Maulwurf-Reporterin muss fliehen

Nicht sonderlich raffiniert stellte sich eine Produzentin der Sendung “Dateline” des US-Networks NBC an der Hacker-Konferenz “Defcon” in Las Vegas an: Sie wollte inkognito recherchieren, wurde enttarnt und musste in einer dramatischen Szene fliehen.

So können Karrieren enden: Wer mit wallraff’schen Methoden vorgehen will, sollte sich gut tarnen – und sich vielleicht als Objekt seiner Undercover-Aktion nicht unbedingt die besten Hacker der Welt aussuchen. Sonst kann es sein, dass sich die Kameras ihm zuwenden und er (oder vielmehr sie) zum Gespött der Welt wird.

Michelle Madigan, eine associate Produzentin von NBCs “Aufdeck”-Sendung “Dateline” (berühmt-berüchtigt für Lockvogel-Aktionen mit als Kindern auftretenden Chatteilnehmern, die Pädophile in Häuser locken, wo sie vor laufender Kamera zuerst interviewt und dann verhaftet werden), wollte an der in Las Vegas stattfindenden “Defcon”-Hacker-Konferenz einen Beitrag über die Verbandelung von Regierungsagenten mit der Hackerszene recherchieren.

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Bei Scoop:
Sprachwechsel

Wenn inmitten einer rein schwedischen Webseite ein einziger Artikel auf Englisch publiziert wird, wissen die Leser: Das ist ein internationaler Scoop. Im Mutterhaus IDG hat man begriffen, dass Primeurs in der vorherrschenden Websprache vermarktet werden müssen.

cs1

Die Stockholmer Firma Medison hat mit der Ankündigung eines Notebook-Computers für rund 150$ oder 100? internationales Aufsehen und Skepsis erregt. Am Freitag hat sie mit einer Pressekonferenz nachgedoppelt und dabei kaum Glaubwürdigkeit gewonnen – jedenfalls laut Online-Artikel der schwedischen Zeitschrift “Computer Sweden” (CS). Das wissen wir nicht, weil wir schwedisch verstehen, sondern weil CS den Text als einzigen auf ihrer Webseite auf Englisch publiziert hat – zwischen Schlagzeilen wie “Sex vägar till succé” und “Med storebror i fickan” und ausgestattet mit dem üblichen Kommentarfeld und der Einladung “Senaste Kommentarer
Bli först att tycka till om denna artikel!”.

Das Vorgehen macht durchaus Sinn, zumal anzunehmen ist, dass die Webmaster des Blattes clever genug sind, die Story automatisch nur den Surfern mit ausländischen IP-Adressen auf Englisch anzuzeigen. Bezeichnenderweise führt die Geschichte die Hitliste der “Mest läst just nu”-Artikel an:

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Neues von weblin

weblinDie Betreiber der Avatar-Community weblin haben derzeit vermutlich allen Grund, gut gelaunt zu sein. So hat das Hamburger Unternehmen nicht nur bereits verschiedene Preise wie etwa den “Innovationspreis Web 2.0” einheimsen können, sondern wurde unlängst auch von CNN zu einem der weltweit interessantesten Startups gekürt, welches nicht aus den USA stammt (zweinull.cc berichtete). Darüber hinaus ist das Unternehmen noch für den Digital Lifestyle Award in der Kategorie “Innovation” nominiert.
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Macht Google Videos bald nach deren Inhalt durchsuchbar?

Heises Technology Review veröffentlichte heute ein interessantes Interview mit Peter Norvig, seines Zeichens Experte auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz und Leiter der Google-Forschungsabteilung. Im Interview ist zu lesen, dass Google derzeit an einer Technologie arbeitet, um den Inhalt von Videos anhand von Spracherkennung indizier- und durchsuchbar machen zu können. » weiterlesen

Symbolbild Erzfeind

Gibt es einen Grund, dass das Online-Portal der Neuen Zürcher Zeitung zur Veranschaulichung einer Champions-League-Auslosung des Zürcher Fussballclubs FC Zürich einen jubelnden Spieler im Trikot des Erzfeindes FC Basel zeigt?

NZZ Basel Zürich

Ja, den gibt es:

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Blick Online und die Erotik

Blick.ch macht täglich ein Foto aus seinem als redaktionellen Inhalt getarnten, aber von einem Fremdanbieter erstellten Erotikportal und pappt es auf die Hauptseite.

Wir schrieben bereits im Januar über die Online-Girls von blick.ch. Geändert hat sich seitdem nicht viel – die auf der Seitenleiste rechts täglich wechselnden Bilder von Frauen sind ästhetisch, naja, diskussionswürdig.

Um einen Eindruck davon zu kriegen, haben wir von einigen der Bilder in den letzten zwei Monaten Screenshots gemacht. Die Auswahl ist zufällig:

11.06.2007 Online Girl 2007 06 11

12.06.2007 Online Girl 2007 06 12

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Mysteriöse Veränderungen bei Webnews

webnews.gifAb und zu stellen wir einen neuen Beiträg von zweinull.cc bei Webnews ein. Webnews gilt neben YiGG als die größte deutsche Social-News-Plattform. Die Nutzer verlinken zu Nachrichten- und Blogeinträgen, die dann von anderen Usern bewertet werden können. Meldungen mit vielen Bewertungen gelangen auf die Startseite. In letzter Zeit fügten wir nur wenige Artikel von zweinull.cc bei Webnews hinzu, da sich der positive Effekt auf die Besucherzahlen in Grenzen hielt. Gestern wollte ich es dann mal wieder probieren und trug Michaels Posting “Die 31 besten nicht aus den USA stammenden Web-2.0-Anwendungen” bei Webnews ein. Kurze Zeit später stellte ich fest, dass die Uhren dort plötzlich anders ticken als bisher. » weiterlesen

20 Minuten erfindet neue Orte

Maisfeld bei Neuenfeld? Neuenfelder Mord? Tötungsdelikt am Libanesen in Neuenfeld? Die Fantasie des Online-Portals der Gratiszeitung 20 Minuten blüht.

Neuenfeld Neuenhof Verbrecher der Schweiz

Es gibt verschiedene Arten, wie man zu Bildstrecken, in denen “Switzerland’s Most Wanted” präsentiert werden (und immer mal wieder von einer Werbung für Mobiltelefonabos unterbrochen werden), stehen kann.

Aber es gibt im Kanton Aargau, der heute Gastkanton ist hier in Berlin, nur ein Neuenhof. Und kein Neuenfeld. Ein Neuenfeld gibt es in der ganzen Schweiz keines. Dennoch kann man auf 20min.ch in den Bildstrecken-Unterzeilen mehrmals von diesem ominösen Ort lesen:

Neuenfeld 1

Neuenfeld 2

Neuenfeld 4

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Sennhausers Filmereien

Irgendwie kommt der Film in der Blogosphäre viel zu kurz. Deswegen ausnahmsweise mal ein bisschen Vettern- (oder viel mehr Brüdern-) Wirtschaft. Aus aktuellem Anlass: Im Tessin geht grade das internationale Filmfestival von Locarno über die Leinwände.

Mein cineastisch geschädigter Bruder Michael (nein, das auf dem Bild ist jemand anders, der sich verkleidet hat – © Warner Bros), der beim Schweizer Radio DRS seinen Lebensunterhalt mit dem verdient, was er seit dem achten Geburtstag am meisten getan hat – im Kino zu sitzen -, hat ein Filmblog lanciert.

Hier gibt’s nicht nur Besprechungen von neuen Hollywoodschwarten und Indie-Fundstücken, sondern auch Nachrufe auf Ingmar Bergman, Michaelangelo Antonioni, Stücke aus der Schweizer Filmpolitik oder ganz einfach Geschmacklosigkeiten eines Korrespondenten am Festival von Cannes (am Mittelmeer? Du meine Güte). Oder Ankündigungen kommender Web-Link-Wellen.

Immer wieder stecken auch Audioschnipsel in den Blogeinträgen – immerhin wird hier das visuelle Medium Film von einem Mitarbeiter eines Audio-Mediums behandelt. Und wer’s gleich ganz ohne Buchstaben (allerdings in Hochdeutsch versetzt mit Schwyyzertüütsch) haben will, kann sich den Filmpodcast von DRS runterziehen.

Sennhausers Filmblog
Filmpodcast von Radio DRS

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Der vermutlich wahre Grund, warum Murdoch Dow Jones kaufen will

Medienmogul Rupert Murdoch steht kurz vor einem Deal mit Dow Jones, der Muttergesellschaft des renommierten Wall Street Journal. Wenn alles klappt, wird Murdochs Firma News Corp. Dow Jones für $5 Mia. übernehmen.

In den USA machte dieser Deal schon seit Monaten Schlagzeilen, da die Eignerfamilie Bancroft sich immer noch windet, die traditionsreiche Firma an den umstrittenen Medienmogul zu verkaufen. Vor allem aber war das Interesse der Medien wohl so gross, weil von den meisten Journalisten befürchtet wird, dass das angesehene Wall Street Journal seine journalistische Eigenständigkeit verlieren könnte. Murdoch als Eigner der rechtsgerichteten Fernsehkette Fox hat diesbezüglich nicht gerade den besten Ruf und steht oft im Verdacht, seine Medienunternehmen für seine eigenen politischen Präferenzen einzuspannen. Und jetzt, so die Mutmassung, nutzt er die Gunst der Stunde, um einen der angeschlagenen Zeitungskonzerne zu übernehmen und für seine Zwecke zu nutzen.

Doch diese Analyse greift wesentlich zu kurz. Erstens ist Murdoch bereit, einen sehr anständigen Preis zu bezahlen, denn vor einigen Wochen war Dow Jones nur gut die Hälfte dessen wert, was Murdoch jetzt auf den Tisch legen würde. Von Notverkauf kann also keineswegs die Rede sein. Zweitens sieht man, wenn man sich mal die Finanzdaten von Dow Jones genauer anschaut, sehr schnell, dass die Firma ihr Geld schon lange nicht mehr mit bedrucktem Zeitungspapier verdient.

Nein, der Löwenanteil der Gewinne von Dow Jones kommt aus dem Segment “Enterprise Media”, das sind Informationsdienste für Firmen, primär in der Finanzbranche. Dort macht das Unternehmen mehr als 100 seiner $150 Mio. operativen Gewinn. Und diese Profi-Medien sind heute natürlich praktisch alle digital.

Ausserdem ist das Wall Street Journal weit und breit die grösste Erfolgsgeschichte für ein erfolgreiches Online-Abomodell. 811’000 Abonnenten zahlen je $99 Abogebühren im Jahr für den Zugang zu wsj.com. Dow Jones sagt zwar nicht, welcher Anteil der Gewinne der Zeitungssparte schon aus dem Online-Geschäft kommt, aber unbeträchtlich ist diese Quote sicher nicht.

Murdoch ist dafür bekannt, für seine Akquisitionen scheinbar hohe Preise zu bezahlen, die sich später als Schnäppchen herausstellen. Als er sich für gut $500 Mio. vor zwei Jahren MySpace kaufte, hielten ihn alle für verrückt. Aber als er diesen Kauf schon kurz später durch einen Riesendeal mit Google amortisierte, verstummten die Kritiker. Und heute halten die meisten Insider die MySpace-Akquisition für den Gelegenheitskauf des Jahrzehnts.

Gut möglich, dass das auch bei Dow Jones und dem Wall Street Journal ähnlich herauskommen wird. Murdoch kauft sich damit eine Firma, die in den digitalen Medien für den lukrativen Finanzsektor exzellent positioniert ist. Dass er damit auch noch eine prestigeträchtige Zeitung mit dazu bekommt, stört sicher nicht. Aber warum sollte er den Wert der Marke Wall Street Journal durch Eingriffe in die journalistische Unabhängigkeit beeinträchtigen? Murdoch ist zunächst Geschäftsmann, und erst dann Ideologe. Und vor allem hat er ein exzellentes Gespür für gute Gelegenheiten.

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