Schmerzende Satire

JibJab: “What we call the news”: Leider nur zu wahr und deshalb fast nicht mehr witzig.

Die Flash-Künstler von JibJab haben ein neues Hit-Video veröffentlicht, das sich über den Mist lustig macht, den die US-TV Stationen als News verkaufen. Ich weiss nicht mehr, ob ich lachen oder heulen soll, denn Zeilen wie die “Keine drei Prozent können auf einer Karte Kabul finden, aber 96% haben Britneys Pussycat gesehen” entsprechen wohl den statistischen Tatsachen. Und nicht nur in den USA.

Am Freitag voriger Woche allerdings hat eines der gleichgeschalteten Kabelnetzwerke den Vogel mit einem der vielen Teaser abgeschossen, die jeweils zu Fanfarenklängen vor dem Werbeblock (so ungefähr sechs pro Stunde) verlesen werden: FANFAREEEE! Sprecher: “Und wenn wir zurückkommen: Ein Sechsjähriger bricht in Tränen aus.” FANFAREEE! – Werbung.

Der Teaser war wohl gekürzt worden – der Sechsjährige, den jeder Sender zeigte, über den ich drüberzappte, war in der Schule von seinem vorzeitig aus dem Irak heimgekehrten Papi überrascht worden und hatte vor laufenden TV-Kameras eine herzerweichende “Jöööööhhhh”-Szene hingelegt.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Wired:
Zieht Euch aus!

Das Trendmagazin rät Firmen zur totalen Transparenz.

So mancher Artikel aus dem Silicon-Valley-Magazin “Wired” hat einen neuen Marketingtrend oder ein Startup-Paradigma geschaffen. Der Titelbeitrag der jüngsten Ausgabe ist nicht völlig revolutionär, aber in seiner Aussage doch etwas radikaler als das, was wir bisher über Corporate Blogs gehört haben. Und das Cover-Bild-System lässt sich sehen:

wired1

wired1

Umblättern, bitte…

» weiterlesen

Webstar

Soll, kann man sich überhaupt mit dem Inhalt von Kolumnen oder sehr persönlich gefärbten Blogeinträgen beschäftigen? Vermutlich nicht, denn solange sie die Gesetze nicht verletzen, sind sie nicht mehr als Tropfen im klaren See der Meinungsfreiheit. Es kann jeder denken, sagen, schreiben, was er will. Um so schöner, wenn er dafür bezahlt wird. Wie Philippe Zweifel vom Facts, der sporadisch die Kolumne Webstar schreibt. Jeder dieser undatierten Texte wird so eingeleitet:

Philippe Zweifels Kolumne über Menschen, die dank dem Internet zu (oftmals unfreiwilligem) Ruhm kommen.

Ich weiss nicht warum und es geht mich auch nichts an, aber irgendwie mag Herr Zweifel Leute, die im Internet aktiv sind, nicht. Vielleicht ist er auch nur dafür bezahlt, so zu tun, als ob er Leute, die im Internet aktiv sind, nicht mag. Wie dem auch ist: Aus den Texten trieft die Meinung, dass im Internet aktive Menschen irgendwie nicht ganz richtig sind. Dass sie falsch leben. Dass sie “nicht sexy” und “vermutlich irre” sind. Etwas langweiliges machen. Mit “Menschen, die eigentlich niemand kennen möchte”.

Bemerkenswert ist die Form der Texte, die nicht nur wegen ihren wenigen Schreibfehlern an Blogeinträge erinnern. Somit gehört auch der Autor zu den Menschen, die dank dem Internet zu (oftmals unfreiwilligem) Ruhm kommen. Zum Ruhm, Geld zu verdienen mit Internetpublikationen, die sich über “die Niederungen der Zapruder-Gesellschaft” erheben.

Hier ein paar Zitate aus den Kolumnen inklusive Link zum Nachlesen:

» weiterlesen

Ein umfassender Einblick in Freebase

Neulich hatte ich ja über Freebase und dessen Entwicklungspotential berichtet. Nachdem ich nun eine Einladung erhalten habe (Danke, Jutta :)) und mich intensiver mit dem Dienst beschäftigen konnte folgt hier nun ein zweiter, detaillierter Bericht, der sowohl Einblicke in den Dienst gibt, wie er sich im Moment präsentiert als auch technische Hintergründe.

freebase banner

Das Freebase-Banner

Was ist Freebase?

Freebase ist eine globale Datenbank, die das Wissen der Welt in geordneter und strukturierter Form enthält. Es geht hier also weniger um enzyklopisches Wissen das in erster Linie für den menschlichen Leser gedacht ist, sondern vielmehr um eine Sammlung von Listen, Referenzen und Datensätzen – Eine Wikipedia für Maschinen sozusagen. Der Clou an der Sache ist, dass diese Datensammlung nicht lose aneinandergereiht ist, sondern alle Daten miteinander verknüpft werden. Ein Riesen-Schritt in Richtung semantisches Web, der ultimativen Alles-mit-Allem-Verknüpfung von Daten. Tim O’Reilly vergleicht in seinem Beitrag “Freebase Will Prove Addictive” diese Verbindungen mit den Synapsen eines menschlichen Gehirnes.

Hinter dem Projekt steckt die Metaweb Technologies mit Sitz in San Francisco. Das Unternehmen Metaweb hat eine Technologie und API namens Metaweb geschaffen, auf welcher die Freebase basiert. Das Unternehmen will, laut Eigenauskunft, ihr Geld mit dieser Metaweb-Technologie verdienen.

Der Aufbau von Freebase

Das System ist vollständig objektorientiert aufgebaut. Das heißt, jedes Element in Freebase ist ein Objekt, welches bestimmte Eigenschaften besitzt und mit anderen Objekten verknüpft ist. Jedes Objekt ist einem oder mehreren Typen zugeordnet und verfügt sowohl über eine eindeutige ID als auch einen optionalen Namen. Dieser ist allerdings nicht eindeutig und ist in erster Linie für Menschen gedacht.

Objekte, die dafür für den menschlichen Leser von Interesse sein können, werden “Topics” genannt. Diese bieten einem Objekt zum Beispiel die Möglichkeit, es mit Bildern aufzupeppen.

Die Typen selber sind in Domains hirarchiert, in der Typen ähnlicher Gebiete gruppiert werden. Derzeit gibt es Domains wie beispielsweise /business, /people oder /sports.

freebase_domains.gif

Natürlich würden einem diese einzelnen Objekte herzlich wenig nützen. Das Salz in der Objektsuppe sind die vielfältigen Verknüfpungen der Objekte zueinander. So ist Beispielsweise “Wien” mit “Österreich” genau so verknüpft wie “Arnold Schwarzenegger”, der aber auch mit dem Film “Terminator” verknüpft ist usw. Dadurch ergibt sich letztendlich eine riesige Wolke an Verknüpfungen.

freebase screenshot1

Hier ist das Objekt “Austria” geöffnet. Es gehört den beiden Typen “Location” und “Country” an.

Mehrsprachigkeit

Ein großer Pluspunkt ist, dass die Mehrsprachigkeit von Beginn an vorgesehen ist, gerade bei US-amerikanischen Diensten ist das nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Die Mehrsprachigkeit ist konkret so implementiert, dass die Bezeichner der einzelnen Objekte in mehrern Sprachen hinterlegt sein können – was ja auch logisch ist. Mailand ist ja schließlich auch im englischen Sprachraum die zweitgrößte Stadt von Italien, auch wenn dort die Stadt “Milan” und das Land “Italy” genannt wird. Hier sehe ich auch Potential für semantische Übersetzungstools, welche Anhand des Kontexts die richtige Übersetzung eines Begriffes durchführen.

Lizensierung der Inhalte

Natürlich macht es wenig Spaß, Daten und Arbeit einem Unternehmen in den Rachen zu werfen, das anschließend mit den Daten machen kann, was es will.

Besonders wichtig ist es daher, dass die freie Zugänglichkeit der Daten gewährleistet ist. Im Falle der Freebase wird das durch die Lizensierung der Daten durch die Creative Commons erreicht.

Es werden allerdings drei Unterscheidungen getroffen, was die Typen von Inhalten betrifft: Zum einen die Daten als Ganzes, welche immer unter der Creative Commons Attribution license (CC-BY) lizensiert sind. Die Texte zu den einzelnen Datensätzen unterliegen entweder ebenfalls der CC-BY oder aber der GNU Free Documentation License. Die dritte Unterscheidung betrifft Medien-Daten wie Bilder usw. Diese sind in der Regel public domain, es können aber auch copyright-geschützte Bilder darunter sein, die unter die fair-use Regelung des amerikanischen Rechts fallen. Hier obligt es dem Anwender der Daten zu überprüfen, ob alle Copyrightbestimmungen eingehalten werden.

Verwendet man Daten aus der Freebase, so ist jedenfalls immer eine Namensnennung erforderlich, konkret geschieht dies durch einen Link auf www.freebase.com .

Wer soll das alles eingeben?

Dass die Masse sowohl die Eigendynamik als auch das sprichwörtliche Wissen haben kann, eine solche Datenbank zu erstellen und zu Pflegen sollte selbst den hartgesottenesten Kritikern spätestens seit der Wikipedia klar sein. Die große Kunst ist es nur, diese Masse auch zu mobilisieren.

Die Arbeit selber um einen guten Datenbestand aufzubauen besteht dabei meiner Meinung nach aus zwei Teilen: Zum einen müssen die Objekte erstmal alle Ihren Weg in die Freebase schaffen. Zum anderen müssen anschließend zwischen all diesen Objekten die Verknüpfungen hergestelllt werden.

Was den ersten Teil betrifft, also große Mengen an Grunddaten in das System zu bringen, so ist es unerlässlich, ausgereifte Importfunktionen zur Verfügung zu stellen. Der objektorientierte Ansatz kann es aber durchaus schwierig gestalten, solche Routinen zu schreiben. Ein anderer Weg, die Daten in das System zu bringen ist die API, auf die ich etwas weiter unten näher eingehe.

Der zweite Teil, das Verknüpfen der Daten, ist dagegen mit wesentlich mehr Handarbeit verknüpft. Beim Herumexperimentieren mit der Oberfläche stellt man jedoch fest, dass gerade jetzt in der Anfangsphase, in welcher sich viele Daten noch sehr lückenhaft präsentieren, die Hemmschwelle sehr gering ist, mal eben eine solche fehlende Verknüpfung herzustellen. Im Gegensatz zur Wikipedia muss man sich nämlich nicht erst grammatikalisch halbwegs sinnvolle Sätze ausdenken (was man unbedingt machen sollte bevor man einen Wikipedia-Artikel ergänzt) sondern klickt einfach ein paar mal um die Verknüfpung herzustellen und die Sache ist erledigt.

adding germany

Verknüpfungen herstellen: Hier ergänze ich im Objekt “German” das Feld “countries spoken in” um “Germany”. Natürlich habe ich anschließend noch Austria, Schweiz und Liechtenstein hinzugefügt ;)

Pflegen der Daten

Hauptsächlich gibt es derzeit ein enorm Ajax-lastiges Web-Interface, sowie eine leistungsfähige API, die hauptsächlich für die Nutzung durch automatisierte Dienste vorgesehen ist.

Das Web-Interface bietet Web 2.0 in Reinkultur: AJAX wohin das Auge blickt. Einige Dinge sind noch nicht ganz ausgereift, Metaweb schreibt sich das mit der Versionsbezeichung “alpha” gegenwärter aber auch nicht unbedingt auf die Fahnen. Es macht aber Spaß, sich durch die Oberfläche zu hanglen und ist vom ersten Ansatz her durchaus gelungen.

Die Freebase-API und Metaweb Query Language (MQL)

Die API ist über HTTP realisiert. Anfragen werden mit GET-Parametern gestellt, die Rückgabe der Daten folgt per HTTP-Response.

Die Anfragen werden mit Hilfe der “Metaweb Query Language” (MQL) formuliert. Es handelt sich hierbei um eine Abfragesprache, mit welcher die Daten dem Dienst sowohl entlockt als auch in ihm abgespeichert und verändert werden können. Die MQL orientiert sich an der bereits existierenden JSON-Syntax . Somit sollte es für die meisten Web-Entwickler keine große Hürde darstellen, sowohl die MQL-Syntax zu erlernen, als auch die Daten zu verarbeiten.

Vom Aufbau her gestaltet sich eine Anfrage immer so, dass man jene Teile eines Objektes, welche man kennt im Query angibt und jene Teile, die man abfragen möchte mit Platzhaltern versieht. Sendet man nun die Anfrage an den Server, so erhält man exakt den selben Datensatz zurück, jedoch um die fehlenden Daten ergänzt. Der Umstand, dass das Rad nicht neu erfunden wurde, sondern mit JSON auf bereits existierende Syntax aufgebaut wurde und man somit auf unzählige fertige Parser für alle erdenklichen Programmiersprachen zurückgreifen kann ist ein sehr kluger und durchdachter Schritt.

mql query

Der Query Editor – links die Abfrage, rechts das Ergebnis.

Einschränkungen der MQL

Allerdings hat die Sprache einige Einschränkungen: Oder-Bedigungen sind nur über Umwege durchzuführen und auch ausschließende Bedingungen sind nicht auf direktem Wege möglich. Dieser muss der Programmierer selber durchführen. Ein Beispiel: Man möchte alle Länder filtern, die mit “A” beginnen, aber nicht in Asien liegen. Hier muss man zwei Queries ausführen: Zuerst “Finde alle Länder mit A” und anschließend “Finde alle Länder in Asien, die mit A beginnen” um die Elemente des zweiten Queries vom ersten Ergebnis abzuziehen.

Die Metaweb Query Language bietet aber nicht nur lesenden sondern auch schreibenden Zugriff. Das heißt mit Zuhilfenahme der API können Daten auch automatisiert gepflegt und abgeglichen werden. Hier muss es natürlich Mechanismen geben, um die zwei leidigsten Themen des Web 2.0 zu verhindern: Spam und Vandalismus.

Selber experimentieren

Wer jetzt neugierig geworden ist und selber den Dienst ausprobieren möchte, für den dürfte die größte Hürde es darstellen, dass der Dienst derzeit nicht allgemein zugänglich ist. Wer aber eine Einladung ergattert, der kann sich in der Sandbox austoben. Dies ist eien 1:1 Kopie der “echten” Freebase, auf der munter experimentiert werden darf. Diese ist unter http://sandbox.freebase.com/ zu erreichen. Jede Woche werden die Daten dann neu abgeglichen.

Fazit

Die Idee einer solchen Datenbank ist unglaublich faszinierend und ein weiterer Schritt in Richtung umfassende Wissensgesellschaft. Nach der Wikipedia ist Wissen nicht nur mehr überall nachschlagbar, sondern auch jederzeit filterbar. Die Umsetzung durch Metaweb wirkt sehr rund und durchdacht und auch mit der Wahl, die Daten unter der Creative Commons zu lizensieren sind die Weichen für eine positive Entwicklung des Dienstes gestellt.

Letzten Endes ist es jedoch eine Frage die Massen des Webs zu dynamisieren und zu hoffen, dass dieser Dienst gut angenommen wird.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Sex sells (II)

Blick Online Sex

Blick Online Sex

Screenshot von Blick Online, Stand 03.04.2007, 15:00 Uhr

Blick Online Sex 2

Blick Online Sex 2

Screenshot von Blick Online, Stand 03.04.2007, 19:30 Uhr

Auf Platz 6 Top-20-Artikel zurzeit übrigens “Jessica treibts zu laut für Rom“.

Update am 03.04.2007, 21:30 Uhr: Jessica ist nun auf Rang 5.

Blick Online Sex 3

(Sex sells I)

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Plattenkonzern EMI gibt Kopierschutz auf

Nicht schlecht: Nur zwei Monate, nachdem Steve Jobs von der Musikindustrie gefordert hat, den digitalen Kopierschutz (DRM) für online gekaufte Songs aufzugeben, fällt auch schon der erste Plattenkonzern:

EMI gab gerade in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Apple bekannt, in Zukunft auf DRM verzichten zu wollen, zumindest für einen Teil des Katalogs. Im Moment scheint die freie Musik auf Apples iTunes-Store begrenzt zu sein, aber es ist wohl anzunehmen, dass EMI auch weitere Kanäle nutzen wird.

Das ist ein grosser Sieg für Apple und ein Glaubwürdigkeitsbeweis für Steve Jobs, denn nach dem Aufruf im Februar vermuteten viele, dass es sich nur um ein Manöver zur Ablenkung der Apple-kritischen europäischen Wettbewerbsbehörden handeln könnte.

» weiterlesen

Videoportale:
Sie sind unter uns!

Videoportale: Sie sind unter uns!

Welche Einstellung man auch immer zu Videoportalen und all den teilweise belanglosen Clips dort hat – die meisten von uns kommen früher oder später mit ihnen in Berührung. Sei es durch eine Kollegenmail, die einen “witzigen Film” empfiehlt, durch ein in einer Website eingebettetes Video oder auch ganz freiwillig, wenn man vom Clip seiner Lieblingsband nicht genug kriegen kann.

Videoseiten sind eine der entscheidenden Erscheinungen im Web 2.0, sowohl gemessen an den Userzahlen als auch, was deren Verbreitung betrifft. Auch wenn häufig YouTube als Synonym für sämtliche Videoportale verwendet wird, so ist die Mutter aller Videopages schon lange nicht mehr allein im Web. Neben ihr haben sich viele Anbieter etabliert, die dem Original oft in ihrer Funktionsweise und im Aufbau ähneln, sich aber doch in entscheidenden Punkten von YouTube zu differenzieren versuchen.

Neben YouTube zählt Google Video sicher zu den bekanntesten Videosites. Dementsprechend umfangreich ist dort auch das angebotene Filmmaterial. Auch wenn Google seit der sensationellen Akquisition von YouTube im vergangenen Jahr über zwei Portale zum Hochladen und Streamen von Clips verfügt, wurde bisher noch nicht viel unternommen, um die Dienste einander anzugleichen.

Im Gegensatz zu YouTube, wo die maximale Cliplänge für Standard-User 10 Minuten beträgt, ist bei Google Video auch das Hochladen ganzer Filme möglich. Wie lange, dass bleibt angesichts des steigenden Drucks der Filmindustrie auf die Portale allerdings fraglich. Ein weiteres Feature von Google Video ist die Möglichkeit, Clips runterzuladen und mit der externen Software Google Video Player anzuschauen. Damit ist ein Aufrufen des Browsers nicht mehr notwendig.

Wie YouTube wurde auch das Videoportal Grouper 2006 aufgekauft. Sony verleibte sich die Plattform im August für 65 Millionen US-Dollar ein. Verglichen mit seinen größeren Vorbildern ist die Content-Vielfalt bei Grouper erheblich geringer. Grund dafür ist auch eine Klage von Universal Music gegen Grouper, die dazu geführt hat, dass verstärkt Filtertechnologien eingesetzt werden, um urheberrechtlich geschütztes Material aufzuspüren und zu entfernen – genau dieses macht bei YouTube und Google Video nach wie vor einen erheblichen Anteil aus.

Um das Urheberrecht scheint man sich bei Veoh aus San Diego (noch) weniger Gedanken zu machen. Die Nutzer können dort Videos mit beliebiger Länge und in bester Qualität hochladen. Diese werden mittels Peer-to-Peer-Technik gestreamt, entweder im Flash Player auf der Seite oder im externen Veoh Player. In Anbetracht der großen Zahl von aktuellen Filmen und Serien, die bei Veoh zu finden sind, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis zusätzliche Einschränkungen für den Upload eingeführt werden. Doch vermutlich ist dies das Kalkül der Betreiber, denn diese wissen: Filme und Serien sind beliebter als jeder 5-Minuten-Clip und damit das beste Mittel, um sich schnellstmöglich und medienwirksam als Konkurrent von YouTube zu etablieren.

Bei GUBA mit Sitz in San Francisco ist man bereits einige Schritte weiter und bietet neben den üblichen Mini-Clips “Premium Videos” zum kostenpflichtigen Streaming oder Download an, hauptsächliche aktuelle DVDs. Die Video-Sharing-Funktion dient hier wohl nur noch zur Userbindung.

Metacafe, welches mit dem Claim “Serving the world’s best videos” eine Vormachtstellung beansprucht, unterscheidet sich nur wenig von der Masse. Werden die “Featured Videos” bei YouTube teilweise mehr als eine Million Mal betrachtet, so sind es bei Metacafe rund 50.000 bis 100.000 Views. Momentan fällt mir auch kein Grund ein, warum sich an diesem Verhältnis etwas ändern müsste. Auch Gofish wirkt lediglich wie eine blasse Kopie von YouTube und fällt am ehesten durch den seltsamen Namen auf.

Die zwei US-Dienste Revver und Vimeo gehen dagegen eigene Wege. Revver richtet sich besonders an Nachwuchs- oder Hobby-Filmer, die sich mit Ihren Werken etwas dazuverdienen möchten. Die Clips werden von Revver mit Werbespots versehen. Die Erlöse teilen sich Revver und der Uploader. Bei Vimeo setzt man auf die Vorteiler einer lebendigen Community und weniger auf den Gelegenheitsnutzer, der sich in der Mittagspause ein bisschen berieseln lassen möchte. Anders als bei allen anderen Diensten bietet Vimeo auf der Hauptseite keine Möglichkeit, nach Videos zu suchen, sondern nur versteckt auf den Unterseiten. Besucher sollen sich möglichst direkt registrieren und beteiligen. Jeder User darf 250 MB Filmmaterial pro Woche hochladen.

Videoportale müssen allerdings nicht zwangsweise aus den USA kommen. Mit Dailymotion hat sich eine europäische Alternative etabliert. Das in Frankreich gegründete Unternehmen mit Sitz in Paris expandiert zurzeit in verschiedene Länder und hat lokale Sites unter anderem in Deutschland, Italien, Portugal, Schweden und Rumänien gelauncht. In Anbetracht der zumeist altbekannten Funktionen und Usability ist das Differenzierungsmerkmal von Dailymotion zu YouTube & Co damit hauptsächlich die europäische Herkunft.

Das gilt natürlich auch für die drei bedeutenden Videoportale in Deutschland: MyVideo, Clipfish (was hat nur der Fisch mit den Videos zu tun?) und Sevenload. Siehe dazu mein Beitrag Videoportale weiterhin beliebt bei Investoren weiter unten. Spannend wird es, zu sehen, inwieweit die drei deutschen Anbieter auch in anderen Ländern Erfolge erzielen können. Leicht wird das nicht, betrachtet man die große Zahl an sich teilweise sehr ähnlichen, internationalen Video-Communities. Und natürlich haben viele Länder der Welt eigene, nationale Videoportale, die vielleicht auch eines Tages aus den eigenen Grenzen ausbrechen wollen. Allein in Schweden gibt es mit Bubblare, Fejm TV, Video-Klipp und Miloop mindestens vier Videoportale.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

medienlese – der Wochenrückblick

Knutschi Knuddel Knut, ein noch junger Eisbär aus einem Berliner Zoo, öffnete allen die Augen weit, erhöhte allen die Stimme um ein paar Hertz, formte allen die Lippen zu einem Trichter und liess allen die Hände in die Höhe schnellen – er war der Star der Woche. Der Jahreszeit gerecht und auch weil keine anderen spannenden Themen da waren, kreuzten 500 Journalisten auf, um dem Ereignis, dass ein Jungtier nach einer Bakterienquarantäne das erste Mal ins Freie gelassen wird, beizuwohnen. Natürlich beugte sich die Presse auch in diesem Fall nur dem Willen des Volkes, das, einmal angefixt von zuckersüssen Bildern, kaum genug kriegen konnte. Warum das so ist, erklärte ein Diplompsychologe: “Wir unterliegen alle dem Kindchenschema. Wenn wir ein Tier mit großen Augen und Ohren sehen oder ein Baby, setzt ein Fürsorgereflex ein. Das ist genetisch verankert. Knut ist außerdem noch weiß. Das wirkt auf uns ehrlich, rein und unschuldig. So einen wollen wir beschützen – in Zeiten, wo vieles schlecht, böse und brutal ist. Dass er sterben sollte und seine Mutter verloren hat, ist noch mal ein Extrabonus.” Blick und Heute boten kurzfristige Pilgerreisen an. Auch andere Tiere waren in den Fall verwickelt: Aus Frankfurt bot Affe Sirih Fernhilfe an. Blick enthüllte, dass es auch in der Schweizer Gemeinde Oberbussnang im Kanton Thurgau putzige Tiere gibt und präsentierte vier Lämmchen. Und glaubt man der Bild-Zeitung, blieb Pandabärin Yan-Yan aus Eifersucht auf Knut das Herz stehen.

Der Kleinreport berichtete, ohne sich an der Veranstaltung zu erkennen zu geben, über das Blogcamp in der Zürcher ETH. An der re:publica soll das nicht möglich sein: “Für Pressevertreter steht ein begrenztes Kontingent an Akkreditierungen zur Verfügung. Pressevertreter erhalten ausschließlich bei Akkreditierung über dieses Formular sowie schriftliche Freigabe durch die Veranstalter kostenlosen Zugang zur re:publica. Die Vorlage eines Presseausweises an den Veranstaltungstagen genügt nicht, es werden keine Ausnahmen gemacht”.

Auf sanften Druck der Süddeutschen Zeitung korrigierte Günter Grass seine Aussage, dass die deutsche Presse entartet sei. “Im Übrigen” sagte er: “Was ich bei euch Journalisten beobachte, ist die Unfähigkeit, sich selbstkritisch zu sehen. Ihr sitzt in den warmen Redaktionsstuben mit den mächtigen Auflagen im Hintergrund und fühlt euch da sicher. Aber es gibt Gegenstimmen”. Das Tages-Anzeiger schrieb über eine Internetstudie, die 1’000 Schweizer Passanten fragte, was sie denn für Websites besuchen. Das wurde da und dort in Frage gestellt, unter anderem, weil die Homepage der Universität Lausanne in den Top Ten erschien. Ein Kommentar an anderer Stelle und zu einem anderem Eintrag stellte fest: “Das Schlimmste ist, dass ehemals gut gemachte Produkte wie der Tagi meinen, sich der grassierenden Verronorpisierung anpassen zu müssen, um modern zu sein.”. Ronorp‘s Wisi schrieb derweil über Heute‘s Claudia. Kathrin Passig gab zu, keine deutschen Blogs zu lesen und media.slug.ch kam zurück. Der Trainer der Schweizer Fussballer hielt an einer Pressekonferenz eine geöffnete Bierdose in der Hand (unter dem Tisch) und Juan Isidro Casilla erzählte, sogar die New York Times habe über seinen Fall geschrieben – die Meldung sei herumgegangen “wie Heu”.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Wurde Blick-Sportchef wegen Blog-Kommentar entlassen?

Hat Blick- und SonntagsBlick-Sportchef Marcel Siegenthaler seinen Job verloren, weil er Kommentare gemacht hat im Weltwoche-Blog Nationalmannschaft und diese von der Weltwoche zitiert wurden? Das behauptet jedenfalls Weltwoche-Blogger Walter de Gregorio:

Lieber Marcel Siegenthaler
Du hast heute Deinen Job als Sportchef von “Blick” und “Sonntagsblick” verloren, weil Dich meine Kollegen im Zürcher Hauptstadtbüro im Editorial der “Weltwoche” zitiert haben.
Das finde ich im Fall gar nicht lustig. Dass auch Köbi Kuhn bald entlassen wird, ist ein schwacher Trost.
Aber im Ernst: Ich finde es als Kollege wirklich nicht lustig.
Kopf hoch, lieber Marcel. And take care.
Herzlich, Walter

Der Reihe nach:

» weiterlesen

Interview mit Benjamin Rüegg von media.slug.ch zum Relaunch

Benjamin Rüegg

Benjamin Rüegg (Bild, Copyright: Gerry Amstutz), Heute-Angestellter und Boss des Schweizer Blog-Aggregators slug.ch, hat die Unterseite media.slug.ch, die leider in den letzten Wochen vorübergehend im Orkus des Internets verschwunden war, neu gestaltet und aufgepeppt.

Ursprünglich vermutlich unter anderem dazu gemacht, um die eigenen Redaktoren über die Reaktionen aus der Webwelt zu informieren, ist es unterdessen ein Info-Tool für Journalisten aller Redaktionen. Sowas wie Google News für Medienleute, im Unterschied, dass (vorerst) Blogs im Zentrum stehen. Es wird alle paar Minuten aktualisiert und bietet “Schweizer Medien im Überblick”. Der grosse Vorteil gegenüber dem Lesen einzelner Medienblogs ist, dass man so auch auf neue, unbekannte Blogs stösst oder an Medienstories aus Blogs herankommt, die nicht ausschliesslich über Medien schreiben. Unterteilt ist es in mehrere Bausteine:

1. Die Blogs

Wenn ich es richtig verstanden habe, funktioniert das so: Alle bei slug.ch angemeldeten Blogs werden auf bestimmte Suchbegriffe durchsucht. Erfüllen sie die Kriterien, tauchen sie hier auf. So kommt es, dass nicht jeder hier erscheinende Beitrag sich auch tatsächlich dem Thema Medien widmet, aber geschätzt funktioniert das so bei 90%. Und etwa 10% die auftauchen sollten, tauchen nicht auf. Eine ganz gute Quote, die sich durch ständige Optimierung sicher noch verbessert.

2. Die Nachrichten der Medienmagazine

Sind auf der Hauptseite in der rechten Spalte unter Nachrichten zu finden – eigenständig unter News. So bleibt man informiert über die Personalwechsel in den Redaktionen und erfährt auch, was der Präsident des Verbands Schweizer Presse, Hanspeter Lebrument, gesagt hat. Nämlich dies: “Zeitungen werden bald nicht mehr in gedruckter, sondern in elektronischer Form erscheinen“.

3. Shortnews

Die Shortnews von anderen Portalen werden via msn.com und ask.com gesammelt und bieten eine weitere Möglichkeit, sich über Medienthemen zu informieren.

Während alle Artikel aus den Medienmagazinen erscheinen, werden die Blogs und die anderen Portale nach Keywords gefiltert. Welche das sind, ist nach wie nicht bekannt, aber ich schätze, man liegt nicht falsch, wenn sich vorstellt, dass Begriffe wie “Journalist”, “Journalismus”, “Medien”, “Media” sowie die Namen von einzelnen Titeln dabei sind.

Was kann gegen media.slug.ch eingewendet werden? Etwa die gleichen Dinge wie gegen Google: Contentklau, undurchsichtige und nicht öffentlich gemachte Algorithmen, arbeitslos gemachte Menschen, die mal Redakteure waren.

Das Geheimnis, mit welchen Schlüsselwörtern er seine Suchroboter füttert, löst Beni Rüegg auch im kurzen E-Mail-Interview nicht ganz auf, das wir mit ihm geführt haben. Dafür erzählt er von möglichen Weiterentwicklungen von slug.ch und media.slug.ch:

» weiterlesen

  • Sponsoren