Alle 3 Artikel zum Thema digitale spaltung auf netzwertig.com:
Bisher habe ich mich ja aus der Diskussion rund um die fragwürdige und rückwärtsgewandte Einstellung der Süddeutschen Zeitung zum Thema Blogs und Web 2.0 herausgehalten. Doch den bei süddeutsche.de heute veröffentlichten Artikel mit dem Titel “Endlich keine Freunde - Widerstand gegen MySpace, Facebook & Co” kann ich euch einfach nicht vorenthalten. Ich werde es mir sparen, diesen peinlichen und absolut belanglosen, irrelevanten Beitrag auseinanderzunehmen. Tatsache ist: Das dort geschilderte “verbreitete Misstrauen gegen ein zweites Leben” existiert in der wiedergegebenen, paranoiden Ausprägung primär im Kopf des Autors. Wieso man bei sueddeutsche.de glaubt, dessen offensichtliches Social-Networking-Trauma als Basis eines zweiseitigen Artikels verwenden zu müssen, bleibt mir schleierhaft.
Das sich Onlineangebote von Printmedien auch ganz sachlich und unvoreingenommen mit den neuen Seiten des Internets befassen können, zeigt Zeit Online.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.
Die Zahl der Bundesbürger, die zumindest gelegentlich online gehen, steigt. Laut (N)onliner-Atlas sind 60,2 der Bundesbürger in den letzten zwölf Monaten online gewesen. Ein gutes Ergebnis, mag man denken. Doch es sagt nichts über die Intensität und Art der Internetnutzung aus. Auch nicht über generelle Einstellung der Bevölkerung zum World Wide Web. Besonders in den letzten Tagen und Wochen wurde deutlich, dass sich Deutschland genau hier zu einem Problemfall entwickeln könnte.
Online-Aktivitäten umfassen mehr als das Schreiben von E-Mails und das Suchen nach dem Busfahrplan. Gerade die zahlreichen unter dem Begriff Web 2.0 zusammengefassten Dienste eröffnen Nutzern neue Möglichkeiten zur Interaktion, Kommunikation, Problemlösung und Erleichterung des Alltags. Erschreckend viele Bundesbürger zeigen jedoch wenig oder kein Interesse an den neuen Angeboten, manch einer tut sein Desinteresse und seine Ablehnung auch ohne Scham in aller Öffentlichkeit Kund. » weiterlesen
In meinem Beitrag “Digitale Spaltung: Wenn der Begriff «Blog» für fragende Blicke sorgt” vom 30. April hatte ich erwähnt, dass viele der heutigen “Offliner” durch die Massenmedien nahezu abgeschreckt werden, das Internet zu nutzen. Für jemanden, der sich noch nie mit den Vorteilen des Webs auseinander gesetzt hat, besteht dies Dank einer häufig einseitigen Berichterstattung der klassischen Medien hauptsächlich aus Viren, Killer-Spielern und Internet-Piraten. Und seit heute vermutlich auch noch aus Pädophilen. Die ARD deckte in ihrem “Report Mainz” um 21:45 die pädophilen Umtriebe von einigen Nutzern in Second Life auf. Zwei Filmautoren des Magazins haben offenbar mehrere Wochen lang (!) investigativ im virtuellen Raum recherchiert und sind dabei auf diese Vorgänge gestoßen (siehe Welt Online).
So verurteilenswert und menschenverachtend diese Vorfälle sind, so fragwürdig ist, ob man dies wirklich als “große Story” einem Mainstream-Millionenpublikum vorsetzen muss. Es ist anzunehmen, dass der größte Teil der Zuschauer weder Second Life selbst ausprobiert hat noch genau wiedergeben kann, was das überhaupt ist. Das wird sich nun natürlich ändern. Ich bezweifle allerdings, dass ein unnötiger Bericht wie dieser zu einer positiveren Einstellung der Generation Web 0.0 zur digitalen Welt führen wird. Davon abgesehen muss man sich die Frage stellen, inwieweit mehrwöchige “Recherchen” eines öffentlich rechtlichen Politmagazins im nach wie vor sehr bevölkerungsarmen Second Life gerechtfertig sind. Woanders nennt man das wohl “Spielen am Arbeitsplatz”.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.