Thema: Bürgerjournalismus

 

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Bloggen aus Istanbul:
Der bittere Geschmack der Selbstzensur

Die Türkei gilt als besonders unwirtlicher Ort für Journalisten. Korrespondenten und Blogger, die dieser Tage über die Proteste berichten, müssen ständig auf der Hut sein.

TürkeiAls ich am Freitag nach acht Tagen in Istanbul dem Passcounter am Attatürk-Flughafen näher kam, hatte ich ein mulmiges, aber auch gespanntes Gefühl. Komme ich ohne Weiteres durch die Passkontrolle? Oder würde mich der türkische Beamte nach einer Musterung und längeren Blicken auf den Bildschirm in einen kleinen Raum führen und mir dort Fragen stellen? Um für dieses Szenario nicht gänzlich unvorbereitet zu sein, hatte ich mit einer Freundin in Istanbul eine Nachricht vereinbart, die ich ihr schnell schicken würde, falls ich Probleme bei der Passkontrolle hätte. Sie wüsste dann, wen sie anrufen müsste.

Doch alles lief reibungslos. Im Nachhinein erscheinen mir meine Bedenken natürlich völlig übertrieben. Immerhin hatte ich nur eine kleine Zahl an die Situation rund um den Taksim-Platz beschreibenden und das Vorgehen der türkischen Polizei kritisierenden Tweets sowie wenige Fotos und Videos publiziert und einen deutschsprachigen Beitrag über die netztechnische Aspekte der derzeitigen Proteste publiziert. Andererseits wurden im Zuge der seit mehr als zwei Wochen andauernden regierungskritischen Proteste Dutzende Twitter-Nutzer wegen “irreführender und beleidigender Informationen” in der Türkei festgenommen. Es wären deutlich mehr gewesen, hätte der Microbloggingdienst dem Anliegen der Sicherheitsbehörden entsprochen, Nutzerdaten herauszugeben. » weiterlesen

Verifizierung von User Generated Content:
Sandy zeigt, was Journalismus
künftig leisten muss

Der Wirbelsturm Sandy hat die Ostküste der USA mit Wasser und das Netz mit Augenzeugenberichten und teilweise atemberaubenden Fotos aus dem Katastrophengebiet überschwemmt – doch nicht alle davon entsprachen der Wirklichkeit. In der Verifizierung von nutzergenerierten Inhalten und “Bürgerjournalismus2 liegt enormes Potenzial.

Während Millionen US-Amerikaner im Zuge des Wirbelsturms Sandy vor allem damit beschäftigt waren, ihre Angehörigen vor der Naturgewalt in Sicherheit zu bringen, führte Sandy uns Europäern eine ganz andere, im Vergleich mit den direkt Betroffenen zwar harmlose, aber dennoch relevante Problematik vor Augen: Desinformation durch nachbearbeitete oder alte, als aktuell deklarierte Fotos.

Allein bei Instagram wurden während des Rekordunwetters bis zu 600 mit dem Hashtag #sandy versehene Bilder pro Minute hochgeladen, hinzu kamen Schnappschüsse, die per Facebook, Twitter oder über andere Kanäle an die Öffentlichkeit drangen. Je kurioser oder spektakulärer eine Aufnahme wirkte, desto größer war die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich in Windeseile im Netz verbreitete. Wie etwa das atemberaubende Foto einer spiralenförmigen Wolkenwand, die sich der Freiheitsstatue nähert. Facebook-Nutzer Jason Otts veröffentlichte die Aufnahme in seiner Chronik. Bis zum Mittwochmorgen wurde sie 631.000 Mal von anderen Facebook-Mitgliedern auf ihren Profilen publiziert. Doch schnell stellte sich heraus: Der Schnappschuss ist eine Collage und hat keinerlei Bezug zum Wirbelsturm Sandy. In den Kommentaren zu seinem Foto erklärte Otts, er hätte das Bild von einer Freundin per SMS zugeschickt bekommen, die es von einer anderen Freundin direkt aus New York erhalten habe. Ob dies stimmt und er tatsächlich nicht wusste, dass es sich um eine Fälschung handelt, oder ob er einfach ausprobieren wollte, inwieweit seine 1139 Facebook-Kontakte sich mit einem selbstgebastelten Augenzeugendokument an der Nase herumführen lassen würden, weiß nur er. » weiterlesen

Wenn Augenzeugen-Aufnahmen im Netz landen:
Das Ende der geschminkten Wirklichkeit

Als es am Freitag vor dem Empire State Building zu einer Schießerei kam, landeten mit Mobiltelefonen geschossene Aufnahmen der Opfer schnell im Netz. Der zunehmende Bürgerjournalismus zwingt uns dazu, unseren Wunsch nach einer bereinigten, leicht bekömmlichen Darstellung der Wirklichkeit zu hinterfragen.

Hinweis: Einige der im ersten Absatz verlinkten Seiten enthalten von Augenzeugen gemachte Aufnahmen der Opfer des Schusswechsels am Empire State Building. 

Am Freitagmorgen erschoss ein Mann beim Empire State Building in New York einen ehemaligen Kollegen. Anschließend wurde er von der Polizei getötet. Ein tragisches Ereignis, aber leider kein Einzelfall. Berichte über Schießereien, Amokläufe und andere körperliche Attacken sind fast täglich in der Presse zu lesen. Doch in einem Punkt hebt sich der Vorfall von anderen dieser Sorte ab: Kurze Zeit nach dem Schusswechsel landeten Fotos der Leichen bei Twitter – aufgenommen von Augenzeuge @yoassman mit dem Mobiltelefon – sowie Instagram. Ein andere Anwesender, Sam Gerwitz, befand sich zum Zeitpunkt der Tat im Empire State Building und nahm kurz darauf mit seinem iPhone ein Foto des Opfers auf. Er publizierte es nicht selbst, sondern übersandte es an die New York Times, welche das Bild für kurze Zeit auf der Startseite platzierte und anschließend nach Leser-Beschwerden in eine Bildergallerie abschob. Gerwitz erklärte später, die 300 Dollar Honorar spenden zu wollen.

Neu ist die Erkenntnis nicht, dass im Smartphone-Zeitalter jeder Mensch spontan in die Rolle des Bürgerjournalisten schlüpfen und in Text und Bild einen Lagebericht abgeben kann, noch bevor offizielle Reporter am Ort des Geschehens eingetroffen sind. Doch das Ereignis vom Freitag beleuchtet in diesem Kontext einen Aspekt, der bisher nur wenig Aufmerksamkeit erhielt: Plötzlich erhält die Allgemeinheit einen Blick auf die ungeschminkte und mitunter grausame Wahrheit. Denn die meisten Pressevertreter verzichteten bisher auf die Veröffentlichung von Bildern und Videos, die Opfer von Gewalttaten darstellten. Zum einen aus ethischen Gründen, und zum anderen, weil derartiges Material nur schwer zugänglich war. Zum Zeitpunkt, als erste Berichterstatter an einem Tatort angelangt waren, hatten die Polizei und Rettungskräfte das Gelände bereits weiträumig abgesperrt.

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Linkwertig:
Zeitgeist, Kostenloskultur, Timeline, Hangouts

Zeitgeist
So hat die Welt gesucht: Google hat den Zeitgeist des Jahres auf Basis der Suchanfragen extrahiert und in einer Fülle an Listen und Grafiken visualisiert.

» Zeitgeist 2011

 

Paid Content
Schönes Beispiel für die latente Bezahlbereitschaft für Inhalte, wenn man es richtig anstellt:

das heisst obwohl, oder besser weil [Louis C.K.] seinen film ohne kundenverarschung und technischen nutzungsbehinderungen die man gemeinhin DRM nennt verkauft und es sicherlich ein leichtes wäre sich auch mühlos eine kostenlose kopie zu besorgen, waren über 110tausend leute bereit, fünf dollar zu bezahlen.

» kostenloskultur

 

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Bürgerjournalismus:
tvype startet Marktplatz
für Hobbyreporter

Das Berliner Startup tvype hat einen Marktplatz für nachrichtenrelevante Videos und Fotos gestartet. Bürgerreporter können Bilder und Clips an Redaktionen verkaufen.

Heutzutage geschieht fast kein Ereignis, ohne dass es nicht mit einer Kamera festgehalten wird. Egal ob Vorfälle von globaler oder lokaler Bedeutung, egal ob peinliche Ausrutscher oder bewusste Inszenierungen, egal ob Prominenz oder Privatperson – dank ominipräsenter Handykameras werden aus Augenzeugen immer häufiger Amateur-Reporter, und landen Bilder sowie Videos innerhalb kürzester Zeit bei YouTube, Flickr, Facebook oder Twitter.

tvype ist ein Berliner Startup, das am Dienstag mit einem Marktplatz für nachrichtenrelevante Videos und Fotos online ging. Bei tvype können Nutzer Schnappschüsse und Clips hochladen, von denen sie der Ansicht sind, dass Nachrichtenredaktionen (Print, TV, Online) an diesen Interesse haben könnten.

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Flugzeugabsturz:
Journalismus mit Twitter und Co.

Heute in der Zeitung, vorgestern im Internet: Das “Wunder vom Hudson” zeigt, wie souverän Online-Medien mittlerweile mit Bürgerjournalismus umgehen und Tageszeitungen Konkurrenz machen.

Da ist ein Flugzeug im Hudson. Ich bin auf der Fähre, die die Leute aufnehmen wird. Verrückt.
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YouTube:
Wir können auch ernst

Das Sammelbecken für obskure Kurzvideos, Werbeclips und Raubkopien startet einen Journalismus-Wettbewerb für bisher nicht erzählte Geschichten.

Die Leserreporter sind wieder da: Während man bei der Bild-Zeitung erst noch plant, hunderte billige Videokameras unters Volk streuen will (auf dass sich die Leute gegenseitig denunzieren und verarschen), startet heute auf Googles Videoportal YouTube ein Journalismus-Wettbewerb. Dort, wo sonst ferngesteuerte Autos mit aufgeklebten Dartpfeilen in sitzende Menschen gesteuert werden, Katzen auf Hunden tanzen und virale Werbung die Hirne infiziert.

Denn natürlich ist YouTube auch eine Plattform für emanzipierten Bürgerfunk, für Graswurzel-Medien, für unabhängige und freie Berichterstattung – und nicht nur ein Sammelbecken von urheberrechtlich geschützten Clips, die widerrechtlich verbreitet werden. Nun also der Wettbewerb “Project: Report” für angehende Journalisten und Hobby-Filmer, damit das nicht vollkommen in Vergessenheit gerät:

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