Doll gefeuert

Das titelt die Bild-Zeitung heute (für die unkundigen Leser: Es geht um Fussball). Wie Bild zu dieser Information kommt, ist unklar. Es steht da:

Nach Abpfiff tagen Vorstand und Aufsichtsrat. Dolls letzte Worte zu den Journalisten: ?Wir sehen uns morgen.” Da wusste er bereits, dass er weg ist. Noch offen ist, wer sein Nachfolger wird.

Wie spiegel.de schreibt, soll sich neben der Bild-Zeitung einzig der NDR ebenfalls auf eigene Quellen berufen. Bei ndr.de ist aber nicht viel mehr zu lesen:

Der Vorstand des Hamburger SV will heute offiziell die Trennung von Trainer Thomas Doll bekannt geben. Nach Informationen von NDR 90,3 fiel die entsprechende Entscheidung in der vergangenen Nacht.

Auch hier ist nicht klar, wer wann was zu wem gesagt hat. Kein Zitat kann angegeben werden, keine Quelle. Folglich: Niemand hat nichts zu niemandem gesagt.

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Windows-Vista-Launch:
War da was?

Seit vorgestern ist jetzt also Windows Vista auf dem Markt. Und wenn Microsoft nicht $500 Mio. für die Marketingkampagne ausgegeben hätte, wäre das in der Öffentlichkeit wohl kaum der Rede wert. Obwohl das neue OS zumindest in allen Medienkanälen mal erwähnt wurde (was durchaus gerechtfertigt ist, schliesslich geht es um ein Produkt, mit dessen Vorgänger ein grosser Teil der Bevölkerung den Arbeitstag verbringt), ist dieser eigentlich lang erwartete Release doch verblüffend unaufgeregt zur Kenntnis genommen worden.

Kein Vergleich mit dem Launch von Windows 95 vor 12 Jahren. Da bildeten sich noch lange Schlangen vor den Computerläden, weil jeder der erste sein wollte, der das damals ziemlich revolutionäre neue Betriebssystem ausprobieren konnte. » weiterlesen

Hugo Stamm und seine Leser

Wenn die Popularität eines Blogs mit der Anzahl von Kommentaren zu Blogbeiträgen gemessen wird, dann ist das eher unscheinbare und unbekannte Blog von Hugo Stamm auf den Seiten des Tages-Anzeigers wahrscheinlich eines der wichtigsten Blogs im deutschsprachigen Raum. Jeder Beitrag erntet 200-300 Kommentare, die kein Spam sind (jedenfalls nicht im klassischen Sinn). Hugo Stamm ist Redaktor der Zeitung und der bekannteste Sektenexperte in der Schweiz.

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Scarlett im Märchenland

Blick Online Aufmacher am 29.01.2006, 16 Uhr:

Blick Scarlett

Heute Online Aufmacher am 29.01.2006, 16 Uhr:

heute Scarlett

Die beiden Printprodukte sind übrigens aus dem gleichen Verlag, Ringier. Die Annahme, dass zwei Produkte zwingend mehr Vielfalt mit sich bringen als eines, ist hiermit widerlegt.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Sexy Links im Blick

Blick Sex

Das ist ein Ausschnitt von Blick Online, dem Onlineportal der stärksten Schweizer Zeitung. Über Geschmack lässt sich streiten oder auch nicht, aber dass die Leser ausgerechnet von einer Frau vor einer fleischfarbenen Tapete zum hauseigenen Erotikportal (“Ressort Erotik“) geführt werden, ist nur schwer nachvollziehbar. Der Finger auf der Zunge weckt bei mir ausserdem nur Assoziationen, die nichts mit Erotik zu tun haben. Nach dem Banner für den Swissair-Prozess der nächste Hammer: Ein Link zu einem exklusiven Making-Of-Video mit der Schweizer Top-Tennisspielerin Patty Schnyder.

Wer auch immer das anzieht, als Mann bin ich davon nicht betroffen. Die Zielgruppe Frau kann auch nicht gemeint sein. Für wer also sind diese Links? Vielleicht bin ich nostalgisch, aber in solchen Momenten wünsche ich mir die abgeschafften Seite-3-Girls zurück. Von mir aus auch politisch korrekt abgewechselt mit Seite-3-Boys.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Klaus Schwab stellt die Avatar-Frage

An der Focus-Party am World Economic Forum trifft Jeff Jarvis von buzzmachine.com auf einen aufgedrehten Hubert Burda, der allen “the greatest beauty Germany ever created” Claudia Schiffer vorstellt. Dann hält WEF-Gründer und Organisator Klaus Schwab eine kultverdächtige Ansprache an die Medien. Das ganze Video hier auf youtube.com.

Er sagt (soweit ich das verstanden habe – Berichtigungen erwünscht):

You are from the media and so many people from the media are here. So I really want to know whether you have captured the spirit of Davos changing power equation in the Web 2.0-world. Who of you has his avatar? Raise your hands – and the others go out. Because you are not ready for what we are doing in Davos. And if you don’t know what an avatar is – ask my wife. I have to tell you: She was rigorously opposed to me to create my avatar in Second Life. You may go to Second Life to see me. So I created my avatar. I got a call from her. She said: “I want to have also an avatar.” – So I said: “Why?”. She said: “I just looked at your avatar and you look 20 years younger. So I want also to have one.”

Auf flickr.com im Vergleich: Klaus Schwab als Avatar und in echt.

(via buzzmachine)

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Avastar Island Second Life Screenshots

Nachdem ich im Dezember 2006 bei der Second-Life-Niederlassung von Reuters ein paar Fotos gemacht habe, besuchte ich nun das aus mehreren Kugeln bestehende Hauptgebäude auf der Avastar-Insel. Für alle, die es nicht wissen: Der Avastar ist die (bisher noch) gratis auf PDF erscheinende grösste Zeitung im virtuellen Raum des Internet-Computerspiels Second Life. Sie schreibt ausschliesslich über das Geschehen in dieser Parallelwelt. Das Ziel der aus dem Haus Axel Springer (Bild-Zeitung) stammenden Publikation ist, nicht überraschend, Anzeigen zu verkaufen und später Einkünfte durch Einzelverkäufe oder Abonennten zu generieren.

Die aktuelle Ausgabe (#6) widmet sich dem Einfall der Brands und fragt sich, wohin das SL führen wird. Es geht um Proteste gegen das WEF, um den Gewinn eines Dates, das 2000 Linden-$ wert sein soll und viel um Mode. Wie ein Veranstaltungskalender oder der Avastar der Woche findet auch eine Reportage aus der SL-Unterwasserwelt seinen Platz. In einem Inserat offeriert der Avastar SL-Landbesitzern, die einen Avastar-Verkaufsapparat auf ihr Land stellen, Linden-$.

Zufällig besuchte ich die Insel, wie auch schon das Reuters-HQ, an einem Freitagabend, bei Sonnenuntergang. Zu dieser Zeit sind die Büros sehr leer, aber was will das schon heissen in einer globalen virtuellen Welt. Ein Avatar aus Holland, die sich auf der Insel befand, um die News innerhalb des Spiels zu lesen, meinte, der Avastar sei eine sehr gute Zeitung, wenn auch für ihren Geschmack zu sehr auf Klatsch und Mode ausgerichtet. Sie wünschte sich mehr technische News. Das könnte ich auch brauchen, denn was sie mir über ihre Pistole an der Hüfte im Zusammenhang mit Hirnimplantationen erzählte, hab ich nicht verstanden.

Wie auch immer, für ein paar Snapshots haben meine technischen Fähigkeiten gereicht. Hier sind sie:

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Werbung oder Inhalt?

IMG 2069

IMG 2069

IMG 2071

IMG 2071

Quelle: Blick vom 24.01.2006. Das Bild links zeigt einen Ausschnitt von Seite 19, das rechts einen von Seite 8.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Schreck Internet

Dass das Internet eine Seuche ist, wissen wir dank Stefan Kornelius. Dank Anette Dowideit (“der iPod von Apple kann keine mp3-Dateien abspielen“) wissen wir nun auch noch, dass es Umsätze vernichtet.

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SP-Experten beim Blick

Der Blick rechnet heute auf Seite 3 aus, was passieren würde, wenn ein FDP-Vorschlag, die Bundessteuer abzuschaffen, umgesetzt würde. Es kommt heraus, dass die tiefen Einkommen dabei verlieren würden. So weit, so gut. Wenn der kleine Mann verliert, kann das eine grosse Boulevardzeitung nicht kalt lassen.

Nur rechnet das der Blick nicht selbst aus, sondern lässt das ausrechnen. Und zwar von SP-Steuerexperte Matthias Manz. So steht es jedenfalls im Blick. Journalist Simon Spengler schreibt:

Für BLICK hat SP-Steuerexperte Matthias Manz nachgerechnet, was das konkret für verschiedene Einkommensklassen bedeutet.

Richtig, denn sieht man sich die Medienmitteilungen der SP Schweiz an, dann findet man dort fast den ganzen Artikel wieder.

Wer nun meint, wenigstens die Grafik zum Beitrag sei von der Zeitung selbst erstellt, sieht sich getäuscht. Sie ist von der SP-Homepage und nur leicht modifiziert. Zum Vergleich beide Grafiken:

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