Alle 7 Artikel zum Thema Diskussion auf netzwertig.com:
Google+ eignet sich in seiner jetztigen Fassung wie kein anderes soziales Netzwerk für ausführliche Streitgespräche und Debatten. Twitter wird damit als Diskussionsinstrument endgültig disqualifiziert.
Foto: stock.xchng
Am Montag
veröffentlichte ich meinen Zwischenbericht zu Google+. Auch in der zu Ende gehenden Woche hat sich die Euphorie um den jüngsten Spross aus der Google-Familie nicht gelegt. Und in den vergangenen Tagen ist bei mir eine Erkenntnis gereift,
die sich schließlich in diesem Google+-Beitrag niederschlug: Wer keine Diskussion wünscht, sollte Äußerungen nicht bei
Google+ sondern
Twitter veröffentlichen.
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Dieser Text ist als Kolumne im Schweizer Medienmagazin “Edito” erschienen.
Von allen Seiten hören wir, die Medien steckten in einer Strukturkrise, deren Ausgang nicht absehbar sei. Die Digitalisierung unterspült Plattformen und Kanäle, und in kopfloser Aufregung beladen Verlage und Veranstalter neue Vehikel mit den alten Gefäßen und Inhalten.
Diese Panikaktionen greifen viel zu kurz, weil die Umwälzungen nicht nur die Strukturen des Mediengeschäfts erfasst haben, sondern vor dem Kern nicht halt machen: Dem Journalismus als solchem. Wo Informationen uneingeschränkt fließen, sind “Gatekeeper” überflüssig; die “Produktion” von News tut weniger Not als ihre Einordnung; vor allem aber findet eine Revolution statt, die Stanford-Professor Lawrence Lessig den Übergang von der “Nur-Lesen” zur “Lesen/Schreiben”-Kultur nennt:
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Wie geht es dem Journalismus? Zwei aktuelle Studien zeigen, wie es um die Medien in Deutschland steht. Mit reichlich Zahlenmaterial belegen sie einen heftigen Strukturwandel.
Zwei grundlegende Texte gibt es in Deutschland, die jeder kennen und zur Hand haben sollte, der sich ernsthaft mit Medienfragen beschäftigt. Beide sind auch als kostenlose pdf-Dateien im Internet verfügbar. Zunächst einmal ist dort
der zweiteilige Medienbericht der Bundesregierung, erstellt vom Hans-Bredow-Institut. In ihm finden sich alle relevanten Daten und Fakten zur Medienlandschaft, auf der statistischen Basis des Jahres 2008. Insbesondere der zweite Teil, das Gutachten, trägt auf knapp 400 Seiten alles zusammen, was heutzutage für die Zahlengarnitur eines fundierten Artikels zur Lage der Medien erforderlich ist – von der Marktentwicklung über die Studierendenzahlen bis hin zum grassierenden Titelschwund gerade auch in der Fläche.
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Dürfen und sollen sich Reporter zum Gegenstand ihrer Berichterstattung machen – und wenn ja, wann wird es pietätlos? Ein Blick auf die aktuelle Diskussion.
Neben allem, was man an der Amok-Berichterstattung kritisieren kann – Fotos
unverpixelter Kinder, Interviews mit Minderjährigen, die unter Schock stehen, vollkommen hanebüchene
Comic-Zeichnungen der Tat, die Nennung des vollen Namens des Täters, der Adresse seines Elternhauses, auf Kinderköpfe
grafisch montierte Fadenkreuze – konzentriert sich die aktuelle Diskussion vor allem um den Einsatz von Twitter. Genauer: Um das, was Focus Online mit Twitter gemacht hat, nämlich Reporter von ihrem Weg zum Unglück bloggen zu lassen. Wo sind die Journalisten gerade, wo fahren sie hin, was haben sie gehört – Medienjournalist
Stefan Niggemeier findet dafür in seinem Blog deutliche Worte:
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Die geballte Dialog-Power von rund 40 Autoren verstummt: Das Media Coffee Blog der dpa-Tochter news aktuell wird eingestellt. Haben sich Public Relations und Dialog nicht verstanden?
Mit zuletzt drei Postings im Monat bei knapp 40 Autoren war das media coffee blog sicherlich kein Durchlauferhitzer unserer Informationsgesellschaft. Trotzdem ist es schade, dass dieses Projekt der news aktuell/dpa-Gruppe eingestellt wird. Zukünftig wird das Blog nur noch “eine Begleitseite für die Offline-Veranstaltungsreihe gleichen Namens sein“.
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Das Geschäftsmodell für Journalismus ist leckgeschlagen: Die Leser wandern ins Netz ab, dort fehlen die Einnahmen. Mit den üblichen Lösungsvorschlägen kann Jeff Jarvis wenig anfangen.
Die unzähligen verzweifelten Vorschläge, wie man Zeitungen oder den Journalismus generell retten könne, wirken auf mich wie angestrengte Versuche, gegen den Strom der Zeit zu schwimmen – sie wollen etwas erzwingen, was im Internet-Zeitalter ganz einfach nicht geschehen wird. Ich ziehe es vor, nach Modellen für einen Journalismus zu suchen, der
mit dem Strom schwimmt. Das heißt, Wege zu finden, wie man Vorteil aus den Gesetzmäßigkeiten der Online-Wirtschaft zieht, statt diese zu bekämpfen. Schauen wir uns doch mal die üblichen Rettungspläne an:
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Es passiert nicht weniger, doch auf die gedruckte Zeitung muss heute verzichtet werden: Karfreitag. Feiertag, die Läden geschlossen, die Zeitung erst am Sonnabend wieder. Wie ist so ein Tag ohne Zeitung? Fehlt da nicht was?
Was wäre, wenn es plötzlich keine Tageszeitung geben würde? Ist Print so tot, wie Steffen Büffel es behauptet? Stehen der gedruckten Qualitätspresse goldene Zeiten bevor, angesichts der ständig fließenden Online-Meldungen? Oder reicht die Informationsflut der Nachrichtenportale aus, bleibt nur Platz für Zeitschriften und wöchentlich erscheinende Zeitungen? Wer liest eigentlich noch eine Tageszeitung?
Wir möchten von unseren medienlese.com-Lesern wissen: Fehlt heute nicht etwas? Und natürlich sind auch alle Zeitungsredakteure eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen und eine Lanze für ihr Produkt zu brechen. Wenn sie mögen.
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Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.