Zu Gast in Jon Stewarts “The Daily Show”: Der ehemalige CNN-Chef und leitende Time-Redakteur Walter Isaacson bereut, dass im Internet News kostenlos sind und plädiert für Micropayment.
Walter Isaacson will die Zeitung retten, damit Medien wie die New York Times auch künftig Reporter nach Bagdad schicken können. Wie das funktionieren soll, nämlich über Micropayment für Texte im Internet, so wie es iTunes mit seinen 99-Cent-Musikstücken vormacht, hat er im Time-Magazin erklärt. Jetzt war er zu Gast in der “The Daily Show”, einer amerikanischen Comedy-Sendung, die oft mit politischen und erfrischend direkten Interviews überrascht.
So geht das mit dem “social web”: Der Nachrichtensender CNN zeigt auf seiner Seite nicht einfach nur den Livestream von Barack Obamas Amtseinführung, sondern daneben in Echtzeit, was Facebook-Nutzer dazu zu sagen haben. So wird die Fernsehübertragung zum Mitmachereignis. Das besondere daran: Es sind keine anonymen Kommentare, sondern die Nachrichten von Facebook-Nutzern – überwiegend richtige Namen aus einem der größten und bekanntesten sozialen Netzwerke überhaupt.
Der Texaner Ron Paul ist der republikanische Aussenseiter im US-Wahlkampf. Der Kriegsgegner wird von den Medien systematisch totgeschwiegen – und vom Publikum favorisiert.
Er ist gegen eine Rolle der USA als Weltpolizei, er hat gegen den Krieg gestimmt, er sieht die Gründe für 9/11 nicht im Kampf der Kulturen, sondern in der amerikanischen Aussenpolitik, und ob Schwule in der Armee akzeptiert werden müssten, diese Frage stelle sich für ihn gar nicht: Laut Verfassung müssten alle Menschen die gleichen Rechte haben – Punkt. Der Texaner Ron Paul ist der Querschläger unter den republikanischen Präsidentschaftsanwärtern. Die Partei und Fox News bezeichnen ihn als verkappten Demokraten, das Publikum sieht in ihm den Gewinner der 1. und der 2. Debatte der konservativen Anwärter auf die Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2008.
Vor allem aber wird Paul von einigen Massenmedien anscheinend systematisch totgeschwiegen. Nach ABC und Murdochs MySpace hat jetzt auch die TV-Kette CNN Hunderte von Kommentaren für den unbequemen Kongressabgeordneten einfach gelöscht – weil offenbar der Redaktion die Publikums-Abstimmung nicht in den Kram passte.
Musterbeispiel amerikanischen TV-Journalismus’: Zwei Sätze Information in vier Minuten Beitrag
Darüber bin ich im Zug einer Recherche über das JetSet-Social-Network asmallworld.net gestolpert: CNN-Bericht über das Netzwerk. Es berichtet Xeni Jardin, die auch in Wired schreibt – und dort bisweilen durchaus was zu sagen hat. Hier labert sie vier Minuten lang. Die Information, die dabei vermittelt wird, reicht zwei Sätze lang:
Es gibt im Internet ein exklusives Socialnetwork für Promis. Anmelden kann sich nur, wer von einem gestandenen Mitglied eingeladen wird.
Uns das mitzuteilen, dafür benötigen die beiden Frauen vier Minuten und vier Sekunden. Aber immerhin sind sie nett anzuschaun, oder nicht?
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.
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