Deals mit Journalisten

Erich Vogel, 68, ist neuer Präsident des Schweizer Fussballclubs GC Zürich. Er ist seit 45 Jahren im Fussballgeschäft und hat unter anderem von Sepp Blatter gelernt, wie man mit den Medien umgeht. In einem Interview (Text / Video) mit Roger Schawinski erzählt er davon.

Über Erich Vogel haben wir schon einmal geschrieben hier bei medienlese.com. Und zwar am 18.04.2007, als der Blogger der Weltwoche, Walter de Gregorio, drei Gerüchte in die Welt setzte, die bis zu ihrer offiziellen Bestätigung von den hiesigen Medien ignoriert wurden.

Was man daraus lernen kann? Dass es sich lohnen kann, Weblogs zu lesen. Denn alle drei Gerüchte haben sich mehr oder weniger bewahrheitet. Murat Yakin wurde zwar nicht Trainer, aber immerhin Trainerassistent mit Aussicht auf Erbe (weil die zum Trainer nötigen Diplome noch fehlen). Krassimir Balakow wurde entlassen und Erich Vogel wurde Sportchef (und Vizepräsident), wie angesagt.

Erich Vogel


(Bild: Screenshot weltwoche.ch)

Mit wem der Weltwoche-Journalist die drei Mojitos und vier Bier getrunken hat, ist noch immer unklar. Dafür konnte Erich Vogel im Interview die nicht immer über alle Zweifel erhabene Nähe zwischen Sportjournalisten und Sportlern beleuchten. So erzählt er von Spielern, die auch nach schlechten Spielen von Journalisten gute Noten erhalten:

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medienlese – der Wochenrückblick

ZDF setzt Dieter Thomas Heck ab“, meldete die Berliner Morgenpost über den “Erfolgsmoderator”. Sein langjähriger Arbeitgeber hingegen, das ZDF, schrieb, er wolle seine Tätigkeit “auf eigenen Wunsch hin” reduzieren. Felix Schwenzel enthüllte das Geheimnis des Bloggens: “erfolgreiche a-blogger sagen ja angeblich, man soll ja so schreiben als ob man mit einem guten freund spricht”. Weltwoche-Journalist Urs Paul Engeler wollte wissen, wo genau sich in seinen Artikeln Fehler eingeschlichen haben. Presseverein.ch konnte, ohne pingelig sein zu wollen, aushelfen. Mündlich wurde mir übermittelt, dass sich Engelers Boss, Roger Köppel, in ein Gespräch zwischen zwei Leuten an einem Easyjet-Gate, die sich über falsche Fakten in einem Harry-Potter-Artikel unterhielten, eingeschaltet haben soll. Sowas sei ihm nicht egal und auch er habe sich darüber geärgert. Diese online leider nicht auffindbare Notiz konnte offenbar bei den versammelten mitgehörten Gesprächen im Tagesspiegel am Sonntag gelesen werden.

Handelsblatt-Blogger Thomas Knüwer hatte in einer Woche zwei Liveauftritte: Am Mittwoch eine angeblich unsäglich schlechte und an Masochismus grenzende Videoperformance und am Sonntag ein Echtzeit-Bloggen über die Leseerfahrung eines Harry-Potter-Buches. Zu den nach der Einstellung der ARD- und ZDF-Tour-de-France-Berichterstattung verbliebenen Radsportfans schrieb er: “Wer jetzt noch zuschaut, ist entweder so dumm, dass er Doping nicht begreift – oder es ist ihm völlig egal.”

Matthias Ackeret, Chefredaktor der Medienzeitschrift Persönlich rot, veröffentlichte kürzlich ein Buch über die Führungsprinzipien des Schweizer Ministers Christoph Blocher. Constantin Seibt vom Tages-Anzeiger las es und schrieb: “Der Interviewer Matthias Ackeret ist der perfekte Enkel: unermüdbar liefert er Stichworte. Unermüdbar bleibt er höflich. Und unermüdbar geht er den interessanten, dunklen Punkten aus Opas Leben aus dem Weg. So lässt Ackeret Opa Blocher wieder und wieder von dessen «mutigster Entscheidung» erzählen (…)”. Das Buch verkauft sich gut. So gut, dass es persoenlich.com wert war, die Meldung, die erste Auflage sei bereits ausverkauft, zu platzieren. Wo? Auf persoenlich.com, dem Internetportal der Zeitschrift Persönlich rot. Netzjournalismus.de vermutete eine Zusammenarbeit zwischen Krombacher und Stern-TV und 20Minuten schrieb ausführlich über Toyboy-Automaten. In einem anderen Text schrieb 20 Minuten: “Haben Sie geglaubt, dass Paparazzi die Promis mit ihren Kameras ‘erwischen’? Dann waren Sie wohl sehr naiv”. Äh ja, das bin ich wohl.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

“Ja, ich muss ja ansetzen.”

Ein Beitrag des ZDF-Magazins Frontal21 sorgte in den vergangenen Tagen für eine frische Brise in der Blogosphäre. Mit der Metapher vom Bumerang könnte man die Vorwürfe zusammenfassen, die sich gegen das ZDF richteten. Wir dokumentieren hier das vollständige und aufschlussreiche Transkript eines Interviews, das für die Sendung geführt wurde.

Es ging in der Sendung vom 17. Juli um “Gekaufte Beiträge” in deutschen Radiosendern, besser gesagt: Privatradiosendern. Beiträge, denen PR-Material in Audioform als Grundlage dient. Man staunte beim Ansehen ob der Ahnungslosigkeit eines jungen Radio-Programmchefs, der den Rundfunkstaatsvertrag nicht wirklich zu kennen scheint, und sah sich bestätigt in der Annahme, dass es bei den Privaten nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich nicht gerade auf hohem Niveau zugeht. Schleichwerbung und ungekennzeichnete PR im Radio: Ein wichtiges Thema, unbestritten.

Doch dann meldete sich der Rückkanal.

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Mobile Computing:
Viel Bewegung, wenig Fortschritt

Vor eineinhalb Jahren habe ich in diesem Blog mal darüber spekuliert, wie die nähere Zukunft der tragbaren Computer aussehen könnte. Und mit tragbar meine ich nicht die üblichen Laptops, sondern Geräte, die man sich wirklich in die Tasche stecken kann.

MobiledevicesSeither ist relativ viel passiert: Bemerkenswerte neue Minicomputer — oft als “Handtop” bezeichnet — von OQO, Sony, Flipstart und Motion sind auf den Markt gekommen. Tablet PCs sind inzwischen so salonfähig geworden, dass selbst Massenanbieter wie Dell auf diesen Zug aufgesprungen sind. Microsoft und seine Verbündeten haben zur CeBit 2006 mit viel Lärm den “Ultra-Mobile PC” (UMPC) lanciert. Die einst so nüchterne Blackberry-Linie hat multimedialen Zuwachs bekommen. Und nicht zuletzt sind mit dem Apple iPhone und den Top-Geräten aus dem Hause Nokia Smartphones auf den Markt gekommen, die leistungsmässig mehr mit PCs als mit klassischen Handies zu tun haben.
Alles wunderbar, und doch ist der echte Fortschritt im Markt eigentlich enttäuschend: Tablet PCs hatten 2006 gerade mal einen Marktanteil von 1.4%. Die noch ausgefalleneren Handtops sind im Markt noch so unbedeutend, dass sie gar nicht erst in den Statistiken auftauchen. Der UMPC ist ein veritabler Flop. Und Smartphones machen immer noch erst 10% des globalen Mobiltelefonmarktes aus, deutlich angeführt von dem inzwischen auch schon ziemlich angestaubten Symbian-Betriebssystem.

Auch der Fortschritt hinsichtlich Funktionalität der Mobilgeräte überzeugt nicht. Die letzte echte Innovation mit praktischem Wert war vermutlich Push-eMail. Seither versuchen die Hersteller nur noch, immer mehr aus den bestehenden Plattformen herauszukitzeln oder ihre übergewichtigen Desktop-Betriebssysteme in tragbare Geräte hineinzuquetschen. Neue Features wie eingebautes GPS haben von der Produktreife her erst den Status von Spielereien für geduldige Gadgetfreaks erreicht. Neue Userinterface-Elemente wie Handschrifterkennung können noch immer nicht wirklich überzeugen.

Da fragt man sich doch: was läuft hier falsch? Ich glaube, dass es drei Gründe für diese etwas unbefriedigende Entwicklung gibt:

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Machtkampf:
Facebook auf Deutsch vs studiVZ

facebookstudivz.gifNoch 2007 möchte Facebook lokale Versionen an den Start bringen, darunter auch eine auf Deutsch. Das wurde mir aus Facebook-Kreisen bestätigt. Damit gibt es keinen Zweifel mehr daran, dass sich zwischen studiVZ und Facebook innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate ein harter Kampf um die deutschen Nutzer entwickeln wird. Angesichts der Größe und Bedeutung beider Social Networks in ihren jeweiligen Stammmärkten kann man ruhigen Gewissens von einem Showdown im deutschsprachigen Internet sprechen. studiVZ hat im Moment rund drei Millionen aktive Anwender in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Facebook verfügt über etwa zehnmal so viele Mitglieder, hauptsächlich im englischsprachigen Raum. In Europa zählen mittlerweile auch Norwegen und Schweden zu Facebook-Hochburgen. Die Zahl der Facebook-User aus Deutschland liegt schätzungsweise zwischen 50.000 und 100.000. » weiterlesen

Mobile Tagging:
Hyperlinks im realen Leben

Als ich das erste Mal von Hyperlinks im realen Leben las, klang das für mich absurd. Wie sollte das funktionieren und wozu könnte es gut sein? Doch tatsächlich ist das so genannten “Mobile Tagging” eine sehr simple und praktische Sache, die den (mobilen) Internetalltag in Zukunft stark vereinfachen kann. Beim Mobile Tagging wird ein 2D-Barcode auf einem beliebigen Objekt angebracht. Dieser Code enthält einen Link zu einer Website. Mit geeigneten Smartphones und PDAs, die über eine Kamera und einen installierten Barcode-Reader verfügen, kann der Code fotografiert werden. Die Reader-Software liest den enthaltenen Link und öffnet ihn im Browser des Mobiltelefons. Je nach Hersteller, Handymodell und Art des 2D-Barcodes existieren unterschiedliche Reader-Programme. Mit einer Standardisierung der Mobile-Tagging-Technologie ist zu erwarten, dass sich ein oder zwei Systeme durchsetzen werden. » weiterlesen

Monika Piel:”Paukenschlag umsonst gesetzt”

Die ARD merkt, dass die Tour de France auch nach ihrer medienwirksamen moralischen Handlung weitergeht. Die zukünftige Haltung der Öffentlich-Rechtlichen wird zu reden geben.

“In Wahrheit gibt es nur Verlierer” und “die vermasselte Tour”. So wurde die Realität gestern Abend in den Tagesthemen, der Abendinformationssendung der ARD (Video, 29:16 Minuten), beschrieben. Man beklagte sich auch, dass andere deutsche Medien, private, nicht die eigenen Moralvorstellungen teilen. Der Sprecher sagte:

Die Tour, sie geht weiter, auch nach dem Ausstieg von ARD und ZDF. Dass die Bekämpfung von Doping ein mühsames Geschäft ist, wurde heute nur allzu deutlich. Nicht einmal die Medien ziehen an einem Strang.

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6 zum Tour-de-France-Ausstieg der Öffentlich-Rechtlichen

“Deutsche Sender wie verängstigte Touristen” | “Deutsche Heuchelei” von ARD und ZDF
(welt.de) | (handelsblatt.de)
Die internationale Presseschau.

Meinungsdoping bei Franz Josef Wagner
(bildblog.de)
Franz Josef Wagner kritisiert in seiner “Bild”-Kolumne ARD und ZDF im Zusammenhang mit der Tour de France.

Medienmacht contra Moral – SAT 1 springt in die Lücke von ARD und ZDF
(ondemand-mp3.dradio.de, Audio, 8:54 Minuten)
Ein Gespräch mit dem Medienwissenschaftler Jo Gröbel, Direktor des Deutschen Digitalen Instituts Berlin.

Eurosport verdreifacht Tour-Einschaltquoten
(netzeitung.de)
Der Tour-Boykott von ARD und ZDF hat auch einen Gewinner: Der Sender Eurosport. Viele Radsportanhänger schauen nun dort das Radrennen.

Das Reinheitsgebot
(tagesspiegel.de, Malte Lehming)
Im Sport, dem Leistungssport zumal, wird seit jeher gedopt. Wer erwischt wird, scheidet aus. So läuft das Spiel. Warum das Thema Doping eine deutsche Obsession ist, die andere Völker verwundert.

Einbildung der Ausblender
(faz.net, Jörg Hahn)
Das Fernsehen ist als Dopingrichter ungeeignet.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kaufen statt kopieren

techcrunch_inviteshare.gifErfolgreiche Webangebote werden gerne kopiert. Das es auch anders geht, zeigt TechCrunch. Der stark frequentierte und mit Investorengeldern finanzierte US-Blog wollte eine Community starten, bei der Einladungen zu in der Beta-Phase befindlichen Webdiensten getauscht werden sollten. Doch mit InviteShare kam ein anderer Dienst dem TechCrunch-Team zuvor. Statt mit der Entwicklung eines eigenen Angebots fortzufahren, entschied man sich, InviteShare, das mittlerweile bei einer Onlineauktion zum Verkauf stand, kurzerhand zu übernehmen. Kurios: TechCrunch hatte einige Tage zuvor über die Seite berichtet und sie in Web-2.0-Kreisen bekannt gemacht. TechCrunchs Chefredakteur Michael Arrington hält es für wahrscheinlich, dass man damit letztlich den Auktionspreis in die Höhe getrieben hat. Gut, dass rund um das Silicon Valley Geld in diesen Monaten eher eine untergeordnete Rolle spielt.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog zweinull.cc veröffentlicht. Im Mai 2008 wurden zweinull.cc und netzwertig.com zusammengeführt.

Sat.1 schnappt sich die Tour

Der Fernsehsender Sat.1 macht das Beste aus dem Entscheid der Öffentlich-Rechtlichen, die Tour de France nicht weiter zu verfolgen, und überträgt sie per sofort auf dem eigenen Sender.

Heute morgen hab ich geguckt, wie die ARD- und ZDF-Entscheide bei ihrem Publikum angekommen sind. Während fast zwei Drittel der ARD-Leser mit dem Entscheid unzufrieden sind, halten sich die ZDF-Leser etwa die Waage.

ARD Tour de France Ausstieg UmfrageZDF Tour de France Ausstieg Umfrage

Heute abend dann war die ARD-Umfrage verschwunden und die ZDF-Umfrage genau hälftig.

Inzwischen wurde die freigewordene Lücke dankbar von Sat.1 besetzt, die heute um 15 Uhr mit ihrer Live-Übertragung begann (da war auf der Sat.1-Homepage noch nichts zu lesen von Radsport). Sueddeutsche.de hat den Start der Übertragung livegebloggt.

Sat.1 kann nun ablenken von der Einstellung ihrer Mittags-Shows, die Nachrichtenmagazine genannt wurden (was, mir unverständlich, viele vor den Kopf gestossen hat).

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