Als Basic Thinking seinen RSS-Feeds kürzte, probte die Leserschaft den Aufstand – ein Beispiel von vielen für das fehlende Verständnis für Kommerzialisierung in Teilen der deutschen Blogosphäre und Gesellschaft?
Das Blog Basic Thinking hatte vor einigen Wochen bekannt gegeben, im RSS-Feed nur noch den Anfang eines jeden Artikels zu präsentieren. Der Grund: Durch erwartete zusätzliche Seitenaufrufe sollen die Einnahmen aus Onlinewerbung erhöht werden – mit der Vermarktung des RSS-Feeds war das Basic-Thinking-Team offenbar nicht zufrieden.
Die Reaktionen in den Kommentaren waren zwar gemischt, aber mit einer Tendenz zu Androhungen von Lesern, Basic Thinking nun aus dem RSS-Reader zu entfernen. Der ein oder andere sah den Schritt zwar weniger kritisch, ließ jedoch verlautbaren, ohnehin Software zum Blockieren von Werbung einzusetzen, weshalb der Nutzen für Basic Thinking gering sei.
Die Diskussion über Full- oder Teaser-Lösungen bei RSS-Feeds sowie über Werbeblocker ist ungefähr so alt wie die Blogosphäre selbst und bis heute eine Frage, an der sich die Geister scheiden. Aber egal welche Einstellung man nun dazu hat, so legte die Reaktionen mancher Basic-Thinking-Leser die Vermutung nahe, dass es in Teilen der deutschen Blogosphäre Gesellschaft ein fehlendes Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge und teilweise auch für gewinnorientiertes Handeln gibt. » weiterlesen
Empfehlungen
Kathrin Passig über Empfehlungssysteme und die Unfruchtbarkeit des damit verbundenen Diskurses.
Die Idee des »Besten«, das man nur korrekt zu identifizieren bräuchte, hält sich hartnäckig. Verkaufscharts beruhen darauf, dass es bis vor kurzem keine Möglichkeit gab, etwas anderes zu messen als die Anzahl der verkauften Bücher, CDs oder Kinotickets. Das war noch nie eine besonders gute Idee, schließlich weiß der Käufer bei vielen Produkten zum Kaufzeitpunkt wenig bis gar nichts über deren Qualität.
Google Editions
Google wird in einigen Wochen einen E-Book-Store namens Google Editions lancieren. Auch Buchhandlungen und unabhängige Verkäufer werden Bücher vertreiben können.
Instant Personalization
GigaOM nimmt Facebooks umstrittenes Feature ‘Instant Personalization’ unter die Lupe. Derzeit sind es drei Partner, die neuen Besuchern ungefragt ein stark personalisiertes Angebot offerieren können.
Xing
Premium-Mitglieder von Xing bekommen jetzt den Inhalt von Nachrichten anderer Mitglieder in der Benachrichtigungs-E-Mail zugestellt. Alle anderen werden weiterhin geärgert.
HTML5
Google lässt die proprietäre Browsererweiterung Google Gears (mit der Webdienste auch offline verfügbar waren) auslaufen und setzt fortan auf HTML5.
Twitter
Twitters @anywhere-Plattform ist jetzt öffentlich gestartet. Twitter kann damit auf verschiedenste Arten in bestehende Angebote integriert werden.
Der achte Kontinent
Die Keynote von Peter Glaser auf der re:publica zum Nachlesen:
Das Netz ist nicht einfach ein großer Automat, aus dem man Texte und Bilder zieht oder in den man welche einfüllt. Das Netz lebt, wir sind es selbst. Und was seine Individuen von diesem bewegten Zustand zu berichten haben, fließt in den Nachrichtenstrom der Twitter-Telegramme und Facebook-Statusmeldungen. Ähnlich wie vor 7000 Jahren im Anbeginn der geschriebenen Geschichte läßt die Echtzeit-Ethnie sich heute am Ufer eines großen Flusses nieder, des Livestreams.
Xing
Xing bringt einige Verbesserungen an den Start.
Allen Mitgliedern kommt eine deutlich übersichtlichere Suche zu Gute.
…
Zudem können auch Basismitglieder ab sofort die beliebten Statusnachrichten editieren und somit etwa über Messe-Teilnahmen, freie Kapazitäten für Aufträge oder aktuelle Projekte informieren.
Replay
Endlich besinnt sich Google seiner Stärken und integriert Twitter auf eine nützliche Art. Seit gestern können Tweets nach bestimmten Themen auf einer Timeline auch einige Monate zurückverfolgt werden.
Die Nonprofit-Projekte Wikipedia und WikiLeaks erfüllen eine immens wichtige Funktion im Netz: Sie hauchen der Vision einer gerechteren und demokratischeren Welt im Web Leben ein. Gleichzeitig stehen sie vor einem immanenten Finanzierungsproblem.
Nonprofit-Projekte wie Wikipedia und WikiLeaks bieten Millionen von Menschen ungehinderten Zugang zu Informationen und stellen mitunter Herrschaftswissen in Frage, wie gerade das Beispiel des veröffentlichten Irak-Videos zeigt. Doch für den Betrieb derartiger Plattformen braucht es mehr als Peanuts.
Erstens stellen sie Content bereit und leiden somit unter dem allgemeinen Finanzierungsproblem für Inhalte im Netz. Zweitens haben sie einen anti-kommerziellen, humanistischen Anspruch, so dass Erlösformen wie Werbung und Bezahlschranken von vorn herein ausscheiden. Drittens stehen beide vor dem Dilemma öffentlicher Güter. » weiterlesen
Das Netz macht Menschen transparenter denn je, mit negativen und positiven Folgen. Noch nie war es leichter, die Vertrauenswürdigkeit von Wildfremden zu beurteilen.
Am 16. März gab Blogger und Journalist Konstantin Winkler bei Twitter bekannt, dass er sein Ticket für die diesjährige re:publica verkauft. re:publica ist eine der größten Konferenzen in Deutschland rund um Blogs, das Social Web und die Digitalisierung. Sie findet vom 14. bis 16. April in Berlin statt.
Konstantins Tweet lies mich aufhorchen, denn ich hatte mir vorgenommen, dieses Jahr auch zur re:publica zu fahren. Die günstigsten Tickets waren jedoch schon ausverkauft, und so dachte ich mir, warum nicht 20 Euro sparen, indem ich Konstantin sein rabattiertes Blogger-Ticket abkaufe?!
Also schaute ich auf seinem Twitter-Profil nach, fand dort die die URL seiner Website und auf dieser dann seine E-Mail-Adresse. Ich nahm per Mail Kontakt mit ihm auf, signalisierte mein Interesse, er antwortete mit seinen Kontodaten, woraufhin ich ihm das Geld überwies. Nach dessen Eingang erhielt ich von Konstantin das PDF-Ticket für die re:publica.
Und warum erzähle ich das? Konstantin und ich haben, soweit ich mich erinnere, noch nie ein Wort miteinander gewechselt – weder persönlich noch digital. Wir kannten uns also nicht – und doch herrschte ein gewisses Vertrauensverhältnis zwischen uns: Denn wir folgen einander schon seit einiger Zeit bei Twitter. Wahrscheinlich länger als ein Jahr.
Die Kulturflatrate, eine zentral eingesammelte und an Rechteinhaber ausgeschüttete Pauschalabgabe auf online verteilte Kulturgüter, wird zunehmend auch von Parteien und Vertretern der Contentindustrie diskutiert und immer öfter befürwortet. Wir führen Argumente für und gegen das Flatrate-Prinzip an.
Vor einigen Tagen war ich auf ego.fm zu einer Sendung zum Thema Kulturflatrate zu hören. Die gesamte Sendung kann man hier anhören. Das Interview mit mir kann man auch hier bei uns herunterladen. Ich hatte vor der Podiumsdiskussion auf der re:publica 09 zum Thema einige Argumente vorbereitet, die leider durch das Abbügeln jeder Diskussion vom Moderator nie angesprochen werden konnten. Im Folgenden werde ich die Argumente für und gegen die Kulturflatrate ausführen.
Ein Hinweis: Der folgende Text ist recht lang. Wer keine Zeit oder Lust hat, ihn komplett zu lesen, kann auch für die wesentlichen Punkte lediglich das Fazit am Ende lesen.
Auffällig ist in letzter Zeit, dass die Debatte rund um die Kulturflatrate an Fahrt aufgenommen hat. So steht neben den Grünen auch die SPD einer Kulturflatrate zumindest nicht ablehnend gegenüber:
Ein Jahr nach Gründung zählt die Arbeitsgemeinschaft Social Media 100 feste Mitglieder. Bei der re:publica’09 haben wir mit drei Vereinsvorständen über den Stand der Dinge gesprochen.
Ich treffe Benedikt Köhler, Richard Joerges und Heiko Ditges im Sonnenschein vor dem Friedrichpalast in Berlin. Sie bilden zusammen mit Maren Heltsche und Jörg Blumtritt den Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Social Media (AGSM). Die drei beantworten mir meine Fragen gemeinsam und einander ergänzend, also ganz “social” im Sinne des Vereins.
Wir sprachen schon vor einem Jahr mit Benedikt Köhler, der damals den Verein initiierte, einen Monat später erfolgte dann die offizielle Gründung als Arbeitsgemeinschaft Social Media.
1. “taz-Text-Korrektur” (mevme.com/lizblog, Lisa Rank)
Lisa Rank schreibt als freie Journalistin einen Text zur re:publica’09 für die taz. Doch dieser wird vom Chef vom Dienst so umgeschrieben, dass er nicht mehr im Sinne der Journalistin ist. In den Kommentaren zur gebloggten Korrektur reagiert der betreffende CvD, Sebastian Heiser (Kommentar 18): “Es war nicht meine Absicht, Lisa dort eine Meinung reinzuschreiben, die nicht ihre ist. Ich habe mich daher bei ihr bereits entschuldigt.”
2. “Kritik an der re:publica ’09″ (praegnanz.de/weblog, Gerrit van Aaken)
“Meines Erachtens braucht die re:publica im nächsten Jahr ein neues Konzept, intensiveres Briefing der Vortragenden und eine gehörige Komplexitätsreduktion. Weniger parallele Veranstaltungen, mehr Fokus auf die Zukunft und bitte nicht immer die gleichen Nasen auf der Bühne. Bitte kein Status Quo mehr, auch das gehört zum Shift!”
3. “dieses diffuse, pauschale rumnörgeln nervt” (wirres.net, Felix Schwenzel)
“ein klassiker unter bloggern ist ja, den journalisten (zu recht) mangelnde recherche, oberflächlichkeit oder die falschen themen vorzuwerfen. selbst zu telefonieren, selbst nachzufragen oder selbst recherchieren, dazu hat aber auch keiner bock. blogger weisen dann gerne darauf hin, dass man ohne presseausweis ja eh nix machen könne als von anderen seiten zu zitieren. was natürlich quark ist wer o-töne haben, mit politikern reden, auf einen parteitag oder in den bundestag will, bekommt das auch so hin — wenn er will.”
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