: Die New York Times berichtet über Charlotte Roches “Feuchtgebiete”. Angela Merkel, Heidi Klum und Lady Bitch Ray sind auch dabei …
Deutschland ist gespalten: Einerseits gucken Millionen Heidi Klums (spindeldürr und formstabil) absolut keimfreie Topmodel-Seifenoper und feiern die perfekte Enthaarung, den makellosen Teint und die totale Kontrolle über den Körper. Andererseits ist Charlotte Roche (keine Angst vor Sekreten) mit ihrem Buch “Feuchtgebieten” umfassend erfolgreich: Nationale Debatte angezettelt. Bald 700.000 Bücher verkauft. Auf der weltweiten Bestsellerliste von Amazon gelandet (als einziges deutschsprachiges Buch). Lesetour bis in die bayerische Provinz (Eintritt erst ab 18 Jahre). Englische Übersetzung besiegelt (erscheint nächstes Jahr als “Wetlands”).
Die New York Times berichtet nun über die Debatte – mit einem umfassenden Artikel. Charlotte Roche, Eva Herman, Lady Bitch Ray, Heidi Klum, Alice Schwarzer, Ingrid Kolb und Angela Merkel, alle, alle kommen vor im grundsätzlichen Abriss über Frontverläufe, Koalitionen und Emanzipationsrückstände im alten Europa. Was für eine Debatte:
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Eine Theaterkritik macht noch kein Feuilleton: Was sich heute hinter diesem Ressort versteckt, ist oft genug ein Ramschladen journalistischer Versicherungsschäden.
Es ist so ein Wort, bei dem ich mich ständig vertippe: Feuilleton. Alle großen Zeitungen sind voll davon, doch im Innern ist immer nur wenig Feuilleton zu finden: Diese impressionistisch hingehauchten ‘Blättchen’ vom Baum des Lebens sind fast völlig verschwunden. Woran liegt’s?
Hauptsächlich wohl an einem Missverständnis. Bloße Kritik ist noch lange kein Feuilleton. Stellt eine Zeitung also die Buchrezensionen, die Theaterkritik, die Vernissagen-Berichte und die Reportagen aus der Belgrader Dancefloor-Szene unter den Schriftbalken ‘Feuilleton’, dann hat sie wohl der Pop-Literatur und allen möglichen anderen Absolventen der Geisteswissenschaften eine mediale Heimat gegeben, sie hat aber noch lange kein Feuilleton geschaffen. Genrebewusstere Zeitungen schreiben daher auch ‘Kultur’, ‘Theater’, ‘Wissenschaft’, ‘Reisen’ oder ‘Modernes Leben’ über ihre entsprechenden Spalten. Mit anderen Worten: Aus vier Seiten DNA-Code wird im Leben kein echtes Feuilleton.
Theodor Lessing, einer der wenigen wirklichen Feuilletonisten, die wir in Deutschland kannten, schrieb selbstbewusst, weil er beides konnte:
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Behaupten, Beglaubigen und Sinngeben: In unserer losen Serie über Deutschlands Alphajournalisten widmen wir uns heute FAZ-Herausgeber und Feuilleton-Chef Frank Schirrmacher.
![Frank Schirrmacher (Bild [M] Keystone)](http://netzwertig.com/wp-content/uploads/2008/03/frankschirrmacher200.png)
Frank Schirrmacher: Methusalem-Komplex? (Bild [M] Keystone)
Schon die Einleitung Frank Schirrmachers zur FAZ-Serie über Kognitionsforschung hat es faustdick hinter den Ohren. Mit Recht hat Malte Dahlgrün im Dummy-Blog, einem immer höchst lesenswerten Patenprojekt von Oliver Gehrs’ Zeitschrift, sofort Laut gegeben . Der Impuls war richtig, nur hat er dabei in meinen Augen noch nicht voll auf die Zwölf getroffen.
Natürlich lässt sich das ebenso nervtötende wie unvermeidliche Geraune und Bedeutungshubern des FAZ-Mannes kritisieren, im Kern aber geht es um etwas anderes: Um die Frage, ob Wissenschaftsjournalismus mit journalistischen Mitteln vom Fortschritt der Wissenschaft berichten soll, oder ob die Wissenschaft die steilen Thesen des journalistischen Feuilletons mit ihrer Autorität bunt drapieren soll. Für letzteres steht Frank Schirrmacher.
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Der Matthias Matussek, frischerkorener Ex-Kulturchef des Spiegel, ist bekanntlich der Erfinder des Neo-Patriotismus: “Matthias Matussek (* 9. März 1954 in Münster) ist ein deutscher Journalist und Publizist, der durch seinen streitbaren Konservatismus und Patriotismus für Aufsehen sorgt“.
Der Neo-Patriotismus war eine zugkräftige Medienmasche, die recht einträglich lief, damals, als viele unserer inzwischen manchmal recht gnadenbrötlerischen Alphajournalisten jeden besseren Leitartikel mit schwarzrotgüldenen Fähnchen tapezierten und über ein neues deutsches Selbstverständnis jubelten, das endlich – anders als sie – ganz ohne Komplexe sei. Wer also in ihre Fußstapfen treten möchte, wem der Sinn nach Anbiederung an den patriotischen Zeitgeist oder auch nur nach einer karriereförderlichen CDU-Mitgliedschaft steht, dem mag meine Hilfestellung gerade recht kommen.
Da der Herr Matussek in den letzten Monaten vor allem via Videoblog zum Volk zu sprechen pflegt, wobei er die Schriftform arg vernachlässigt, habe ich sein bekanntes Deutschlandradio-Interview, wo er dem Jürgen Liminski seinen neuen Patriotismus am sinnfälligsten erläuterte, als Vorlage für diese Lehrstunde genommen. Ich werde mich dabei bemühen, nicht nur möglichst anschaulich, sondern auch recht freundlich zu schreiben, da der Matthias Matussek ein stadtbekannter Choleriker und Kollerer ist, und mir am Ende sonst ein Leides täte.
Hier also zehn Regeln, um es in fünf Minuten zum Musterpatrioten zu bringen:
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